Offb 7,2 – 4,9-14
1 Joh 3,1-3
Predigt zum Evangelium:
Mt 5,1-12a
Evangelium: Mt 5,1-12a
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT
Jede Menge Glückspilze
Die Uhrenhaben Sie inzwischen längst auf Winterzeit umgestellt, aber haben Sie auch Ihre Autoreifen schon gewechselt?
Klar, in Deutschland gibt es keine allgemeine Winterreifen-
pflicht. Aber wer bei winterlichen Straßenverhältnissen den Verkehr wegen falscher Reifen oder mangelhafter Profiltiefe behindert, kassiert ein Bußgeld und einen Punkt in der Verkehrssünderdatei in Flensburg. Bei einem Unfall riskiert man zusätzlich den Versicherungsschutz wegen grober Fahrlässigkeit. Das kann furchtbar teuer werden, wenn Personenschäden hinzukommen. Es ist also im eigenen Interesse und ein Gebot der Klugheit, sich frühzeitig auf einen eventuellen Fall der Fälle einzustellen, also vorzusorgen. Dann ist man auf der sicheren Seite.
Wenn wir das heutige Evangelium betrachten, könnten wir auch erst einmal annehmen, dass Jesus hier gute Ratschläge für den Ernstfall gibt, also so eine Art Bedienungsanleitung für den Himmel, damit man auch da auf der sicheren Seite ist.
Er zählt eine ganze Reihe von Verhaltensweisen auf, durch deren Befolgung man zu denen gehören wird, die selig sind, denen das Himmelreich gehört. Die Barmherzigen, die Friedensstifter, die Armen vor Gott, die Trauernden, die Verfolgten und Beschimpften, die Gewaltlosen, die nach Gerechtigkeit Hungernden… - all diesen verspricht er:
„Selig seid ihr…!“
Heute, am Hochfest Allerheiligen, passt dieses Evangelium natürlich sehr gut. Schließlich endet der heutige Text mit dem Satz: „Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ Doch gerade dieses „Freut euch und jubelt“ zeigt uns an, dass Jesus hier nicht mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger steht.Es geht ihm nicht darum, den Zuhörern ein schlechtes Gewissen zu machen, nach dem Motto: Da seht ihr, wie ihr eigentlich sein solltet! - Nein, von Freude und Jubel ist ausdrücklich die Rede. Diejenigen, die nach den oft brutalen Spielregeln dieser Welt von den meisten wohl eher als Verlierer angesehen werden, die sind in Wirklichkeit, in Gottes Wirklichkeit, ausgesprochene Glückspilze!
Sie hören hier eine verbindliche Zusage: Ihr habt allen Grund zum Jubeln, zur Freude. Gott wird es euch auf seine Art danken!
Viele Heiligennamen stehen in unseren Kalendern, und viele haben so im Laufe des Jahres ihren eigenen Festtag. Das heutige Fest erinnert uns aber daran, dass es viel mehr sind, unfassbar viele, die nach einem vorbildlichen Leben ihren Lohn im Himmel empfangen haben. Da gibt es eben nicht nur die Giganten unter den Heiligen und Seligen, deren Namen in aller Munde sind, vom heiligen Nikolaus über Franz von Assisi bis hin zu Mutter Teresa aus Indien. Nein, allein die offizielle Liste der Kirche verzeichnet derzeit fast 7.000 Heilige und Selige und weit über 7.000 Märtyrer, von denen ganz zu schweigen, über deren Heiligkeit niemand weiß außer Gott.
Wenn man näher hinschaut, sieht man, dass da eine ganz bunte Schar zusammenkommt. Es gibt sie eben nicht, die Einheitsheiligen nach festem Normmaß. Da gibt es Kinder und Alte, da gibt es Handwerker und Priester, da gibt es einfache Menschen und tiefgeistige Mystiker. Gerade in der Frühzeit des Christentums und in Hitlers Drittem Reich haben viele ihren Glauben nicht verleugnet, sondern sind dafür ins Leid oder gar in den Tod als Märtyrer gegangen. Auch heute noch werden zahlreiche Christen wegen ihres Glaubens in vielen Ländern verfolgt und benachteiligt.
Wir sind immer in der Versuchung, die Heiligen auf einen möglichst hohen Sockel zu heben. Da stehen sie dann gut.Schön weit weg vom Alltag und für uns unerreichbar. Das hat den Vorteil, dass man die Heiligen als Exoten und irgendwie weltfremde Träumer abtun kann. Unsere Sprache spricht von „seltsamen Heiligen“ und meint damit schrullige Einzelkämpfer, fernab von Gut und Böse, fernab von jeder Realität, einfach lebensuntauglich.
Da ist es gut, dass uns das heutige Evangelium wieder auf den Boden zurückholt. Jesus zählt Verhaltensweisen auf, die keineswegs unerreichbar sind. Wenn er da z.B. sagt, „Selig, die arm sind vor Gott“, dann heißt das nicht, dass Leute gemeint sind, die keinen Cent mehr in der Tasche haben.
Arm sein vor Gott – das heißt doch in erster Linie: Wer sich
in aller Demut vor Gott stellt und weiß, dass es nur Gott ist, der meine Leere mit seiner Gnade und Liebe füllen kann, der gehört vor Gott schon dazu zu seiner riesigen Jubelschar...
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