Ex 24,3-8
Hebr 9,11-15
Predigt zum Evangelium:
Mk 14,12-16.22-26
Evangelium Mk 14, 12-16.22-26
Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm schlachtete, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?
Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm, bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann? Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles für uns vor!
Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor. Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf. Während sie nun bei Tisch waren und aßen, sagte er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern, einer von denen, die zusammen mit mir essen.
Da wurden sie traurig, und einer nach dem andern fragte ihn: Doch nicht etwa ich? Er sagte zu ihnen: Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes. Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT
Überdachter Wandertag
Ich bin kein Freund von vermeintlich außerirdischen Phänomenen wie etwa UFOs, die irgendwo auf einem Acker gelandet sein sollen oder auch nur als merkwürdige Lichterscheinung fotografiert wurden. -
Aber für einen ganz kleinen Moment können wir ja hier und jetzt mal zur Abwechslung so tun, als hätten wir solche kleinen grünen Männlein gerade in dieser Stunde in unserem Ort gesehen, unterwegs auf einem ihrer so beliebten geselligen Tagesausflüge, organisiert von einem galaktischen Billigflieger namens „Reiher-Air“.
Ausgerechnet zur Fronleichnamsprozession und ausgerechnet bei uns – da können wir uns ganz gewiss allesamt durchaus Schöneres vorstellen!
Jetzt kommt auch schon einer von denen ausgerechnet direkt auf mich zu gewatschelt! Er bemüht sich, einen besonders wichtigen Eindruck zu machen, aber eine ausgesprochene Schönheit ist er mit seiner krokodilgrünen Gesichtsfarbe und mit Füßen, die mich in ihrer Form an Bratpfannen erinnern, nun wirklich nicht. Mit entsprechenden Gesten und Be-
wegungen will er von mir eine Erklärung dafür, was wir hier denn so treiben bei dieser Prozession, bei der eine weiße Scheibe feierlich in einem kostbaren Gefäß und unter einem schmuckvollen Dach durch die Gegend getragen wird…
Da beginnt der Schweiß auf meiner Stirn zu perlen. Wie kann ich das bloß jemand von einem anderen Stern verständlich machen? Wo soll ich da anfangen?
Während ich ganz angestrengt und fast verzweifelt nachdenke, dringt ein sich ständig wiederholendes eindringliches Geräusch an meine Ohren, das sehr schrill ist und auch noch immer lauter wird… - Ich schrecke auf, nassgeschwitzt und fertig mit den Nerven.
Was muss ich da feststellen? - Mein Wecker hat planmäßig geklingelt, heute, am Fronleichnamsmorgen. Also Entwarnung auf der ganzen Linie: Das alles war nur ein schrecklicher Traum, aber einer, den ich nie vergessen werde…!
So wie es um den Glauben in unserem Land aussieht, werden wir über kurz oder lang auch sehr gut ohne Träume von grünen Männlein auskommen können. Unsere eigenen Mitmenschen in den Dörfern und Städten nehmen allmählich die Rolle der UFO-Touristen ein, denn auch sie verstehen zu einem großen Teil nicht mehr, was da bei einer Fron-
leichnamsprozession geschieht und warum.
Es ist aber wirklich schwierig mit den Katholiken! Da haben sie oft genug so schöne Kirchen – und dann machen sie solch einen gemeinsamen Wandertag, den sie mit allerhand Aufwand vorbereiten. Früher war das noch wesentlich umfangreicher. Teilweise hat da das
ganze Dorf tagelang mitgeholfen beim Blumenpflücken, beim Legen des Teppichs und beim Aufbau der Altäre.
In einigen Gegenden war es auch für die Evangelischen das Selbstverständlichste der Welt, dabei mitzuhelfen, in anderen wurde von ihnen schon fast ganz traditionell ausgerechnet an diesem Tag die stinkende Jauche auf’s Feld gefahren…
Was ist das aber für ein Fest? Warum ziehen die Katholiken durch die Straßen, tragen die Hostie, den Leib Christi, in einem kostbaren Schaugefäß, der Monstranz? Warum bekommt bei diesem Rundgang die Hostie sogar einen Tragehimmel, ein eigenes Dach über dem Kopf? - Im heutigen Evangelium werden wir wieder einmal an die tiefere Bedeutung des Fronleichnamfestes erinnert. Wir erfahren, wie Jesus mit den Zwölfen unmittelbar vor Jerusalem angekommen ist.
Da schickt er zwei Boten mit ganz klaren Aufträgen voraus.
Wir bekommen hier demonstriert, wie genau Jesus um alle Zuammenhänge der Zukunft weiß. Die beiden Vorboten treffen alles genau so an, wie Jesus es ihnen vorhergesagt hatte.
Ein großer Raum steht bereit, wo er mit den zwölf Aposteln das traditionelle Pascha-Mahl so feiern wird, wie alle Juden dies an diesem Abend tun.
Jesus weicht im Text jedoch von den Vorlagen ab, die für das feierliche Mahl vorgesehen sind, das große Fest der Erinnerung an die Befreiung durch Gott aus der Sklaverei Ägyptens. Bei diesem letzten Abendmahl
schenkt er sich selbst in den Gaben der Eucharistie. Jesus nimmt aber nicht etwa ein leckeres Stück Fleisch vom Pascha-
lamm, um die berühmten Worte zu sprechen. Er nimmt etwas ganz Alltägliches, ein Fladenbrot. Das zerteilt er in Stücke, die er seinen Jüngern reicht: „Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“
Brot und Wein, damals alltägliche Lebensmittel und Überlebensmittel, dienen Jesus beim letzten Abendmahl, um sich selbst zu verschenken. Nichts besonders Edles, keine Feinschmeckerei, hat er sich dafür ausgesucht, sondern das, was man jeden Tag zum Leben braucht.
Das ist mein Leib, das ist mein Blut, sagt Jesus. – Die Jünger Jesu wissen sofort, dass er es auch genau so meint...
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