
Sir 24,1-2.8-12
Eph 1,3-6.15-18
Predigt zum Evangelium:
Joh 1,1-5.9-14
Evangelium Joh 1,1-5.9-14 (Kurzfassung)
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:
Gott zeltet seit Weihnachten
Zuerst einmal darf ich Ihnen allen heute von Herzen gesegnete Weihnachten wünschen! -
Nein, ich habe mich nicht im Kalender geirrt und erinnere mich durchaus noch an den diesjährigen Heiligen Abend. Diejenigen, die man heutzutage wohl neuhochdeutsch als „Insider“ bezeichnen würde, wissen es natürlich: der Weihnachtsfestkreis endet erst mit dem Fest Taufe des Herrn, diesmal also am 11. Januar.
Am heutigen 2. Sonntag nach Weihnachten steht sogar noch einmal das Weihnachtsevangelium auf dem Leseplan der Kirche. Doch wir müssen jetzt ohne Engel auskommen, ohne Krippe mit Ochs und Esel, ohne Hirten auf dem Felde, ja – sogar ohne Maria und Josef!
Ganz unromantisch, ja fast kühl und philosophisch kommt das Weihnachtsevangelium des Johannes daher. Wer am 1. Weih-
nachtstag die Hl. Messe „Am Tag“ mitgefeiert hat, der hat heute denselben Text sogar zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit vor sich. Das unterstreicht die große Bedeutung, die das heutige Evangelium hat – doppelt genäht hält besser, sagen wir gerne. Oder anders ausgedrückt, wie in der Schule: was wiederholt wird, das sitzt besser.
Doch wir haben schwere Kost vor uns. Immer wieder ist vom Wort die Rede, das bei Gott war und zu uns gekommen ist. Da denkt man natürlich schnell an die Erfahrungen, die wir mit Worten haben. Jetzt, am Anfang des neuen Jahres, haben etliche Bürger wieder allerhand gute Vorsätze gefasst: Man will kürzer treten, mehr Zeit für die Kinder haben, man will sich mehr bewegen, sich gesünder ernähren, ein paar Kilo abnehmen, weniger Alkohol trinken und wer weiß was sonst noch.
Doch Jahr für Jahr machen wir die bedauerliche Erfahrung, wie wenig wir selbst den eigenen Worten trauen können.
Der Geist ist zwar willig, doch das Fleisch ist schwach.
Die guten Vorsätze werden nur von einer Minderheit wirklich durchgehalten.
Sprache dient der Verständigung, der Kommunikation. Doch wohin wir auch schauen: wir haben Probleme mit Worten.
Wie wir bei den guten Vorsätzen gesehen haben, bleibt nicht nur bei Politikern von großen Worten oft nur wenig übrig. Manchmal, wie jetzt im Nahen Osten, da fehlen auf einmal die Worte oder sie werden gebrochen. Oft meinen wir,
der Worte sind genug gewechselt, und wir schreiten zur Tat, die je-
doch meistens eher eine Untat ist. Und dafür findet man dann bald keine Worte mehr! - Häufig wird es hoch und heilig versprochen: Da gebe ich dir mein Wort drauf!
Doch wenn der andere ihn dann beim Wort nimmt, ist dem Ehrenwort die Ehre häufig genug abhanden gekommen. Manche führen überall das große Wort, doch eigentlich könnten sie sich ihre Worte sparen. Mit anderen Worten:
Wer die Wortführer kennt, der weiß, wie viele ihrer großen Worte nur Schall und Rauch sind. Sogar das feierliche JA-Wort vor dem Traualtar gilt bei immer mehr Paaren nur noch für die guten Zeiten, denn die schlechten Tage will man nicht mehr gemeinsam durchleiden. -
Ja, wir sind halt keine Kinder mehr. Wir wissen, wie der Hase läuft. Wir wissen, dass viele Worte nur geheuchelt sind oder nur abwimmeln sollen, damit Ruhe ist. Ja, mein Kind, vielleicht morgen! - Worte können froh machen, aber Worte können auch jemanden fertig machen, jemanden ins Abseits stellen, jemanden zum Schweigen bringen. Also sind wir skeptisch geworden gegenüber Worten.
Im Evangelium geht es auch um das Wort. Es ist nur ein Wort, das Wort, das Wort Gottes. Alles das, was wir so über Worte von Menschen wissen, hat mit dem Wort Gottes ungefähr so viel zu tun wie eine Nuss-Schale, auf dem Meer treibend, mit einem Ozeanriesen.
Vergessen wir alles, was wir über Menschenworte im Kopf haben. Vergessen wir alles, was sich an Bedenken und Erfahrung in uns meldet.
Ein einziges Wort, ein einziger Gedanke genügt – und alles, was Gott will, das geschieht. Sofort zu Beginn der Heiligen Schrift zeigen uns die Aussagen über die Schöpfungs-geschichte, was ein Wort Gottes bewirkt: „Und Gott sprach:
Es werde Licht. Und es wurde Licht.“ Gottes Machtwort schenkt Licht, Gottes Wort schenkt Leben. Ohne sein Wort läuft gar nichts, würde man heute wohl sagen. Bei jedem weiteren Schritt der Schöpfungsgeschichte heißt es im biblischen Text immer genau gleich: „Gott sah, dass es gut war.“
Gottes Wort ist Ausdruck seiner unbegreiflich großen Liebe. Was Gott damit in Bewegung setzt, ist einfach nur gut.
Kein Haken, keine Hintertür, keine Doppeldeutigkeit – einfach nur gut. Gut – das heißt: genau so, wie von Gott gewollt, genau so gut wie Gott. Ja, das Wort ist sogar identisch mit dem, der es ausspricht. So heißt es im heutigen Evangelium: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Wenn Gott uns sein Wort gibt, dann schenkt er uns sich selbst.
Heute geht es im weihnachtlichen Evangelium des Johannes, der selbst Jünger Jesu und Augenzeuge war, genau darum. Gottes Leben und Gottes Licht kommt zu den Menschen.
Gott liebt seine Menschen so sehr, dass wir ihn selbst empfangen dürfen. An Weihnachten kommt er selbst in seinem Sohn zu uns, und er leuchtet in unserer Finsternis. Für den Begriff „das Wort“ steht im griechischen Original übrigens das Wort „Logos“. Darin er-
kennen wir unseren Begriff „logisch“, der auch in Begriffen wie Biologie oder Theologie enthalten ist. Er bedeutet so viel wie Sinn, Wort, Kraft oder Tat. Das bedeutet: An Weihnachten geht es um eine ganz tiefe Wahrheit, um die Offenlegung von etwas, was uns bisher verborgen war. Es geht wirklich um die Sinn-Frage, um die Frage, was die ganze Schöpfung für einen Sinn hat und was die Welt im Innersten zusammenhält.
Kein sinnloser Zufall, kein Urknall, weil halt gerade mal so eben einen Moment lang eine gigantische Menge Energie da war, die sich dann netterweise in der Evolution auch irgendwann in Menschen verwandelte.
Nein, sagt die Bibel: Gottes Liebe ist es, die all das veranlasst hat und lenkt.
Alles ist in Gottes Hand. Und an Weihnachten ist dieser Gott uns in seinem Sohn ganz, ganz nahe gekommen. Kein Gott wie ein eingefleischter, alter Junggeselle, fern und realitäts-
fremd, sondern als Mensch hat er sich eingefleischt, ist in Jesus in Fleisch und Blut übergegangen, hat Hand und Fuß bekommen.
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