29.09.2009

27. Sonntag im Jahreskreis B - 04.10.2009 / Erntedank

Gen 2,18-24
Hebr 2,9-11
Predigt zum Evangelium:
Mk 10,2-16




Evangelium Mk 10,2-16

In jener Zeit kamen Pharisäer zu Jesus und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen.
Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.
Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.
Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entläßt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt und einen anderen heiratet.
Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab.
Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen:
Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!
Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT


Schatz, wir sind zu dritt!


Zugegeben, der Witz ist nicht ganz neu. Bei Familie Meier, Müller oder sonstwas gibt’s ein festliches Abendessen im Kreise der Familie. Papa erklärt dem achtjährigen Alexander: „Mama und Papa sind heute nämlich genau zehn Jahre miteinander verheiratet!“ – Erst einmal Staunen auf der Gegenseite, doch dann erwacht bei Alexander das Interesse an mehr Information: „…Und wie lange müsst ihr noch…?“

Wenn man auf die
dramatisch ansteigende Scheidungsrate schaut, kann einem das Lachen allerdings schnell vergehen. Es ist schon erschreckend, dass etwa ein Drittel aller Ehen geschieden wird. Dabei sollte man aber auch nicht übersehen, dass sich daraus logischerweise auch ergibt:
Fast zwei Drittel aller Ehen halten auch heutzutage – das ist ein Wahlergebnis, von dem Politiker nur träumen können…

Aber dennoch: die Lebensform der Ehe wird heutzutage offenbar vielfältig bedroht. - Aber was heißt „heutzutage“?
Das Evangelium zeigt uns ganz drastisch, dass es diese Bedrohung zur Zeit Jesu auch schon gab. Wie es heißt, kommen Pharisäer mit einer rechtlichen Streitfrage zu Jesus: „Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen?“

Natürlich war das wieder mal so eine hinterlistige Fangfrage. Würde Jesus mit „JA“ antworten, bestätigte er die damals gängige Praxis, wonach die Frau nach einer Regelung des Mose vom Mann aus der Ehe entlassen werden konnte, indem er ihr einen Scheidungsbrief ausstellte. Streit gab es in den verschiedenen theologischen Schulen der Pharisäer allerdings darüber, wie groß das Fehlverhalten der Frau sein müsse, damit eine Trennung möglich ist. Der bekannte Rabbi Hillel sah das zum Vorteil der Männer recht locker, wenn er erklärte, dazu genüge schon ein angebranntes Essen.

Dass es inzwischen insbesondere im griechischen Raum allmählich eine Regelung mit mehr Rechten für die Frau gab, erkennen wir indirekt im Evangelium später, wenn Jesus erklärt: „Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt und einen anderen heiratet.“ – Also war es in einigen Gegenden schon möglich, dass die Frau den Mann verstoßen konnte.

Das Ausstellen der Scheidungsurkunde war aber in der patriarchalischen Gesellschaft der strengen Juden ausschließlich dem Mann vorbehalten. Wie bei der bekannten Szene mit Jesus und der Ehebrecherin, die gesteinigt werden sollte, waren Frauen in der Praxis leider oft immer noch Menschen zweiter Klasse, obwohl die Bibel (siehe Schöpfungsgeschichte) dies eindeutig anders sieht!
Wenn es uns befremdlich erscheint, dass der Mann einfach so eine Scheidungsurkunde ausstellen konnte, dann sollten wir auch bedenken, dass diese Schriftform mit vorgeschriebenem Wortlaut verhindern sollte, dass ein Mann aus einer Verärgerung oder Laune heraus seine Frau von einem Moment zum anderen schutz- und mittellos vor die Tür setzte.
Den Scheidungsbrief brauchte die ausgestoßene Frau auch dringend, denn er stellte für alle eindeutig klar, dass sie nun nicht mehr verheiratet ist und so wieder heiraten kann, was damals eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens der Frau sein konnte.

Verständlich, dass die Pharisäer gespannt auf die Reaktion von Jesus warteten. Würde er wirklich zustimmen, dass ein Mann seine Frau so aus der Ehe entlassen darf? Immerhin stammte diese Regelung von keinem Geringeren als von Mose! Würde Jesus zustimmen, wäre sein Ruf als barmherziger Prediger und Seelsorger restlos ruiniert! -
Andererseits, wenn Jesus sich gegen diese Art von Ehescheidung aussprechen würde, würde er gegen geltende Vorschriften im Judentum verstoßen und damit erst recht als gefährlicher Lehrer und Rabbi dastehen, der es mit der religiösen Tradition nicht so genau nimmt. Er saß also in der Falle. So dachten zumindest die Fragesteller.

Jesus jedoch lässt sich nicht auf solche Spielchen ein.
Von ihm gibt es dazu kein „JA“ oder „NEIN“. Bei solchen Paragraphen-Reitereien macht Jesus nicht mit.
Vielmehr nutzt Jesus wieder einmal einen Angriff seiner Gegner, um einen theologischen Streitpunkt aus dem Schubladen-Denken herauszuholen und um ins Grundsätzliche zu gehen. Er erinnert sie nämlich an die Schöpfungsgeschichte: „Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er (Mose) euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“

Das Theologengezänk interessiert Jesus nicht. Er will seinen Zuhörern vielmehr klarmachen, wie Gott selbst Mann und Frau und die Ehe sieht. Schön ist das Bild der Schöpfungs-
geschichte: Mann und Frau lassen alles hinter sich, sie verlassen Vater und Mutter, und damit ihre gewohnte Umgebung, ihre eingefahrenen Muster.
Sie sind wie Auswanderer: Mit ihrer Ehe machen Mann und Frau einen völlig neuen Anfang. Mit ihrer Ehe beginnt wirklich etwas völlig Neues: „und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.“
Der Begriff „ein Fleisch sein“ spielt dabei nicht nur auf die geschlechtliche Vereinigung der Ehepartner an. Es geht darum, dass nun aus zwei Leben ein Leben wird, ein gemeinsames Leben. „Fleisch“ steht für Leben, wie es auch am Anfang des Johannes-Evangeliums über Jesus heißt:
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14) Wunderschön formuliert Jesus: „Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.“ - So also sieht Gott die Ehe...

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22.09.2009

26. Sonntag im Jahreskreis B - 27.09.2009

Num 11,25-29
Jak 5,1-6
Predigt zum Evangelium:
Mk 9,38-43.45.47-48


Evangelium Mk 9,38-43.45.47-48

In jener Zeit sagte Johannes zu ihm: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen. Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.


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Die Hand abhacken?

Kurz nach einem schweren Verkehrsunfall kämpfen die Ärzte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um das Leben der betroffenen Menschen. Manchmal geht dieser dramatische Kampf auf Leben und Tod leider verloren, aber meistens kann die heutige Medizin gottlob noch helfen.
Zuweilen stehen die Ärzte dabei auch vor der unangenehmen Aufgabe, bei einem Schwerverletzten eine Hand, einen Arm, einen Fuß oder ein Bein amputieren zu müssen. So schwer die Entscheidung dann immer ist: Wenn es nicht anders möglich ist, muss ein völlig vergifteter oder zertrümmerter Körperteil aufgegeben werden, um das Leben des Patienten zu retten.

Auf Leben und Tod – das ist durch die drastische Aus-
drucksweise Jesu auch das, was vom heutigen Evangelium sofort hängenbleibt und wohl auch hängenbleiben soll. Wenn Jesus zu solch deftigen Bildern greift, dann nur deshalb, weil es ihm so bitterernst ist mit dem, was er uns da beibringen will.
Die Welt, in der wir leben, ist stets auch eine Welt der Ver-
führung, der Manipulation, der Abkehr von Gott und seinen Weisungen, die doch nur zu unserem Besten sind und seiner Liebe entspringen.
Doch Verführung geschieht ja nicht einfach so, ohne menschliche Beteiligung. Es sind Menschen, die andere Menschen in die Irre führen, von Gott wegführen und damit lebensgefährlich für sie werden.

Lebensgefährlich ist, was das Leben extrem gefährdet.
So ist es auch beim ewigen Leben: Es gibt eine ganze Reihe von Verhaltensweisen, die uns von unserer eigentlichen Be-
stimmung, von unserem eigentlichen himmlischen Ziel ablenken. Sie führen uns nicht, sondern sie verführen uns. Sie sind lebensgefährlich, weil sie unser wirkliches Glück zerstören.

Und da, in dieser Situation, gibt es für Jesus offensichtlich null Toleranz. Das darf man nicht dulden, das darf man nicht zulassen. Die Radikalität Jesu erschreckt und entsetzt uns aber: „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde“, formuliert Jesus zum Beispiel. - Die Kleinen – das sind hier nicht etwa die Kinder, die Heranwachsenden, die körperlich noch Kleinen. Jesus spricht ja von den Kleinen, die an ihn glauben.
Klein – das sind die Kleinen im Glauben, die noch nicht im Glauben gefestigten Menschen.

Sie sind noch auf der Suche, und ihr Glaube steht noch auf wackeligen Füßen. Auf ihrem Glaubensweg haben sie so viel verarbeiten müssen, sind vielleicht von einem Guru zum nächsten gelaufen, stets auf der Suche nach Gott. Von fernöstlicher Meditation bis zur Wahrsagerei haben manche schon alles durch, wie man so sagt. Doch nun sind sie innerlich bei Jesus angekommen.
Sie haben den Weg, die Wahrheit und das Leben gefunden.
Diese Situation ist nicht neu.
Da sind Menschen, die vielleicht in einer Pfarrgemeinde angekommen sind. Vielleicht haben sie nach einer langen Durststrecke zu den Christen gefunden oder zurück-
gefunden. Aber sturmerprobt sind sie nicht. Jeder Windhauch des Zweifels kann sie umhauen.

Genau hier findet Jesus drastische Worte für diejenigen, die als Mitchristen Mitverantwortung tragen, vom Pfarrer bis zum Sitznachbarn. Wie behandeln wir suchende Menschen, die noch unsicher sind? Wie geht die Kirche auf Menschen zu, die Führung und Hilfe benötigen? Immerhin geht es um nicht mehr und nicht weniger als um das unbeschreibliche Glück, später bei Gott im Himmel sein zu dürfen.

Im heutigen Evangelium ist dabei besonders die Versuchung im Blick. Die Kirche als Ganzes trägt hier Verantwortung, aber auch jeder Einzelne. Die Kleinen zum Bösen verführen – das kann leider ganz schnell passieren. Mit dem Bösen ist hier nämlich vor allem der Abfall vom Glauben gemeint, was aus dem nach-
folgenden Text ersichtlich wird.
Der Appell Jesu könnte also so übersetzt werden: Ihr alle tragt Verantwortung für eure Mitchristen, vor allem für die Kleinen und Schwachen im Glauben! Was ihr tut und was ihr nicht tut, was ihr sagt und was ihr nicht sagt, das hat immer auch Auswirkungen. Wer z.B. mit gewagten theologischen Thesen auftritt oder als Priester mit eigenmächtigem Tun und Predigen im Gottesdienst so manche vor den Kopf stößt, der kann sich schuldig machen...

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19.09.2009

Buch- und Linktipps zum Rosenkranzmonat Oktober


Der Rosenkranz wird das ganze Jahr über von Hunderttausenden von Gläubigen gebetet. Der Monat Oktober jedoch ist in der katholischen Kirche ausdrücklich der Rosenkranz-

monat. Wie es im „Katechismus der Katholischen Kirche“ so treffend heißt, ist dieses betrachtende Gebet gleichsam eine „Kurzfassung des ganzen Evangeliums“. Im Rosenkranz wird die Seele ruhig durch die beständige Wiederholung.

Es geht weniger um die Worte, sondern mehr

um das Schauen, das Meditieren. Wir gehen gleichsam mit Maria zu Jesus. Dennoch ist es kein Mariengebet und schon gar nicht eine Anbetung Mariens - wir schauen nur aus dem Blickwinkel seiner Mutter auf Jesus selbst. Die Themen der „Geheimnisse“ und die Gebete sind allesamt biblischen Ursprungs, also nicht etwa von der Kirche ausgedacht.


Da es nur noch wenige Tage bis zum Monat Oktober sind, habe ich zahlreiche Linktipps und Büchertipps für meine Leser zusammengestellt:

Bitte nachfolgend jeweils das Gewünschte anklicken:

>>> MEINE BÜCHERTIPPS ZUM ROSENKRANZ

>>> MEINE INTERNET-LINKTIPPS ZUM ROSENKRANZ




14.09.2009

25. Sonntag im Jahreskreis B - 20.09.2009


Weisheit 2,1a.12.17-20
Jak 3,16-4,3
Predigt zum Evangelium:
Mk 9,30-37


Evangelium Mk 9,30-37

In jener Zeit zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa. Jesus wollte aber nicht, daß jemand davon erfuhr: denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen. Sie kamen nach Kafárnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

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Gott sei Dank erwischt!

Nennen wir sie einfach Familie Müller. Der ausgedachte Name tut nämlich nichts zur Sache. Die Sache – das ist ein Ereignis im nächsten Frühjahr, also in unseren Augen noch weit, weit weg. Das Kind von Familie Müller hat dann Erstkommunion, und ein noch ganz taufrisches Schreiben aus dem Pfarrbüro mit der Ankündigung des Kommunion-Unterrichts und der Einladung zum Elternabend bringt gerade bei Müllers eine Lawine ins Rollen.
Einer der kritischsten Punkte bei der strategischen Planung ist offenbar die Sitzordnung: „Wir müssen bloß aufpassen, dass Tante Gerda weit genug weg von Rolf sitzt, und vor allem gehört Pate Markus vorne an den Kopf!“

Wer kennt das nicht? Ob es sich um die Sitzordnung für ein Fest handelt oder um die natürlich auch bei kirchlichen Veran-
staltungen übliche korrekte Reihenfolge und Anrede der Ehrengäste – es wird schon noch darauf geachtet, wer wo seinen Platz hat. In einer Leistungsgesellschaft wie der heutigen gibt es genau wie früher eine Art Hackordnung, wie auf dem Hühnerhof. Man will etwas im Leben erreichen, man will beruflich vorwärts kommen, man will Macht und Einfluss, man will gut dastehen vor den anderen.

Das gilt nicht nur für Politiker. Es fängt schon auf dem Schulhof an. Da werden zwei Mannschaften für ein Fußballspiel gebildet, und die beiden Mannschaftsführer dürfen immer abwechselnd ihren nächsten Mitspieler aus der Reihe der Klassenkameraden auswählen. Da weiß man vorher schon, wer zuerst aufgerufen wird und wer mal wieder die Peinlichkeit ertragen muss, bis zuletzt dazustehen und auf den erlösenden Aufruf zu warten.
Offenbar steckt es tief in uns drin, das Schielen nach Anerkennung und Erfolg, das Abstrampeln für das erhoffte Siegertreppchen. Von den Fleiß-
kärtchen, die es früher als Anerkennung in der Schule gab, bis hin zum Geschachere um Posten und Pöstchen an den Spitzen von Politik und Gesellschaft zieht sich diese Spur. Auch an der Kirche ist das leider nicht folgenlos vorübergegangen, und zwar nicht nur im Mittelalter.

Im heutigen Evangelium begegnet uns dieser menschliche Wunsch nach Anerkennung und Erfolg auch schon. Auf uns wirkt es fast wie ein Schock, wenn wir erfahren, wie Jesus zum wiederholten Male seine Jünger auf das bevorstehende Leiden einstimmen will, dabei aber ganz offensichtlich auf taube Ohren stößt.
Während er mit seinen Jüngern und Schülern auf dem Wege nach Kafárnaum ist, will er sie an einer stillen, ungestörten Stelle belehren, heißt es ausdrücklich im Text. Doch sie verstehen das nicht, sie können das noch nicht fassen, dass Jesu Leiden und Sterben bevorsteht. Ausdrücklich steht im Evangelium: „Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen.“

Die Jünger verstehen nicht, aber sie haken nicht nach. Es ist ihnen vielleicht peinlich, den Meister um weitere Erläuterungen zu bitten. Dass sie nicht verstehen, hat aber noch eine andere Ursache: Sie sind mit ihren Gedanken ganz woanders, und zwar nicht nur einer, sondern offenbar alle. Nicht Jesu Leidens-
geschichte interessiert sie an erster Stelle, sondern ihre eigene Erfolgsgeschichte, die sie sich als Jünger und Schüler des berühmten Rabbis und vielleicht zukünftigen Königs der Juden versprechen.

Immer wieder verblüfft uns die Bibel mit solcher Offenheit.
Da werden uns keine Super-Jünger präsentiert, sondern die ungeschminkte Wahrheit von Jüngern, die gerade davon träumen, wie rosig ihre eigene Zukunft aussehen könnte...

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13.09.2009

"DIE EILIGE MESSE" - - - - - - - - oder: "WER BIETET WENIGER?"


Wer bietet weniger?

(Die eilige Messe)


Schnell ist die Zahl herausgefunden:
Die Woche hat 168 Stunden.
Was man in dieser Zeit so treibt,
was man sich geistig einverleibt,
wieviel von dieser Zeit verschwendet,
für die Glotze wird verwendet
und Allerlei zum Zeitvertreibe -
gut, dass ich hier davon nichts schreibe.
Pro Stunde sind schon 12 Minuten
allein für Fernsehwerbung zu vermuten.
Pro Woche sind das viele Stunden,
wo lockt man uns als gute Kunden.
Doch auch mit Warten, ob beim Doktor oder gar im Stau,
Stunden sind's, sind einfach weg, merk's dir genau!
Mit Kleinkram geht viel Zeit verloren,
Jahre sind's, seit wir geboren.
So ist es halt: wir nehmen's hin,
denn Meckern hat da keinen Sinn.

Doch schnell hört man aus manchem Munde
wenn einmal die Wochenstunde,
die unserem Gott, dem Herrn geweiht,
man Zeit und Ruhe kaum verzeiht.
Die Predigt dauert 11 Minuten -
das ist mir doch nicht zuzumuten!
Kürzer soll die Messe sein,
dann geh' ich gerne wieder rein.
Ein andrer Pfarrer - von mir nachgemessen,
der kürzt stets gern, kann auch vergessen,
der will sich jeden Sonntag sputen,
so spart er allen 10 Minuten.
Die Kirche ist dort früher aus,
so flitzt man dann auch schnell nach Haus.
Die schnelle Messe muss genügen
um sich beim Fernsehn zu vergnügen.
Doch kaum sitzt man, da kommt der Schock:
Es folgen 12 Minuten Werbeblock...!


(Quelle: www.predigtgarten.blogspot.com)



07.09.2009

24.Sonntag im Jahreskreis B - 13.09.2009

Jes 50,5-9a
Jak 2,14-18
Predigt zum Evangelium:
Mk 8,27-35


Evangelium Mk 8,27-35
In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsaréa Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten.
Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias! Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen. Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe. Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mir dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinet-
willen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.

MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT


"Hinter mich!"


Neue Schuhe für Herbst und Winter sind fällig. In der Fußgängerzone werde ich sicher fündig.
Ich bin ganz in Gedanken, als plötzlich wie aus dem Nichts heraus 10 Zentimeter vor meiner Nase ein Mikrofon auftaucht. „Wir machen eine Umfrage“, behaupten die beiden jungen Leute. „Würden Sie sich als Tierfreund bezeichnen?“, wollen sie von mir wissen.
Nach dem ersten Schock sehe ich genauer hin. Aha – dachte ich mir’s doch schon: in einer Mappe tragen sie Prospekte und Beitrittserkärungen mit sich. Die beiden sind also professionelle Werber und gehören zu einer „Drücker“-Kolonne, die mir unter dem Vorwand einer Umfrage eine teure Mitgliedschaft aufschwatzen will. Also nichts wie weg!

Auch echte Meinungsumfragen, wie wir sie z.B. auch jetzt vor der Bundestagswahl erleben, sind keineswegs eine neue Erfindung. Im heutigen Evangelium macht Jesus selbst eine kleine Umfrage unter seinen Jüngern.
Zuerst will er von ihnen wissen, für wen die Menschen ihn wohl halten. Das Ergebnis ist nach so vielen mühevollen Monaten des Umherziehens und Predigens eher ernüchternd: für einen von den Toten wieder auferstandenen Propheten wird er gehalten, andere halten ihn für Elija, wieder andere für Johannes den Täufer. - Es liegt auf der Hand: die Volksmassen haben es immer noch nicht begriffen, wer er ist. Gottes Sohn als Wanderprediger – das ist einfach unvorstellbar für sie.

Interessant ist, an welchem Ort Jesus das von seinen Jüngern erfragt. Sie sind soeben in der Nähe der Stadt Cäsaréa Philippi angekommen. Das ist besonders weit weg von Jerusalem, es ist Grenzland zwischen Juden und Heiden.
Doch nicht nur das.
Ein langer Strom von Wallfahrern zieht Tag für Tag hierher. Auf einem mächtigen Felsmassiv fasziniert eine gewaltige Tempelanlage zu Ehren des römischen Kaisers Augustus, der sich als „Sohn Gottes“ verehren lässt. Eine weitere heidnische Kultstätte befindet sich in einer riesigen, dunklen Höhle am Fuße des Felsens: ein Heiligtum des griechischen Gottes Pan. Er gilt als so etwas wie ein Universal-
gott in der komplizierten Götterwelt. Dessen Gunst sollte man sich auf jeden Fall sichern...
Die Umfrage Jesu findet also in der Nähe dieses Zentrums heidnischer Götterverehrung statt. Das ist natürlich kein Zufall. Jesus hätte seine Frage überall stellen können, aber er hat bewusst diesen Ort gewählt. Hier prallen die religiösen Meinungen und Weltanschauungen aufeinander. Es ist ein Ort der Entscheidung. Orientiere auch ich mich an der heidnischen Götterwelt, die jede Menge Gottheiten im Angebot hat?
Oder gehe ich hinter Jesus her? Ich habe die Auswahl, aber ich komme auch nicht drumherum, mich hier festzulegen, wer der wahre Gott ist.

Das steht den Jüngern jetzt bevor. Jesus stellt eine weitere Frage, und dieser zweiten Frage Jesu kann niemand aus-
weichen. Jesus fragt die Jünger ganz direkt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“
Jetzt heißt es Farbe bekennen! Jesus grenzt die Jünger in
seiner Frage ausdrücklich von der Allgemeinheit ab. Er sagt:
„Ihr aber…“ - Das heißt: Raus damit! Ihr müsst innerlich abstimmen: Seid ihr wirklich anders als die anderen? Wo steht ihr selbst? Was habt ihr in all der Zeit mit mir verstanden? Wer bin ich in euren Augen?

Nun könnte man erwarten, dass jetzt eine große Diskussion unter den Jüngern Jesu beginnt. Jeder könnte sicher seinen Beitrag leisten,
wie er selbst Jesus sieht. Gerade das geschieht jedoch nicht! Einer spricht für alle. Einer hat den Mut, den Mund aufzumachen und ein Glaubens-Bekenntnis im Namen aller abzulegen.
Es ist Simon Petrus. Simon Petrus kann führen. Wenn ihm nur nicht manchmal das Temperament so durchginge! Ein Stichwort dazu mag genügen: Bei der Verhaftung Jesu ist es Petrus, der voller Eifer sein Schwert zieht, einen Diener des Hohenpriesters angreift und am Ohr verletzt.

Kaum ist jetzt die Frage Jesu ausgesprochen, ist Petrus schon zur Stelle: „Du bist der Messias!“ - Was heißt das aber: der Messias? - In der parallelen Bibelstelle bei Matthäus (16,16) steht es noch deutlicher: „der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“.
Viele Jahrhunderte lang warten die gläubigen Juden bereits
auf den Messias, der von Propheten angekündigt wurde.
Das hebräische Wort dafür („Mashiah“) wird in der griechischen Übersetzung zu „Christus“. Er ist der Gesalbte Gottes, der wahre König aller Welt. Und nun ist Petrus derjenige Jünger, der das klar formuliert: Ja, du bist der Christus, der Messias, der lange ersehnte Retter!

Als Reaktion Jesu würden wir jetzt eigentlich ein großes Lob für Petrus erwarten. Petrus hat sich schließlich mit seiner schnellen Antwort weit vorgewagt. Offenbar sind alle mit seiner Aussage einer Meinung, denn niemand äußert sich sonst...

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