Exodus 17,8-13
2 Timotheus 3,14 - 4,2
Lukas 18,1-8
Der ausgewählte Bibeltext zum 29.Sonntag im Jahreskreis C:
Evangelium: Lk 18,1-8
In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern durch ein Gleichnis, daß sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie läßt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?
Mittwochsgedanken zur Sonntagspredigt:
100 % Erfolgsgarantie !
Die Geschichte tut richtig gut: eine tapfere Frau, eine Witwe, lässt sich von einem korrupten Richter nicht unterkriegen und erkämpft sich mit unglaublicher Zähigkeit ihr Recht – das wäre heute ein Thema für die Titelseite der bekannten Zeitung mit den vier fetten Großbuchstaben.
Wir erfahren nichts Näheres über die Person der Witwe und ihr konkretes rechtliches Problem. Als Witwe war sie zur Zeit Jesu arm dran, ohne männlichen Schutz und ohne finanzielle Versorgung. Nun wollte sie da offenbar jemand über den Tisch ziehen und ihr vielleicht ihr Haus abknöpfen – wer weiß.
Die Frau kämpft jedoch wie eine Löwin um ihr Recht. Schließlich steht ihre Existenz auf dem Spiel. Sicher denkt ihr Feind, dass sie schon verloren hat, bevor sie überhaupt anfängt. Null Chance. Geld zur Bestechung des Richters hat sie ohnehin nicht. Sie sollte aufgeben, es ist doch sinnlos!
Immer und immer wieder kommt sie in die Sprechstunde des Richters. Und geht ihm damit mächtig auf die Nerven.
Sie verlangt ständig, dass er ihr Recht verschafft. Recht haben und Recht bekommen ist nämlich zweierlei, auch heute noch. Der Richter hat absolut keine Lust, sich für sie zu engagieren. Bringt ihm doch nichts ein!
Die Witwe hält den ständigen Misserfolg aus. Fast täglich steht sie beim Richter auf der Matte, und sicher wird sie dabei auch laut – das ist schon fast unverschämt! Er wird sie einfach nicht los. Allmählich bekommt er es mit der Angst zu tun. Temperamentvoll, wie sie ist, könnte sie ihn öffentlich ohrfeigen – das wäre dann das Stadtgespräch! Welch ein Skandal wäre das!
Und so kommt das happy-end: er hilft der aufdringlichen Person, um endlich seine Ruhe zu haben, und sie kommt zu ihrem Recht und kann leben.
Natürlich will Jesus mit diesem Gleichnis seinen Jüngern und uns heute damit ein Thema verständlicher machen: es geht ums Gebet. Oder genauer: es geht um unser Bittgebet zu Gott, um unsere Bitten, Gerechtigkeit auf Erden zu schaffen.
Oft genug ringen wir bei öffentlichen und privaten Katastrophen nach Luft: Wie kann Gott das nur zulassen? Wann endlich wird er Recht schaffen und dem Bösen endgültig Einhalt gebieten?
Jesus weicht nicht aus. Er sagt glasklar: Gott wird Recht schaffen, das ist noch sicherer als das Amen in der Kirche. Er gibt 100 % Erfolgsgarantie!
Aber Gott ist kein Automat, der dann und wann, wenn wir es gerne so hätten, ein Päckchen Hilfe ausspuckt! Am liebsten gleichzeitig für den einen den Regen, den er sich dringend für seine Pflanzen wünscht, und dem anderen die Sonne für den erholsamen Urlaub.
Darum geht es Jesus nicht. Er hat das Reich Gottes mit Gerechtigkeit für alle im Blick. Mit diesem Gleichnis sagt er: Betet so energisch um das Kommen des Reiches Gottes (Vaterunser!), wie diese Witwe um ihr Recht kämpft. Beten ist auch so etwas wie ein Kampf. Lasst euch nicht dauernd einreden, das Gebet wäre ohnehin vergeblich. Es ist definitiv nicht aussichtslos, sondern im Gegenteil. Gott wartet regelrecht darauf. Man soll Tag und Nacht schreien, ja geradezu „brüllen“ (so könnte man das griechische Original auch übersetzen), was heißen soll: mit dieser Ausdauer zeigst du, dass du an die Hilfe Gottes glaubst und seiner Verheissung vertraust. Sonst würdest du bald aufgeben.
Wer kein Ziel kennt, braucht gar nicht erst loszulaufen.
Tag und Nacht beten heißt nicht: ohne Schlaf auskommen und irgendwann tot umkippen. Es meint: das Beten soll nicht eine Handlung sein, die man hin und wieder, wenn einem gerade danach ist, mehr oder weniger gut verrichtet. Es soll eine Lebenseinstellung sein. Es soll mein Leben prägen und tragen. Immer und überall. Ein Mönchsvater schrieb darüber, man solle beten „beim Schlafen und Essen und in der äußersten Notdurft des Leibes“…
Das Gebet, der Kontakt mit Gott, soll so selbstverständlich sein wie das Atmen, mehr eine Sache des Herzens als des Mundes. Viele denken, auf die Mühe verzichten zu können, das einzuüben, weil anderes dringender als das Beten ist. Das ist in etwa so intelligent wie: Wenn ich kurz vor dem Verhungern bin, kann ich das ja durch schnelleres Atmen ausgleichen…
Von den Mönchen kennen wir das „immerwährende Gebet“, z.B. immer wieder „Jesus Christus, erbarme dich!“ – Da muss jeder seine eigene Art, seinen eigenen Rhythmus finden, mit dem Gebet im Herzen zu leben. Das ist fast so, wie wenn man verliebt ist: Man kann gar nicht anders, als an sein geliebtes Gegenüber zu denken, nur hier geht einem der liebende Gott nicht aus dem Kopf!
Jesus mahnt uns: das Reich Gottes wird sich durchsetzen. Habt Vertrauen! Haltet eure Wüsten und Trockenheiten aus! Nehmt euch die Zähigkeit dieser Witwe zum Vorbild! Die Schwierigkeiten mit dem Beten sind nicht neu und nicht nur deine und meine Probleme. Selbst berühmte Heilige haben darunter gelitten, dass ihr Gebet vermeintlich keine Antwort von Gott erfuhr. So hat z.B. Mutter Teresa aus Indien in jetzt veröffentlichten Briefen u.a. geschrieben: „Es gibt so viel Widersprüchliches in meiner Seele…, damit verbunden das Gefühl, nicht gewollt, ja zurückgestoßen zu sein von Gott…“
Wir fragen vielleicht: „Wo ist Gott, der mich hört?“ Der letzte Satz des heutigen Evangeliums fragt anders herum. Gott fragt danach, wo die Menschen sind, die ihn bitten. Jesus zweifelt nicht an Gottes Hilfe, aber er hat aus Erfahrung Sorge, ob wir Menschen den Glauben in Zeiten der Dürre und in Zeiten der Mutlosigkeit bewahren werden.
Wird er bei dir, wenn er kommt, Glauben vorfinden? Wenn’s mal schwer fällt: denke an Jesus und die 100 % Erfolgsgarantie!
Mein Linktipp der Woche:
http://www.gcl.de/Geistlicher_Impuls/geistlicher_impuls.html
Wöchentlich -meist freitags- gibt es bei der GCL (Gemeinschaft christlichen Lebens) aus Augsburg einen „geistlichen Impuls“ zum kommenden Sonntag.
