Jes 55,1-3
Röm 8,35.37-39
Predigt zum Evangelium:
Mt 14,13-21
Evangelium: Mt 14,13-21
In jener Zeit, als Jesus hörte, daß Johannes enthauptet worden war, fuhr er mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren.
Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!
Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Darauf antwortete er:
Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übriggebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:
Gebt ihr ihnen zu essen!
Das kennen wir leider alle auch: Es gibt solche Tage, die man am liebsten aus dem Kalender streichen würde. Oft ist es eine schlechte Nachricht, die uns regelrecht umhaut, vielleicht über eine Krankheit oder einen Unfall in unserem persönlichen Umfeld. Solch ein schlechter Tag könnte es bei Jesus auch werden. Soeben hat er eine ganz bittere Nachricht erhalten. Johannes der Täufer ist enthauptet worden, und zwar wegen seiner öffentlichen Kritik an Herodes. Dieser lebte in einem ehebrecherischen Verhältnis mit seiner Schwägerin und Nichte Herodias (Mt 14,3-12).
Deren Tochter Salome wünschte sich seine Ent-
hauptung als Lohn für einen Tanz zum Geburtstag des Herodes – ein bekannter Stoff für viele Filme und Gemälde.
Jesus ist so von Trauer erfüllt, dass er jetzt allein sein will. Wir haben gerade gehört, dass er mit einem Boot auf dem See fährt, um erst einmal Abstand zu bekommen, zu beten und nachzudenken. Dieser Schock macht ihm aber auch einmal mehr klar, wie man mit ihm selbst verfahren wird.
Auch seine Jünger können ihm in seiner Trauer nicht beistehen, er ist allein.
Doch diese Auszeit, die Jesus sich genommen hat, hält nicht lange an.
Vom Ufer aus haben ihn viele Menschen erkannt. Sie gehen ihm am Ufer entlang hinterher. Sie suchen seine Nähe, sein Wort und auch Heilung.
Die Auszeit ist aus.
Sie lassen ihm keine Zeit für Trauer. Jesus wird dringend gebraucht, denn diese Menschen wollen wissen, was dieser berühmte Rabbi ihnen zu sagen hat. Sie hungern nach seinem Wort. Dafür sind sie ihm bis an diesen abgelegenen Ort gefolgt. Als Jesus die Menge sieht, hat er Mitleid mit ihnen, wie es im Evangelium heißt.
Er steigt aus und kümmert sich um sie, spricht mit ihnen und heilt die Kranken, die bei ihnen sind. Offenbar haben sie ihre Kranken nicht im Stich gelassen, sondern ihnen geholfen, diesen weiten Weg zur Begegnung mit Jesus irgendwie zu schaffen. Das beeindruckt sicher auch Jesus.
Die Begegnung mit der Menge zieht sich jedoch in die Länge. Es sind viele, und Jesus nimmt sich offenbar Zeit für jeden. Während Herodes kurz zuvor mit Gewalt ein Leben genommen hat, schenkt Jesus nun vielen ein neues Leben. Worüber er zu ihnen spricht, wird im heutigen Evangelium gar nicht verraten. Etwas anderes steht im Mittelpunkt des Interesses.
Jetzt erst treten die Jünger Jesu in Erscheinung. Im Evangelium heißt es: „Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abge-
legen, und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.“ - Ja, so sind sie, die Jünger: Ihnen wird die Zeit lang.
Sie werden unruhig, weil Jesus mal wieder nur voller Mitleid an die hilfesuchenden Menschen denkt, ohne die organisatorischen Probleme zu sehen.
Der Meister kommt nicht zum Ende, und dabei wird es doch schon bald dunkel! So können sie sich nicht mehr bremsen und schreiten gemein
sam ein; keiner will alleine zu Jesus gehen, um ihn zu kritisieren.
Ihre Formu-
lierung ist brutal deutlich:„Schick doch die Menschen weg!“ Sie wollen sagen: Genug ist genug. Mach endlich Feierabend! Gleich ist es Zeit zum Abendessen!
Natürlich haben sie einen guten Grund für ihre Sorge. Wenn die Leute noch länger dableiben, muss man sich etwas einfallen lassen für ihre Verpflegung. Und da wissen sie beim besten Willen nicht, wie das bei einer solchen Menge gehen soll.
Außerdem - mal ganz unter uns gedacht, so von Jünger zu Jünger: In spätestens 1 – 2 Stunden müssen die Leute sowieso gehen, sonst tappen sie im Dunkeln bis in die nächsten Dörfer, wo sie irgendwie für die Nacht unterkommen könnten. Als Praktiker kann man da schon mal ein bisschen verärgert reagieren: diese Leute haben wirklich Nerven, den Chef so lange aufzuhalten!
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