25.12.2009

Fest der Heiligen Familie - C / 27.12.2009


1 Sam 1,20-22.24-28
1 Joh 3,1-2.21-24
Predigt zum Evangelium:
Lk 2,41-52


Evangelium: Lk 2,41-52

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne daß seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.

Gedanken zur Predigt:


Wo ist Jesus?


Es gibt Tage, die bleiben einem ein Leben lang ins Gedächtnis eingebrannt. Glückliche Tage können das sein, aber oft leider auch Tage des Schreckens oder der Verzweiflung. - Der Tag, an dem sie den zwölfjährigen Jesus bei ihrer Wallfahrt aus den Augen verloren haben, gehört für Maria und Josef jedenfalls zu solchen Tagen, die man am liebsten verbieten würde, wenn man nur könnte.

Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Wie jedes Jahr hatten Maria und Josef die Strapazen des viertägigen Fußmarsches nach Jerusa-
lem auf sich genommen. Halb Nazareth war auf den Beinen und auch Verwandte und Bekannte aus der Gegend.
Während des langen Zuges wurden natürlich auch allerlei Neuigkeiten ausgetauscht, und man genoss es auch ein wenig, raus aus dem ewigen Einerlei des Alltags zu kommen. Pilgern macht den Kopf frei, das war schon immer so. - Als fromme, gesetzestreue Juden verbrachten Maria und Josef auch dieses Mal die Feiertage des Passah-Festes im geistlichen Zentrum, in Jerusalem.
Die Stadt quillt dabei regelmäßig aus allen Nähten, denn es sind Hunderttausende, die sich da nicht nur singend und betend durch die engen Straßen wälzen. Doch man rückt selbstverständlich überall so gut es geht zusammen, sodass schließlich sogar jeder abends irgendwie und irgendwo sein Plätzchen zum Schlafen findet.

Traditionell geht man den Hin- und Rückweg in Gruppen, getrennt nach Dörfern, und dann nach Männern, Frauen und Heran-
wachsenden, wie wir das heute auch noch oft bei Prozessionen machen. Im Schutze der großen Gruppe sind auch die Kinder und Jugendlichen gut aufge-
hoben, wobei die meisten ohnehin erst ab dem 13. Lebensjahr, nach ihrer Bar-Mizwa-Feier, bei dieser anstrengenden Wallfahrt mitmachen. Ab dieser Feier gelten die religiös gründlich unterrichteten Heran-
wachsenden nicht mehr als Kinder. Nun ist jeder für sein Leben als gläubiger Jude selbst verantwortlich.

Maria und Josef nehmen Jesus aber dieses Jahr schon mit nach Jerusalem, obwohl er erst 12 Jahre alt ist. Das ist sicher klug gedacht: Ihr Kind hat daheim und beim regelmäßigen Unterricht in der Syna-
goge von Nazareth schon lange bewiesen, wie sehr es sich in den heiligen Schriften auskennt. Wie seine Kameraden hat Jesus während seiner Ausbildung große Teile des Alten Testamentes auswendig gelernt, aber ihm ist dies besonders leicht gefallen.
Nun wollen Maria und Josef dem wissensdurstigen Jungen eine Freude machen und ihn schon mal die einmalige Fest-Atmosphäre in Jeru-
salem schnuppern lassen. So zeigen sie sich als vorbildliche Eltern, denen daran gelegen ist, die Talente ihres Kindes zu unterstützen und zu fördern. Es fällt uns nicht schwer, sich vorzustellen, wie fasziniert der heranwachsende Jesus von den vielen Eindrücken ist.

Als die Feierlichkeiten beendet sind, begeben sich die gewaltigen Pilgerströme nach und nach wieder auf den Heimweg. Das nimmt natürlich einige Zeit in Anspruch. Maria und Josef sehen keinen Grund, Jesus ständig im
Auge zu behalten. Als Kind ist er eigentlich nie aus der Reihe getanzt und hat so wie andere Kinder das getan, was man ihm aufgetragen hatte. So gehen sie davon aus, dass er selbstverständlich bei den Heranwachsenden mitgeht, wie beim Hinweg auch.
Als es Abend wird und man sich für die Übernachtung einrichtet, erleben Maria und Josef eine ganz böse Überraschung: ihr Kind ist einfach nicht auffindbar, weder bei den Kindern noch bei Verwandten oder Bekannten. Diese Wegstrecke ist für einzelne Wanderer sehr gefährlich – so manch einer ist da unter die Räuber gefallen, wie das Gleichnis vom barmherzigen Samariter es anschaulich erzählt.

Jeder, der Kinder hat, kann den beiden nachfühlen, wie siedend heiß es ihnen jetzt wird: Wie konnte das nur passieren! Ist Jesus etwas zugestoßen? Liegt er irgendwo verletzt am Wegesrand? -
Alles Herumfragen bringt sie nicht weiter, denn zu ihrem Entsetzen stellt sich heraus: Keinerlei Spur - niemand hat Jesus auf dem Rückweg gesehen. Die beiden können einem schon leid tun, wie sie da die ganze Tagesstrecke zurückrennen, so schnell sie ihre Füße tragen. Sicher sind sie mit ihren Nerven und ihren Kräften erschöpft, als sie endlich in dem immer noch beachtlichen Gewühle in Jerusalem eintreffen. Allerlei Gedanken schießen ihnen durch den Kopf:
...

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