30.12.2008

2. Sonntag nach Weihnachten (B) - 04.01.2009


Sir 24,1-2.8-12
Eph 1,3-6.15-18
Predigt zum Evangelium:
Joh 1,1-5.9-14



Evangelium Joh 1,1-5.9-14 (Kurzfassung)

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:


Gott zeltet seit Weihnachten


Zuerst einmal darf ich Ihnen allen heute von Herzen gesegnete Weihnachten wünschen! -

Nein, ich habe mich nicht im Kalender geirrt und erinnere mich durchaus noch an den diesjährigen Heiligen Abend. Diejenigen, die man heutzutage wohl neuhochdeutsch als „Insider“ bezeichnen würde, wissen es natürlich: der Weihnachtsfestkreis endet erst mit dem Fest Taufe des Herrn, diesmal also am 11. Januar.


Am heutigen 2. Sonntag nach Weihnachten steht sogar noch einmal das Weihnachtsevangelium auf dem Leseplan der Kirche. Doch wir müssen jetzt ohne Engel auskommen, ohne Krippe mit Ochs und Esel, ohne Hirten auf dem Felde, ja – sogar ohne Maria und Josef!

Ganz unromantisch, ja fast kühl und philosophisch kommt das Weihnachtsevangelium des Johannes daher. Wer am 1. Weih-

nachtstag die Hl. Messe „Am Tag“ mitgefeiert hat, der hat heute denselben Text sogar zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit vor sich. Das unterstreicht die große Bedeutung, die das heutige Evangelium hat – doppelt genäht hält besser, sagen wir gerne. Oder anders ausgedrückt, wie in der Schule: was wiederholt wird, das sitzt besser.


Doch wir haben schwere Kost vor uns. Immer wieder ist vom Wort die Rede, das bei Gott war und zu uns gekommen ist. Da denkt man natürlich schnell an die Erfahrungen, die wir mit Worten haben. Jetzt, am Anfang des neuen Jahres, haben etliche Bürger wieder allerhand gute Vorsätze gefasst: Man will kürzer treten, mehr Zeit für die Kinder haben, man will sich mehr bewegen, sich gesünder ernähren, ein paar Kilo abnehmen, weniger Alkohol trinken und wer weiß was sonst noch.

Doch Jahr für Jahr machen wir die bedauerliche Erfahrung, wie wenig wir selbst den eigenen Worten trauen können.

Der Geist ist zwar willig, doch das Fleisch ist schwach.

Die guten Vorsätze werden nur von einer Minderheit wirklich durchgehalten.


Sprache dient der Verständigung, der Kommunikation. Doch wohin wir auch schauen: wir haben Probleme mit Worten.

Wie wir bei den guten Vorsätzen gesehen haben, bleibt nicht nur bei Politikern von großen Worten oft nur wenig übrig. Manchmal, wie jetzt im Nahen Osten, da fehlen auf einmal die Worte oder sie werden gebrochen. Oft meinen wir, der Worte sind genug gewechselt, und wir schreiten zur Tat, die je-

doch meistens eher eine Untat ist. Und dafür findet man dann bald keine Worte mehr! - Häufig wird es hoch und heilig versprochen: Da gebe ich dir mein Wort drauf!

Doch wenn der andere ihn dann beim Wort nimmt, ist dem Ehrenwort die Ehre häufig genug abhanden gekommen. Manche führen überall das große Wort, doch eigentlich könnten sie sich ihre Worte sparen. Mit anderen Worten:

Wer die Wortführer kennt, der weiß, wie viele ihrer großen Worte nur Schall und Rauch sind. Sogar das feierliche JA-Wort vor dem Traualtar gilt bei immer mehr Paaren nur noch für die guten Zeiten, denn die schlechten Tage will man nicht mehr gemeinsam durchleiden. -

Ja, wir sind halt keine Kinder mehr. Wir wissen, wie der Hase läuft. Wir wissen, dass viele Worte nur geheuchelt sind oder nur abwimmeln sollen, damit Ruhe ist. Ja, mein Kind, vielleicht morgen! - Worte können froh machen, aber Worte können auch jemanden fertig machen, jemanden ins Abseits stellen, jemanden zum Schweigen bringen. Also sind wir skeptisch geworden gegenüber Worten.


Im Evangelium geht es auch um das Wort. Es ist nur ein Wort, das Wort, das Wort Gottes. Alles das, was wir so über Worte von Menschen wissen, hat mit dem Wort Gottes ungefähr so viel zu tun wie eine Nuss-Schale, auf dem Meer treibend, mit einem Ozeanriesen.

Vergessen wir alles, was wir über Menschenworte im Kopf haben. Vergessen wir alles, was sich an Bedenken und Erfahrung in uns meldet.

Ein einziges Wort, ein einziger Gedanke genügt – und alles, was Gott will, das geschieht. Sofort zu Beginn der Heiligen Schrift zeigen uns die Aussagen über die Schöpfungs-geschichte, was ein Wort Gottes bewirkt: „Und Gott sprach:

Es werde Licht. Und es wurde Licht.“ Gottes Machtwort schenkt Licht, Gottes Wort schenkt Leben. Ohne sein Wort läuft gar nichts, würde man heute wohl sagen. Bei jedem weiteren Schritt der Schöpfungsgeschichte heißt es im biblischen Text immer genau gleich: „Gott sah, dass es gut war.“


Gottes Wort ist Ausdruck seiner unbegreiflich großen Liebe. Was Gott damit in Bewegung setzt, ist einfach nur gut.

Kein Haken, keine Hintertür, keine Doppeldeutigkeit – einfach nur gut. Gut – das heißt: genau so, wie von Gott gewollt, genau so gut wie Gott. Ja, das Wort ist sogar identisch mit dem, der es ausspricht. So heißt es im heutigen Evangelium: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Wenn Gott uns sein Wort gibt, dann schenkt er uns sich selbst.


Heute geht es im weihnachtlichen Evangelium des Johannes, der selbst Jünger Jesu und Augenzeuge war, genau darum. Gottes Leben und Gottes Licht kommt zu den Menschen.

Gott liebt seine Menschen so sehr, dass wir ihn selbst empfangen dürfen. An Weihnachten kommt er selbst in seinem Sohn zu uns, und er leuchtet in unserer Finsternis. Für den Begriff „das Wort“ steht im griechischen Original übrigens das Wort „Logos“. Darin er-

kennen wir unseren Begriff „logisch“, der auch in Begriffen wie Biologie oder Theologie enthalten ist. Er bedeutet so viel wie Sinn, Wort, Kraft oder Tat. Das bedeutet: An Weihnachten geht es um eine ganz tiefe Wahrheit, um die Offenlegung von etwas, was uns bisher verborgen war. Es geht wirklich um die Sinn-Frage, um die Frage, was die ganze Schöpfung für einen Sinn hat und was die Welt im Innersten zusammenhält.

Kein sinnloser Zufall, kein Urknall, weil halt gerade mal so eben einen Moment lang eine gigantische Menge Energie da war, die sich dann netterweise in der Evolution auch irgendwann in Menschen verwandelte.

Nein, sagt die Bibel: Gottes Liebe ist es, die all das veranlasst hat und lenkt.

Alles ist in Gottes Hand. Und an Weihnachten ist dieser Gott uns in seinem Sohn ganz, ganz nahe gekommen. Kein Gott wie ein eingefleischter, alter Junggeselle, fern und realitäts-

fremd, sondern als Mensch hat er sich eingefleischt, ist in Jesus in Fleisch und Blut übergegangen, hat Hand und Fuß bekommen.


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27.12.2008

2009: An Gottes Segen ist ...

Allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Jahr 2009 !
Linktipp: Predigt zum 1.Januar von Pfr. Dr. J. Holdt
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25.12.2008

Heilige Familie - 28.12.2008

Gen 15,1-6; 21,1-3
Hebr 11,8.11-12.17-19
Predigt zum Evangelium:
Lk 2,22-40




Evangelium Lk 2, 22-40

Das Kind wuchs heran; Gott erfüllte es mit Weisheit

Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe.

Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selber aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.

Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Pénuels, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.

In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig;

Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:


Der alte Mann und das Heil


Vielleicht kennen Sie den schon?

Ein Mann betet ganz verzweifelt zu Gott: „Lieber Gott, lass mich doch bitte auch mal einen Sechser im

Lotto haben!“ - So geht das Woche für Woche, Monat für Monat, ein ganzes Jahr lang. Der Mann hat wirklich Ausdauer: „Lieber Gott, lass mich doch endlich auch mal einen Sechser im Lotto haben!“ - Da verliert Gott wohl die Nerven und antwortet dem energischen Beter: „Gib mir bitte eine faire Chance – besorge dir endlich mal einen Lottoschein!“


Wir haben verstanden. Um etwas gewinnen zu können, muss man erst einmal etwas investieren, etwas riskieren. Wer zu einem bestimmten Ziel gelangen will, der muss sich auch tatsächlich auf den Weg machen.

Im heutigen Evangelium haben sich gleich mehrere auf den Weg gemacht. Da sind zuerst einmal Maria und Josef mit dem neugeborenen Jesus.

Nach einer vor-

geschriebenen Wartezeit war damals für alle Wöchnerinnen eine Art Reinigungs-Ritus nach dem Gesetz des Mose vorgeschrieben. Erst danach durften sie wieder am normalen gottesdienstlichen Leben ihrer Gemeinde teilnehmen. Maria und Josef machen sich also auf den für die junge Mutter mühsamen Weg nach Jerusalem hinauf.

Im Tempel wollen sie das Kind zugleich Gott weihen.

Das war damals ebenso üblich: Jeder männliche Erstgeborene sollte dem Herrn geweiht sein. Kein Kind ist Besitz der Eltern. Es ist stets auch Gottes Kind, Gottes Schöpfung.


Maria und Josef wollen keine Extra-Wurst für Jesus. Sie tun genau das, was Tausende anderer junger Eltern tun. Sie halten sich strikt an die religiösen Vorschriften ihres jüdischen Glaubens. Sie machen sich auf den Weg wie alle. Sie bringen im Tempel auch ein Opfer dar wie alle anderen. Für die wohlhabenderen Leute war dies ein Lamm, für die ärmeren zwei junge Tauben. Maria und Josef opfern also die Tauben.


Den anstrengenderen Teil ihres Weges werden sie danach noch vor sich haben, die etwa 100 Kilometer von Jerusalem nach ihrem eigentlichen Wohnort Nazareth. Mindestens vier Tagesmärsche muss man dafür einkalkulieren, für die noch geschwächte Mutter wahrlich kein Zuckerschlecken! Doch Maria und Josef tun alles, um die Vorschriften und damit Gottes Gebote zu erfüllen. Das ist für sie gar keine Frage. Ihnen wird nichts geschenkt, und dem kleinen Jesus auch nicht. Sie wollen ein normales Leben führen, so gut das unter der Besatzungsmacht der Römer eben möglich ist.


Doch erst einmal erreichen sie gerade das Innere des Tempels. In der großen Halle herrscht Betriebsamkeit. Viele Beter überall, die meist halblaut beten. Dazu Priester, die in ver-

schiedensten Anliegen von Gläubigen angesprochen werden. Auch einige andere Neugeborene werden gerade den Priestern vorgestellt. Maria und Josef gehen auf den nächsten Priester zu, doch da werden sie plötzlich gestoppt.


Ein alter Mann hält sie an. Dieser alte Mann hat sich auch auf den Weg gemacht. Er heißt Simeon und ist oft im Tempel. Simeon kommt nicht zufällig gerade jetzt dorthin.

Im Evangelium heißt es ausdrücklich, dass er vom Geist in den Tempel geführt wurde.

Simeon ist ein besonderer Mann. Er ist zwar alt an Jahren, aber nicht des Lebens müde. Er ist zwar mit den Jahren immer gebrechlicher geworden, aber das spielt für ihn nur eine geringe Rolle. Simeon hat ein Ziel vor Augen. Simeon weiß, was er will. Sein ganzes Leben hat er das gewusst. Wie viele andere fromme Juden vor und mit ihm hat er immer auf den kommenden Heiland gehofft, auf den Messias, den Erlöser aller Menschen.


Aber es ist etwas Besonderes mit Simeon. Während andere so nebenbei mehr oder weniger hoffen und sich im Alltag recht nett eingerichtet haben, macht Simeon nichts anderes. Sein Leben dreht sich nur um diese Hoffnung. Er hält nach dem Retter Ausschau, der schon von einigen Propheten angekündigt wurde. Sein ganzes Leben versteht er als Dienst für Gott.

Wie ein Wächter auf dem Turm hält er Ausschau. Das leise Gespött der Leute hinter seinem Rücken lässt ihn kalt.

Er hält in Treue fest, wo andere aufgegeben haben. Sein ganzes Wesen hat sich dadurch im Laufe der Jahre verändert. Simeon wartet nicht passiv, so wie in einem Wartezimmer. Simeon wartet aktiv. Er betet ständig und inbrünstig zu Gott um den Messias. Er ist sich durch eine Eingebung des Geistes hundertprozentig sicher: Er ist deshalb noch nicht gestorben, weil er den Messias leibhaftig sehen darf.


So ist er nun wie aus dem Nichts vor Maria und Josef aufgetaucht. Als er das Kind zu Gesicht bekommt, ist er wie elektrisiert. Er stutzt sicher einen kurzen Augenblick, doch dann umfängt ihn ein unbeschreiblicher Glanz, ein ganz tiefes, fast überirdisches Glücksgefühl. Er weiß es: Jetzt ist er da, sein wichtigster Augenblick in seinem langen Leben.

Sicher hat er mit den Tränen zu kämpfen, der alte Mann. Sicher hat er das Gefühl, dass ihn gleich die Kräfte verlassen.- Es ist wahr! Er ist am Ziel, der Heiland ist nach den vielen Jahren da, das Heil ist angebrochen. Welche Seligkeit!


Er fragt die verdutzten Eltern erst gar nicht. Simeon be-

kommt ohnehin erst mal gar keinen Ton he-

raus. Er nimmt das Kind einfach aus den Armen der Mutter. Nun liegt es wie in einer Wiege in seinen Armen. Er drückt das Kind an sich und liebkost es. Wogen des Glücks umspülen Simeon.

Erlösung ist jetzt für ihn greifbar, Erlösung hat Hand und Fuß.

Das Kind strahlt Simeon an, und Simeon strahlt das Kind an, eine kleine Ewigkeit lang. Es scheint, es gäbe es nur sie beide allein auf der ganzen Welt. Innigste Zwiesprache ohne Worte, einige himmlische Sekunden lang.


Die junge Mutter steht sprachlos daneben und lässt es geschehen. Sie ahnt, dass hier etwas ganz Erschütterndes geschieht, bei dem man unmöglich stören darf, wenn man kein Eindringling sein will. Es ist, als würde alle Zeit einige Sekunden lang angehalten. Die Welt hält den Atem an.


Da geschieht es: Aus Simeon platzt es nur so heraus, als ob alle seine langen Jahre des Wartens in dieser Sekunde kostbar entschädigt würden. Im Evangelium heißt es: „Simeonpries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“

Simeon hat tat-

sächlich das Licht der Welt noch sehen dürfen!

Das Licht, das alles heil macht, das Licht, das alle erleuchtet, das allen den Weg weist, und zwar ausdrücklich auch den Heiden, also denen, die nicht oder noch nicht an den wahren Gott glauben.

Das will auch unsere Weihnachtsbeleuchtung in der Kirche und daheim als Botschaft in die Welt tragen: Seht alle her und jubelt, denn das wahre Licht ist zu uns gekommen!


Simeon wird sich nun bald vom Erdenleben verabschieden können. Doch vorher wendet er sich noch mit einem letzten prophetischen Wort an Maria, die Mutter Jesu: „Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selber aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“

Wir spüren es: In den Jubel mischen sich schon die ersten Töne und Vorboten des Schicksals Jesu. Simeon weiß,

was Maria noch nicht in der vollen Tragweite ahnt: Ihr Sohn Jesus wird viele Menschen aufrichten und zu Gott führen, aber er wird auch viel Widerspruch erfahren, besonders von den religiösen Führern.

Sogar das Leiden und Sterben Jesu deutet er an. Der Mutter Jesu wird ein Schwert durch die Seele dringen. Sie wird ent-

setzlich leiden müssen, wenn sie mitansehen muss, was man ihrem Sohn alles an Bosheit antut. Viel Leid wird Maria bevorstehen. Das fängt schon damit an, dass der zwölfjährige Jesus bei der Pilgerreise nach Jerusalem ohne einen Hinweis an Maria im Tempel bei den Schriftgelehrten bleibt und Maria nach ihrer verzweifelten Suche ganz verwundert entgegnet: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“


Ja, Maria wird viel Leid ertragen müssen. Die Heilige Familie, deren Festtag wir heute begehen, war kein Bilderbuch-Idyll. Sie mussten vor den Soldaten des Herodes außer Landes fliehen, und immer wieder gab es in der Verwandtschaft und rund um Nazareth viel Unverständnis über den Sohn des Zimmermanns, von dem einige gar meinten, er sei von Sinnen. Auch die Szene bei der Hochzeit zu Kana zeigt, dass Jesus nicht immer nur der liebe Jesus war. Energisch weist er seine Mutter erst einmal zurecht, als sie von ihm erwartet, dass er für die verzweifelten Brautleute den dringend erforderlichen Nachschub an Wein auf seine Weise herbeischafft.


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21.12.2008

Gesegnete Weihnachten!

Allen Leserinnen und Lesern
eine gnadenreiche, gesegnete Weihnacht!
Sie finden hier im Anschluss
zuerst eine Predigt zur Heiligen NACHT,
weiter darunter zwei Predigtvorschläge zum Heiligen ABEND !

In der heiligen Nacht - 24.12.2008

Predigtgedanken zu "Am heiligen ABEND" weiter unten!

Jesaja 9,1-6
Titus 2,11-14
Predigt zum Evangelium:
Lukas 2,1-14




Evangelium Lk 2, 1-14

Heute ist euch der Retter geboren

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Be-

wohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.


GEDANKEN ZUR PREDIGT IN DER HEILIGEN NACHT


Alle Jahre wieder?


Nun ist es endlich so weit: alle Vorbereitungen sind getroffen, die Einkäufe getätigt, die Wohnung geputzt, leckeres Festessen und Geschenke, und nicht zu vergessen – der Weihnachts-

baum! Jetzt ist sie da, die „gabenbringende Weihnachtszeit“, wie ein Spötter formulierte.- Hier soll niemand die Festfreude verleidet werden. Wenn Menschen sich mit Aufmerksamkeit begegnen, sich beschenken, miteinander sprechen und feiern und Zeit verbringen, ist das nur zu begrüßen. All dies kommt im Alltag von vielen Familien leider oft zu kurz.


Die meisten kennen die Fernsehsendung, die traditionell seit vielen Jahren an Silvester in den dritten Programmen ausgestrahlt wird:

„Dinner for One“ oder „Der 90. Geburtstag“ mit Miss Sophie und ihrem Butler James. Einfach unbe-

schreiblich, dieser Sketch!

James fragt mehrmals, in der verzweifelten Hoffnung, dem Alkohol entgehen zu können: „The same procedure as last year, Miss Sophie?” (Die gleiche Prozedur wie vergangenes Jahr), was sie stets bestätigt mit: “The same procedure as every year, James!” (wie jedes Jahr). - Wie es dabei dem armen James ergeht, das trainiert unsere Lachmuskeln…

Das Fest der Geburt Jesu steht in der Gefahr, dass es ihm auch so ergeht – also wie jedes Jahr, die gleiche Prozedur, das immer gleiche Fest. Natürlich wird es immer Menschen geben, die lediglich wegen der schönen Stimmung die Christmette in der vollen Kirche in Anspruch nehmen und anschließend das Christentum wieder für ein Jahr an den Haken hängen.


Darum geht es hier aber nicht. Das heutige Evangelium will uns Gläubige alle wachrütteln und uns das unfassbare Geschenk der Weihnacht noch einmal ganz deutlich machen.

Die Geburt Christi soll nicht vorschnell „alle Jahre wieder“ gefeiert werden, weil es eben so Tradition ist. Weihnachten - das ist viel, viel mehr. Es ist die schönste Liebeserklärung, die Liebeserklärung Gottes an jeden von uns.


Der Evangelist Lukas schildert zuerst, wie mühsam der Weg von Josef und Maria ist – von Nazareth bis nach Bethlehem sind es über 100 Kilometer Fußweg! Aber Josef fügt sich bereitwillig dem Befehl des Kaisers Augustus zur Volkszählung; so kommen sie in seine Vaterstadt Bethlehem. Der Befehl des damals mächtigsten Herren der Welt fügt sich aber genau in den Plan Gottes, denn nur so kommt Jesus ausgerechnet in der Königsstadt Davids zur Welt, ein besonderer Hinweis auf sein eigenes Königtum!

Doch nur eine kümmerliche Krippe in einem zugigen Stall steht für dieses Königskind zur Verfügung. Er nimmt sich keinerlei Sonderrechte heraus – ganz im Gegenteil! Da kann jeder sehen: Wenn Gott zu uns kommt, macht er sich ganz klein, armselig und hilflos – so unendlich groß ist seine Liebe!


Und wer erfährt zuerst vom weihnachtlichen Geschehen im Stall? Nicht König oder Bürgermeister, nicht Lehrer oder Priester! Es sind Hirten, die draußen auf dem Feld bei ihrer Herde Nachtwache hielten. Auf sie richtet der Evangelist Lukas seine und unsere Aufmerksamkeit.


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17.12.2008

Am Heiligen Abend - 24.12.2008

Jes 62,1-5
Apg 13,16-17.22-25
Predigt zum Evangelium:
Mt 1,18-25





Kurzfassung Mt 1, 18-25

Maria wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.

Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.


1. Vorschlag: Am Heiligen Abend


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:


Der Traummann


Jeder Fernsehsender, der beim Kampf um Zuschauerzahlen ganz oben stehen will, muss unbedingt Quizsendungen zur besten Sendezeit anbieten. Die sind jetzt wieder sehr gefragt. Zum heutigen Evangelium habe ich hier auch eine Quizfrage für Sie parat: „Was antwortete Josef dem Engel,

der ihm im Traum erschien?“ -

Sie dürfen jetzt allerdings niemanden anrufen und auch bitte unser Publikum nicht befragen. Ja, was antwortete Josef also dem Engel, als der ihm erklärte, dass das Kind, das seine Verlobte Maria erwartete, vom Heiligen Geist ist?

Wenn Sie sich an die Antwort nicht erinnern können, ist das kein Grund, sich über zunehmende Vergesslichkeit Gedanken zu machen. Josef antwortete nämlich - nichts !


Und das muss man sich mal vorstellen: Josef hatte ganz sicher seinen Traum vom Leben mit Maria. Ein Häuschen, seine kleine Zimmerei-Werkstatt, ein paar nette Kinder mit seiner lieben Frau Maria – ach, das wäre schön!

Josef war mit Maria verlobt. Verlobung war damals ein absolut verbindliches Eheversprechen und wurde gesetzlich auch so behandelt. Auf Ehebruch stand schon während der Ver-

lobungszeit die Strafe der Steinigung, zumindest aber ein Verstoßen in Schimpf und Schande.


Und nun – vor dem Erscheinen des Engels – hatte Maria ihrem

Verlobten an-

vertraut: Ich bin schwanger durch das Wirken des

Heiligen Geistes. Josef war geschockt. Sein Traum vom trauten Heim schien wie eine Seifenblase zu zerplatzen. Was war nur los mit Maria?

Er kannte sie doch schon lange und gut genug, um seiner frommen Verlobten absolut vertrauen zu können. Sollte er sich derart getäuscht haben? Hatte sie einen anderen Mann kennengelernt?

Jeder, der einmal heftigen Liebeskummer erlebt hat, kann Josef nachfühlen, in welchem Zustand er jetzt war. Das war wie ein kleiner Weltuntergang! Die Erklärung Marias konnte er beim besten Willen nicht verstehen.


Aber was tun?

Josef wollte Maria vor allem nicht bloß-

stellen. „Josef, ihr Mann, der gerecht war“ heißt es im Evangelium. Ja, Josef war im besten Wortsinne fromm und bemühte sich um ein gerechtes Leben, wie Gott es erwartete. Aber was war jetzt in dieser vertrackten Situation gerecht? So beschloss er, „sich in aller Stille von ihr zu trennen“. Er wollte also jedes Aufsehen vermeiden. Nicht Wut oder Enttäuschung bestimmte sein Denken, sondern seine große Liebe zu Maria, die er auf diese Weise schützen wollte, denn wenn er sich von ihr trennte und vielleicht in einen anderen Ort zog, sah es nach außen so aus, als läge die Schuld bei ihm. Eine verlassene Braut – und dann noch schwanger! Schlimm, dieser Mann! - Josef war also bereit, sich die Hände schmutzig zu machen, um seine geliebte Maria von allen Schuldzuweisungen zu verschonen.


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15.12.2008

4. Adventssonntag B - 21.12.2008

2 Sam 7,1-5.8b-12.14a-16
Röm 16,25-27
Predigt zum Evangelium:
Lk 1,26-38



Evangelium Lk 1,26-38

Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären


Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt.

Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:


Casting für Gottes Sohn


Seit einigen Jahren gibt es im Fern-

sehen sogenannte Casting-Shows, bei denen sich junge Talente (und solche, die sich dafür halten) einem Millionen-

publikum präsentieren. Die meisten haben jahrelang für diesen Wettkampf um die Gunst einer Jury und der Zuschauer hart gearbeitet, aber nur ganz wenigen ist ein wirklicher Durchbruch als Star gelungen wie etwa dem Handy-Verkäufer Paul Potts, dessen umwerfender Gesangs-Auftritt viele zu Tränen rührte und der nun die halbe Welt als Operntenor bereist.


Von einem Casting unter ganz anderen Vorzeichen erfahren wir im heutigen Evangelium zum vierten Adventssonntag.

Gott selbst ist es, der hierbei einziges Mitglied der Jury ist.

Man konnte sich auch nicht bei ihm bewerben, sondern Gott hat in seiner Weisheit selbst Ausschau nach einer geeigneten Kandidatin gehalten. Von ihm allein ging die Initiative aus. Gesucht war eine Jungfrau, die nach Gottes Urteil würdig war, seinen Sohn als Kind zur Welt zu bringen.


Als die Zeit nach Gottes Ratschluss dafür gekommen ist, schickt Gott einen Engel. Es ist nicht irgendein Engel, sondern einer von Gottes Thronengeln und Führer der Cherubim, der Erzengel Gabriel, also eine hochrangige Besetzung für diesen ganz besonderen Botendienst. Auch ohne Navigationssystem findet dieser präzise das Ziel seines Auftrages: ein Städtchen in Galiläa namens Nazaret, damals mit weniger als 200 Einwohnern ein verschlafenes Nest und so unbedeutend, dass es nirgendwo im Alten Testament erwähnt ist. Wir würden vielleicht dazu sagen: dunkelste Provinz.

Nazaret ist etwa 100 km und damit vier Tagesreisen von der Hauptstadt Jerusalem entfernt. Durch eine ausgeprägte Hanglage bestand die Mehrzahl der dortigen Wohnhäuser damals aus ausgebauten Höhlen, die es dort zahlreich gab.

Der Name „Nazaret“ macht dennoch stutzig, denn der aramäische Ausdruck bedeutet „Fürst“ oder „Krone“.

Und in der Tat lebten damals in Nazaret Nachkommen einer entmachteten Linie von Nachkommen des Königs David, wozu auch Josef und durch ihn auch seine Verlobte Maria zählte. Genau so steht es auch im heutigen Evangelium.


Vom Engel Gabriel heißt es ausdrücklich, dass er von Gott gesandt wurde. Alles, was er tut und sagt, ist purer Auftrag und Dienst. Wir Menschen erstaunen einmal mehr über Gottes Entscheidung für ein Mädchen aus Nazareth. Er wählt keine aus der Hauptstadt, er wählt keine Studierte, er wählt keine besonders Redegewandte, er wählt keine in den Augen der Mitmenschen besonders Herausragende. Wir kennen nicht alle Gründe Gottes, warum er gerade sie ausgesucht hat, im doppelten Sinne eine tragende Rolle zu übernehmen. Doch einiges wissen wir schon über die Voraussetzungen der jungen Maria für Gottes Casting.

Schon ihre Eltern Joachim und Anna waren besonders gottesfürchtige Leute und werden in der Kirche als Heilige verehrt. In den vier Evangelien erfahren wir nichts über sie, doch andere Quellen erzählen, dass sie kaum 100 Meter vom Jerusalemer Tempel entfernt wohnten und dass Joachim ein Tempelpriester war.

20 Jahre litten sie unter dem Makel ihrer Kinderlosigkeit, bis sie nach Ankündigung eines Engels endlich ein Kind bekamen, Maria. Es wird erzählt, dass sie ihre Tochter voll Freude dem Tempel weihten und Maria intensiv im Glaubensleben erzogen wurde.


Nun steht er also vor der Jungfrau Maria, der Erzengel Gabriel. Schon sein Gruß beim Eintreten in das Haus ist bemerkens-

wert: „Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ Er spricht sie also zuerst an, er grüßt zuerst. Doch er spricht sie erst einmal nicht mit ihrem Namen an, sondern mit „du Begnadete“.

Dem Engel ist diese Einleitung ins Gespräch besonders wichtig. Nicht der Name ist Ausgangspunkt, sondern eine Eigenschaft Marias, die ihr von Gott verliehen worden ist.

Sie ist „begnadet“ – da denken wir schnell an begnadete Künstler, die mit einem Riesentalent gesegnet sind.

Doch dieses „du Begnadete“ meint mehr als das. Leider gibt es keine genaue Übersetzungsmöglichkeit für den Begriff aus dem Urtext, aber sinngemäß ist damit gemeint „du mit Huld beglückte“ .

Gott, der allmächtige Herrscher aller Welt, hat diesem auserwählten Mädchen seine göttliche Huld geschenkt. Er schenkt ihr das wahre und einzig wirkliche Glück.

Weiter sagt der Engel: „Der Herr ist mit dir“, wie wir auch im Gegrüßet-seist-du-Maria beten.

Gabriel sagt kein Wort einfach nur so. Jedes seiner Worte ist genau bedacht. „Der Herr ist mit dir“ - das heißt, er macht Maria eine feste Zusage. Ja, Maria, du kannst dich darauf verlassen, dass Gott selbst bei dir ist, dass er in deiner Nähe ist, dass er dich nicht alleine lässt. Du lebst in seiner Gegenwart, du Glückliche!


Doch die Freudenluftsprünge Marias bleiben erst einmal aus.

Sie reagiert mit Erschrecken, aber interessanterweise nicht über das Erscheinen des mächtigen Engels, wie das anderen Menschen passiert, sondern, wie es ausdrücklich heißt, über diese feierliche Anrede. Während Maria über die ihr wohl in ihrer Tragweite nicht erkennbare Bedeutung dieses seltsamen Grußes nachdenkt, geht der Erzengel zum nächsten Schritt über, zur dringend nötigen Erläuterung. Punkt für Punkt gibt er Maria zu verstehen, was an ihr und mit ihr geschehen soll.

Die Gnade, die Gott ihr schenkt, ist Gabriel offenbar besonders wichtig, denn nachdem er Maria nun mit ihrem Namen angesprochen hat, wiederholt er seine Anrede mit anderen Worten: „Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast bei Gott Gnade gefunden.“


Alles, was geschehen wird und wie es geschehen wird, ist also ganz aus-

drücklich ein Werk der Gnade Gottes. Nicht durch menschliches Handeln, sondern durch einen Schritt Gottes, durch sein Erbarmen kommt das Heil in unsere Welt!

Doch Gabriel erklärt auch, dass Gott nicht ohne die Einwilligung und Mithilfe Marias handeln möchte. In der reinen Jungfrau Maria hat Gott den Menschen gefunden, der sein Leben schon immer auf ihn ausgerichtet hat, schon von Kind an. Maria ist ganz besonders empfänglich für Gott, und nun darf sie sogar ein Kind empfangen.


Maria hat ganz aufmerksam zugehört. Was ihr der Engel Gabriel da alles erklärt hat, ist so unfassbar, so unerhört, dass auch die gottesfürchtige Maria von heftigen Zweifeln geplagt wird. Kann das denn wahr sein? Das geht doch gar nicht, weil ich doch mit keinem Mann zusammen war! Mein Verlobter hat mich nicht angerührt. Wie soll denn da ein Kind entstehen? Wie hat Gott sich das denn gedacht?


Auch Maria hat Fragen, weil sie nicht alles versteht. Das wird ihr in ihrem Leben mit ihrem Sohn Jesus noch öfter passieren, wie wir heute wissen. Das Bemerkenswerte ist jedoch, dass Gabriel vollstes Verständnis dafür hat. Er weiß, dass Gott Fragen und Zweifel akzeptiert. Gott ist ja kein Vertreter, der einen überrumpeln will. Gott möchte ein überzeugtes JA, das aus dem Herzen kommt, und nicht ein jämmerliches Na-gut-wenn-es-denn-sein-muss.


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