27.07.2009

18. Sonntag im Jahreskreis B - 02.08.2009

Ex 16,2-4.12-15
Eph 4,17.20-24
Predigt zum Evangelium:
Joh 6,24-35


Evangelium Joh 6,24-35:
In jener Zeit, als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. Da fragten sie ihn:
Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?
Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.
Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt:
Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

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Der Speiseplan Gottes

Unter uns gibt es heute sicher auch einige, die gerne Kreuzworträtsel lösen. Für die Wiederholungs-
täter unter Ihnen ist der folgende gesuchte Begriff vielleicht nur ein Klacks: Einzusetzen ist ein Wort mit acht Buchstaben. Die Um-
schreibung dafür lautet: „griechische Götterspeise“. Natürlich hat dies nichts mit der zumindest in Deutschland bekannten Nachspeise zu tun, die man im Volksmund gerne auch Wackel-
pudding nennt.
Der gesuchte Begriff im Rätsel lautet: „Ambrosia“. Diese Speise war in der Welt der griechischen Götter Speise, Trank, Medizin und wohlriechende Salbe zugleich. Ambrosia verschaffte ungeahnte Kräfte und vor allem Unsterblichkeit. Selbst die Reittiere der Götter wurden damit gefüttert, damit auch sie ewig lebten. Da diese Herrschaften unter sich bleiben wollten, wurden die Menschen bis auf ganz wenige auserwählte Helden sicher-
heitshalber strikt von dieser Götterspeise ferngehalten. So jedenfalls wird es in der griechischen Mythologie geschildert.

Um eine ganz andere göttliche Speise geht es im heutigen Evangelium. Wie bereits am vorigen Sonntag steht Jesus als derjenige im Mittelpunkt, der die Menschen auf das wahre Brot des Lebens aufmerksam macht. Tausende von Menschen hatten die wunderbare Brotvermehrung Jesu gerade erst selbst miterlebt und waren davon begeistert.

Doch nun war
dieser faszinierende Rabbi Jesus verschwunden. Weil wir heute wissen, wie schwer der tägliche Überlebens-
kampf vieler Menschen damals war, können wir gut nachvollziehen, was nun passiert: Zahlreiche Menschen machen sich auf die Suche nach diesem Mann, der sie so spendabel mit Brot versorgt hatte. Wenn sie sich zukünftig nur immer in seiner Nähe aufhielten, fiele bestimmt regelmäßig was für sie und ihre hungrigen Mäuler daheim ab. Sie fragen sich also in der Gegend durch. Wer hat ihn kürzlich gesehen? Wer kann sachdienliche Hinweise geben? – Auf diese Weise werden sie bald schon in Kafarnaum fündig, wo sich Jesus oft aufhielt. Es klingt schon fast wie ein Vorwurf, wenn sie ihn fragen: „Rabbi, wann bist du hierher gekommen?“ – Damit ist klar, dass sie es ihm schon übel nehmen, dass er sich ihnen so geschickt entzogen hat.

Jesus jedoch beantwortet ihre Frage anders, als sie sich
das dachten. Er wird nämlich ganz eindringlich und lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Das erkennen wir schon am Beginn seiner Antwort bei der Formulierung „Amen, Amen, ich sage euch“ . Hier spricht Jesus mit seiner ganzen Autorität! Das doppelte „Amen“ macht unmissverständlich klar: Das ist so, das ist absolut sicher!

Um sie wachzurütteln, sagt Jesus den Menschen, die ihn da regelrecht be-
drängen, was Sache ist: Ich weiß genau, warum ihr hinter mir her seid. Machen wir uns doch nichts vor – euch geht es gar nicht um mich, sondern euch geht es um euren Bauch. Ihr wollt am liebsten jeden Tag schön brav eure Gratis-Portion frei Haus geliefert haben. Gewissermaßen wie ein Zeitungs-Abo, das jeden Morgen rechtzeitig und zuverlässig angeliefert wird.

Natürlich hat Jesus auch Mitleid mit diesen Menschen, die das ja nicht als Freizeit-Vergnügen betreiben. Sie alle möchten einfach endlich in materieller Sicherheit leben. Wer möchte das nicht? Zum Mitleid Jesu gehört aber eben auch, dass er den Leuten einschärft, weiter zu denken als bis zum nächsten Hungergefühl, bis zur nächsten Brot-Ration. Die Menschen verwenden viel Mühe, um immer wieder neu Lebensmittel zu bekommen, die doch verderblich sind, die nur kurze Zeit halten. Das eigentliche Lebensmittel verlieren sie dabei aber immer mehr aus dem Blick.

Obwohl sie gläubig sein wollen, benehmen sie sich wie Leute, die die Orientierung für ihr Leben verloren haben. Sie sind wie Autofahrer, die im dichten Nebel stecken und immer nur die paar Meter direkt vor ihnen durchschauen.
Jesus will die Menschen aufwecken: Wenn ihr in Sicherheit investieren wollt, dann investiert langfristig. Dann investiert nicht in Verderbliches, sondern in Haltbares. Wörtlich heißt es im Evangelium: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird.“

Wie es jetzt scheint, hat es bei den Zuhörern Jesu gefunkt.
Im Innersten spüren sie, wie recht Jesus hat. Sie haben vor lauter täglicher Sorge ihr langfristiges Lebensziel aus den Augen verloren. Irgendwann ist ihr Lebenslicht hier auf Erden ausgeknipst – und dann? Daher fragen einige ihn sofort ganz beschämt: „Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?“
Wir spüren den guten Willen dieser Menschen. Die einge-
schlafene Sehnsucht nach dem ewigen Leben bei Gott ist in ihnen plötzlich wieder aufgewacht. Aber welchen Beitrag können sie leisten, was können sie bloß konkret tun? ...

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20.07.2009

17. Sonntag im Jahreskreis B - 26.07.2009

2 Kön 4,42-44
Eph 4,1-6
Predigt zum Evangelium:
Joh 6,1-15


Evangelium Joh 6,1-15
In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa,der auch See von Tibérias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, daß so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wußte, was er tun wollte.
Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denáre reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele! Jesus sagte: Laßt die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, soviel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.
Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übriggebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren. Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, daß sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.


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All you can eat?

Vielleicht feiern auch Sie bestimmte Feste im Jahreskreis traditionell in größerem Kreis bei Kaffee und Kuchen? Bei uns war es jedenfalls üblich, dass man sich nicht nur zu Weihnachten und zu Geburtstagen, sondern z.B. auch zur Kirmes im Verwandtenkreis traf. Es gab dann immer viel zu erzählen, viel zu lachen, aber am meisten gab es vom Kuchen. Die Hausfrauen-Logik hat sich mir allerdings nie ganz erschlossen, warum man für etwa 20 Personen ganz selbstverständlich mindestens 12 Kuchen backen muss.
Das Ganze endete stets ebenso traditionell damit, dass bei der Abreise den Gästen ganze Kuchenberge auf großen Tellern in die Hand gedrückt wurden. Dies war einfach ein ungeschriebenes Gesetz, das wir erst in den letzten Jahren durch vorsichtige Reduzierung der Kuchenanzahl zu durchbrechen wagen. Was natürlich bleibt, ist die Nervosität der Gastgeber, die sich nicht blamieren wollen: „Hoffentlich wird das wohl reichen…!“
Erkennbarer Überfluss gehört offenbar zum Fest, zur Feier dazu. Wenn jeder nur ein Anstands-Stückchen zu essen bekommt, wenn man Angst hat, etwas weggegessen zu bekommen, dann ist das kein Fest, sondern eine Zumutung.

Im heutigen Evangelium ist auch von einer festlichen Versamm-
lung die Rede, die aber erst einmal gar nicht so festlich anfängt. Die Menschen sind hinter Jesus her. Seine Wundertaten, seine Krankenheilungen haben sie tief beeindruckt. Wie wir vom Evangelium des vorigen Sonntags schon wissen, lassen sich die Menschen nicht so einfach abwimmeln. Sie suchen bei ihm Hilfe; Hilfe beim Glauben, Hilfe in Krankheit und in persönlicher Not. Da das jüdische Pascha-Fest bald bevorsteht, sind ohnehin zahlreiche Menschen als Pilger unterwegs in Richtung Jerusalem. Einer der Pilgerwege führt sogar nahe an der Stelle vorbei, wo Jesus sich gerade mit seinen Jüngern auf einen Berghang in Ufernähe zurückgezogen hat. So kann es gut sein, dass die Menschenmenge durch neugierige Pilger verstärkt worden ist.

Doch bald wird klar, dass mit den vielen Menschen über kurz oder lang ein Versorgungsproblem eintreten wird. Als Jesus aufblickt, sieht er sofort auch diese absehbare Not und spricht sie offen an. Er wendet sich an Philippus, der aus der Gegend stammt und sich da am besten auskennt. Die Frage Jesu, wo man jetzt so viel Brot kaufen kann, wird von Philippus natürlich sofort zurückgewiesen. Eine solche Menge an erforderlichem Brot können wir hier und jetzt weder finanziell noch organisatorisch bewältigen – das ist ausgeschlossen!

Natürlich haben auch wir uns so etwas schon gedacht. Es gibt zwar sicher Dörfer in der Nähe, aber keinesfalls beim Bäcker so viel Brot auf Vorrat. Wenn es im heutigen Evangelium heißt, dass Jesus Philippus damit nur auf die Probe stellen wollte, dann ist damit gemeint: Jesus fordert mit seiner Frage eine klare Antwort heraus. Jesus will sich keinen Spaß mit ihm machen, sondern seinen Glauben prüfen und stärken.
Die Antwort von Philippus kann eigentlich nur heißen:
Wir können das Problem mit unseren menschlichen Möglich-
keiten nicht lösen. Hier sind wir völlig überfordert. Diese gigantische Anforderung ist nicht erfüllbar...

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12.07.2009

16. Sonntag im Jahreskreis B - 19.07.2009

Jer 23,1-6
Eph 2,13-18
Predigt zum Evangelium:
Mk 6,30-34


Evangelium Mk 6,30-34

In jener Zeit versammelten sich die Apostel, die Jesus ausgesandt hatte, wieder bei ihm und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.

Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfahren, und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe,
die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.


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Kurzurlaub vermasselt?

Der Mensch ist keine Maschine. Er arbeitet nicht wie ein Roboter am Fließband der Auto-Industrie problemlos und ohne zu meckern rund um die Uhr, Tag für Tag, Woche für Woche.
Der Mensch braucht Zeiten der Entspannung, Zeiten der Erholung. Wer auf Dauer nicht genügend Schlaf bekommt oder die nötigen Pausen auslässt, der riskiert seine Gesundheit.
Das wissen und spüren wir, und so versuchen wir, kurze und große Pausen in unseren Lebensrhythmus einzubauen.
Ein netter Abend zum Abschalten, ein Wochenende vielleicht für einen schönen Ausflug, ein Urlaub fern von aller Routine – da kann man hoffentlich die Seele baumeln lassen und neue Kraft für den anstrengenden Alltag tanken. In diesen Wochen sind wieder Millionen Urlauber unterwegs, und manche von ihnen entdecken in solchen Auszeiten auch den Zugang zum Glauben neu. In anderer Umgebung sind manche auch der Kirche gegenüber neugieriger und unvoreingenommener.
So sind die Ferien auch eine Chance, Gewohntes durch diesen Tapetenwechsel mit neuen Augen zu sehen. Das jedenfalls ist mein Wunsch für alle, die sich auf Reisen begeben.

Wie wichtig solche Auszeiten für das innere Gleichgewicht des Menschen sind, ist keineswegs eine neue Erkenntnis, etwa von den Gewerkschaften. Da wir die Bibel kennen, wissen wir, dass Gott selbst am siebten Schöpfungstag ruhte. Gott hat auch den Urlaub für die Menschen erfunden, wie wir z.B. in den Zehn Geboten nachlesen können. Die Bibel erklärt uns gleich an mehreren Stellen, wie wichtig es ist, den Sabbat zu heiligen. Dabei geht es nicht nur um die Verehrung Gottes, sondern auch um die Erholung des Menschen, ja sogar an die Erholung der Arbeitstiere war ausdrücklich gedacht.

Am siebten Tage sollen alle ruhen, damit sie zu Atem kommen (Ex 23,12), heißt es im Alten Testament. - Dies soll sogar in den hektischsten Wochen des Jahres gelten, in der Zeit des Pflügens und der Ernte
(Ex 34,21).
Was jeder Autofahrer weiß, das weiß die Bibel mit anderen Worten schon lange: Wer nicht achtgibt und seinen Tank ganz leer fährt, der wird plötzlich bewegungsunfähig und kommt dann nicht mehr von der Stelle. Alle Energie ist verbraucht, nichts geht mehr.

Ganz modern spricht man dann von einem „Burn-out“. Man ist wie ausgebrannt. Gerade diejenigen, die sich für etwas sehr engagieren, die sich mit ganzer Kraft einsetzen, sind dafür besonders anfällig. Diese Menschen sind so hochmotiviert, dass sie erst sehr spät oder gar zu spät merken, dass sie die Grenzen ihrer Kraft erreicht haben. Aus der Belastung ist eine Über-
lastung geworden. Auch so mancher Priester und kirchliche Mitarbeiter musste das am eigenen Leibe schmerzlich erfahren. Das ist so ähnlich wie bei einer überlasteten elektrischen Leitung. Da fliegt irgendwann ohne Vorwarnung die Sicherung raus. Das kann dann heißen: Zusammenbruch und ärztlich verordnete Zwangspause.

Dann hat man auf einmal Zeit, und zwar mehr als einem lieb ist. Dann ist der Terminkalender nur noch ein Stück Papier, unbedeutend und beinahe lächerlich. Damit es gerade auch bei engagierten Christen nicht zu solchen Zusammenbrüchen kommt, haben kluge Seelenführer und Heilige schon immer warnend ihre Stimme erhoben. So heißt es zum Beispiel in der Ordensregel des heiligen Benedikt: „Bete und arbeite!“ – sorge also für ein gesundes Gleichmaß! Der heilige Franz von Sales formulierte es so: „Nimm dir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit für das Gebet – außer, wenn du viel zu tun hast. In diesem Falle nimm dir eine ganze Stunde Zeit…“

Im heutigen Evangelium erfahren wir, dass die Apostel auch gerade in der Gefahr sind, überfordert zu werden. Man kann eben nicht nur vom Misserfolg bedroht werden, sondern auch vom Erfolg. Und den hatten die Apostel.
Wie wir vom vorigen Sonntag wissen, waren sie im Namen Jesu und mit seiner Vollmacht ausgesandt worden, um immer zu zweit den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden, zu heilen und zur Umkehr aufzurufen. Dabei durften sie kein Geld haben, keine Vorräte, nur einen Wanderstab und Sandalen. Das war offen-
bar so überzeugend, dass die Zuhörer immer zahlreicher wurden. Da gab es jede Menge zu tun, persönliche Gespräche, Segnungen, Heilungen – sicher oft bis in den späten Abend hinein.

Man könnte also sagen, dass es wirklich mächtig gut lief.
Sie waren gewissermaßen gerade so richtig in Fahrt.
Heutige Werbe-Experten würden sagen: Das muss man ausnutzen, da muss mit weiteren Angeboten nachgelegt werden, solange dafür Aufmerksamkeit der Kunden besteht. Man muss schließlich das Eisen schmieden, so lange es heißt ist, sagten schon unsere Vorfahren.
Doch was macht Jesus ausgerechnet jetzt? Unfassbar: Jesus verordnet seinen Mitarbeitern erst einmal eine Pause, statt die Gunst der Stunde zu nutzen...

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06.07.2009

15. Sonntag im Jahreskreis B - 12.7.2009

Am 7,12-15
Eph 1,3-14
Predigt zum Evangelium:
Mk 6,7-13


Evangelium Mk 6,7-13

In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.

Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlaßt. Wenn man euch aber in einem Ort nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.

Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

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Einfach sandalös !


Ein schönes Nachsprech- und Konzentrations-Spiel für Gruppen heißt „Kofferpacken“. Da wird in der Phantasie ein Reisekoffer gepackt, in den natürlich so allerlei mehr oder weniger originelle Gegenstände hinein gehören. Reihum fügt jeder Mitspieler einen weiteren Gegenstand hinzu. Das Tückische ist dabei, dass nicht nur ein neuer Gegenstand dazukommt, sondern vorher noch alles bisher Aufgezählte genau so in der richtigen Reihenfolge wiederholt werden muss, wie es bereits im gedanklichen Koffer gelandet ist. Dann heißt es also z.B.:

„Ich packe meinen Koffer und lege eine Armbanduhr, eine gelbe Mütze, einen Zahn-
stocher, ein Federballspiel, eine angebissene Banane und einen roten Polprüfer hinein…“ So wird der Rattenschwanz an Wörtern länger und länger. Mal sehen, wer als Erster den Überblick verliert und aufgibt…

Beim Kofferpacken für den Urlaub geht es manchen Familien wohl ähnlich. An was man da alles denken muss…! Besonders dann, wenn man kleine Kinder mitnimmt, kann man beinahe den halben Haushalt einpacken. Das entspricht natürlich auch unserer heutigen Sicherheits-Mentalität. Man will für alle Eventualitäten gerüstet sein. Ärgerlich und teuer, wenn man sich am Urlaubsort ein wichtiges Teil nachkaufen muss… Ganz erfahrene Kofferpacker legen sich jährlich weiter verfeinerte Check-Listen an, damit man darin abhaken kann, wenn etwas bereits in einem der Koffer verstaut ist.

Merkwürdig – wie eine solche Check-Liste wirkt auch das heutige Evangelium. Nachdem Jesus die Apostel zu sich gerufen hat, gibt er ihnen ganz konkrete, ganz detaillierte Anweisungen. Allein das ist für uns schon ungewohnt genug. Was er aber da geradezu befiehlt, ist auf den ersten Blick schon äußerst befremdlich.

Es heißt: „In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und

an den Füßen nur Sandalen.“


An den Füßen nur Sandalen – das ist ja sandalös! Warum kein festes Schuhwerk bei dem oft unwegsamen Gelände? Warum kein Geld, warum keinerlei Vorräte und kein zweites Hemd? Ganz sicher wollte Jesus nicht, dass seine Apostel, die er losschickte, mit total verschwitzter Kleidung ihre Zuhörer durch Geruchsbelästigung in die Flucht schlagen. Ganz sicher wollte er auch nicht, dass sie auf ihrem Weg elend verhungern oder verdursten! Seine konkreten Dienstanweisungen haben aber einen guten Grund: Die Apostel, die er mit seiner Vollmacht ausstattet und aussendet, sind nämlich keine Touristen auf Wanderschaft. Solche Wandertouristen müssen natürlich ihr Zelt dabei haben nebst allem Zubehör, wenn sie irgendwo im Freien übernachten wollen. Da kommt schon einiges zusammen! Die Apostel jedoch haben so gut wie nichts dabei. Sie sind also immer auf andere und deren Hilfsbereitschaft angewiesen. Das fällt jedem, der ihnen begegnet, sicher sofort auf. Die beiden, die da vor mir stehen, sind keine Luxus-Missionare. Die meinen das offensichtlich ganz ernst mit der Nachfolge Jesu! Vielleicht sollte ich mir wirklich mal anhören, was sie mir zu sagen haben!

Wahrscheinlich hätte Jesus seine Mitarbeiter im Außendienst sogar ohne Sandalen losgeschickt, wenn das nicht zu gefährlich wäre. Scharfkantige Steine könnten ihrem Auftrag sonst ein recht plötzliches Ende bereiten. Einen Wanderstock dürfen sie auch dabei haben. Das hat allerdings nichts mit dem modernen „Nordic Walking“ zu tun. Den Stock brauchte man nicht nur in der sehr hügeligen Landschaft mit oft ganz schlechten Wegen. Er war leider manchmal auch nötig, um sich z.B. streunende Hunde oder andere unliebsame Tiere auf Abstand zu halten. Deswegen hatten auch die Hirten damals immer einen Holzstab dabei.

Wenn Jesus die Apostel grundsätzlich zu zweit aussendet, macht das nicht nur deren Wanderschaft sicherer. Es hätten z.B. auch immer vier Männer sein können. Damals galt aber der Rechtsgrundsatz, dass immer mindestens zwei Männer die gleiche Zeugenaussage machen mussten, wenn etwas vor Gericht als wahr anerkannt werden sollte. Das gemeinsame Auftreten unterstreicht also die Glaubwürdigkeit. Zugleich dient jeder der beiden dem anderen als Helfer und Berater, wozu auch die Korrektur von ungenauen Aussagen oder Fehlverhalten gehört. In manchen Klöstern wird heute noch diese Tradition der „Correctio fraterna“ eingeübt, also eine brüderliche Zurechtweisung, die untereinander in aller Liebe zu erfolgen hat, um den geschätzten Mitbruder vor falschen Wegen zu bewahren.

Aber nichts zu trinken, kein Brot und keine Vorratstasche – ist das nicht doch etwas übertrieben? Dazu muss man wissen, dass es zu den eisernen Grundregeln orientalischer Gastfreundschaft gehört, den Gast zu ehren, indem man ihm Notwendiges und Angenehmes geradezu aufdrängt. Dies stammt noch aus der Zeit des Lebens in und mit der Wüste. Es muss also wirklich niemand verhungern oder verdursten. Allerdings müssen die Apostel Jesu sich auf ein Leben als Gast einstellen, auf ein Leben, das sie nicht in allem selbst bestimmen können.

Jesus gibt ihnen die Anweisung: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlaßt.“ Das heißt in der Praxis, dass sie z.B. auch akzeptieren müssen, was sie zum Essen vorgesetzt bekommen. Sie sollen sich ganz bewusst höflich an ihren Gastgeber anpassen und nicht etwa die Unterkunft wechseln, weil es im Nachbarhaus eine bessere Hausfrau und Köchin gibt. Man stelle sich nur vor, welche Eifersüchteleien bei den Dorfbewohnern entstehen könnten, wenn diese willkommenen Boten Gottes plötzlich drei Häuser weiter an der Suppenschüssel sitzen.
Wo man sie in diesem Dorf aufgenommen hat, da sollen sie auch bleiben, bis sie zum nächsten Ziel weiterwandern. Sie kommen gewissermaßen mit leeren Händen, abhängig von der Aufmerksamkeit und dem gutem Willen ihres jeweiligen Gastgebers. Dieses Zeichen wird an vielen Orten wohl verstanden: die Apostel geben sich ganz in Gottes Hand und vertrauen darauf, dass er ihnen den richtigen Weg zeigt und die richtigen, gastfreundlichen Menschen.
Ganz sicher wird in dem Haus, in dem sie untergekommen sind, nach einigen Tagen die Atmosphäre bei den abendlichen Gesprächen offener, vertraulicher. Niemand kann über mehrere Tage nur sein Sonntagsgesicht aufsetzen. Es wird intensive Gespräche mit der Hausgemeinschaft geben, wenn man nach Feierabend in der großen Runde zusammensitzt...

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