Ijob 19,1.23-27(27a)
1 Thess 4,13-18
Predigt zum Evangelium:
Joh 11,17-27
Evangelium Joh 11, 17-27
In jener Zeit, als Jesus in Betanien ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt. Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:
Herzlichen Glückwunsch !
Die meisten kennen den alten Witz. Der alte Bauer Sepp aus einem kleinen Dorf ist gestorben, und seine Witwe trauert sehr um ihn. Immer wieder taucht sie besorgt beim Pfarrer auf und lässt eine Messe für ihren Sepp lesen. Sie will ihn schließlich möglichst schnell aus dem so unan
genehmen Fegefeuer herausholen! Eines Tages nimmt sie allen Mut zusammen und fragt Hochwürden, wie weit der Sepp denn inzwischen schon aus dem Feuer sei. Der Pfarrer erklärt es der einfachen Frau möglichst anschaulich: „Das meiste von ihm ist schon draußen. Nur die Füße sind noch im Fegefeuer. Noch ein, zwei Messen für ihn, und er hat es geschafft.“ – Da jedoch schüttelt die alte Bäuerin energisch den Kopf: „Bloß nicht, Herr Pfarrer, jetzt ist es genau richtig. Mein Mann hat immer schon über kalte Füße geklagt…“
Natürlich ist uns an Allerseelen eher nicht zum Lachen zumute. Jeder von uns hat im Laufe der Jahre viele liebe Menschen hergeben müssen. Am schlimmsten trifft die meisten der Verlust eines Kindes, des Partners oder der Verlust von Vater und Mutter. Je älter man wird, desto bewusster wird uns ihre Sorge, ihre Liebe, ihre Aufopferung. Es war für sie ein gewaltiger Kraftakt, oft auch finanziell, bis sie uns endlich groß hatten. Viele Eltern taten mehr für ihre Kinder, als für sie selbst gut war. „Unsere Kinder sollen es mal besser haben als wir!“ Das war ein Satz, den sich viele Väter und Mütter zum Grundsatz machten. Die meisten von uns verdanken Vater und Mutter viel, sehr, sehr viel.
heiligen waren sicher schon viele Menschen auf den Friedhöfen, um ihrer Toten besonders zu gedenken. Die Kir-
che tut dies aber in zahlreichen Orten erst heute, am Sonntag, denn eigentlich gehört der Friedhofsgang mit Gräbersegnung nicht zu Allerheiligen, sondern zu Allerseelen. Nur weil Allerseelen meistens auf einen Werktag fällt, gehen wir dann schon am arbeitsfreien Allerheiligen-Tag zum Besuch der Gräber unserer Lieben.
Wir Christen denken aber das ganze Jahr über an unsere Verstorbenen, zum Beispiel auch in jeder Heiligen Messe.
Beim Gang über den Friedhof werden alle Gräber gesegnet, und nicht nur die, wo jemand davor steht. Das zeigt etwas vom Sinn dieses Tages: Die Kirche ist eine große Gemeinschaft auf der Wanderung durch die Zeit. Millionen waren vor uns, Millionen kommen nach uns. Aber alle , die sich zu Christus bekennen oder bekannt haben, gehören dazu. Niemand wird aufgegeben. Niemand ist verloren. Die Kirche vergisst niemanden, und Gott schon gar nicht. Alle gehören in diese große Gemeinschaft, die auf dem Wege ist zur Vollendung, auf dem Wege zu Christus. Ja, es geht um alle Seelen, nicht nur um einzelne. Alle sind Gefährten auf dem Wege. Die Ver-
storbenen sind uns auf diesem langen Wege im Grunde nur ein paar Schritte voraus!
Wir sind voller Trauer über Menschen, die von uns gegangen sind. Gerne hätten wir sie noch viel länger in unserer Nähe gehabt. Es gab doch noch so viel miteinander zu reden, noch so viel zu klären, noch so viel Freud und Leid zu teilen. Doch unsere Lieben haben uns verlassen. - Bei manchen Menschen ist der Schmerz über diesen Verlust so groß, dass sie selbst krank werden vor Kummer. Niemand kann ihnen ihren Partner, ihren Freund, ihr Kind, ihre Eltern ersetzen.
Der Schmerz sitzt tief in ihrer Seele. Es ist wie in einem dunklen Keller ohne Licht.
Da bleibt auch die Angst nicht aus. Angst, wie man das Leben jetzt weiter bewältigen kann. Angst, es nicht alleine zu schaffen. Und vielleicht auch, wie bei so vielen, die Angst vor dem eigenen Tod.
Allerseelen ist auch ein Fest gegen diese Angst. Wir Christen machen nicht mit dabei, wie man es heutzutage immer häufiger erlebt: der Tod wird versteckt, als wäre er ein peinliches Versehen, eine technische Panne in der ach so heilen Welt. Leichenwagen bitte nur zum Hinterausgang! Schlimm ist auch, dass Sterbende immer noch in vielen Krankenhäusern in ihren letzten Stunden alleingelassen sind.
Für uns Christen ist das Sterben eben nicht das peinlich-jämmerliche Ende einer mehr oder weniger großen Anzahl gelebter Jahre. Wir sehen nicht nur das momentane Dunkel des Todes, sondern wir sehen weiter. Hinter dem oft schmerzlichen Prozess des Sterbens verbirgt sich etwas.
Wer gestorben ist, der ist nicht einfach so weg. Wir Christen wissen, dass Jesus uns in der Auferstehung vorausgegangen ist. Seinem Weg dürfen wir folgen. Das hat er uns zusagt, auch im heutigen Evangelium: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ - So hat es Jesus zu Marta gesagt und zu uns allen. Und er hat eine Frage hinzugefügt: „Glaubst du das?“
Genau darum geht es. Jesus hat uns alle gefragt,
jeden - Sie und mich. Allerseelen ist eine Art Test, ein Glaubenstest. Glaube ich an die Botschaft Jesu, auch wenn ich bildlich gesehen noch im dunklen Keller stehe? Glaube ich daran, dass er den Tod wirklich besiegt hat? - Dann ist Sterben nicht das Ende, sondern nur eine Art großer Umzug, ein besonderer und endgültiger Wohnungswechsel. Dabei muss ich allerdings allerlei nun überflüssigen Krempel zurücklassen.
Mit gutem Grund sagen wir von einem Verstorbenen: er oder sie ist heimgegangen. Der Verstorbene ist dahin gegangen, wohin er eigentlich nach Gottes Willen gehört: in den Himmel, wo er schon voller Freude erwartet wird.
Dort ist unsere Heimat. Und was Heimat bedeutet, dass wissen wir alle nur zu gut: da fühlen wir uns wohl, da sind unsere Lieben, da kennen wir uns aus, da ist es einfach schön.
„Wir sind nur Gast auf Erden“ singen wir aus dem „Gotteslob“ (Nr. 656). Die Wohlstandsgesellschaft lässt dies freilich manch einen vergessen, der es sich hier doch gerade so gemütlich eingerichtet hat… - Eigentlich wissen wir es alle, aber wir verdrängen es im Alltag immer wieder: wir spielen hier auf Erden nur eine kurze Gastrolle. Sie verlangt uns manchmal ganz schön viel ab, und oft genug müssen wir feststellen, dass wir versagt haben.
Da ist es gut und richtig, füreinander zu beten, und zwar für die Lebenden und auch für die Verstorbenen. Denn wer im Tod vor den Herrn gerufen wird, der ist in der Regel bildlich gesprochen noch nicht in Festtags-
kleidung angekommen, sondern eher etwas schmutzig vom irdischen Alltag. Manches schleppt der Verstorbene immer noch an Ballast mit sich herum, das ihm hier wie ein schwerer Klotz am Bein hängt. Wie im Spiegel wird er oder sie jetzt alle Verfehlungen sehen, das Unfertige, das Lieblose anderen und Gott gegenüber, die unterlassene Hilfe und vieles mehr.
Das wird eine sehr schmerzliche Erfahrung, weil man mit einem Schlag schonungslos sieht, was man so alles angerichtet hat… - Da sieht man sicher aus, wie eine Redewendung so sagt, wie das heulende Elend!
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