Jes 5,1-7
Phil 4,6-9
Predigt zum Evangelium:
Mt 21,33-44
Evangelium: Mt 21,33-44
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erstemal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.
Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder? Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt,
den wird er zermalmen.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:
Blutrausch im Weinberg
Heute wird in den meisten Pfarrgemeinden Erntedank gefeiert. Erntegaben schmücken den Altarraum. In den Gottesdiensten wird dem Herrn von Herzen gedankt für die gute Ernte des Jahres. Vielerorts haben sich schöne Traditionen dazu entwickelt. Gläubige Menschen sind sich durchaus bewusst, dass ein Leben ohne Hunger und Not nicht selbstverständ
lich ist. So wird an diesem Tag auch ganz besonders an Notleidende in aller Welt und an die Bewahrung von Gottes Schöpfung gedacht.
In krassem Gegensatz dazu scheint das heutige Evangelium zu stehen. Was wir da erleben, das ist geradezu ein ideales Thema für einen aufregenden Kriminalfilm. Als Titel könnte ich mir vorstellen: „Blutrausch im Weinberg“.
Da fließt tatsächlich viel Blut: das von einer ganzen Reihe von Knechten und das vom einzigen Sohn und Erben des Weinbergbesitzers. Für den Staatsanwalt wäre der Fall schnell klar formuliert: Brutaler gemeinschaftlicher Mord aus niedrigen Beweggründen in mehreren Fällen. Also wirklich Krimi-Kost mit garantiertem Gänsehaut-Effekt für die Zuschauer. Und so etwas am Erntedankfest und von Jesus erzählt…!
Doch erst einmal der Reihe nach! Das heutige Evangelium steht innerhalb einer ganzen Reihe von Gleichnissen. Es ist im Grund die Fortsetzung vom vergangenen Sonntag. Da ging es um die beiden Söhne des Weinbergbesitzers und ihre Probleme mit dem Wörtchen „JA“, wenn Mithilfe im väterlichen Weinberg vom Vater erbeten wird. Wir erinnern uns: „JA“ sagen und „JA“ tun ist noch lange nicht das Gleiche. Für die Arbeit im Weinberg des Herrn werden Menschen gebraucht, die nicht nur reden, sondern die mithelfen, die anpacken.
Die Leute im heutigen Evangelium packen an, allerdings anders als erwartet. In seinem Gleichnis, das Jesus ausdrücklich an die religiösen Führer seiner Zeit und seines Volkes richtet, schildert Jesus einen ganz praktischen Fall: Ein Gutsbesitzer hat einen neuen Weinberg angelegt und dabei ganz offensichtlich alles gut und richtig gemacht. Ein Zaun rings um das Grundstück soll vor unerwünschten Erntehelfern schützen, also vor Tieren und vor allem vor Früchte-Dieben. Diese spezielle Art von Selbstbedienung war also damals schon bekannt. Sogar ein Turm wurde gebaut, der üblicherweise als zeitweilige Unterkunft für Erntehelfer diente, aber
eben auch zum rechtzeitigen Erkennen von Gefahr z.B. durch Überfälle. Zur perfekten Grundausstattung, die den Pächtern dieses Weinbergs zur Verfügung gestellt wurde, gehörte auch eine große Kelter. Offenbar war vom Besitzer an alles gedacht.
Er hat es seinen Pächtern leicht gemacht, einen guten Ernte-Erfolg und damit einen ordentlichen Gewinn für sich selbst zu erzielen. Was sie selbst einbringen müssen, ist ihrer Hände Arbeit, ihre Berufserfahrung, ihr Fleiß, ihre tägliche Mühe zur Pflege des Weinbergs.
Damit stände eigentlich einer netten kleinen Geschichte mit einem harmonischen Ende nichts im Wege. Aber es gab natürlich ein Problem bei der Sache, und dieses Problem war in den Köpfen der Pächter.
Weiter lesen?





















