27.10.2009

Allerheiligen - 01.11.2009

Offb 7,2 – 4,9-14
1 Joh 3,1-3
Predigt zum Evangelium:
Mt 5,1-12a



Evangelium: Mt 5,1-12a

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

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Jede Menge Glückspilze


Die Uhren
haben Sie inzwischen längst auf Winterzeit umgestellt, aber haben Sie auch Ihre Autoreifen schon gewechselt?
Klar, in Deutschland gibt es keine allgemeine Winterreifen-
pflicht. Aber wer bei winterlichen Straßenverhältnissen den Verkehr wegen falscher Reifen oder mangelhafter Profiltiefe behindert, kassiert ein Bußgeld und einen Punkt in der Verkehrssünderdatei in Flensburg. Bei einem Unfall riskiert man zusätzlich den Versicherungsschutz wegen grober Fahrlässigkeit. Das kann furchtbar teuer werden, wenn Personenschäden hinzukommen. Es ist also im eigenen Interesse und ein Gebot der Klugheit, sich frühzeitig auf einen eventuellen Fall der Fälle einzustellen, also vorzusorgen. Dann ist man auf der sicheren Seite.

Wenn wir das heutige Evangelium betrachten, könnten wir auch erst einmal annehmen, dass Jesus hier gute Ratschläge für den Ernstfall gibt, also so eine Art Bedienungsanleitung für den Himmel, damit man auch da auf der sicheren Seite ist.
Er zählt eine ganze Reihe von Verhaltensweisen auf, durch deren Befolgung man zu denen gehören wird, die selig sind, denen das Himmelreich gehört. Die Barmherzigen, die Friedensstifter, die Armen vor Gott, die Trauernden, die Verfolgten und Beschimpften, die Gewaltlosen, die nach Gerechtigkeit Hungernden… - all diesen verspricht er:
„Selig seid ihr…!“

Heute, am Hochfest Allerheiligen, passt dieses Evangelium natürlich sehr gut. Schließlich endet der heutige Text mit dem Satz: „Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ Doch gerade dieses „Freut euch und jubelt“ zeigt uns an, dass Jesus hier nicht mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger steht.
Es geht ihm nicht darum, den Zuhörern ein schlechtes Gewissen zu machen, nach dem Motto: Da seht ihr, wie ihr eigentlich sein solltet! - Nein, von Freude und Jubel ist ausdrücklich die Rede. Diejenigen, die nach den oft brutalen Spielregeln dieser Welt von den meisten wohl eher als Verlierer angesehen werden, die sind in Wirklichkeit, in Gottes Wirklichkeit, ausgesprochene Glückspilze!
Sie hören hier eine verbindliche Zusage: Ihr habt allen Grund zum Jubeln, zur Freude. Gott wird es euch auf seine Art danken!

Viele Heiligennamen stehen in unseren Kalendern, und viele haben so im Laufe des Jahres ihren eigenen Festtag. Das heutige Fest erinnert uns aber daran, dass es viel mehr sind, unfassbar viele, die nach einem vorbildlichen Leben ihren Lohn im Himmel empfangen haben. Da gibt es eben nicht nur die Giganten unter den Heiligen und Seligen, deren Namen in aller Munde sind, vom heiligen Nikolaus über Franz von Assisi bis hin zu Mutter Teresa aus Indien. Nein, allein die offizielle Liste der Kirche verzeichnet derzeit fast 7.000 Heilige und Selige und weit über 7.000 Märtyrer, von denen ganz zu schweigen, über deren Heiligkeit niemand weiß außer Gott.

Wenn man näher hinschaut, sieht man, dass da eine ganz bunte Schar zusammenkommt. Es gibt sie eben nicht, die Einheitsheiligen nach festem Normmaß. Da gibt es Kinder und Alte, da gibt es Handwerker und Priester, da gibt es einfache Menschen und tiefgeistige Mystiker. Gerade in der Frühzeit des Christentums und in Hitlers Drittem Reich haben viele ihren Glauben nicht verleugnet, sondern sind dafür ins Leid oder gar in den Tod als Märtyrer gegangen. Auch heute noch werden zahlreiche Christen wegen ihres Glaubens in vielen Ländern verfolgt und benachteiligt.

Wir sind immer in der Versuchung, die Heiligen auf einen möglichst hohen Sockel zu heben. Da stehen sie dann gut.
Schön weit weg vom Alltag und für uns unerreichbar. Das hat den Vorteil, dass man die Heiligen als Exoten und irgendwie weltfremde Träumer abtun kann. Unsere Sprache spricht von „seltsamen Heiligen“ und meint damit schrullige Einzelkämpfer, fernab von Gut und Böse, fernab von jeder Realität, einfach lebensuntauglich.

Da ist es gut, dass uns das heutige Evangelium wieder auf den Boden zurückholt. Jesus zählt Verhaltensweisen auf, die keineswegs unerreichbar sind. Wenn er da z.B. sagt, „Selig, die arm sind vor Gott“, dann heißt das nicht, dass Leute gemeint sind, die keinen Cent mehr in der Tasche haben.
Arm sein vor Gott – das heißt doch in erster Linie: Wer sich
in aller Demut vor Gott stellt und weiß, dass es nur Gott ist, der meine Leere mit seiner Gnade und Liebe füllen kann, der gehört vor Gott schon dazu zu seiner riesigen Jubelschar...

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24.10.2009

Johanna, die Märchen-Päpstin: Anmerkungen zum Kino-Film


„In Ingelheim finden sich keinerlei Spuren dieser Frau.“ – Knapper als das Museum in Ingelheim kann man einen Verriss kaum formulieren. Was als Buch schon ein großer Publikumserfolg war, soll es nun im Kino werden: die „Päpstin Johanna“ aus Ingelheim bei Mainz, als Film soeben überall auf den Markt geworfen. Gierig wird der skandalträchtige Stoff aufgesogen: Da ist eine als Mann verkleidete Frau doch tatsächlich auf den Stuhl des Papstes gelangt und wird erst durch die Geburt eines Kindes ertappt.
Endlich können die prächtigsten Vorurteile gegen die Kirche wieder so richtig zum Zuge kommen. Man hat es ja schon immer gewusst…

Was Buch und Film dem Konsumenten vermitteln, ist jedoch schlicht und einfach ein Märchen, eine Legende. Die reale „Person der Geschichte“, die da 853 für zweieinhalb Jahre Päpstin gewesen sein soll, ist angeblich in Ingelheim als Tochter eines Dorfpriesters aufgewachsen und gut ausgebildet worden. Als junger Mann verkleidet soll sie z.B. in Athen studiert haben.
Ruft man jedoch die Internetseite des Museums in Ingelheim auf, folgt die Ernüchterung: Trotz der Prominenz der Genannten ist am Ort ihrer Kindheit keinerlei Hinweis auf sie auffindbar. Doch auch in Rom müsste solch ein spektakuläres Geschehen in vielen zeitgenössischen Chroniken erwähnt worden sein. Wer würde sich schon solch einen Skandal entgehen lassen?

Auch hier jedoch Fehlanzeige: Erst 400 Jahre später, im Jahr 1278, erwähnt der Dominikanermönch Martin von Troppau sie in seiner Chronik der Päpste und Kaiser. Aber klar, argumentieren nun die Befürworter der Päpstin-Theorie, gerade das sei ja der beste Beweis: Die Kirche habe mit größter Sorgfalt alle Beweise vernichtet… -
Wenn also nichts da ist und das als Beweis gilt, dann können wir hiermit gleich mal nebenbei beweisen, dass die Römer bereits die Telefonie mit Handy beherrschten, denn nirgendwo fand man bei Ausgrabungen römische Telefonkabel…
Aber im Ernst: Es gibt genügend Hinweise auf die Absurdität der Päpstinnen-Theorie. Einige seien hier als Link zum Anklicken aufgeführt:


Wikipedia über die Legende
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Umfassende Klarstellung über die „Fabelfrau“
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„DIE WELT“ über die angebliche Päpstin
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Kirchengeschichtler: Die Päpstin ist „pure Fiktion“
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Historiker Michael Hesemann: „Ein Märchen für Erwachsene“
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Kirchenzeitung über die angebliche Päpstin
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Filmfotos aus „Die Päpstin“
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Museum Ingelheim: „keinerlei Spuren dieser Frau“
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„Allgemeine Zeitung“: Päpstin aus Ingelheim?
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20.10.2009

30. Sonntag im Jahreskreis B - 25.10.2009 / Sonntag der Weltmission

Jer 31,7-9
Hebr 5,1-6
Predigt zum Evangelium:
Mk 10,46b-52




Evangelium Mk 10, 46-52

In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus.
Sobald er hörte, daß es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun?
Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen,
und er folgte Jesus auf seinem Weg.

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Störfall in Jericho


Wir haben es am liebsten, wenn alles so seinen Gang geht. Schon bei kleinen Kindern kann man beobachten, wie wohl sie sich fühlen, wenn alles seine gewohnte Ordnung hat. Alles ist wie immer, und alles ist an seinem Platz. Wir wissen, woran wir sind. Störungen sind da eher irritierend, eher unerwünscht. Tritt gar eine größere Störung auf, sind wir erst einmal hilflos. Solche Störfälle fürchten wir nicht nur bei Atomkraftwerken und in der internationalen Banken- und Finanzwelt. Heftige Störungen machen auch im privaten Bereich Angst, wie z.B. Krankheiten oder andere unliebsame Überraschungen.

Im heutigen Evangelium können wir miterleben, wie vor den Toren der schönen Palmenstadt Jericho ein akuter Störfall eintritt. Jericho, wahrscheinlich die älteste Stadt der Welt, liegt fast 300 m unter dem Meeresspiegel in der Senke des Jordans, nicht weit vom Toten Meer. Im Winter zieht sich König Herodes gerne vom 800 m hoch gelegenen Jerusalem hierher in die Wärme zurück.
Jericho ist aber traditionell auch so eine Art Sammelstelle für die zahlreichen Wallfahrer. Vor dem gefährlichen Anstieg hoch nach Jerusalem wird hier Rast gemacht. In größeren Gruppen geht man dann die letzten 24 mühsamen Kilometer bis zum Ziel. Gerade jetzt vor dem Pascha-Fest ist der Strom der Pilger wieder wie erwartet groß, und die Geschäfte gehen dementsprechend gut.

Draußen vor der Stadt sitzt ein blinder Bettler. Er wird uns sogar namentlich vorgestellt: es ist Bartimäus, also der Sohn des Timäus. Offenbar ist er stadtbekannt, sonst macht die Namensnennung in der Bibel wenig Sinn.
Bartimäus hat einen guten Platz zum Betteln ergattert. Hier, an der Straße nach Jerusalem, müssen alle irgendwann an ihm vorbei. Zum Jubel über gute Geschäfte besteht bei ihm dennoch kein Anlass. Blind ist er, und Blindheit gilt wie andere Behinderungen als Strafe Gottes für begangene Sünden.
Er sitzt hier nicht nur draußen vor der Stadt, sondern auch draußen vor der Gemeinschaft der gläubigen Juden. Er ist gewissermaßen exkommuniziert; man meidet den Kontakt mit ihm.

Wie ein Häufchen Elend sitzt er da, seinen Mantel vor sich ausgebreitet. Bartimäus ist immer, Tag für Tag, Jahr für Jahr, auf die Gnade und Barmherzigkeit anderer angewiesen. Diese Barmherzigkeit wirft man ihm in kleiner Münze vor die Füße, in seinen Mantel, damit das Kleingeld nicht wegrollt. Eine deutliche Verachtung erkennt man in den Gesichtern so mancher Wallfahrer, denn so einer hat es nicht besser verdient. Wer weiß, warum er mit Blindheit geschlagen ist. Wer weiß, für welche Untaten er hier büßt….

Aber man will ja nicht so sein. Schließlich ist man als Pilger verpflichtet, Werke der Barmherzigkeit zu tun. Und fromm,
wie man ist, gibt man diesem armen Würstchen halt sein Scherflein. Oder aber man schaut beim Vorübergehen einfach nicht hin, eindeutig die preiswertere Lösung...

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19.10.2009

Weihnachtsmann statt Nikolaus? - Mit mir nicht!


Schon seit Wochen sind die Supermärkte mit tonnenweise Weihnachtsware überschwemmt. Auch die Schoko-Männer mit den Zipfelmützen fehlen nicht. Vielerorts von Schoko-Nikoläusen mit Mitra keine Spur. Das hat seine Gründe...

In meinem Kommentar finden Sie auch viele Linktipps zum christlichen Nikolaus und auch Bezugsquellen für echte Schoko-Nikoläuse .

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13.10.2009

29. Sonntag im Jahreskreis B - 18.10.2009

Jes 53,10-11
Hebr 4,14-16
Predigt zum Evangelium:
Mk 10,35-45




Evangelium Mk 10, 35-45

Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.
Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es.
Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.
Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.


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Reservierungswünsche

Was für ein Typ sind Sie? Lassen Sie es gerne darauf ankommen und machen dafür öfter mal ein last-minute-Schnäppchen? Oder gehen Sie doch lieber auf Nummer sicher und reservieren frühzeitig, wo dies möglich ist? Keine einfache Frage, zumal es einen Unterschied macht, ob man Single ist oder für eine ganze Familie planen muss.
Wer rechtzeitig bucht, hat natürlich in der Regel die Gewiss-
heit, dass er oder sie auch das Gewünschte bekommt. Das kann ein Platz im Flugzeug oder bei der Bahn sein, Theater- oder Kinokarten, ein Urlaubs-Quartier, Plätze im Restaurant und vieles, vieles mehr.

Im heutigen Evangelium geht es jedenfalls eindeutig um eine Sitzplatz-Reservierung für zwei Personen. Aus dem engeren Jüngerkreis haben sich die Apostel Jakobus und Johannes für die sichere Variante entschieden und treten als Frühbucher bei Jesus auf. Um die besten Plätze geht es, um die besten Plätze im Reich Gottes, direkt links und rechts neben dem Thron Jesu.
Die beiden stellen es wirklich ganz geschickt an. Sie fallen nicht gleich mit der Tür ins Haus, sondern machen es wie Kinder, die bei ihren Eltern etwas Bestimmtes erreichen wollen und damit nicht direkt herausrücken, um sich nicht sofort eine Absage einzuhandeln.

So bitten die beiden Brüder Jakobus und Johannes Jesus um einen Gefallen: „Meister, wir möchten, daß du uns eine Bitte erfüllst.“
Das klingt doch ganz nett und harmlos. Wozu hat man schließlich so seine Beziehungen? Erst nachdem Jesus geantwortet hat „Was soll ich für euch tun?“, rücken sie mit der Sprache heraus: „Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links von dir sitzen.“ - Im griechischen Orginal klingt es sogar noch etwas forscher: „Gib uns..!“

Also eines muss man den beiden lassen: Die trauen sich was! Vor den Augen der anderen, kurz nach den mehrfachen Leidensankündigungen ihres Herrn und schon auf dem Wege nach Jerusalem, ziehen sie Jesus offenbar zur Seite und äußern solch eine Bitte!
Es ist ja nicht so, als wenn es im Himmel Platz-
mangel gäbe und man deshalb reservieren sollte. Den beiden geht es nicht um den Himmel als sol-
chen, sondern um die ersten und besten Plätze. - Natürlich sind die ersten Plätze immer direkt beim Chef. Die wichtigsten Minister sitzen in den Regierungen unserer Welt immer in der Nähe des Regie-
rungschefs. Solche Sitzordnungen werden zuweilen sogar für private Feste geplant, und in der Firma und auch in kirchlichen Versammlungen ist es eine Ehre, wenn man am Vorstands-
tisch sitzen darf.

Jakobus und Johannes wollen sich also die besten Posten im zukünftigen Hofstaat Jesu schon mal sichern. Sie haben ja schließlich auch allerhand investiert; ihre frühere sichere Existenz haben sie für ihn aufgegeben und sind ihm gefolgt, wo auch immer er hin ging. Da die beiden davon ausgehen, dass es für den Himmel keine Selbstbedienung gibt, wenden sie sich schon mal vorsorglich an ihren Chef, frei nach der Devise: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!

Bevor wir die Antwort Jesu betrachten, sollten wir einmal einen näheren Blick auf diese beiden Apostel werfen. Jakobus und Johannes werden im heutigen Evangelium und an anderen Bibelstellen ausdrücklich immer wieder als „die Söhne des Zebedäus“ vorgestellt. Das ist sicher kein Zufall: Zebedäus war ein angesehener, wohlhabender Mann mit einem größeren Fischerei-Betrieb.
Er hatte einige gute Beziehungen, sogar zur Familie des Hohenpriesters, also zu Leuten, die sich ihren Platz an der Sonne der Macht gesichert hatten. -
Man kann also sagen, dass die beiden Brüder aus einer recht erfolgreichen Familie kommen. Sie sind kein unbeschriebenes Blatt und besitzen auch im Kreise der Apostel wegen ihres energischen Auftretens großen Respekt. Bei der Verklärung Christi und beim Beten Jesu in seiner Todesangst im Garten Gethsemane sind sie neben Petrus die einzigen, die Jesus begleiten dürfen.
Dies zeigt schon, dass auch Jesus ihre besondere Bedeutung sieht. Sie gehören gewissermaßen zum innersten Kern um Jesus. Johannes ist übrigens mit Petrus dabei, als Jesus nach seiner Verhaftung dem Hohenpriester vorgeführt wird; es heißt da ausdrücklich, dass dieser den Johannes kennt. Erst mit Johannes’ Beziehungen gelangt Petrus in den Hof des Hohenpriesters, wo er Jesus dreimal verleugnet.

Dass Jakobus und Johannes dabei immer mal wieder in ihrem Eifer über das Ziel hinausschießen, ist auch bekannt. Nicht ohne Grund hat Jesus den beiden ihren Spitznamen verpasst: er nennt Jakobus und Johannes die beiden „Donnersöhne“
(Mk 3,17). Man könnte sie als Hitzköpfe bezeichnen, als Eiferer, bei denen das Temperament auch schon mal mit ihnen durchgeht. Vor kurzem erst haben wir am 26. Sonntag im Jahreskreis B miterlebt, wie Johannes sich Jesus gegenüber wegens eines Mannes ereifert, der in Jesu Namen Dämonen austreibt, obwohl er nicht als dessen Jünger bekannt ist.
Und als man Jesus und den Jüngern in Samaria die Unterkunft verwehrt, wollen Jakobus und Johannes am liebsten gleich Feuer vom Himmel regnen lassen…

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05.10.2009

28. Sonntag im Jahreskreis B - 11.10.2009

Weisheit 7,7-11
Hebr 4,12-13
Predigt zum Evangelium:
Mk 10,17-30




Evangelium: Mk 10,17-30

In jener Zeit lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!
Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich. Da sagte Petrus zu ihm: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.
Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen:
Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.


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Vermögensberatung


Es ist schon ein paar Jährchen her, als dieser Werbespot im Fernsehen lief: Zwei ehemalige Klassenkameraden treffen sich zufällig nach vielen Jahren in einer Kneipe. Die beiden mustern sich von oben bis unten. Das „Hallo“ fällt nur kühl und knapp aus. Spannung liegt in der Luft. Spielten die beiden in einem Western mit, würden jetzt bestimmt die Trommel-
revolver zum Entsichern klicken. Dann zückt der erste ein paar Fotos: „Mein Auto, mein Haus, meine Frau…“ – Der Gegner, früher ein schlechter Schüler, grinst und schlägt mit eigenen Beweisfotos zurück: „Mein Sportwagen, meine Villa, meine Yacht…“ - Und während er den staunenden Klassenkameraden mit den strahlenden Augen des Siegers anlächelt, gibt er ihm den Rest, indem er als Erklärung hinzufügt: „Mein Anlageberater…“ - Diese beiden Herren kennen sich eben im Leben aus. Was wirklich zählt, ist nach ihrer Meinung doch nur, was man auf dem Bankkonto hat.

Haben wir im heutigen Evangelium etwa auch so einen angeberischen Neureichen vor uns? Schließlich steht dort ausdrücklich, dass der Mann ein großes Vermögen hatte, das er aber nicht mit den Armen teilen wollte oder konnte.

Doch alles schön der Reihe nach. Wie wir im Evangelium erfahren haben, rennt dieser Mann zielgerichtet auf Jesus zu und fällt sogar vor ihm auf die Knie. Das ist eine Haltung, die wir in der Bibel meist von kranken Menschen kennen, die Jesus um Hilfe anflehen, als letzte Rettungs-Chance in der Not.
Uns wird beim Evangelium sofort klar: Dieser Mann hat sich auf diese Begegnung vorbereitet. Er hat gehört, dass Jesus in der Gegend ist. Ihm ist sofort bewusst: Jetzt oder nie! - Wir haben den ersten Eindruck, dieser Mann geht auf’s Ganze. Das Geschwätz der Leute im Dorf ist ihm egal – er macht sich ganz klein und demütig vor Jesus, dem berühmten Wanderprediger.

Er will es wissen. Jetzt will er es wissen, was ihn die ganze Zeit im Herzen bewegt: „Guter Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ - Es ist wirklich be-
eindruckend, wie ernst es diesem reichen Mann offensichtlich ist mit einem Leben nach Gottes Geboten. Kaum hat ihn Jesus auf diese Frage hin an die Zehn Gebote erinnert, betont der Mann, dass er sämtliche Gebote von Jugend an befolgt hat. Ein aufrichtig frommer Mann also, den tief in seinem Herzen die Frage aller Fragen nicht zur Ruhe kommen lässt, nämlich die nach dem Himmel, nach dem ewigen Leben. Da ist in ihm eine Sehnsucht, die wir alle nur zu gut verstehen. Wer wollte das nicht, in den Himmel kommen?

Alle Vorschriften hat dieser Mann geflissentlich beachtet, damit er nur ja gut dasteht, wenn beim Tod seine erreichte Punktzahl bekannt wird: Kommt er in den Himmel oder nicht? Reicht es oder reicht es nicht? Stets hat er sich so seinen Vorrat für den Himmel immer weiter aufgestockt, um wirklich sicher gehen zu können.

Die Älteren von uns kennen noch die „Aktion Eichhörnchen“, die 1961 in der Zeit des „Kalten Krieges“ von der deutschen Regierung gestartet wurde: Die Bürger sollten sich einen Vorrat für Not- und Krisenzeiten anschaffen, wie das heute noch z.B. in der Schweiz empfohlen wird. Solch eine „Aktion Eichhörnchen“ ist ja nicht falsch. Durch die Befolgung der Gebote hat dieser Mann ganz sicher viel Gutes getan, auch durch Opfergaben, auch durch Gaben der Nächstenliebe. So hat er wie ein Eichhörnchen Vorräte für sich selbst gesammelt.

Auch Jesus ist von dem Bemühen des jungen Mannes so angetan, dass das Evangelium anschließend an dessen Aussage vermerkt: „Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“

Diese wichtige Botschaft dürfen wir nicht überhören: Jesus liebt diesen Menschen, der sich zeitlebens so krampfhaft bemüht, alle Gebote zu erfüllen. Jesus freut sich also zuerst einmal über diesen frommen Mann. Aber gerade weil er ihn liebt, gerade weil er nur das Beste für ihn will, gibt er ihm diese entscheidende Empfehlung: ...

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03.10.2009

Halloween - mehr als nur ein hohler Kürbis...

Bald werden wir wieder vom Horror heimgesucht. Viele wissen gar nicht um die bedenklichen Hintergründe und möglichen Folgen dieses "Brauches". Jede Menge Linktipps, Buchtipps und christliche Alternativen z.B. für Pfarrgemeinden in diesem "Predigtgarten"-Artikel:
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