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29.04.2009
Maiandachten - Gedanken und Linktipps
27.04.2009
4. Sonntag der Osterzeit B - 03.05.2009
Apg 4,8-12
1 Joh 3,1-2
Predigt zum Evangelium:
Joh 10,11-18
Evangelium Joh 10,11-18
In jener Zeit sprach Jesus: Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, läßt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muß ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT
Ich bin ein Schaf
Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass die Zeit wie im Fluge vergeht? Eben erst war Winter, nun haben wir Ostern schon längst hinter uns gelassen – nächste Woche ist Muttertag und in weniger als 240 Tagen feiern wir bereits wieder Weihnachten! -
Vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber ich meine, bei dem Wort „Weihnachten“ soeben bei einigen von Ihnen ein leichtes Zusammen-
zucken bemerkt
zu haben. Möglich, dass man dabei schon mit gemischten Gefühlen an die anstehenden Geschenke denkt.
Mit diesen erinnern wir nicht nur an Jesu Geburt als das große Geschenk Gottes, sondern wir drücken auch gegenseitig unsere Wertschätzung und Liebe damit aus. Ein wirklich schönes Geschenk soll es schon sein, besonders für die Liebsten. Mitmenschen, die man sehr liebhat, möchte man gerne mit einem sehr persönlichen Geschenk erfreuen.
Das ist leichter gesagt als getan, wie wir alle wissen. Man muss den zu Beschenkenden schon sehr gut kennen, um zu wissen, welchen Geschmack er hat, was er vielleicht schon längst angeschafft hat und worüber er sich wirklich freuen würde. Das bedeutet meistens, dass man einige Zeit mit dem Nachdenken und dem Sammeln und Verwerfen von Ideen zubringen wird. So einfach nebenbei macht das niemand.
Da muss man sich schon intensiv bemühen und sich in diese Person hineinversetzen, so gut man das kann.
Bevor Sie nun in diesem Augenblick - von mir ganz unbeabsichtigt – mit Ihrer Weihnachtsplanung für 2009 beginnen, kehren wir schnell zurück zum heutigen Evangelium und dem Grund, warum ich dieses Stichwort an den Anfang gestellt habe. Es geht heute um gute Hirten und um schlechte Hirten und natürlich um jede Menge Schafe. Anschaulich, wie Jesus ist, hält er sich nicht mit theoretischen Erklärungen auf. Stattdessen verwendet er im aktuellen Abschnitt des Johannes-Evangeliums ein Bild, das damals jeder gut aus seinem Alltag kannte.
Es gab viele Schafherden, denen im heißen Israel allerdings nicht so viel saftiges Gras vergönnt war wie im regnerischen Germanien. Die Hirten mussten sich also frühzeitig Gedanken machen um die nächsten Futter-
plätze, und wie man diese am sichersten erreichen konnte.
In vielen Gegenden war außerdem das Wasser knapp. Wer da nicht genau Bescheid wusste, riskierte viele verdurstete Schafe. Schließlich gab es auch allerlei Gefahren durch wilde Tiere und auch durch Diebe, die im Schutze der Dunkelheit einen Über-
fall starteten und etliche Schafe raubten.
Im zum Teil sehr unwegsamen Gelände konnte auch leicht ein Teil der Herde z.B. in einem Dornengestrüpp landen und sich darin verheddern. Kurzum: der Dienst eines Hirten war durch
aus eine verantwortungsvolle Aufgabe, die viel Erfahrung, Mut und Fingerspitzengefühl verlangte. Fehler konnten sich bitter rächen, da oft genug weit und breit keine Hilfe in Sicht war.
Da die Schafe ausgesprochene Herdentiere sind, folgen sie ihrem Hirten im wahrsten Sinne auf’s Wort, zum guten Weideplatz oder aber in ihr Verderben. Wie Experimente gezeigt haben, können sie seine Stimme eindeutig von anderen unterscheiden und hören nur auf ihren eigenen Hirten, dem sie blind vertrauen wie vielleicht ein kleines Menschenkind seiner Mutter.
Wie die reale Erfahrung im damaligen Israel zeigte, gab es immer wieder bezahlte Hirten, denen die Herden selbst nicht gehörten. Sie arbeiteten wie andere Knechte auf der Basis von einem Denar Tageslohn. Ihre Anstellung als Hirte war oft auf einige Wochen oder Monate begrenzt.
Es versteht sich fast wie von selbst, dass diese Hirten in der Regel nicht so viel Erfahrung hatten wie solche, die ihre eigene Herde jahrelang führen.
Wenn es aber hart auf hart kam und z.B. ein Wolf die Herde angriff, waren die meisten der nur angestellten Knechte nicht bereit, für den Schutz der Herde ihre eigenen Knochen hinzuhalten.
Wer weiß, welche bösen Verletzungen die wilden Tiere ihnen im Kampf zufügen konnten…! Anschließend waren sie dann womöglich arbeitsunfähig, allerdings ohne die heutige Rente oder irgendeine Versicherung. Sie konnten dann sehen, wo sie blieben. Also: Bei drohender Gefahr für das eigene Leben nichts wie weg von der Herde!
Jesus schildert seinen Zuhörern und uns dieses Verhalten ganz nüchtern, denn es heißt: „Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.“ - Das Ergebnis allerdings ist die Katastrophe für die Herde: getötete Tiere, auseinandergejagte und verstreute Herden und die Gefahr, dass der Rest der Herde bald auch durch Futter- und Wassermangel elend eingeht.
So ist das, sagt Jesus, wenn man sich auf den falschen Hirten einlässt, auf einen Hirten, der einen irgendwann ins Verderben führt.
Wenn Jesus dies erzählt, dann will er uns wachrütteln.
Es geht ihm natürlich um uns Menschen, nicht um Schafe; insofern darf man in solchen anschaulichen Bildern nicht immer alles 1 : 1 übersetzen. Wir Menschen haben im Gegensatz zu den Schafen das Glück, dass wir uns in aller Regel den Hirten aussuchen können, dem wir uns für unser Leben anschließen. Doch genau darin liegt nicht nur unsere Chance, sondern auch unser Risiko...
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20.04.2009
3. Sonntag der Osterzeit B - 26.4.2009
Apg 3,12a.13-15.17-19
1 Joh 2,1-5a
Predigt zum Evangelium:
Lk 24,35-48
Evangelium Lk 24,35-48
Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren, erzählten den Elf und den anderen Jüngern, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach. Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum laßt ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Faßt mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen. Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muß in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist. Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift. Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT
Neu-Eröffnung
So mancher Pfarrer ist heutzutage froh, wenn er mal an einem Tag keine Versammlung oder Sitzung hat, die seine An-
wesenheit erfordert. Viele Dinge müssen eben besprochen werden, damit „der Laden“ läuft. Solche kirchlichen Zu-
sammenkünfte sind aber keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Wie man im heutigen Evangelium sieht, findet in Jerusalem gerade solch ein Treffen statt. Teilnehmer sind viele der Jünger Jesu, nicht nur die Apostel. Sie haben zwar keine Tagesordnung und müssen auch kein Protokoll abtippen, aber sie haben sicher ein Hauptthema, die Auferstehung Jesu.
Alle erzählen, was sie erlebt und erfahren haben, z.B. die Begegnung der Frauen mit den Engeln im leeren Grab.
Was diese Männer und Frauen da in ihrem Kopf zu verarbeiten haben, ist uns wahr-
scheinlich nicht auf Anhieb bewusst. Wir selbst haben uns in langen Jahren vom Kommunionunterricht und elterlichen Vorbild bis hin zum heutigen Tag an die Glaubenswahrheiten gewöhnt und empfinden dadurch mitunter nicht mehr, welche Sprengkraft, welche Wucht manche Aussagen besitzen. Es ist fast wie mit der Erkenntnis eines Schülers, der auf mehr freie Tage hoffte: „Ostern ist schon o.k., aber es muss doch nicht ausgerechnet dann gefeiert werden, wenn sowieso schon Ferien sind…!“
Klar doch, Jesus ist von den Toten auferstanden – das ist uns hinlänglich bekannt. Unser Halleluja darüber ist ganz bestimmt tief empfunden und ehrlich, aber mit der Dramatik der damaligen Situation nicht zu vergleichen.
Auferstehung – das war eigentlich zu jener Zeit weithin völlig undenkbar. In der heidnischen Umgebung des Evangelisten Lukas spottete man über solche vermeintlich absurden Ansichten, wie man etwa in der Apostelgeschichte (17,32) über die Predigt des Apostels Paulus in Athen nachlesen kann. Die höflicheren Zuhörer in Athen formulierten es etwas freundlicher: „Darüber wollen wir dich ein andermal hören…!“
Bei den Juden gingen die Meinungen darüber weit auseinander. Viele, wie z.B. die Pharisäer, konnten sich eine Auferstehung durchaus vorstellen, aber erst am Jüngsten Tag, dem großen Tag des Gerichtes. Die gewissermaßen vorzeitige Auferstehung eines Einzelnen, also Jesu, lehnten die meisten jedoch energisch als nicht den Texten der Tora gemäß ab.
Das passte einfach nicht in die eigene Vorstellungswelt, in die bisherige Sichtweise!
Nun sitzen sie also da, die Jünger Jesu in Jerusalem, und ringen im intensiven Gespräch um das, was ihnen an Erlebnissen rund um die Auferstehung Jesu selbst oder durch andere begegnet ist. Stundenlang, vielleicht sogar tagelang, wird in dieser Versammlung um das Verständnis dessen gerungen, was da Unglaubliches passiert ist. Wir heute sollten bedenken, dass alle diese Jünger schließlich im jüdischen Glauben erzogen und groß geworden sind; ihr Denken ist fest davon geprägt.
Immer mehr solcher Erlebnisse mit dem Auferstandenen werden jetzt zusammengetragen und diskutiert. Auch die beiden Jünger, denen Jesus auf dem Weg nach Emmaus erschienen war, treffen gerade ein und schildern, wie sie Jesus erst richtig erkannt haben, als er das Brot für sie brach, wie er es vor seinem Leiden getan hatte. Sie stehen noch ganz unter dem Eindruck dieser Begegnung
und ringen förmlich nach Worten.
Mitten in diese fast wie elektrisierte Atmosphäre platzt ein Besucher hinein. Es ist der Herr selbst, der sich sofort in ihre Mitte stellt und das Wort ergreift: „Friede sei mit euch!“ -
Damit meint er natürlich „shalom“, den Frieden, den nur Gott allein uns schenken kann.
Die meisten der ins Gespräch vertieften Jünger realisieren jetzt erst, dass dort jemand steht. Doch es ist wie so oft bei uns Menschen: Sie sehen, aber sie sehen nicht wirklich. Sie sehen den verklärten Leib Jesu, doch sie haben nicht den Blick dafür. Ihnen geht es wie jemand, der von einer völlig umwerfenden Nachricht erreicht wird, wie z.B. einem großen Lottogewinn. Der sagt dann vielleicht: „Ich kann das noch gar nicht fassen!“ Erst nach und nach kann er das verarbeiten und verdauen.
Weil sie noch keine Augen für den Auferstandenen haben, sind Jesu Jünger jetzt wie unter Schock: Das kann ja wohl nur ein Geist sein, der ihnen einen bösen Streich spielen will! In der Zeit, als sie mit Jesus durch das Land gezogen waren, hatten sie das oft genug erleben müssen – Menschen, die nicht mehr Herr über sich selbst waren, die von einem bösen Geist beherrscht wurden. Die Jünger können also die Zeichen nicht ohne Hilfe deuten. Es ist wie bei jemand, der eine Schrift nicht entziffern kann.
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13.04.2009
2. Sonntag der Osterzeit (ABC) - 19.04.2009
Apg 4,32-35
1 Joh 5,1-6
Predigt zum Evangelium:
Joh 20,19-31
Evangelium Joh 20,19-31
Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT
Wir kennen das von ganz kleinen Kindern: alles muss grund-
sätzlich angefasst und wenn möglich auch in den Mund gesteckt werden. Da hat das erwachsene Wach-
personal in der Familie allerhand zu tun. Die Knirpse machen weder vor der heißen Herdplatte Halt noch vor der Blumenerde der Topfblumen. Die Liste der möglichen Übergriffe ist unendlich. Aus Erfahrung weiß ich, dass man nicht nur durch die Bankenkrise Geld verlieren kann, sondern auch auf dem Wege über den Verdauungstrakt eines Zweijährigen.
An vielen Orten wird auch erwachsenen Neugiernasen eine Verhaltensregel mitgegeben. Nicht nur im Museum gilt meistens „Anfassen verboten“. Bei elektrischem Strom und vielen Chemikalien hat sich die Empfehlung „Hautkontakt vermeiden“ durchaus bewährt.
Um solch einen Hautkontakt geht es auch im heutigen Evangelium. Doch immer der Reihe nach: Wir haben gehört, dass die Jünger sich aus Furcht vor den Juden selbst hinter Schloss und Riegel gebracht haben. Sie haben sich verkrochen und eingeschlossen, sind immer noch geschockt vom Tod Jesu am Kreuz. Mit Recht fragen sie sich, wie es mit ihnen weitergehen wird. Wird man sie auch verfolgen und töten?
Als ihre Stimmung am Gefrierpunkt angelangt ist, bekommen sie jedoch überraschend Besuch. Der Auferstandene stört sich überhaupt nicht an ihren Sicherheitsvorkehrungen und steht plötzlich in ihrer Mitte.
Die Jünger, die sogar mutig ihre bürgerliche Existenz aufgegeben hatten, um seinem Ruf zu folgen, waren vor wenigen Tagen angesichts des schrecklichen Leidens Jesu lieber untergetaucht. Zu tief saß ihnen die Angst im Nacken. Der Text des Evangeliums zeigt: noch ist bei ihnen keine Be-geisterung, kein Pfingsten zu spüren. Stattdessen werden sie von ihrer gemeinsamen Angst in Geiselhaft genommen.
Wir hier und heute, die wir unsere eigene Schwachheit kennen und wahrscheinlich oft genug bedauern, haben sicher viel Mitgefühl übrig für dieses Versagen. Manch einer von uns hat sich sicher auch schon in einer stillen Stunde gefragt, was er oder sie denn getan hätte, wenn der Glaube plötzlich lebensgefährlich wird.
Die Frage ist nur, wie Jesus auf die Feigheit seiner Freunde reagiert.
Er müsste doch bitter enttäuscht sein über ihr Verhalten. Doch stattdessen stellt er sich vor sie hin und sagt: „Friede sei mit euch!“
Damit meint er natürlich nicht das Schweigen der Waffen. Friede – „schalom“, das ist der Friede, den allein Gott geben kann, ein umfassender Friede, wirkliches Glück, Heilsangebot und Befreiung von Schuld. Schalom kann man nicht machen – das gibt’s nur als Geschenk durch Gott!
Jesus zeigt dann den Jüngern seine Hände und seine Seite, also seine Wundmale. Da erst reagieren die Jünger und freuen sich über ihn – es ist, als erwachten sie mit einem Schlag aus einem bösen Traum!
Jetzt sind sie nicht mehr wie gelähmt, sondern putzmunter und einfach nur glücklich, ihren Herrn bei sich zu haben.
Erstaunlicherweise wiederholt Jesus nun seinen Gruß: „Friede sei mit euch!“ – Offenbar ist ihm das ganz besonders wichtig, und deshalb sagt er es lieber doppelt. Wir sagen dazu gerne: doppelt genäht hält besser!
Für Jesus ist es ein Herzensanliegen, dass die Jünger nicht von ihren Schuld-
gefühlen gefesselt werden. Ihr Versagen will er gar nicht wegdiskutieren, aber er reitet auch nicht darauf herum. Er ist nicht als Ankläger auf die Erde gekommen, sondern als Retter. Sein wiederholter Friedenswunsch soll signalisieren: Nun kapiert es doch endlich – Gott hat nur euer Heil im Sinn! Ihr seid nach dem Kreuz keine Geiseln des Todes mehr – für alle ist das Lösegeld bezahlt. Freut euch also – denn ihr seid in Gottes Hand!
Einer der Jünger Jesu fehlt jedoch. Es ist Thomas, der oft etwas voreilig „der ungläubige Thomas“ genannt wird. Warum er fehlt, wird im Bibeltext nicht verraten. Es heißt dort einfach nur: „Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.“
Wir können also nur Vermutungen anstellen. Es gibt außer-
biblische Quellen, die als Grund angeben, ein Sohn des Thomas sei gestorben; wegen der Beerdigung sei Thomas daheim gewesen. Andere spekulieren, Thomas habe es einfach nicht mehr ausgehalten, hoffnungslos einfach nur im Kreise der Jünger dazusitzen. Der Bibel jedenfalls ist der Grund seines Fehlens nicht wichtig, und das darf uns dann auch genügen.
Thomas bleibt der Gemeinschaft der Jünger jedenfalls nicht dauerhaft fern.
Er taucht bald wieder bei ihnen auf. Wir können uns lebhaft vorstellen, wie irritiert er jetzt ist. Seine Kollegen sind nicht wiederzuerkennen, voller Freude. Strahlend berichten sie ihm, was sie mit Jesus erlebt haben. Jeder will erzählen, alle reden auf ihn ein. Ihr Herz ist voll vom Erlebten, das muss man einfach sofort erzählen, sonst platzt man vor Anspannung.
Thomas hört sich das alles an. Was mag jetzt in seinem Kopf vorgehen? Er kennt schließlich die anderen Jünger. Das sind keine Träumer und keine Spinner. Es sind ganz bodenständige Leute, so wie er. Angelogen hat ihn von denen noch keiner. Und außerdem sind sie alle so sehr aus dem Häuschen – das kann man also nicht einfach so abtun. Thomas könnte nun klein beigeben und sagen: Ja, ja, ihr habt sicher Recht. Natürlich nehme ich euch das ab, was ihr mir hier erzählt!
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06.04.2009
Ostern (Ostersonntag) B - 12.04.2009

Apg 10,34a.37-43
Kol 3,1-4 oder
1 Kor 5,6b-8
Predigt zum Evangelium:
Joh 20,1-18
Evangelium Joh 20,1-18
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, daß der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.
Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen,
ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wußten noch nicht aus der Schrift, daß er von den Toten auferstehen mußte. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort,
wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du?
Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wußte aber nicht, daß es Jesus war.
Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT
Osternacht: hier keine Predigtgedanken. Lesejahr A 2008
Osterfrauen, Ostermänner
Wissen Sie eigentlich, warum Jesus nach seiner Auferstehung zuerst einer Frau erschienen ist? - Ganz einfach: Damit die Nachricht möglichst schnell unter die Leute kam…
Was in diesem Scherz etwas frauenfeindlich daherkommt, ist bei näherer Betrachtung eher das Gegen-
teil: Jesus hat in seinem Erdenleben vielfach gezeigt, dass für ihn im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen Frauen eben keine Menschen zweiter Klasse sind, die damals z.B. noch nicht einmal vor Gericht als Zeugen zugelassen waren.
Viele Bibelstellen zeugen davon, wie Jesus ohne Vorbehalte mit Frauen im Gespräch war. Ganz selbstverständlich gehörten auch Frauen zum Kreis derer, die ihn nach Kräften unter-
stützten oder sogar mit ihm und den Jüngern von Ort zu Ort zogen.
Am heutigen Ostermorgen bringt uns der Evangelist Johannes unter anderem eine Frau in Erinnerung, die Jesu Hilfe und Güte erfahren hatte und ihm seitdem folgte: Maria Magdalena, eine unverheiratete Frau aus dem Fischerdorf Magdala, wie ihr Nachname verrät.
Es lohnt sich, einen näheren Blick auf sie zu werfen. Wie wir sehen werden, ist sie eine mutige, engagierte Frau, die sich nicht so leicht unterkriegen lässt.
Dabei fing alles wenig erfreulich an. Maria Magdalena wurde , wie wir aus dem Lukas-Evangelium
(Lk 8,2) wissen, von dämonischen Mächten gequält, die ihr tägliches Leben bestimmten. Ihre Krankheit muss sehr heftig gewesen sein, denn die Bibel erzählt von insgesamt sieben Dämonen, die Jesus bei ihr austrieb.
Aus einer Frau, die entsetzlich litt und sich sicher kaum noch aus dem Haus traute, wurde nach der Berührung durch Jesus eine begeisterte und treue Jüngerin. Maria Magdalena hatte die Heilkraft Jesu am eigenen Leib erfahren. Das war wie eine Befreiung aus der Sklaverei für sie!
Nun wollte sie ihm und seiner Sache dienen. Zusammen mit anderen Frauen unterstützte sie ihn nach Kräften und kümmerte sich z.B. um die Versorgung aller. Ausdrücklich wird in der Bibel erwähnt, dass sie dabei für Jesus ihr Hab und Gut einsetzte, d.h. sie war offenbar wohlhabend und finanzierte vieles aus eigener Tasche.
Wie mutig Maria Magdalena war, wird uns aber erst bewusst, wenn wir an die Kreuzigung Jesu denken. Während sich die meisten der männlichen Jünger aus Angst vom Kreuz fernhielten, gehörte sie zu den starken Frauen, die bei Jesus am Kreuz ausharrten. Da die Römer wollten, dass Gekreuzigte ohne jeden Beistand starben und niemand um sie trauern sollte, war dieses Verhalten riskant. Wachsoldaten vor dem Kreuz und vor dem Grab konnten Sympathisanten festnehmen. Und die Römer waren mit ihren Strafen wenig zimperlich, wie wir wissen. Dennoch: Maria Magdalena und einige wenige Getreue, fast nur Frauen, harrten in der Nähe des Kreuzes aus und ließen Jesus in seiner Todesstunde nicht allein.
Im heutigen Evangelium erfahren wir, dass sich diese Maria Magdalena in großer Trauer um ihren Herrn noch in der Morgen-
dämmerung des Ostertages auf den Weg zu Jesu Grab macht. Die Herren der Schöpfung unter den Jüngern Jesu haben sich voller Angst und auch aus Enttäuschung irgendwo verkrochen oder sind sogar in den Alltag ihrer Heimatorte zurückgekehrt. Für alle steht leider fest: nun ist alles aus. Alles war vergebens. Jesus ist tot.
Mit ihm sind alle unsere Hoffnungen begraben.
Maria Magdalena ist voller Trauer um den Herrn, und sie tut, was auch wir bei unseren lieben Verstorbenen tun: Sie besucht das Grab, um zu trauern und zu beten. Sie verdrängt ihre Trauer nicht, sondern diese Frau steht dazu und will wenigstens jetzt bei ihrem Herrn sein, der in den letzten Monaten zum Sinn, zur Mitte ihres Lebens geworden ist.
Ihre Treue macht auch vor dem Tod nicht halt.
So ist das heutige Evangelium ein deutliches Lob auf Maria Magdalena und auf all die starken Frauen, die ausharren, wo die meisten Männer längst aufgegeben haben, sei es in der Familie, in der Arbeit für die Kirche oder sonstwo.
Als Maria Magdalena in der Dämmerung am Grab angekommen ist, wartet jedoch der nächste Schicksalsschlag auf sie: Die Grab-
höhle ist nicht mehr verschlossen, der schwere Stein zum Verschluss des Eingangs ist weggeschoben worden. Ohne ins Grab hineinzuschauen, ist ihr klar: Da waren Grabräuber am Werke. Der Leichnam ist weg. Ihre Trauer wird immer größer: Nun kann sie ihren Herrn noch nicht einmal mehr an seinem Grab besuchen!
Im Evangelium heißt es weiter: „Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ - Für Maria Magdalena gilt jetzt Alarmstufe Rot: Entsetzt rennt sie zu Simon Petrus, so schnell sie kann. Wörtlich übersetzt heißt es sogar: „Sie stürzte vom Grab weg…“ – da können wir heute noch ihre helle Aufregung verspüren. Offenbar weiß sie auch ganz genau, wo die meisten Jünger sich aufhalten, denn sie eilt zielstrebig zu Simon Petrus. Sie informiert ihn rasch und benutzt dabei den Ausdruck „…und wir wissen nicht…“, was uns anzeigt, dass sie wohl zusammen mit anderen Frauen am Grab war, die der Evangelist aber nicht ausdrücklich benennt.
Wie unfassbar ihre Nachricht ist, zeigt die Reaktion: Die beiden Männer gehen nicht zum Grab, sondern im Evangelium heißt es: „… sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen,
ging aber nicht hinein.“
Simon Petrus war ja nicht mehr der Jüngste, da war es sicher nicht nur merkwürdig, ihn so rennen zu sehen, sondern es war auch klar, dass er mit dem Tempo des Jüngeren nicht mithalten konnte. Dieses Wettrennen musste er also zwangsläufig verlieren…
Die kleine Szene ist dennoch sehr aufschlussreich für uns: Mit dem Warten des Schnelleren - er geht ja nicht ins Grab hinein, sondern beugt sich nur mal vor, um einen vorsichtigen Blick hineinzuwerfen - kommt die Autorität und Vorrangigkeit des Petrus unter den Jüngern zum Ausdruck.
Das Rennen, also die höchste Eile der erwachsenen Männer, verrät aber auch, wie sehr die Jünger im Herzen doch an Jesus hängen, trotz ihrer Feigheit und Trägheit. Nun sind sie wie elektrisiert. Ihnen ist klar: Da ist etwas im Gange! Jetzt gilt es herauszubekommen, was da los ist!...
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