Apg 2,1-11
1 Kor 12,3b-7.12-13
Predigt zum Evangelium:
Joh 20,19-23
(Am Pfingstsonntag dürfen auch diese Schrifttexte vom Lesejahr A genommen werden.)
Evangelium: Joh 20,19-23
Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in die Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT
Bitte stören !
Kennen Sie diesen Witz? Zwei Pfarrer unterhalten sich
über ihren Religions-
unterricht. Der erste stöhnt: „Meine Schüler sind eine echte Plage. Ich habe sie nach den Namen der vier Evangelisten gefragt, und als Antwort kam nur "Josef und Nepomuk" – es ist einfach furchtbar!“
Da spendet ihm sein Kollege Trost mit den Worten: "Seien Sie doch froh, dass die Schüler wenigstens zwei gewusst haben!"
Trotz bester deutscher Sprachkenntnisse kann über diesen Witz
nicht jeder lachen. Um Witze zu verstehen, muss man sich in ihrem Thema auskennen, man muss etwas wissen. Dass die vier Evangelisten tatsächlich Matthäus, Markus, Lukas und Johannes heißen, dürfte nicht nur jedem Priester bekannt sein, sondern sicher auch den meisten Kirchenbesuchern.
Mit dem Pfingstfest ist das auch so eine Sache. Die Bibelstelle der heutigen ersten Lesung aus der Apostelgeschichte ist vielen bekannt: ein Brausen vom Himmel her, Zungen wie von Feuer und schließlich mutige Prediger, die jeder in seiner Muttersprache verstehen konnte. Der Text des heutigen Evangeliums dagegen kommt nicht so gewaltig daher, sondern eher leise, unauffälliger. Aber er hat es in sich.
Johannes schildert zu Beginn auch, wie die Jünger Jesu sich aus Angst vor Verfolgung durch die Juden eingeschlossen haben. Sie sind aus der Öffentlichkeit verschwunden, einfach untergetaucht. Bitte nicht stören – so könnte es draußen an der Tür angeschrieben stehen!
Ihre Angst war nicht unbegründet: die ersten Christen waren aus der jüdischen Synagogen-Gemeinschaft ausgegrenzt worden und wurden zum Teil von Mitbürgern regelrecht verfolgt. Wir erinnern uns da z.B. an Paulus, der vor seiner dramatischen Begegnung mit Jesus als Christenhasser Saulus gegen die vermeintliche Sekte ankämpfte.
Johannes erzählt nun im Evangelium, wie die Jüngerschar vom
auferstandenen Jesus vollkommen überrascht wird. Geschlossene Türen und dicke Mauern interessieren ihn offenbar nicht. Er steht einfach vor ihnen und tritt in ihre Mitte, heißt es. Er ist die Mitte, er ist der Mittelpunkt des Geschehens. Um ihn herum drängt sich die Gemeinschaft der Jünger, von denen wir noch nicht einmal erfahren, wie viele es hier gerade sind und wer dabei ist. Das spielt auch keine Rolle, denn hier geht es um Jesus und das, was er zu sagen hat.
Und da fällt sofort auf, dass er nicht nur zum Beweis seine Hände und seine Seite vorzeigt, sondern gleich zweimal betont: „Friede sei mit euch!“ - Warum wiederholt er das? Johannes will uns damit sagen: Achtung, das dürft ihr nicht übersehen – das ist Jesus ein besonderes Herzensanliegen!
Friede ist natürlich nicht gleich Friede, das wissen wir nur zu gut. Es gibt Arten von Frieden, die eher an Friedhofsruhe erinnern. Jesus dagegen
sagt: „Shalom!“ - Damit meint er die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott, der Friede Gottes, den er dem Menschen schenkt. Kein fauler Friede, der wegsperrt, kein Friede, der ausgrenzt, der in Schubladen einordnet und die vermeintlich einzige Wahrheit als Keule gegen andere einsetzt.
Der Friede Gottes ist anders. Es ist ein Friede im Heiligen Geist, und der ist schöpferisch, der ist Tröster, der ist Beistand und Helfer in jeder Lage.
Zärtlich und gütig ist er. Seine Wahrheit ist nicht wie unsere, die wie eine Keule geschwungen wird, nein, sie ist wie ein wärmender Mantel, der uns zum Hineinschlüpfen entgegen gehalten wird.
Genau diesen Heiligen Geist ruft Jesus an Pfingsten auf die Jünger herab. Dies geschieht, indem er sie anhaucht und spricht: „Empfangt den Heiligen Geist!“ - Natürlich denken wir beim Stichwort „anhauchen“ sofort an die Schöpfungs-
geschichte: Gott haucht dem Menschen den Lebensatem ein!
Diese Parallele ist kein Zufall: Ostern beginnt die neue Schöpfung Gottes, ein neuer Anfang, vom Heiligen Geist begleitet. So wie der Atem gefährliche Krankheitskeime übertragen kann - daher ja auch der Mundschutz der Ärzte im Operationssaal - , so kann der Atem des Heiligen Geistes wie eine Mund-zu-Mund-Beatmung wiederbeleben, Gottes Gesundheitskeime sozusagen! ...
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