30.09.2008

27.Sonntag im Jahreskreis A - 05.10.2008


Jes 5,1-7

Phil 4,6-9

Predigt zum Evangelium:

Mt 21,33-44





Evangelium: Mt 21,33-44

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erstemal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder? Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt,

den wird er zermalmen.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:


Blutrausch im Weinberg


Heute wird in den meisten Pfarrgemeinden Erntedank gefeiert. Erntegaben schmücken den Altarraum. In den Gottesdiensten wird dem Herrn von Herzen gedankt für die gute Ernte des Jahres. Vielerorts haben sich schöne Traditionen dazu entwickelt. Gläubige Menschen sind sich durchaus bewusst, dass ein Leben ohne Hunger und Not nicht selbstverständlich ist. So wird an diesem Tag auch ganz besonders an Notleidende in aller Welt und an die Bewahrung von Gottes Schöpfung gedacht.


In krassem Gegensatz dazu scheint das heutige Evangelium zu stehen. Was wir da erleben, das ist geradezu ein ideales Thema für einen aufregenden Kriminalfilm. Als Titel könnte ich mir vorstellen: „Blutrausch im Weinberg“.

Da fließt tatsächlich viel Blut: das von einer ganzen Reihe von Knechten und das vom einzigen Sohn und Erben des Weinbergbesitzers. Für den Staatsanwalt wäre der Fall schnell klar formuliert: Brutaler gemeinschaftlicher Mord aus niedrigen Beweggründen in mehreren Fällen. Also wirklich Krimi-Kost mit garantiertem Gänsehaut-Effekt für die Zuschauer. Und so etwas am Erntedankfest und von Jesus erzählt…!


Doch erst einmal der Reihe nach! Das heutige Evangelium steht innerhalb einer ganzen Reihe von Gleichnissen. Es ist im Grund die Fortsetzung vom vergangenen Sonntag. Da ging es um die beiden Söhne des Weinbergbesitzers und ihre Probleme mit dem Wörtchen „JA“, wenn Mithilfe im väterlichen Weinberg vom Vater erbeten wird. Wir erinnern uns: „JA“ sagen und „JA“ tun ist noch lange nicht das Gleiche. Für die Arbeit im Weinberg des Herrn werden Menschen gebraucht, die nicht nur reden, sondern die mithelfen, die anpacken.

Die Leute im heutigen Evangelium packen an, allerdings anders als erwartet. In seinem Gleichnis, das Jesus ausdrücklich an die religiösen Führer seiner Zeit und seines Volkes richtet, schildert Jesus einen ganz praktischen Fall: Ein Gutsbesitzer hat einen neuen Weinberg angelegt und dabei ganz offensichtlich alles gut und richtig gemacht. Ein Zaun rings um das Grundstück soll vor unerwünschten Erntehelfern schützen, also vor Tieren und vor allem vor Früchte-Dieben. Diese spezielle Art von Selbstbedienung war also damals schon bekannt. Sogar ein Turm wurde gebaut, der üblicherweise als zeitweilige Unterkunft für Erntehelfer diente, aber eben auch zum rechtzeitigen Erkennen von Gefahr z.B. durch Überfälle. Zur perfekten Grundausstattung, die den Pächtern dieses Weinbergs zur Verfügung gestellt wurde, gehörte auch eine große Kelter. Offenbar war vom Besitzer an alles gedacht.

Er hat es seinen Pächtern leicht gemacht, einen guten Ernte-Erfolg und damit einen ordentlichen Gewinn für sich selbst zu erzielen. Was sie selbst einbringen müssen, ist ihrer Hände Arbeit, ihre Berufserfahrung, ihr Fleiß, ihre tägliche Mühe zur Pflege des Weinbergs.

Damit stände eigentlich einer netten kleinen Geschichte mit einem harmonischen Ende nichts im Wege. Aber es gab natürlich ein Problem bei der Sache, und dieses Problem war in den Köpfen der Pächter.


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24.09.2008

Halloween - mehr als ein hohler Kürbis-Brauch

Bald werden wir wieder davon heimgesucht: der Horror-Karneval „Halloween“. Während man im Internet oder Buchladen nach „Allerheiligen“ lange suchen kann, finden sich schnell Dutzende Bücher mit Ideen für Horror-Partys, Deko-Tipps schon für Kindergarten-Basteleien usw.

Vielerorts ziehen Kinder lärmend von Haus zu Haus und verlangen Süßigkeiten. Wird dieser Forderung nicht nachgekommen, sind mittlerweile Schmierereien und Verwüstungen gar nicht selten, wie die Polizei bestätigt. Im Schutze der Dunkelheit reicht die Liste der Rache-Aktionen vom Böller im Briefkasten bis zum Zerkratzen des Autos. Der Bürgermeister einer Stadt im Elsass hat daher notgedrungen für diesen Abend eine Ausgangs-Sperre für Kinder verhängt. Etliche Anzeigen lagen vor; wer die Tür nicht öffnete, konnte seine Hausfassade mit rohen Eiern verziert sehen.

Was Eltern oft gar nicht klar ist: Immer häufiger hat Halloween ein juristisches Nachspiel, wenn z.B. Vandalismus die Folge von Verletzung der Aufsichtspflicht ist. Eltern haften für die Schäden, wenn sie ihre Schützlinge unbeaufsichtigt umher-

ziehen lassen, stellen Anwälte klar.


Halloween: Bedenkliche Hintergründe

Christen sind keine Spielverderber. Aber sie lassen sich auch nicht für dumm verkaufen. Halloween ist nicht der harmlose Klamauk, als der er gerne dargestellt wird. Das geringste Problem ist dabei die Geschäfte-

macherei mit Süßwaren und Gruselmasken mit Millionen-Umsätzen. Wichtiger ist die Frage, was dahintersteckt. Eigentlich ist Halloween der Abend vor Allerheiligen, also auf Englisch „All Hallows Even“, verunstaltet zu Halloween. Davon ist wenig übrig geblieben. Inzwischen gilt der Termin als wichtigster Tag für Satanisten, „Hexen“ und ähnliche Neu-Heiden. Es bleibt aber nicht bei Gruselfilmen, die Jugendlichen privat oder auf einer Party gezeigt werden.

Da werden Tische gerückt, Karten gelegt, allerlei angebliche Hexen-Rituale praktiziert, da wird gependelt und die vermeint-

liche Zukunft vorausgesagt.

Die Frage ist, ob manche Eltern wissen, was ihre heran-

wachsenden Kinder so treiben, wenn sie eine solche Party besuchen. Halloween-Praktiken können nicht nur sensible Gemüter in Angstzustände versetzen. Es kann auch zu einer Art „Einstiegsdroge“ werden, um sich in der eigenen Clique heimlich mit okkulten Praktiken zu beschäftigen. Von daher stellt sich schon die Frage, wie man in der Familie, im Kindergarten, in der Schule und in Gruppen-

stunden damit umgehen sollte.


Christliche Alternativen statt Verbot

Natürlich kann man seinen Kindern die Teilnahme an solchem Treiben verbieten. Es gibt aber eine weitere Möglichkeit: als Familie, als Gruppe, als Schule, als Pfarrgemeinde nachdenken und Alternativen anbieten!

Warum nicht selbst eine „Allerheiligen-Party“ auf die Beine stellen? Oder eine Gruppenstunde mit allerlei originellen Ideen, vom Herstellen schöner Grablichter bis zum Heiligen-Quiz. Oder ein schöner Abend mit befreundeten Kindern in den eigenen vier Wänden, bei dem natürlich auch Kürbisse zum Einsatz kommen dürfen. Da gibt es leckere Rezepte!

Man kann gemeinsam kochen, Früchte mixen, Bratäpfel anbieten, Spiele machen, Geschichten erzählen, für das Martinsfest schon die Laternen basteln usw. Auch eine „Nachtwanderung“ mit Lichtern ist möglich und ebenso gut aufbereitete Informationen über Heilige und das Fest Allerheiligen.


Pfarrgemeinden können etwas tun

Mit etwas Phantasie können Pfarrgemeinden auch mehr auf die Beine stellen als den Gottesdienst und den Gang zu den Gräbern an Allerheiligen. Gute Beispiele dafür gibt es schon.


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Sie lesen auf der Fortsetzungsseite: - Allerheiligen = Vollendung feiern,

Buchtipps und Linktipps zum Thema



23.09.2008

26.Sonntag im Jahreskreis A - 28.09.2008


Ez 18,25-28

Phil 2,1-11

Predigt zum Evangelium:

Mt 21,28-32





Evangelium: Mt 21, 28-32

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!

Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich

an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite.

Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch:

Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:


Ein entschiedenes Jein?


Wir kennen das. Da hat uns jemand hoch und heilig etwas versprochen. Und was ist? Nichts! Da wartet man vergeblich auf den Handwerker, der sich für diesen Tag angekündigt hat und einfach nicht kommt. Da verlässt man sich auf die Zusage eines Bekannten, pünktlich zu einer abgemachten Uhrzeit zur Stelle zu sein. Und nun steht man sich die Beine in den Bauch. Kommt er noch her – oder kommt er wirklich nicht?

Da versprechen die Eltern den Kindern für den Sonntag einen Ausflug, haben dann aber doch keine Lust. Kinder lernen schnell, z.B. auch, dass man sich als Erwachsener offenbar nicht an sein Versprechen halten muss, wenn man einen Grund dafür findet.

Wir kennen das. Ein Ja ist noch lange kein Ja. Manches „Ja“

ist eher ein verkleidetes „Vielleicht“ oder ein gelogenes „Nein“. Mit einem „Ja“ lebt es sich einfach bequemer, weil der Gesprächspartner dann erst mal Ruhe gibt.

Mit den Versprechungen hat auch die Mutter Kirche so ihre traurigen Erfahrungen machen müssen. Bei der Taufe wird von allen Eltern hoch und heilig vor Zeugen versprochen, das Kind im Glauben zu erziehen. Manche tun’s, manche sehen die Kirche auch erst wieder zur Erstkommunion ihres Kindes. Juristisch könnte man das als Vertragsbruch oder arglistige Täuschung bezeichnen. Manche wollten wohl nur eine feierliche Dienstleistung, also sagte man eben das als Bedingung erforderliche „Ja“. Das war’s dann aber auch.


Es überrascht uns nicht, dass Jesus das Ja-Sagen auch immer wieder zum Thema macht. Er kennt die menschlichen Schwächen nur zu gut. Im heutigen Evangelium erleben wir ihn im Gespräch mit den Hohenpriestern und Ältesten seines Volkes. Unmittelbar davor steht in der Bibel, dass Jesus im Tempel von Jerusalem lehrte. Da war er gewissermaßen in der Höhle des Löwen, nämlich direkt unter den Augen der religiösen Führer. Die ließen auch nicht lange auf sich warten, sondern sie inszenierten ein Streitgespräch mit Jesus.

Im Rahmen dieses Streitgespräches spielt das Gleichnis des heutigen Evangeliums. Jesus verlangt von ihnen eine Stellungnahme zu einem konkreten Problem:

„Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht.

Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? - Sie antworteten: Der zweite.“

Der erste Sohn ist höflich und geradezu ehrfürchtig seinem Vater gegenüber. „Ja, mein Herr!“ heißt es bei ihm. Das soll heißen: „Klar, mit mir kannst du fest rechnen. Als dein Kind erfülle ich selbstverständlich deine Bitte!“ - Er weiß eben, was sich gehört. Zur Zeit Jesu ist der Vater im Orient eine Autoritätsperson. Was er sagt, das gilt!


Jesus schildert nun nicht weiter, warum dieser Sohn trotz seiner festen Zusage nicht in den Weinberg des Vaters geht. Egal, welchen Grund der Sohn auch haben mag – für Jesus spielt das keine Rolle. Wichtig ist nur, dass der Sohn zwar JA sagt, aber NEIN tut.

Der Vater ist offenbar sehr enttäuscht. Als er sieht, dass der Sohn sich nicht in seinem Weinberg zur Arbeit blicken lässt, muss er handeln. Wird er ihn zur Rede stellen? Wird er ihm bittere Vorwürfe machen wegen seines undankbaren Verhaltens? Wird er ihn bestrafen?

Nichts von alledem geschieht. Der Vater lässt seinem Sohn die freie Entscheidung, auch wenn sie gegen ihn selbst ausfällt. Aber er macht etwas anderes: Er ruft jetzt seinen zweiten Sohn herbei und bittet diesen um Mithilfe.

Unfassbar für die damalige Zeit: Der Bursche lehnt es doch tatsächlich glatt ab, seinem Vater zu helfen. Der Sohn redet auch nicht drumherum. Er denkt sich keine klugen Sprüche aus, sondern er sagt einfach: „Ich will nicht!“ - Einfach ungeheuerlich ist das! In den Zehn Geboten steht schließlich auch, dass man die Eltern ehren soll! Ob er nicht weiß,

was er seinem Vater mit dieser Verweigerungshaltung antut?


Auch hier passiert offenbar nichts. Der Vater müsste nach dem Empfinden der Zeitgenossen Jesu hart reagieren, etwa nach dem Motto: „So lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst…“!

Er könnte ihm dafür glatt das Haus verbieten. Mancher Vater hätte vielleicht in seinem Zorn sogar damit gedroht, ihn zu enterben. Dieser Vater jedoch ist unbegreiflich gütig, auch wenn ihm seine Söhne sehr weh tun. Geduld scheint eine seiner wichtigsten Eigenschaften zu sein, neben einer riesigen Portion Liebe.


Die Geduld des Vaters zahlt sich tatsächlich aus. Der zweite Sohn denkt offenbar schon bald gründlich über sich und sein Verhältnis zum Vater nach. Keine einfache Situation für ihn! Sein liebloses Verhalten tut ihm jetzt leid. Er bereut seine Ablehnung und nimmt allen Mut zusammen. Er kehrt um und macht sich auf den Weg. In den Weinberg, an den Platz, wo ihn sein Vater braucht.

Die Schriftgelehrten stehen vor der Frage, wer von den beiden Söhnen den Willen des Vaters erfüllt hat. Das ist nun wirklich kein großes Problem, das Jesus ihnen da vorlegt. Das ist doch sonnenklar: Der zweite Sohn natürlich! Er hat doch die Richtung geändert, er hat schließlich noch früh genug getan, was der Vater von ihm erwartete.


Genau das wollte Jesus von ihnen hören. Sie haben selbst mit ihrer Antwort das Urteil über den ersten Sohn und damit über sich selbst gesprochen. Der erste hat sich nicht wie ein Sohn benommen und den Vater durch sein Verhalten beleidigt.

Jesus wird nun ernst und feierlich, denn er beginnt seine weiteren Erklärungen mit: „Amen, das sage ich euch“ - Das heißt: Jetzt kriegt ihr es von mir ganz offiziell und amtlich. Da kriegt ihr Brief und Siegel drauf. Das könnt ihr euch hinter die Ohren schreiben.


Was er dann sagt, ist hart: „Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.“

Das soll heißen: Ihr seid genau solche JA-Sager, die zwar tagtäglich vollmundig vom Willen des Vaters reden, seinen Willen aber nicht tun! Gott hat mit euch einen heiligen Bund geschlossen, mit euch, seinem Volk. Ihr aber ehrt ihn nur mit dem Mund. Ihr predigt Wasser, aber ihr selber trinkt Wein! Was ihr macht, das ist so etwas ähnliches wie Ehebruch, denn ihr habt Gott die Treue versprochen. Wenn ihr den Willen des Vaters tun wollt, dann macht es wie die Zöllner und Sünder, die auf Johannes den Täufer gehört haben: Kehrt um!


Als sie das von Jesus hören mussten, ist seinen Diskussionspartnern sicher die Zornesröte ins Gesicht gestiegen. Da kommt dieser Rabbi aus irgendeinem kleinen Provinznest und will uns hier belehren! Und was er uns

auf den Kopf zu sagt, das schlägt doch jedem Fass den Boden aus – eine Frechheit ist das!


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21.09.2008

Lesetipp: "CHRIST SEIN FÜR EINSTEIGER"

„Wenn zur Kirche nur Sauberfrauen und Saubermänner gehören dürften, wäre sie tendenziell leer…

Die konkrete Kirche besteht aber mehr oder weniger aus solchen nicht recht vorzeigbaren Gestalten wie mir, aus lauter Amateuren wie du und ich…

Wir schreiten nicht im Triumphmarsch daher. Wir hinken, humpeln, schleichen uns voran. Aber wir gehen…

Einsteigen kann jeder, auch wenn er schmutzig ist oder sich nur beschmutzt fühlt…oder mehr Fragen als Antworten hat…

Christ werden setzt kein korrektes Leben voraus nach dem Motto: Erst bringe ich mein Leben auf die Reihe, dann kann ich mich beim lieben Gott blicken lassen…“

So steht’s auf den ein-

leitenden Seiten des Buches „Christ sein für Einsteiger“, einer ungewöhnlichen Einführung in das Leben als Christ. Es ist ein Buch, das eher unmerklich zu Christus führt, ohne Stichwörter wie „Papst“ oder „Dreifaltigkeit“.

Aus den „74 Werkzeuge(n) der geistlichen Kunst“ aus der Ordensregel des Benedikt von Nursia werden hier durch den Autor Bernhard Meuser aktuell 74 „Tools“, wie das modern heißt. Mit diesen wird der ganz gewöhnliche Alltag mit seinen vielen Tücken und geistlichen Stolperfallen betrachtet, und das in einer humorvollen Sprache, ohne theologische Fachausdrücke. Leichte Kost ist es dennoch nicht, denn der Autor macht dem Leser mit der Auslegung der Zehn Gebote und den Ordensregeln klar, dass es das Christsein nirgendwo zum Nulltarif gibt. Den Leser erwartet hier aber keine Gebrauchsanleitung, wie man Christ wird, sondern eine einfühlsame Wegbegleitung. Dazu dienen auch jeweils am Ende der Kapitel kleine Tipps zur Besinnung. – Zur Abrundung und mit gutem Grund schließt das Buch mit einem Kapitel „Kleine Schule des Betens“ als einer Art Zusammenfassung. Das Buch wurde zum „religiösen Buch des Monats“ für April 2007 gewählt.

Der Autor Bernhard Meuser ist Verlagsleiter, Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste und erhielt 1989 den katholischen Journalistenpreis. Er hat bereits einige spirituell anregende Bücher geschrieben (siehe unten Link zum Verlag). In „Christ sein für Einsteiger“ überzeugt er mit den „Werkzeugen“ des Hl. Benedikt, wie jeder Suchende seinen persönlichen Weg zum Christsein finden kann.


Bernhard Meuser:

„Christ sein für Einsteiger“

Pattloch-Verlag, 2007

ISBN 978-3-629-02129-8

304 Seiten, Preis: 16,95 Euro


Der direkte Link zum Verlag:

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Lesetipp: "Perlen für Maria - die Kraft des Rosenkranzes"

“Jeden Augenblick ist einem der andere wichtig, deshalb möchte man ihn jederzeit anrufen können.

Der Kontakt soll nicht abreißen…Wer modern, wer fortschrittlich ist, der braucht ein Handy…

Natürlich muss man mit einem Handy umgehen können.

Man muss die richtige Nummer wählen, um den anderen auch zu erreichen…So geht es auch denen, die ein religiöses Handy haben…Millionen gebrauchen es…Man nennt dieses Handy: Rosenkranz….“

Mit diesem anschau-

lichen Vergleich beginnt das empfehlenswerte Buch mit 34 beeindruckenden Geschichten über den Rosenkranz von Pfarrer

Ludwig Gschwind.

Es ist wie weitere hilf-

reiche Bücher von ihm im Sankt Ulrich Verlag erschienen.

In allen Episoden geht es um bekannte

Persönlichkeiten und ihr Verhältnis zu diesem faszinierenden Gebet. Als Beispiel seien genannt: Mozart, Haydn, Feldherr Tilly, Kaiser Karl V., der hl. Vinzenz von Paul, Kaiserin Maria Theresia, der Physiker A.M. Ampère , Pater Maximilian Kolbe, der berühmte Theologe Romano Guardini und Papst Johannes XXIII.

Von jeher war der Rosenkranz auch in der Kritik, weil man auf ihn die Weisung Jesu anzuwenden glaubte, man solle beim Beten nicht „plappern wie die Heiden“.

Wie absurd es ist, dies auf den Rosenkranz zu beziehen, erläutert der Autor ebenfalls, denn durch ihn bekamen un-

zählige Menschen Halt und Kraft, auch und gerade in schweren Stunden. Dazu zitiert er u.a. Bischof Reinhold Stecher, der den Rosenkranz gerne mit einem Fahrrad, mit einem Montainbike verglich: man muss geduldig treten, aber damit geht es nach oben.

Wer von den heutigen Kulturbeflissenen weiß z.B., dass der berühmte Michelangelo den Rosenkranz täglich betete?

Autor Ludwig Gschwind macht mit diesen Lebensgeschichten allen Mut, die schon regelmäßige Rosenkranzbeter sind - und er macht diejenigen hoffentlich neugierig, denen noch ein letzter Anstoß fehlt.

Hier wird nichts aufgenötigt und es gibt keinen moralischen Zeigefinger: der Autor erzählt einfach nur, wie es berühmten Menschen mit dem regelmäßigen Rosenkranzgebet ergangen ist.

So versteht es sich schon fast von selbst, dass ich dieses Buch auch als Geschenk nur empfehlen kann.


Ludwig Gschwind

Perlen für Maria

Die Kraft des Rosenkranzes“

Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2008

ISBN 978-3-86744-063-9

144 Seiten, Preis: 12,90 Euro


Hier der direkte Link zum Verlag:

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14.09.2008

25.Sonntag im Jahreskreis A - 21.09.2008

Jes 55,6-9

Phil 1,20 ad-24.27a

Predigt zum Evangelium:

Mt 20,1-16



Evangelium: Mt 20,1-16

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denár für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf

er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?

Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben.

Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!

Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denár.

Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denár. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.

Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denár mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebensoviel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin? So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:


Himmlische (Un-) Gerechtigkeit


Die Plakate zum Caritas-Sonntag 2008 springen ins Auge. Es geht nicht nur um eine gute Kollekte zugunsten der vielfältigen Hilfsprojekte im sozialen Bereich. Der Betrachter soll wachgerüttelt werden: Schau genau hin!

„So sehen Helden aus“, heißt es. Aber man sieht nicht James Bond oder sonst einen Medien-Star. Man sieht Jugendliche, die durch ihr Aussehen vielleicht auf den ersten Blick negative Gefühle wecken.

Es sind Jugendliche, denen man im Leben nichts geschenkt hat. Oft aus schwierigem Elternhaus, haben viele von ihnen den Teufelskreis von Armut, Gewalt, wenig Anerkennung, geringer Bildung und damit geringen Chancen schmerzhaft am eigenen Leib erfahren müssen.

Für solche Jugendlichen ist es eine gewaltige Leistung, nicht aufzugeben. Auf dem Plakat steht: „Sie hören nicht auf, sich zu bewerben, obwohl ihre Chancen 1:1000 stehen“. Ja, viele sind kleine Helden des Alltags, die nicht resignieren wie manche Altersgenossen. Sie geben nicht auf. Sie bleiben nicht gleich daheim, weil sich das alles ja sowieso nicht mehr lohnt, nach der 50. oder 100. Absage. Sie versuchen es immer wieder, auch mit der tatkräftigen Unterstützung der Caritas.


Die Parallele zum heutigen Evangelium ist nicht zu über-

sehen: Dort begegnen uns Tagelöhner, die ihre Arbeitskraft Tag für Tag neu auf den Marktplätzen anbieten. So war das damals. Keine Jobbörse oder Arbeitsagentur, keine Krankenkasse, keine Rentenversicherung. Nichts. Wer keine feste Anstellung hatte, der musste jeden Tag neu um seine Existenz kämpfen, und das waren viele, zu viele.

Existenznot nicht nur für sich selbst, sondern für die ganze Familie. Jeden Tag waren viele Mäuler zu stopfen. Jeden Tag die Angst, dass wieder einmal alle abends hungrig einschlafen müssen. Die Gesichter trauriger Kinder vergisst niemand.

Da waren die Sklaven ja beinahe noch besser dran: sie hatten wenigstens ihr regelmäßiges Essen!

Doch wie die Jugendlichen auf dem Plakat der Caritas geben auch die Tagelöhner zur Zeit Jesu nicht so schnell auf.

So stehen sie nun morgens schon vor 6 Uhr auf einem der Marktplätze. - Wer wird ihnen für diesen Tag Arbeit geben? Werden sie genug Lohn bekommen?


An diesem Tag sind die Chancen eigentlich gar nicht so schlecht, denn jetzt ist die Zeit der Traubenernte. Saison-arbeit, so wie heute auch in den Weinbergen oder beim Spargelstechen. Da werden viele Hände gebraucht, die zupacken können. Wenn die Ernte vorbei ist, werden die Sorgen um den nächsten Tag wieder den Alltag bestimmen. Aber heute, da könnte es eigentlich ein guter Tag werden!

So stehen sie da und warten. Warten – das ist nervenauf-

reibend. Noch ist der Tag kühl, aber das wird sich bald ändern. Dann steht man in der Hitze da. Durst und Hunger quälen, noch mehr aber die Enttäuschung, nicht gebraucht zu werden. Sie alle kennen das nur zu gut.

Soll man dann in den nächsten Ort ziehen, zum nächsten Marktplatz, um seine Chancen zu verbessern? Soll man sich woanders bewerben? Oder soll man den ganzen Tag hier ausharren?


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10.09.2008

"Fehlentscheidung - Bischofskommission wählt einseitiges Paulus-Buch aus / Geschwister Jesu... und Paulus als Homo?"


Im nächsten Jahr 2009 wird er zum 20.Mal ver-

liehen: der jährliche „Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis“ der Deutschen Bischofs-

konferenz. In die Empfehlungsliste des Jahres 2008 gelangte zu meinem Erstaunen jedoch auch ein Paulus-Buch, das ich in Inhalt und Gestaltung als misslungen ansehen muss:

„Der erste Christ – Die Lebensgeschichte des Apostels Paulus“ von Alois Prinz.

Dass im Paulusjahr 2008/2009 auch ein Buch über Paulus das Interesse der neunköpfigen Jury unter Vorsitz von Weihbischof Thomas Maria Renz (Bistum Rottenburg-Stuttgart) gefunden hat, ist nur zu begrüßen.

Was man aber gerade bei einem Jugendbuch unbedingt erwarten muss, ist eine saubere handwerkliche Arbeit ohne Einseitigkeiten und eine ansprechende Gestaltung. Beides ist bei diesem Buch gründlich misslungen.


Ein ansprechendes Jugendbuch sollte bereits durch seine Aufmachung zum Lesen ermuntern. Bei einem Sachbuch darf man daher heutzutage z.B. erwarten, dass es durch Fotos und Illustrationen das Thema anschaulicher macht. Trotz des relativ hohen Preises von 18 Euro wird in diesem Buch darauf verzichtet – eine grobe Unfreundlichkeit dem jugendlichen Leser gegenüber. Es reichte offenbar nur für ein Foto des Autors und zwei Landkarten. Dass es besser geht, zeigt z.B. das Paulus-Buch von Michael Hesemann „Paulus von Tarsus“, das bei nur gering höherem Preis von 19,80 Euro und vergleichbarer Seitenzahl über 90 aussagekräftige Farbfotos bietet – und dazu noch jede Menge solide Informationen!

Schlimmer ist allerdings die inhaltliche Schwäche des Buches. Ich will gerne zugeben, dass der Text über weite Strecken aus katholischer Sicht in Ordnung ist. Es geht hier aber wie bei einer weißen Tischdecke: ein, zwei Kaffeeflecken auf der schön gedeckten Tafel mag man ja dulden, nicht aber ein gutes Dutzend. Das macht keinen guten Eindruck.


Immer wieder erwische ich den Autor bei Einseitigkeiten, bei denen er in theologisch manchmal durchaus diskussions-

würdigen Fragen nur eine der denkbaren Varianten als korrekte Antwort darstellt. Angesichts der besonderen Verantwortung einem jugendlichen Leserkreis gegenüber ist dies schlicht unakzeptabel.

Daher meine kurz gefasste Meinung zum Buch: Theologische Einsturzgefahr! Nur mit Schutzhelm aus anderen katholischen Quellen zu lesen!


Einige konkrete Beispiele aus dem Buch:

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