Jes 55,1-11
1 Joh 5,1-9
Predigt zum Evangelium:
Mk 1,7-11
Evangelium Mk 1,7-11:
In jener Zeit trat Johannes in der Wüste auf und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.
Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:
Yes, God can !
Die Hotels sind schon seit Wochen total ausgebucht, und der Ansturm der Reise-
veranstalter auf die mehr als 200 000 Eintrittskarten ist gewaltig. Nur noch wenige Tage, dann wird das Spektakel weltweit im Fernsehen übertragen.
Nein, Sie haben keine Olympischen Winter-
spiele oder die Fußball-Weltmeisterschaft verpasst. Das Ganze findet am 20. Januar in Washington statt: Na klar, die Amtseinführung von Barack Obama!
Der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten wird entsprechend gefeiert. Mit seinem Schlachtruf „Yes, we can!“ (also in etwa: Klar, wir werden das packen!) hatte er die Massen erfolgreich motiviert. Ein schwarzer Pastor meinte: „Die Reise nach Washington kommt für viele von uns einer Pilgerfahrt gleich!“
Wir sehen also, wie auch heutzutage die Emotionen hochgehen können, wenn einer charismatischen Führerfigur die Amts-
geschäfte übergeben werden. Auch die
Kirche kennt solche hochoffiziellen Ernennungen, bei denen sich der Medien-
rummel aber sehr schnell wieder verliert. So sind in den letzten Jahren besonders viele Kardinäle zur Auffrischung und Verjüngung des weltweiten Führungsteams vom Papst ernannt worden. Von etwaigen Schlachtrufen wurde allerdings nichts bekannt, und mit den mehr als 200 000 Besuchern konnte man wohl eher auch nicht mithalten.
Noch eine ganze Stufe bescheidener geht es mit der Amts-
einführung im heutigen Evangelium zu. Hier tritt Jesus zum ersten Mal für die Öffentlichkeit in Erscheinung. Wie es im Bibeltext heißt, kam Jesus von Nazareth in Galilä zu Johannes an den Jordan, um sich dort von ihm taufen zu lassen.
Als Zwölfjähriger hatte er zwar schon mit den Gelehrten im Tempel diskutiert, war dann aber wieder brav mit nach Hause gegangen. Viele Jahre lang geht er wie Josef der Arbeit des Zimmermanns nach, baut in der ganzen Gegend Häuser und lebt unauffällig, wie andere Handwerker auch. Die vier Evangelisten wissen weiter nichts über diese Zeit zu berichten.
So etwas wie ein Startsignal zum Wegzug aus Familie, Ver-
wandtschaft und Heimat gibt es aber im Leben Jesu. Eines Tages hört er von den mächtigen Bußpredigten des Johannes, der schon weithin bekannt war, obwohl nur ein halbes Jahr älter als Jesus.
Eine innere Eingebung sagt Jesus: Da musst du unbedingt hin! So macht er sich auf den mühsamen Weg, fünf Tagesmärsche von Nazareth bis zur Taufstelle am Jordan.
Schon auf dem Weg reiht er sich bei den Pilgern ein, die das gleiche Ziel haben. Fünf Wandertage sind auch fünf Tage des Nachdenkens, des Bilanz-Ziehens. Jesus wird sich sicher gefragt haben, wie sein Leben nun konkret weitergehen soll, was Gott von ihm erwartet.
Da gibt es schließlich keine Stellenanzeige, wie etwa so: „Demütiger Gottessohn, Erlöser und Bringer des Heils gesucht. Jesus, bitte melde dich!“ - Vielmehr wartet Jesus wie alle anderen in der langen Schlange vor Johannes gespannt auf die direkte Begegnung mit dem asketisch lebenden Mann aus der Wüste. Als Verwandten kennt er ihn ja bereits. Aber Jesus tanzt nicht aus der Reihe. Er lässt nicht seine Beziehungen zum Täufer spielen. Er wartet, bis auch er dran kommt. Johannes aber nimmt sich viel Zeit. Er spricht ausführlich mit jedem.
Die Leute erleben seinen starken Glauben, aber auch seine menschliche Zuwendung. Sie fühlen sich verstanden, fassen Vertrauen, bereuen und bekennen ihre Sünden, und Johannes tauft sie danach durch Untertauchen im Jordan.
Interessant: Zuerst tauft er sie, dann erst hält er ihnen eine Predigt. Mit der Taufe beginnt ein neues Leben mit Gott, denn das alte Leben ist im Taufwasser untergegangen. Jetzt erst sind seine Zuhörer offen für seine Predigt, von der wir nur die entscheidenden Sätze kennen: „Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“
Johannes ist nicht nur Bußprediger,
er ist auch ein Prophet. Er weiß, dass es nun endlich soweit ist: der lange ersehnte Messias steht unmittelbar bevor! Und der ist im Vergleich zu ihm, dem schon so mächtigen Bußprediger,
so unfassbar groß! Deshalb traut Johannes sich noch nicht einmal, als Sklave dessen Schuhe zu schnüren. Was für ein gewaltiger Gottessohn kommt da! - Zur Taufe braucht der auch kein Wasser, denn er tauft direkt mit der Kraft des Heiligen Geistes, sagt Johannes.
Die Reihe der Wartenden kommt schrittweise näher zu ihm.
Der entscheidende Augenblick ist da: Jesus steht vor Johannes! - Was wird jetzt wohl passieren? Werden sie sich herzlich begrüßen, verwandtschaftlich um den Hals fallen?
Was werden sie miteinander bereden?
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