26.05.2009

Pfingstsonntag - 31.05.2009

Apg 2,1-11
1 Kor 12,3b-7.12-13
Predigt zum Evangelium:
Joh 20,19-23
(Am Pfingstsonntag dürfen auch diese Schrifttexte vom Lesejahr A genommen werden.)

Evangelium: Joh 20,19-23

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in die Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT


Bitte stören !


Kennen Sie diesen Witz? Zwei Pfarrer unterhalten sich

über ihren Religions-

unterricht. Der erste stöhnt: „Meine Schüler sind eine echte Plage. Ich habe sie nach den Namen der vier Evangelisten gefragt, und als Antwort kam nur "Josef und Nepomuk" – es ist einfach furchtbar!“

Da spendet ihm sein Kollege Trost mit den Worten: "Seien Sie doch froh, dass die Schüler wenigstens zwei gewusst haben!"


Trotz bester deutscher Sprachkenntnisse kann über diesen Witz

nicht jeder lachen. Um Witze zu verstehen, muss man sich in ihrem Thema auskennen, man muss etwas wissen. Dass die vier Evangelisten tatsächlich Matthäus, Markus, Lukas und Johannes heißen, dürfte nicht nur jedem Priester bekannt sein, sondern sicher auch den meisten Kirchenbesuchern.


Mit dem Pfingstfest ist das auch so eine Sache. Die Bibelstelle der heutigen ersten Lesung aus der Apostelgeschichte ist vielen bekannt: ein Brausen vom Himmel her, Zungen wie von Feuer und schließlich mutige Prediger, die jeder in seiner Muttersprache verstehen konnte. Der Text des heutigen Evangeliums dagegen kommt nicht so gewaltig daher, sondern eher leise, unauffälliger. Aber er hat es in sich.

Johannes schildert zu Beginn auch, wie die Jünger Jesu sich aus Angst vor Verfolgung durch die Juden eingeschlossen haben. Sie sind aus der Öffentlichkeit verschwunden, einfach untergetaucht. Bitte nicht stören – so könnte es draußen an der Tür angeschrieben stehen!

Ihre Angst war nicht unbegründet: die ersten Christen waren aus der jüdischen Synagogen-Gemeinschaft ausgegrenzt worden und wurden zum Teil von Mitbürgern regelrecht verfolgt. Wir erinnern uns da z.B. an Paulus, der vor seiner dramatischen Begegnung mit Jesus als Christenhasser Saulus gegen die vermeintliche Sekte ankämpfte.


Johannes erzählt nun im Evangelium, wie die Jüngerschar vom

auferstandenen Jesus vollkommen überrascht wird. Geschlossene Türen und dicke Mauern interessieren ihn offenbar nicht. Er steht einfach vor ihnen und tritt in ihre Mitte, heißt es. Er ist die Mitte, er ist der Mittelpunkt des Geschehens. Um ihn herum drängt sich die Gemeinschaft der Jünger, von denen wir noch nicht einmal erfahren, wie viele es hier gerade sind und wer dabei ist. Das spielt auch keine Rolle, denn hier geht es um Jesus und das, was er zu sagen hat.

Und da fällt sofort auf, dass er nicht nur zum Beweis seine Hände und seine Seite vorzeigt, sondern gleich zweimal betont: „Friede sei mit euch!“ - Warum wiederholt er das? Johannes will uns damit sagen: Achtung, das dürft ihr nicht übersehen – das ist Jesus ein besonderes Herzensanliegen!


Friede ist natürlich nicht gleich Friede, das wissen wir nur zu gut. Es gibt Arten von Frieden, die eher an Friedhofsruhe erinnern. Jesus dagegen sagt: „Shalom!“ - Damit meint er die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott, der Friede Gottes, den er dem Menschen schenkt. Kein fauler Friede, der wegsperrt, kein Friede, der ausgrenzt, der in Schubladen einordnet und die vermeintlich einzige Wahrheit als Keule gegen andere einsetzt.


Der Friede Gottes ist anders. Es ist ein Friede im Heiligen Geist, und der ist schöpferisch, der ist Tröster, der ist Beistand und Helfer in jeder Lage.

Zärtlich und gütig ist er. Seine Wahrheit ist nicht wie unsere, die wie eine Keule geschwungen wird, nein, sie ist wie ein wärmender Mantel, der uns zum Hineinschlüpfen entgegen gehalten wird.

Genau diesen Heiligen Geist ruft Jesus an Pfingsten auf die Jünger herab. Dies geschieht, indem er sie anhaucht und spricht: „Empfangt den Heiligen Geist!“ - Natürlich denken wir beim Stichwort „anhauchen“ sofort an die Schöpfungs-

geschichte: Gott haucht dem Menschen den Lebensatem ein!


Diese Parallele ist kein Zufall: Ostern beginnt die neue Schöpfung Gottes, ein neuer Anfang, vom Heiligen Geist begleitet. So wie der Atem gefährliche Krankheitskeime übertragen kann - daher ja auch der Mundschutz der Ärzte im Operationssaal - , so kann der Atem des Heiligen Geistes wie eine Mund-zu-Mund-Beatmung wiederbeleben, Gottes Gesundheitskeime sozusagen! ...


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22.05.2009

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18.05.2009

7.Sonntag der Osterzeit B - 24.05.2009

Apg 1,15-17.20a.c-26
1 Joh 4,11-16
Predigt zum Evangelium:
Joh 17,6a.11b-19


Evangelium Joh 17,6a.11b-19

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT


Ist Schweinegrippe wurst?


Wer die Nach-

richten verfolgt, bekommt eine Schreckens-

meldung nach der anderen ins Wohnzimmer geliefert: Wirbelstürme, Tsunami, Hungerkatastrophen, Erdbeben, die Rinderseuche BSE, die Vogelgrippe, die Finanzkrise und deren wirtschaftliche Folgen wie Firmenpleiten und Arbeitslosigkeit – und jetzt auch noch die Schweinegrippe. Die Medien überschütten uns mit Bildern und Kommentaren. Wird es zu einer weltweiten Epidemie kommen? Hilft es, wenn wir alle mit hygienischen Atemmasken herumrennen? Sollten wir ab sofort niemandem mehr die Hand geben?


Dazu gäbe es sicher noch eine ganze Reihe von weiteren Fragen. Für die Bürger gibt es dafür Gespräche mit dem Arzt, telefonische Beratungsangebote, Broschüren und leider inzwischen auch etliche Betrügereien, z.B. mit angeblich guten Medikamenten aus dem Internet. So wird schnelles Geld mit der Angst der Leute gemacht.


Ja, so geht es zu auf dieser Welt. Da wird gelogen und betrogen. Da zieht man über den Tisch, wen man dazu kriegen kann. Die Geldgier hat Bankmanagern, aber auch privaten Anlegern, den klaren Blick vernebelt, und nun haben wir alle die Bescherung!

Auch manche Medien tragen dazu ihren Teil bei, indem sie ihre Kundschaft ständig nur mit bösen Tatsachen aus aller Welt bombardieren. Manche Journalisten geben es zu: Schlechte Nachrichten sind für sie gute Nachrichten, d.h. das verkauft sich besser als Geschichten von netten Menschen, die sich auch nur nett verhalten.


Es ist schon was los auf Mutter Erde. Allerdings stecken auch wir Christen mittendrin. Weder körperlich noch seelisch oder moralisch sind wir immun. Wir tragen keinen undurch-

dringbaren Schutzanzug. Auch Christen leben in und mit dieser Welt. Ein gesonderter Kontinent für ein Leben nach Gottes Geboten ist hier leider nicht für uns reserviert.

So wird auch jeder Christ oft genug oder auch zu oft in seinem Leben mit dem konfrontiert, was wir Sünde nennen. Ehe man sich’s versieht, ist man in irgendwas verwickelt, und die eigene weiße Weste hat erheblich gelitten. Wenn das z.B. einem Priester passiert, wird dies genüsslich in der Öffentlichkeit ausgebreitet. Da hilft auch kein Omo, kein Persil, kein Weißer Riese und wie sie alle heißen.

Und manch einer, der im materiellen Elend lebt, hat sich nur zuschulden kommen lassen, dass er sich die falschen Eltern oder den falschen Erdteil für sein Leben ausgesucht hat.


Immer wieder in der langen Geschichte des Christentums und in vielen lebendigen Pfarrgemeinden, in Ordensgemein-

schaften, in christlichen Gruppen, in den Familien usw. kommt das Thema unausweichlich und meist überraschend auf den Christen zu: Wie entscheide ich mich jetzt in dieser oder jener Frage? Darf ich da mitmachen, oder muss ich den Mund auftun, so gut ich es kann? Als Beispiele mögen genügen:

Wie stehe ich zur Genforschung am Menschen, wie zum konkreten Umweltschutz bei mir daheim? Was sage ich zur Abtreibungspraxis, die Millionen Kindern das Leben kostet?


Wo stecke ich den Kopf in den Sand, wo eigentlich ein lautes NEIN das einzig Richtige gewesen wäre? Viele konkrete Beispiele gäbe es jetzt zu nennen. Sofortigen stechenden Schmerz in der Gegend des Geldbeutels löst z.B. oft die Frage aus, ob wir Christen angesichts des Elends auf der Welt auch wirklich großzügig genug geben, so gut wie es eben möglich ist. Das gilt übrigens auch für manche Pfarrgemeinde, wo es stattliche Beträge auf den Bankkonten gibt, während der Nachbargemeinde das sprichwörtliche Wasser bis zum Hals steht.


Ein weites Feld, ich weiß, und nicht frei von Emotionen. Bereits die

ersten Christen schlugen sich mit solchen Problemen herum, wie das heutige Evan-

gelium zu erkennen gibt. Im Gebet spricht Jesus dort: „Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.“


Unmittelbar vor seiner Verhaftung wendet sich Jesus mit diesem eindringlichen Gebet an seinen Vater im Himmel. Er kennt die Seinen, und er weiß um die großen Versuchungen. Wer sein Jünger sein will, der ist eigentlich nur Gast auf Erden, wie es in einem Kirchenlied heißt. Doch wir Gäste sind immer in der Gefahr, es uns so gemütlich einzurichten, dass wir diese Wahrheit verdrängen. Das bleibt immer die kritische Frage unseres Herrn an uns Jünger: Ist uns das noch bewusst, dass wir als Christen unsere eigentliche Heimat im Himmel haben? Haben wir noch die Erinnerung im Herzen, dass wir hier auf Erden eigentlich nur so etwas wie Gastarbeiter sind?


Viele von uns kennen noch den grünen Katechismus von 1956, in dem unser Glaube in Frage und Antwort behandelt wurde. Die Frage Nr. 1 lautete: „Wozu sind wir auf Erden?“ –

Die Antwort war präzise und einprägsam: „Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und einst ewig bei ihm zu leben.“

Dies ist wirklich die Frage Nr. 1, die Frage aller Fragen:

Wozu sind wir auf Erden? ...


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12.05.2009

6.Sonntag der Osterzeit B - 17.05.2009


Apg 10,25-26.34-35.44-48
1 Joh 4,7-10
Predigt zum Evangelium:
Joh 15,9-17

Evangelium Joh 15,9-17

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht und Frucht bringt und daß eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage

ich euch auf: Liebt einander!


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT


Lieber Platzanweiser !


Von Liebe, Geboten, Freunden und Freude ist im heutigen Evan-

gelium die Rede. Beginnen wir mal mit der Freude, zu der erlöste Christen allen Grund haben:

Ein alter Pfarrer er-

zählte einmal im Kollegenkreis, was ihm bei einer Unterrichts-

stunde über die christliche Freude passiert ist. Er hatte gerade seine jungen Zuhörer gefragt, ob ihm jemand ein Beispiel für Freude nennen könne.

Der kleine Fritz meinte: „Zum Beispiel, wenn ich unsere Katze am Schwanz packe und ganz doll herumschleudere!“ – Unser Pfarrer fand diesen Erklärungsversuch wohl eher unpassend und tadelte daher den Missetäter: „Aber Fritz, daran ist doch überhaupt keine Freude!“

Der so Zurechtgewiesene ließ das jedoch nicht auf sich sitzen und antwortete: „Aber sicher doch, Herr Pfarrer! Was meinen Sie wohl, wie die Katze sich freut, wenn ich damit aufhöre…“


Jesus spricht im heutigen Evangelium ganz anders von der Freude. Freude ist da kein kurzfristiger Gefühlsüberschwang, der bald wieder in einer Alltags-Trostlosigkeit und Bitterkeit verschwindet. Oft genug sagt jemand, der enttäuscht wurde, dass ihm das Lachen vergangen ist.

Jesu Hinweise zur Freude geben vielmehr den Grund an für seine deutlichen Worte an die Jünger: „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.“

Bei allem, was uns also im Evangelium als Ermahnung Jesu begegnet, haben wir hier das Motiv. Jesus will, dass seine Freude auch in seinen Nachfolgern ist. Wenn das gelingt, dann wird auch deren Freude vollkommen sein, sagt er.


Obwohl Jesus seine eigene vollkommene Freude auch in unseren Herzen vorfinden möchte, ist nicht nur Kritikern des Christentums aufgefallen, dass viele gläubige Menschen nicht allzu froh dreinschauen. So kritisierte z.B. Friedrich Nietzsche: „Erlöster müssten die Erlösten ausschauen, damit ich an ihren Erlöser glauben kann!“


Offenbar ist es vielen Christen gar nicht bewusst, was für ein Glück sie haben, ein Christ sein zu dürfen,

zu Jesus Christus zu gehören. Auch im heutigen Evangelium bestätigt Jesus aus-

drücklich, das die Jünger nicht ihn erwählt haben, sondern dass er seine Jünger erwählt hat. Wenn das kein Grund zur Freude ist…! Aber auch heute können das viele nicht so recht glauben: Ich soll von Jesus erwählt sein? Ich bin doch kein Apostel und kein Heiliger!


So war es schon immer so, dass viel zu viele Christen ihren großen Sack mit Sorgen ständig mit sich herumschleppen.

In der Zeit, in der das heutige Evangelium entstanden ist, sorgte sich so manch einer ganz konkret um sein Leben, seine Existenz. Das junge Christentum wurde weithin mit Misstrauen beobachtet und dementsprechend verfolgt. Mitglieder mancher Gemeinden mussten nicht nur mit Nachteilen für ihre Familie rechnen, sondern in dieser Zeit erlitten schon einige den Tod als Märtyrer.

Eine schwierige Situation also, in der einige sich fragten, ob

sie dieses Risiko wirklich für ihren Glauben auf sich nehmen wollten. In diese Verunsicherung hinein strahlt das Wort Jesu: „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“ und Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht und Frucht bringt und daß eure Frucht bleibt.“


Das heißt doch: Wie ein Fußballtrainer entscheidet, wer beim nächsten Spiel antreten darf, so hat Jesus auch entschieden. Nicht der Spieler bestimmt, wer wann was macht, sondern der Trainer.

Jesu Worte wirken, sie sind ein Trostwort in der Not. Er will sagen: Ich habe euch, jeden von euch doch selber aus-

gewählt. Was macht ihr euch also Tag für Tag so viele Sorgen, anstatt mir zu vertrauen?

Ich habe euch ausgesucht, und dann kümmere ich mich auch um euch. Für jeden von euch habe ich einen Plan, eine Lebensaufgabe. Die einzelne Aufgabe ist zwar verschieden, aber jeder soll an seinem Platz Frucht bringen.


Da ist man vielleicht schon mal in Versuchung, wenn die Wolken im Glaubensalltag besonders tief hängen. Am liebsten möchte man dann sagen: Lieber Jesus, lieber Platzanweiser! Gut, dass du mir einen Platz in deinem Orchester zugeteilt hast. Wer weiß, was ich mir sonst ausgesucht hätte… Aber mal eine Frage: Bist du wirklich sicher, dass ich das zugeteilte Instrument beherrsche? Manchmal habe ich eher den Eindruck, ich bin am falschen Platz, an einem zu schwierigen Instrument. Da fällt es mir schon ab und zu ganz schön schwer, das auszuhalten und weiterzumachen. Falls du also doch etwas Geeigneteres, Einfacheres für mich in Aussicht hast, lass es mich bitte wissen. Mit freundlichen Grüssen. Dein….


Auch ohne die Gefahr, als Märtyrer sterben zu können, ist das Leben als Christ nicht immer nur Zuckerschlecken. Es gibt eben auch so etwas wie Märtyrer der christlichen Geduld. Unzählige sind es, die im Vertrauen auf die Botschaft Jesu in schwierigen Situationen, fast auf verlorenem Posten, aus-

geharrt haben. Auch heute pflegen viele Christen geduldig Schwerkranke, kümmern sich jahrelang um Pflegebedürftige, bewältigen anstrengendste Erziehungsarbeit, dienen in einer Ordensgemeinschaft, harren aus in Krankheit und Hilflosigkeit usw., alles auf dem Platz, auf den sie von Jesus, ihrem per-

sönlichen Platzanweiser, hingestellt worden sind. Dort, an ihrem Platz, bringen sie die Frucht, von der Jesus sprach.


Wenn man

liebt, fällt alles leichter.

Ich bezweifle, das die Wolken alle durch-

nummeriert sind, aber es heißt sogar, Verliebte schwebten auf Wolke Nr. 7. - Auch Jesus spricht heute ausdrücklich von der Liebe. Er sagt: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.“

Wir spüren sofort die Eindringlichkeit, die Dramatik dieser Worte. Es ist, als wollte Jesus jedem seiner Jünger diese Ermahnung fest einschärfen. Das wird uns leichter verständ-

lich, wenn wir wissen, dass der heutige Evangelientext wie der des vorigen Sonntags aus Jesu Abschiedsreden stammt, kurz vor seinem Leiden und Sterben.


Nach der christlichen Freude ist die christliche Liebe sein großes Thema. „Bleibt in meiner Liebe!“ – so mahnt er. Bleiben, das ist ihm ein wichtiges Anliegen. Bleiben heißt: nicht wegrennen, nicht aufgeben, Geduld haben, Vertrauen schenken.

Man kann aber nur in Jesu Liebe bleiben, wenn sie schon da ist, wenn Jesu Liebe schon in einem drinnen ist. Und das ist sie: Durch die Taufe sind wir ausdrücklich aufgenommen in die Gemeinschaft mit Jesus. Wir alle sind gemeint, wenn er sagt: „Bleibt in meiner Liebe!“ - Damit die Jünger damals und wir heute diese Liebe Jesu aber nicht aus unserem Blick verlieren, spricht er davon, dass seine Gebote gehalten werden sollen...


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04.05.2009

5. Sonntag der Osterzeit B - 10.05.2009

Apg 9,26-31
1 Joh 3,18-24
Predigt zum Evangelium:
Joh 15,1-8




Evangelium Joh 15,1-8

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, daß ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.


MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT


Die Jesus-„Flatrate“


Da hätte ich mich beinahe ziemlich blamiert! Eine ange-

kündigte Fernsehsendung über die Arbeit eines Betriebs-Seelsorgers hatte mein Interesse geweckt. Es passte zeitlich ganz gut, und so schaltete ich den Apparat ein und wollte es mir bequem machen.

Das Wörtchen „wollte“ verrät es schon: da lief etwas nicht nach Plan. Der Bildschirm blieb nämlich schlicht und einfach dunkel; nichts tat sich auf der Mattscheibe. Ausgerechnet jetzt musste mein alter Fernseher seinen Geist aufgeben! Ein schneller Griff zum Telefonbuch – da muss baldmöglichst der Kundendienst her und sehen, was zu retten ist!

Den Hörer schon in der Hand, durch-

zuckte mich eine Art Ein-

gebung: Hat das Gerät überhaupt Strom? Der Gang zum Sicherungskasten brachte des Rätsels Lösung: Da war doch tatsächlich die Stromzufuhr unterbrochen, weil eine Sicherung raus-

gesprungen war, wie man so sagt.

Ein schneller Handgriff, und schon tat der Fernseher wieder seinen Dienst. Der Kundendienst hätte sich sicher köstlich amüsiert, wenn er wegen solch einer Lappalie angerückt wäre.


Das weiß bei uns inzwischen doch schon jedes Kindergarten-

kind: Ohne Strom kann kein Elektro-Gerät funktionieren. Wenn es in einer Stadt mal einen größeren Stromausfall gibt, dann wird es so richtig ungemütlich. Erst wenn die elektrische Energie mal fehlt, wird einem so richtig bewusst, wie selbstverständlich wir uns an sie gewöhnt haben und wie abhängig wir davon sind.


Auch das heutige Evangelium spricht von einer Energie, die lebensnotwendig ist und die zugeführt wird. Jesus vergleicht hier seine Jünger mit den Reben an einem Weinstock. Kein Rebzweig kann von alleine existieren. Er braucht Nahrung, Lebens-Energie, die er von seinem Weinstock bezieht.

Bei einem abgerissenen Ast kann man von Stunde zu Stunde beobachten, wie er immer mehr verwelkt und abstirbt.


In Israel zur Zeit Jesu gab es viele Weinberge. Sie alle wurde von den Winzern und ihren Helfern in mühsamer Arbeit gehegt und gepflegt. Wer einen Weinberg anlegt, der muss Mühe und Geduld investieren. Es dauert erst einmal viele Jahre, bis ein Weinstock überhaupt ordentlich trägt. Jedes Jahr sind viele Arbeitsschritte nötig, damit man mit einer guten Ernte rechnen kann. Die Winzer sprechen von Erziehung der Reben und meinen damit, dass alle Reben mehrfach richtig beschnitten und hochgebunden werden müssen, damit es eine gute Traubenqualität und keinen Wildwuchs gibt. Natürlich erwartet jeder Winzer, dass sich der hohe Aufwand bei der Ernte auch auszahlt.


In der heutigen Bildrede Jesu sagt Jesus von sich selbst: „Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer.“ - Diese Aussage hatte in Israel damals noch eine andere Wirkung als bei uns heute. Das Volk der Juden verstand sich nämlich als der von Gott gepflanzte Weinberg, wie man z.B. in den Psalmen nachlesen kann. An der Stirnseite des Jerusalemer Tempels war deshalb auch ein großer goldener Weinstock angebracht, um jeden daran zu erinnern.

Wenn Jesus jedoch von sich selbst als dem wahren Weinstock spricht, dann heißt das auch: Das Volk hat leider nicht die erwartete Frucht gebracht, die Gott erhofft hatte. Jesus selbst ist jetzt der neue Weinstock, der den guten Ertrag bringen wird.


Gottvater wird alle Reben an diesem Weinstock „erziehen“.

Er wird sie zurechtschneiden, binden und „reinigen“, wie es im Evangelium heißt. „Reinigen“ bedeutet hier: weniger ist oft mehr, und die Masse macht’s eben nicht immer. Deswegen wird an den Rebzweigen rechtzeitig ein Teil der noch kleinen Trauben weggeschnitten, damit die anderen mehr Nahrung und damit mehr Qualität bekommen. Die Weinreben neigen eben zum Wildwuchs, zum Wuchern, zum Übertreiben.


Ein guter Winzer muss dem rechtzeitig Einhalt gebieten. Viele Hobby-Gärtner machen auch heutzutage oft genug den Fehler, z.B. an den Tomaten-

pflanzen zu viele Früchte zu belassen, mit dem Ergebnis, dass es nur kleine Tomaten gibt. Das Zurechtstutzen ist also eine Pflegemaßnahme, deren Erfolg erst am Ende, bei der Ernte, wirklich erfahrbar wird. Nun soll das aber nicht heißen, dass Gottvater als der Winzer nach Lust und Laune die Reben und damit uns Gläubige auf ein Maß schneidet.


Jesus sagt ja: „Jede Rebe, die keine Frucht bringt, schneidet er ab.“ - Eigentlich muss es wortgetreu übersetzt sogar heißen: Jede Rebe, die keine Frucht bringen will… - Hier wird eher verständlich, was Jesus meint: Abgeschnitten, also aus der Verbindung mit dem Weinstock Jesus losgelöst, wird nur derjenige, der das durch sein Verhalten selbst verursacht. Reben, die keine Frucht bringen wollen, nehmen anderen nur Licht und Nahrung weg und schaden damit der gesamten Ernte.

Gottvater als Winzer weiß schon, was gut und richtig ist. Darauf können sich die Rebzweige verlassen. Doch wer absolut keine Frucht bringen will, der sollte die anderen Reben nicht behindern und wird darum entfernt.


Wenn der Winzer etwas zurechtstutzt, ist das für die ganze Rebe erst einmal sehr unangenehm. Saft tritt an dieser Stelle aus; man sagt: die Rebe blutet. Auch im Leben des Christen wird so manches weggeschnitten, was in diesem Augenblick schmerzhaft ist. Die Rebe sieht das Gesamtergebnis noch nicht, sondern sie fühlt nur, dass ihr etwas genommen wird...


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