28.10.2008

Allerseelen (Allerheiligen) - 02.11.2008


Ijob 19,1.23-27(27a)

1 Thess 4,13-18

Predigt zum Evangelium:

Joh 11,17-27





Evangelium Joh 11, 17-27

In jener Zeit, als Jesus in Betanien ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt. Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:


Herzlichen Glückwunsch !


Die meisten kennen den alten Witz. Der alte Bauer Sepp aus einem kleinen Dorf ist gestorben, und seine Witwe trauert sehr um ihn. Immer wieder taucht sie besorgt beim Pfarrer auf und lässt eine Messe für ihren Sepp lesen. Sie will ihn schließlich möglichst schnell aus dem so unangenehmen Fegefeuer herausholen! Eines Tages nimmt sie allen Mut zusammen und fragt Hochwürden, wie weit der Sepp denn inzwischen schon aus dem Feuer sei. Der Pfarrer erklärt es der einfachen Frau möglichst anschaulich: „Das meiste von ihm ist schon draußen. Nur die Füße sind noch im Fegefeuer. Noch ein, zwei Messen für ihn, und er hat es geschafft.“ – Da jedoch schüttelt die alte Bäuerin energisch den Kopf: „Bloß nicht, Herr Pfarrer, jetzt ist es genau richtig. Mein Mann hat immer schon über kalte Füße geklagt…“


Natürlich ist uns an Allerseelen eher nicht zum Lachen zumute. Jeder von uns hat im Laufe der Jahre viele liebe Menschen hergeben müssen. Am schlimmsten trifft die meisten der Verlust eines Kindes, des Partners oder der Verlust von Vater und Mutter. Je älter man wird, desto bewusster wird uns ihre Sorge, ihre Liebe, ihre Aufopferung. Es war für sie ein gewaltiger Kraftakt, oft auch finanziell, bis sie uns endlich groß hatten. Viele Eltern taten mehr für ihre Kinder, als für sie selbst gut war. „Unsere Kinder sollen es mal besser haben als wir!“ Das war ein Satz, den sich viele Väter und Mütter zum Grundsatz machten. Die meisten von uns verdanken Vater und Mutter viel, sehr, sehr viel.


Am gestrigen Feiertag Aller-

heiligen waren sicher schon viele Menschen auf den Friedhöfen, um ihrer Toten besonders zu gedenken. Die Kir-

che tut dies aber in zahlreichen Orten erst heute, am Sonntag, denn eigentlich gehört der Friedhofsgang mit Gräbersegnung nicht zu Allerheiligen, sondern zu Allerseelen. Nur weil Allerseelen meistens auf einen Werktag fällt, gehen wir dann schon am arbeitsfreien Allerheiligen-Tag zum Besuch der Gräber unserer Lieben.

Wir Christen denken aber das ganze Jahr über an unsere Verstorbenen, zum Beispiel auch in jeder Heiligen Messe.

Beim Gang über den Friedhof werden alle Gräber gesegnet, und nicht nur die, wo jemand davor steht. Das zeigt etwas vom Sinn dieses Tages: Die Kirche ist eine große Gemeinschaft auf der Wanderung durch die Zeit. Millionen waren vor uns, Millionen kommen nach uns. Aber alle , die sich zu Christus bekennen oder bekannt haben, gehören dazu. Niemand wird aufgegeben. Niemand ist verloren. Die Kirche vergisst niemanden, und Gott schon gar nicht. Alle gehören in diese große Gemeinschaft, die auf dem Wege ist zur Vollendung, auf dem Wege zu Christus. Ja, es geht um alle Seelen, nicht nur um einzelne. Alle sind Gefährten auf dem Wege. Die Ver-

storbenen sind uns auf diesem langen Wege im Grunde nur ein paar Schritte voraus!


Wir sind voller Trauer über Menschen, die von uns gegangen sind. Gerne hätten wir sie noch viel länger in unserer Nähe gehabt. Es gab doch noch so viel miteinander zu reden, noch so viel zu klären, noch so viel Freud und Leid zu teilen. Doch unsere Lieben haben uns verlassen. - Bei manchen Menschen ist der Schmerz über diesen Verlust so groß, dass sie selbst krank werden vor Kummer. Niemand kann ihnen ihren Partner, ihren Freund, ihr Kind, ihre Eltern ersetzen.

Der Schmerz sitzt tief in ihrer Seele. Es ist wie in einem dunklen Keller ohne Licht.

Da bleibt auch die Angst nicht aus. Angst, wie man das Leben jetzt weiter bewältigen kann. Angst, es nicht alleine zu schaffen. Und vielleicht auch, wie bei so vielen, die Angst vor dem eigenen Tod.


Allerseelen ist auch ein Fest gegen diese Angst. Wir Christen machen nicht mit dabei, wie man es heutzutage immer häufiger erlebt: der Tod wird versteckt, als wäre er ein peinliches Versehen, eine technische Panne in der ach so heilen Welt. Leichenwagen bitte nur zum Hinterausgang! Schlimm ist auch, dass Sterbende immer noch in vielen Krankenhäusern in ihren letzten Stunden alleingelassen sind.

Für uns Christen ist das Sterben eben nicht das peinlich-jämmerliche Ende einer mehr oder weniger großen Anzahl gelebter Jahre. Wir sehen nicht nur das momentane Dunkel des Todes, sondern wir sehen weiter. Hinter dem oft schmerzlichen Prozess des Sterbens verbirgt sich etwas.

Wer gestorben ist, der ist nicht einfach so weg. Wir Christen wissen, dass Jesus uns in der Auferstehung vorausgegangen ist. Seinem Weg dürfen wir folgen. Das hat er uns zusagt, auch im heutigen Evangelium: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ - So hat es Jesus zu Marta gesagt und zu uns allen. Und er hat eine Frage hinzugefügt: „Glaubst du das?“


Genau darum geht es. Jesus hat uns alle gefragt,

jeden - Sie und mich. Allerseelen ist eine Art Test, ein Glaubenstest. Glaube ich an die Botschaft Jesu, auch wenn ich bildlich gesehen noch im dunklen Keller stehe? Glaube ich daran, dass er den Tod wirklich besiegt hat? - Dann ist Sterben nicht das Ende, sondern nur eine Art großer Umzug, ein besonderer und endgültiger Wohnungswechsel. Dabei muss ich allerdings allerlei nun überflüssigen Krempel zurücklassen.


Mit gutem Grund sagen wir von einem Verstorbenen: er oder sie ist heimgegangen. Der Verstorbene ist dahin gegangen, wohin er eigentlich nach Gottes Willen gehört: in den Himmel, wo er schon voller Freude erwartet wird.

Dort ist unsere Heimat. Und was Heimat bedeutet, dass wissen wir alle nur zu gut: da fühlen wir uns wohl, da sind unsere Lieben, da kennen wir uns aus, da ist es einfach schön.

„Wir sind nur Gast auf Erden“ singen wir aus dem „Gotteslob“ (Nr. 656). Die Wohlstandsgesellschaft lässt dies freilich manch einen vergessen, der es sich hier doch gerade so gemütlich eingerichtet hat… - Eigentlich wissen wir es alle, aber wir verdrängen es im Alltag immer wieder: wir spielen hier auf Erden nur eine kurze Gastrolle. Sie verlangt uns manchmal ganz schön viel ab, und oft genug müssen wir feststellen, dass wir versagt haben.


Da ist es gut und richtig, füreinander zu beten, und zwar für die Lebenden und auch für die Verstorbenen. Denn wer im Tod vor den Herrn gerufen wird, der ist in der Regel bildlich gesprochen noch nicht in Festtags-

kleidung angekommen, sondern eher etwas schmutzig vom irdischen Alltag. Manches schleppt der Verstorbene immer noch an Ballast mit sich herum, das ihm hier wie ein schwerer Klotz am Bein hängt. Wie im Spiegel wird er oder sie jetzt alle Verfehlungen sehen, das Unfertige, das Lieblose anderen und Gott gegenüber, die unterlassene Hilfe und vieles mehr.

Das wird eine sehr schmerzliche Erfahrung, weil man mit einem Schlag schonungslos sieht, was man so alles angerichtet hat… - Da sieht man sicher aus, wie eine Redewendung so sagt, wie das heulende Elend!


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20.10.2008

30.Sonntag im Jahreskreis A - 26.10.2008

Ex 22,20-26
1 Thess 1,5c-10
Predigt zum Evangelium:
Mt 22,34-40





Evangelium: Mt 22, 34-40

Als die Pharisäer hörten, daß Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie (bei ihm) zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:


Die große Liebe


Ist es Ihnen auch schon mal so gegangen? Viel zu viel stürmt auf einmal auf einen ein. Die Auf-

gaben türmen sich, die Probleme auch. Man ist erschöpft, und man hat das Gefühl, dass man im Moment wie vor einer Wand steht und nicht weiter weiß. Eine Redewendung sagt dazu: „Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.“


Ähnlich mag es zur Zeit Jesu so manchem einfachen Juden auch gegangen sein. Die meisten wollten ja durchaus den Willen Gottes erfüllen, aber das war in der Praxis doch eine reichlich komplizierte Angelegenheit. Es gab insgesamt 613 Einzelgebote und –verbote, die den Alltag des gläubigen Juden regelten.

So war es z.B. am Sabbat verboten, zwei Schleifen zu machen, einen Knoten zu binden oder zu lösen, zwei Buchstaben zu schreiben und vieles mehr. Dieser Wochentag sollte ganz der Ehre Gottes dienen.

Doch aus der guten Absicht wurde ein Paragraphen-Dschungel. Es gab unter den Gesetzeslehrern z.B. ernsthafte Diskussionen darüber, ob ein am Sabbat gelegtes Ei gegessen werden durfte oder nicht.

Bevor wir darüber lächeln, sollten wir uns heutzutage erst einmal an der eigenen Nase fassen: Nicht nur die Papier-Sintflut der Europäischen Union ist gewaltig und sorgt regelmäßig für den Zorn der Betroffenen. Auch unsere Kirche hat, was Paragraphen betrifft, allerhand zu bieten, vom dicken Katechismus bis zum Amtsschimmel, der auch katholisch kräftig wiehern kann…


Aus den Zehn Geboten war jedenfalls bis zur Zeit Jesu eine gewaltige Sammlung von Richtlinien geworden. Nicht jeder hatte die Zeit und die Möglichkeit, um all das zu beachten. Die Frage, mit der im heutigen Evangelium der Gesetzeslehrer an Jesus herantritt, ist also wirklich von brennendem Interesse: „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“

Natürlich ging es dem Gesetzeslehrer hier nicht nur um eine Sachauskunft. Er wollte Jesus vielmehr auf die Probe stellen. Würde Jesus mit seiner Antwort etwa wichtige und unwichtige Gebote unterscheiden? Dann könnte man ihm schnell vorwerfen, eine Auswahl nach persönlichem Geschmack zu treffen. Das aber durfte sich kein frommer Jude erlauben, denn damit würde man die Ehre Gottes schmälern. Alle Gebote waren schließlich verpflichtend einzuhalten.


Jesus hört sich diese Frage ruhig an, ohne den Gesetzeslehrer zu tadeln. Er sieht die ausgelegte Falle, aber er sieht auch, wie wichtig diese Frage ist. Man könnte fast sagen, er ist dankbar für diese Frage. Genau genommen wird er nicht nach dem größten Gebot gefragt, sondern nach dem „großen“ Gebot, also gewissermaßen nach dem Zentrum der Heiligen Schrift, nach der Mitte der Thorah. Der Frager will im Grunde wissen, was in diesem gewaltigen Konzert wirklich die erste Geige spielt. Was gibt wirklich den Ton an?

Die Antwort Jesu fällt, wie so oft, gründlicher aus, als der Fragesteller erwartet hat. Jesus zitiert zuerst das Gebet, das bis auf den heutigen Tag jeder fromme Jude morgens und abends betet (vgl. Dtn 6,4-9): „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.“ - Mit dieser Antwort zeigt Jesus seinem Gesprächspartner sofort, wie fest er als Rabbi auf dem Boden der jüdischen Religion steht. Er stellt klar, dass Gott im Alten Testament diese Frage bereits eindeutig und unmissver-

ständlich beantwortet hat. Also nicht eine Art private Auslegung ist das, was er da sagt, sondern anerkanntes Wort Gottes.


Mit diesem Teil seiner Antwort hat Jesus dem Frager natürlich sämtlichen Wind aus den Segeln genommen. Die Antwort steht doch längst fest, will Jesus damit demonstrieren. Für uns heute ist es gut, sie sich genau in Erinnerung zu rufen. Es heißt ausdrücklich „mit ganzem Herzen“ und „mit ganzer Seele“ . Das heißt doch, wir sollen uns mit allem, was wir haben, ganz auf Gott hin ausrichten! Er ist der Punkt, auf den wir uns hin orientieren sollen. Nur er führt uns zum Ziel unseres Lebens.

Seele, das ist die Lebenskraft des Menschen, sein ganzes Ich. So sagen wir schon mal lobend über jemanden: „Der ist eine Seele von Mensch!“ Solch ein Mensch ist herzensgut und gibt wirklich alles her. - Es geht auch in der Beziehung zu Gott um mein Innerstes, um mein ganzes Herz, so wie ich bin. Beim Schiff heißt es oft „Alle Kraft voraus!“, und die Maschinen stampfen mit höchstmöglicher Leistung los.


Daran erinnert Jesus. Er erinnert daran, dass es bei der Beziehung zwischen Gott und Mensch nicht um einen Vertrag aus Papier geht. Es geht um viel mehr, es geht auch um alle Kraft voraus. Es ist eine Liebesbeziehung im besten Sinne des Wortes. Gott schenkt den Menschen seine große Liebe. Man könnte fast sagen: Er hat sich in seine Menschen verknallt. Nach seinem Bild hat er sie geschaffen, und sie liebt er so sehr, dass er sich für sie in der Krippe ganz klein gemacht hat. Dieser liebende Gott, so meint es Jesus, will von uns kein Almosen,

keine fromme Sonntags-Soße über einen gottlosen Alltag. Er will mit uns leben, Tag für Tag bei uns sein.

Und wir? - Es ist wie bei jeder Liebe: Halbe Sachen bringen da nur Schmerz und Kummer. Wer wirklich liebt, der will auf’s Ganze gehen, der spürt nicht nur einen Schmetterling im Bauch, sondern ganze Herden davon!

Wer schwer verliebt ist, dessen Gedanken drehen sich um den geliebten Menschen, ohne das ihn jemand dazu verpflichten muss. Er kann gar nicht anders! So meint es auch Jesus vom Gebot der Gottesliebe: Wenn Gott zum Dreh- und Angelpunkt deines Lebens geworden ist, dann gibt es kein quälendes Muss, sondern nur Dankbarkeit und Glück.


Dem sprachlosen Gesetzeslehrer und auch uns fügt Jesus seiner Antwort noch etwas hinzu: Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.“ Wörtlich übersetzt heißt es eigentlich: „das zweite aber ist ihm gleich“.

Das bedeutet: Mit dem Gebot der Nächstenliebe wird das Gebot der Gottesliebe näher erläutert. Es ist gewissermaßen wie bei einer Münze die zweite Seite.


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19.10.2008

Buchtipp: Die "Tridentinische" Messe - Aufbruch oder Rückschritt?

Seit Juli 2007 hat Papst Benedikt XVI. die Feier der „alten“ Messe wieder zugelassen. Seine Ent-

scheidung wurde mit einerseits mit Freude begrüßt, aber auch von manchen irritierten Gläubigen besorgt zur Kenntnis genommen. Was vielfach fehlt, ist ein Einblick in die Geschichte der Messfeier und ein Vergleich der „alten“ und „neuen“ Messe.

Das im Bonifatius-Verlag erschienene Buch von Prof.Dr. Michael Kunzler mit dem Untertitel „Aufbruch oder Rückschritt?“ informiert mit seinem Gang durch die Geschichte, vor allem aber durch klare Informationen zu Themen wie der Stellung des Priesters am Altar, zu Latein als liturgischer Sprache, zur Ostung der Kirchen, zu kritischen Fragen an die erneuerte Liturgie usw. -

Dabei zeigt der Ordinarius für Liturgiewissenschaft aus Paderborn und Berater sowohl der Deutschen Bischofs-

konferenz als auch der Römischen Kongregation für den Gottesdienst und Schreiber vieler Bücher über Liturgie, dass es durchaus möglich ist, auf nur 126 Seiten einen Überblick zu bieten, der einen direkten Vergleich ermöglicht, aber auch deutlich und ganz konkret die Finger in die Wunden legt.

So wird dem Leser bald klar, dass die „alte“ Messe durchaus ihre Schwachpunkte hat(te), woran die Älteren von uns sich noch erinnern. Doch der Autor zeigt auch, wie und wo die Liturgie der heutigen Zeit schwächelt.

Michael Kunzler nennt da insbesondere die Gestaltungswut, um der „tätigen Teilnahme“ Rechnung zu tragen. Da gebe es viele Texte „billigster Machart“, und man könne den Eindruck gewinnen, die Ehre Gottes komme zugunsten der Selbst-

darstellung der Mitwirkenden zu kurz. Hier denkt er etwa an „katechetische Spielereien“ in „Familiengottesdiensten“, die besser in Gruppenstunden oder Kommunionvorbereitung gehörten. Man erlebe oft genug nur die „auf die Nerven gehende Wiederholung dieser Welt…an heiliger Stätte“.

Auch am Beispiel der Zelebrationsrichtung macht der Autor deutlich, was es alles dabei zu bedenken gibt. Er räumt auch mit dem Irrtum auf, das II.Vatikanische Konzil habe die Richtung zum Volk hin vorgeschrieben: “…ist nirgendwo davon die Rede“.

Dann erläutert er detailliert, welche Hintergründe die gemeinsame Gebetsrichtung von Priester und Volk hat – wirklich nachdenkenswert! Die Wiederzulassung des „alten“ Ritus kann „sogar ein Aufbruch sein, wenn sie als Ergänzung und Heilung dessen begriffen wird, was der erneuerten Liturgie hier und da noch fehlt“, fasst Kunzler zusammen.

Mein Gesamturteil: Sehr lesenswert! Der Titel ist allerdings etwas unkorrekt, da „alter“ und „neuer“ Ritus verglichen werden.


Michael Kunzler:

Die „Tridentinische“ Messe –

Aufbruch oder Rückschritt?

Bonifatius-Verlag, 126 S., Preis: 13,90 €

ISBN 978-3-89710-398-6


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Buchtipp: "Think about" - Das Sakrament der Buße...neu entdecken

Warteschlangen vor den Beicht-

stühlen gehören der Vergangenheit an: das Sakrament befindet sich in der Dauerkrise. Dennoch ist es un-

verzichtbarer Bestandteil der Erstkommunion- und Firmvor-

bereitung. Gefragt sind also neue, kreative Zugänge, die positve Erfahrungen mit der Beichte möglich machen. Die beiden Autoren Wolfgang Beck und Christian Hennecke legen in ihrem im Don Bosco Verlag erschienenen Buch „Think about – Das Sakrament der Buße mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen neu entdecken“ auf 84 Seiten nach einer kurzen Einführung drei ganz konkrete und praxisorientierte Modelle vor, verstehen ihr Buch also ausdrücklich als „Werkbuch“. Je ein Modell für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wird umfassend unter dem Leitgedanken des Pilgerns mit allen Materialien und Plänen vorgestellt.

„So ist Versöhnung“ heißt es z.B. für die Kinder in der Erstkommunionvorbereitung. Gerade hier liegen oft genug schlechte Erfahrungen der Eltern vor, die diese sehr skeptisch sein lassen, was da mit ihren Kindern geschieht. Ein gemein-

sames Wochenende –auch mit Eltern- mit viel Zeit für Miteinander, Spiel, Gebet usw. erleichtert die dort mit eingeplante Feier des Sakramentes der Versöhnung.

Für die Jugendlichen geht es auf „Think-about-Tour“ mit pfiffigen Ideen für ein Modell für Firmbewerber.

Für Erwachsene wird „Der Pilgerweg der Freiheit“ als neuer Zugang zum Bußsakrament vorgestellt.

Wolfgang Beck arbeitet als Priester und Hochschulseelsorger in Hannover, Dr. Christian Hennecke ist Regens im Priesterseminar von Hildesheim.

Mein Gesamturteil: ein gut umsetzbares Praxisbuch!


Wolfgang Beck/Christian Hennecke:

„Think about“ – Das Sakrament der Buße

mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

neu entdecken

Don Bosco Verlag, 84 Seiten, Preis: 12,90 €

ISBN 978-3-7698-1652-5



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14.10.2008

29.Sonntag im Jahreskreis A - 19.10.2008


Jes 45,1.4-6

1 Thess 1,1-5b

Predigt zum Evangelium:

Mt 22,15-21





> Heutige Predigtgedanken: weiter unten ! <


„Predigtgarten“ hat Geburtstag

Herzlichen Dank an alle Leser !


Keine Panik! Ich verspüre keine Lust auf große Rückblicke und Bilanzen, aber ganz unerwähnt darf es heute auch nicht bleiben: „MEIN PREDIGTGARTEN“ hat Geburtstag! Genau vor einem Jahr ging diese Internetseite an den Start - mit den „Mittwochsgedanken“ zum 29.Sonntag im Jahreskreis C.

Nie hätte ich gedacht, dass meine Texte binnen eines Jahres 50.000 Leser finden würden. Dafür möch-

te ich mich bei allen recht herzlich bedanken, auch für manche Anregungen, die mich per E-Mail erreichten.

In der aktuellen Ausgabe habe ich mir zum „Festtag“ erlaubt, unter der Rubrik „HUMOR“ das ansonsten ernst-

hafte Thema „Predigt“ aus-

nahmsweise einmal auf die Schippe zu nehmen. Ich vermute mal, dass im Himmel auch des öfteren über eine Predigt gelacht wird…

Ihr Predigtgärtner Erhard Eutebach



Evangelium: Mt 22,15-21

Damals kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlaßten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, daß du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht?

Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie ant-

worteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:


Jesus deckt Finanzkrise auf


Alle Welt spricht derzeit über die weltweite Finanzkrise und die intensiven Bemühungen der Politiker, das Vertrauen in Börse und Banken wieder zu festigen. Viele waren oder sind in Sorge um ihr Erspartes, aber auch um die Folgen der Krise für die wirtschaftliche Entwicklung.


Eine ganz spezielle Finanzkrise können wir im heutigen Evangelium miterleben. Da haben sich die Gegner Jesu etwas besonders Schlaues ausgedacht, eine ganz böse, hinterlistige Falle für Jesus. Sicher werden sich die Pharisäer wegen ihrer vermeintlich genialen Idee die Hände gerieben haben:

Jetzt haben wir ihn! Egal, wie er sich dreht und wendet, aus der Nummer kommt er nicht wieder heraus.

Das ist so wie beim Mühlespiel: Hat man eine Zwickmühle aufgebaut, bekommt man durch Hin- und Herschieben eines Spielsteines immer wieder eine Mühle, und der gegnerische Spieler hat absolut keine Chance.


Was die Pharisäer da gemeinsam ausgebrütet haben, besprechen sie sogar mit den Anhängern des bei frommen Juden verhassten Königs Herodes. Das heißt: in diesem Fall wollen sie sogar mit ihren Gegnern gemeinsame Sache machen. Möglichst viele Zuschauer sollen es sein, wenn sie Jesus endlich zur Strecke bringen.

So trommeln sie also ihre Schüler zusammen, geben ihnen genaue Anweisungen und schicken diese zusammen mit den Anhängern des Herodes zu Jesus. Der war zu diesem Zeit-

punkt bereits in Jerusalem und hatte schon viel Aufmerksam-

keit bekommen, zum Beispiel durch die Vertreibung der Tempelhändler und Geldwechsler aus dem Haus Gottes.


Es müssen also eine ganze Menge Leute gewesen sein, die die Pharisäer für dieses Ereignis mobilisiert haben. Sie selbst halten sich vor Ort aber diskret im Hintergrund; ihre Schüler sollen die Drecksarbeit übernehmen, Jesus die entscheidende Falle zu stellen. Die bestand darin, Jesus zu fragen: „Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht?“

Das klingt für unsere Ohren heute ganz harmlos, aber damals hatte die Frage es in sich:

Die Besatzungsmacht im Lande der Juden hatte sich vor etlichen Jahren eine neue Steuer einfallen lassen, die sogenannte Kopfsteuer. Jedes Familienmitglied im Alter von 14 – 65 Jahren hatte diese jährlich zu entrichten, und darüber wurde natürlich genau Buch geführt. Steuerflüchtige wurden von Steuerfahndern verfolgt und zum Tode verurteilt. Experten gehen zusammen mit den anderen Steuerabgaben an die Römer von einer damaligen Steuerlast von ca. 40 % des Gesamteinkommens aus.


Wenn man dies weiß, kann man sich vorstellen, wie sauer die Juden über diese Steuer waren. Schlimmer für die frommen Juden war aber dabei noch etwas ganz anderes: Die dafür vorgesehene Münze war ein römischer Silberdenar. Natürlich musste damals alles mit der Währung der Römer bezahlt werden - eine schmerzliche Kränkung, Tag für Tag. Nur im Tempelbezirk gab es eine spezielle Tempelwährung, daher auch die Geldwechsler. Schmutziges Römergeld durfte natürlich keinesfalls in den Tempel Gottes!

Dieser Silberdenar hatte es in sich. Wir wissen ja, dass die Juden das biblische Bilderverbot streng beachteten, wonach man sich von Gott kein Bild machen soll. Daher war auf ihren Tempelmünzen auch kein Bild zu sehen. Bei den römischen Münzen sah das allerdings ganz anders aus...

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10.10.2008

Lustobjekt Priesterkommunion: Eigenmächtige Liturgie-Designer gegen Rom

Sie kennen vielleicht das Schild an manchen Kirchentüren in Touristen-

Hochburgen: „Herzlich willkommen! Wir möchten aber darauf hinweisen, dass in der Kirche keine Gelegenheit zum Schwimmen gegeben ist. Daher bitten wir Sie, die Kirche nicht in Strandbekleidung zu betreten.“

Ja, da herrscht bei praktizierenden Katholiken gleich gemeinschaftliches Aufstöhnen: Unglaublich, was sich die Leute so alles in der Kirche leisten, vom klingelnden Handy bis zur Mitnahme der hl. Hostie.

Hier im „PREDIGTGARTEN“ werde ich von Zeit zu Zeit immer mal wieder einen Aspekt herausgreifen, um im Kommentar aus meiner Sicht vor liturgischer Verwahrlosung zu warnen.


Doch es ist nicht nur das Kirchenvolk, bei dem man ins Grübeln kommt, sondern mittlerweile auch bei den Priestern selbst. Es scheint,

als gäbe es da eine Art Seuche, die sich immer weiter ausbreitet, die offenbar hochansteckend ist. Offiziell hat sie keinen Namen. So nenne ich sie mal „Liturgie-Design“.

Besucht man die Heilige Messe, muss man entsetzt zur Kenntnis nehmen, was da mittlerweile an verschiedenen Orten alles im Angebot der liturgischen Heimwerker-Priester ist.

Zu befremdlichen Handhabungen des Friedensgrußes habe ich mich schon früher geäußert:

„Das schöne Händchen – Beobachtungen beim Friedensgruß“

http://predigtgarten.blogspot.com/2008/05/das-schne-hndchen-beobachtungen-beim.html


Heute geht es um die Priesterkommunion, genauer: um deren Zeitpunkt innerhalb der Heiligen Messe. Immer öfter verfallen Priester im deutschen Sprachraum auf die Idee, selbst erst dann zu kommunizieren, wenn bereits alle anderen Gläubigen den Leib des Herrn empfangen haben. Was viele Gläubige nicht wissen: es gibt eine ganz klare Verordnung aus Rom, die genau dies verbietet!


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06.10.2008

28.Sonntag im Jahreskreis A - 12.10.2008


Jes 25,6-10a
Phil 4,12 -14.19-20
Predigt zum Evangelium:
Mt 22,1-14




Evangelium: Mt 22,1-14

In jener Zeit erzählte Jesus den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.

Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf:

Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, mißhandelten sie und brachten sie um.

Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert eingeladen zu werden.

Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein. Die Diener gingen auf die Straßen hinaus

und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. Als sie sich gesetzt hatten und der König eintraf, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte.

Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wußte der Mann nichts zu sagen. Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen. Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:


Rauschendes Fest trotz pampiger Gäste


Wenn Königskinder heiraten, dann ist auch heutzutage der Medienrummel noch riesig. Die sogenannte Regenbogenpresse lebt nicht schlecht davon, dass viele Millionen Menschen wenigstens durch schöne Bilder etwas am märchenhaften Leben der „Royals“ teilhaben möchten. Das Fernsehen zeigt dann die Menschenmassen am Straßenrand, die einen kleinen Blick auf die Hochzeitskutsche erhaschen wollen. Wie das tragische Beispiel der verunglückten Prinzessin Diana zeigt, ist die Anteilnahme manchmal sogar über den Tod hinaus riesengroß.

Und nun stelle man sich einmal vor, man würde eine offizielle Einladung bekommen mit der Bitte um Teilnahme an solch einer pompösen Königs-Hochzeit – da wären die meisten sicher total aus dem Häuschen…!


Im heutigen Evangelium sieht das allerdings reichlich anders aus. Jesus erzählt den geistlichen Führern Israels ein Gleichnis, mit dem er zum wiederholten Male die Aufmerksamkeit auf das Himmelreich und die geltenden Spielregeln Gottes lenken will.

Ein König lädt da zur Hochzeit seines Sohnes ein. Dazu gab es traditionell erst einmal eine Art Vor-Einladung, damit sich jeder Gast schon einmal darauf einstellen konnte. Wenige Tage vor der Hochzeit war es dann üblich, die Diener noch einmal von Gast zu Gast zu schicken mit einer Erinnerung und der Nennung des genauen Zeitpunktes. Ein solches Verfahren ist auch hier bei uns nicht ganz unbekannt; noch vor wenigen Jahrzehnten gab es in ländlichen Gegenden die sogenannten „Gästebitter“, die im Auftrage des Brautpaares die vorgesehenen Gäste besuchten und um Teilnahme am Fest baten. Und da es für diese Boten in den meisten Häusern ein Schnäpschen gab, war diese Aufgabe kräfteraubender, als man so denkt…


Im Beispiel Jesu müssten die Gäste sich eigentlich doch sehr geehrt fühlen: Sie alle sind Auserwählte, sie gehören für den König gewissermaßen zu den „oberen Zehntausend“. Er kennt sie gut, und gerade sie würde er gerne bei dem geplanten Fest dabei haben, denn er möchte seine große Freude mit ihnen teilen. Da es um die Hochzeit seines einzigen Sohnes geht, dürfte es ein rauschendes, unvergessliches Ereignis werden, von dem man noch lange begeistert sprechen wird. Der König wird sicher alle Anstrengungen unternehmen, es wirklich zu einem königlichen Fest für alle werden zu lassen. Solch ein Fest gibt es nur ein einziges Mal, das wird er sich schon etwas kosten lassen!


Die auserwählten Gäste reagieren jedoch ganz anders als erwartet. Die Sympathie des Königs schert sie herzlich wenig. Dabei haben sie allesamt durch die guten Beziehungen zu ihm schon große Vorteile im Leben gehabt. Für die Zuhörer damals und für uns einfach unfassbar: Sie alle richten den Dienern bei der ersten Einladung aus, dass sie eigentlich gar kein Interesse haben. Sie wollen nicht kommen. Noch nicht einmal eine vernünftige Begründung dafür gibt es von ihnen. Sie wollen einfach nicht, sie haben keine Lust, basta!


Natürlich haben die Diener dem König diese pampige Reaktion nicht verschwiegen, aber der lässt sich im Gleichnis Jesu davon nicht aus dem Konzept bringen.

Er tut so, als hätte er diese Frechheit überhört.

Die Ablehnung einer so wichtigen Einladung war gerade im Orient gleichbedeutend mit der Ablehnung der Person des Gastgebers, also im Grunde so etwas wie eine private Kriegserklärung. Es war schon eine Beleidigung, wenn ein Gast das Essen nicht anrührte oder nicht lobte. So waren die allen bekannten Spielregeln der Höflichkeit im Umgang miteinander.


Jesus erzählt, dass der König den so herzlich Eingeladenen eine zweite Chance gibt. Die erste Ablehnung will er vergessen, Schwamm drüber. Beim nächsten Anlauf wird er allerdings deutlicher, denn die ausgeschickten Diener haben genaue Anweisung, die Gäste ausdrücklich auf die Erwartung des Königs und den Stand der umfangreichen Vorbereitungen aufmerksam zu machen. Ihnen soll schon ganz klar sein, was sie tun, falls sie ihn wieder vor den Kopf stoßen.

Das fast Unglaubliche geschieht: Man ignoriert die Boten einfach und geht weiter kommentarlos seinen Alltags-geschäften nach. Aber es kommt noch schlimmer, denn einige Boten werden mißhandelt, einige sogar umgebracht.

Reagiert man so auf eine Ein-

ladung zu einer wunderbaren Hochzeitsfeier? Sicher geht es den Zuhörern Jesu damals genau so wie uns heute: die Geschichte ist einfach haarsträubend und ungeheuerlich! Und man braucht gar kein Schriftgelehrter zu sein, um schnell zu kapieren, dass Jesus mit dem König seinen himmlischen Vater meint, der sein auserwähltes Volk Israel immer wieder umwirbt. Mehr als deutlich demonstriert Jesus mit diesem Bild, wie sehr das Volk mit seiner Ablehnung Gott immer wieder beleidigt. Immer wieder hat Gott Boten geschickt, also Propheten, die seinen Willen verkündet haben. Die meisten Propheten wurden jedoch verspottet oder gar getötet, wie wir aus dem Alten Testament wissen. Gleichgültigkeit und Feindseligkeit – das ist die typische Reaktion auf die Liebe Gottes!


Im Jahre 70 n.Chr. geschah etwas Schreckliches, das die Juden im Lande Jesu an den Rand des Untergangs brachte: Nach einem großen Aufstand gegen die römische Besatzungsmacht rächte sich diese ganz grausam und unerbittlich. Jerusalem wurde belagert und zerstört, das Blut der Aufständischen floss in Strömen. Die gewaltige Tempelanlage wurde in Schutt und Asche gelegt. Die Römer waren gnadenlos, wenn man sich ihnen widersetzte. Diese Brutalität sollte wie bei den Kreuzigungen eventuelle Nachahmer abschrecken.


Was lag da näher, als diese Katastrophe als Strafe Gottes für sein ungehorsames Volk anzusehen? Im heutigen Evangelium heißt es, dass der König im Zorn über die Ermordung seiner Boten sein Heer schickte und die Mörder töten ließ. Ihre Stadt ließ er in Schutt und Asche legen. - Bevor wir hier und heute vorschnell vom grausamen Gott reden, sollten wir daran denken, dass nicht Gott Jerusalem dem Erdboden gleich gemacht hat, sondern die Römer. Matthäus hat die grausame Szene sicher nur deshalb aufgeschrieben, um den jungen christlichen Gemeinden ein warnendes Beispiel zu schildern.

Es soll sagen: So geht es, wenn man Gottes Einladung missachtet!


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