Gen 2,18-24
Hebr 2,9-11
Predigt zum Evangelium:
Mk 10,2-16
Evangelium Mk 10,2-16
In jener Zeit kamen Pharisäer zu Jesus und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen.Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.
Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.
Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entläßt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt und einen anderen heiratet.
Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab.
Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen:
Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!
Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT
Schatz, wir sind zu dritt!
Zugegeben, der Witz ist nicht ganz neu. Bei Familie Meier, Müller oder sonstwas gibt’s ein festliches Abendessen im Kreise der Familie. Papa erklärt dem achtjährigen Alexander: „Mama und Papa sind heute nämlich genau zehn Jahre miteinander verheiratet!“ – Erst einmal Staunen auf der Gegenseite, doch dann erwacht bei Alexander das Interesse an mehr Information: „…Und wie lange müsst ihr noch…?“
Wenn man auf diedramatisch ansteigende Scheidungsrate schaut, kann einem das Lachen allerdings schnell vergehen. Es ist schon erschreckend, dass etwa ein Drittel aller Ehen geschieden wird. Dabei sollte man aber auch nicht übersehen, dass sich daraus logischerweise auch ergibt:
Fast zwei Drittel aller Ehen halten auch heutzutage – das ist ein Wahlergebnis, von dem Politiker nur träumen können…
Aber dennoch: die Lebensform der Ehe wird heutzutage offenbar vielfältig bedroht. - Aber was heißt „heutzutage“?
Das Evangelium zeigt uns ganz drastisch, dass es diese Bedrohung zur Zeit Jesu auch schon gab. Wie es heißt, kommen Pharisäer mit einer rechtlichen Streitfrage zu Jesus: „Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen?“
Natürlich war das wieder mal so eine hinterlistige Fangfrage. Würde Jesus mit „JA“ antworten, bestätigte er die damals gängige Praxis, wonach die Frau nach einer Regelung des Mose vom Mann aus der Ehe entlassen werden konnte, indem er ihr einen Scheidungsbrief ausstellte. Streit gab es in den verschiedenen theologischen Schulen der Pharisäer allerdings darüber, wie groß das Fehlverhalten der Frau sein müsse, damit eine Trennung möglich ist. Der bekannte Rabbi Hillel sah das zum Vorteil der Männer recht locker, wenn er erklärte, dazu genüge schon ein angebranntes Essen.
Dass es inzwischen insbesondere im griechischen Raum allmählich eine Regelung mit mehr Rechten für die Frau gab, erkennen wir indirekt im Evangelium später, wenn Jesus erklärt: „Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt und einen anderen heiratet.“ – Also war es in einigen Gegenden schon möglich, dass die Frau den Mann verstoßen konnte.
Das Ausstellen der Scheidungsurkunde war aber in der patriarchalischen Gesellschaft der strengen Juden ausschließlich dem Mann vorbehalten. Wie bei der bekannten Szene mit Jesus und der Ehebrecherin, die gesteinigt werden sollte, waren Frauen in der Praxis leider oft immer noch Menschen zweiter Klasse, obwohl die Bibel (siehe Schöpfungsgeschichte) dies eindeutig anders sieht!
Wenn es uns befremdlich erscheint, dass der Mann einfach so eine Scheidungsurkunde ausstellen konnte, dann sollten wir auch bedenken, dass diese Schriftform mit vorgeschriebenem Wortlaut verhindern sollte, dass ein Mann aus einer Verärgerung oder Laune heraus seine Frau von einem Moment zum anderen schutz- und mittellos vor die Tür setzte.Den Scheidungsbrief brauchte die ausgestoßene Frau auch dringend, denn er stellte für alle eindeutig klar, dass sie nun nicht mehr verheiratet ist und so wieder heiraten kann, was damals eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens der Frau sein konnte.
Verständlich, dass die Pharisäer gespannt auf die Reaktion von Jesus warteten. Würde er wirklich zustimmen, dass ein Mann seine Frau so aus der Ehe entlassen darf? Immerhin stammte diese Regelung von keinem Geringeren als von Mose! Würde Jesus zustimmen, wäre sein Ruf als barmherziger Prediger und Seelsorger restlos ruiniert! -
Andererseits, wenn Jesus sich gegen diese Art von Ehescheidung aussprechen würde, würde er gegen geltende Vorschriften im Judentum verstoßen und damit erst recht als gefährlicher Lehrer und Rabbi dastehen, der es mit der religiösen Tradition nicht so genau nimmt. Er saß also in der Falle. So dachten zumindest die Fragesteller.
Jesus jedoch lässt sich nicht auf solche Spielchen ein.
Von ihm gibt es dazu kein „JA“ oder „NEIN“. Bei solchen Paragraphen-Reitereien macht Jesus nicht mit.
Vielmehr nutzt Jesus wieder einmal einen Angriff seiner Gegner, um einen theologischen Streitpunkt aus dem Schubladen-Denken herauszuholen und um ins Grundsätzliche zu gehen. Er erinnert sie nämlich an die Schöpfungsgeschichte: „Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er (Mose) euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Das Theologengezänk interessiert Jesus nicht. Er will seinen Zuhörern vielmehr klarmachen, wie Gott selbst Mann und Frau und die Ehe sieht. Schön ist das Bild der Schöpfungs-
geschichte: Mann und Frau lassen alles hinter sich, sie verlassen Vater und Mutter, und damit ihre gewohnte Umgebung, ihre eingefahrenen Muster.
Sie sind wie Auswanderer: Mit ihrer Ehe machen Mann und Frau einen völlig neuen Anfang. Mit ihrer Ehe beginnt wirklich etwas völlig Neues: „und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.“
Der Begriff „ein Fleisch sein“ spielt dabei nicht nur auf die geschlechtliche Vereinigung der Ehepartner an. Es geht darum, dass nun aus zwei Leben ein Leben wird, ein gemeinsames Leben. „Fleisch“ steht für Leben, wie es auch am Anfang des Johannes-Evangeliums über Jesus heißt:
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14) Wunderschön formuliert Jesus: „Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.“ - So also sieht Gott die Ehe...
Weiterlesen? - Gerne!
Bitte hier klicken !












