Jer 33,14-16
1 Thess 3,12 - 4,2
Predigt zum Evangelium:
Lk 21,25-28.34-36
Evangelium Lk 21,25-28.34-36
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die
Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen.
Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. Nehmt euch in acht, daß Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und daß jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, so wie man in eine Falle gerät; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT
Ruhestörung
Der Witz ist alt, aber nicht schlecht: Religionsunterricht in der vierten Klasse. Thema ist das Ende dieser Welt und die Wiederkehr des Herrn. Der Religionslehrer gibt sich alle Mühe, den Kindern die Situation, wie wir sie im heutigen Evangelium erfahren haben, so eindringlich wie möglich zu schildern.
Zum Schluss folgt bei ihm wie immer der Satz: „Hat noch jemand eine Frage?“ – Eine ganze Minute lang liegt die übliche bleierne Stille über der Klasse, während der Lehrer etwas enttäuscht in die Runde schaut. Doch dann meldet sich Fritzchen. Der Lehrer ist natürlich hocherfreut: „Ja, bitte!“ – „Ich hätte gerne gewusst, ob wir an dem Tag schulfrei haben…!“
Auf jeden Fall wurde er aller Illusionen beraubt, von der Schulklasse verstanden worden zu sein. - Wenn wir ausgerechnet am ersten Advent in der kirchlichen Leseordnung solch ein dramatisches Evangelium vorgesetzt bekommen, kann es uns gehen wie diesen Schülern. Die Gefahr besteht, dass die Botschaft dieses schwer verdaulichen Textes nicht so recht bei uns ankommt.
Advent – da denken wir doch in erster Linie an den Adventskranz, an Licht in dunkler Zeit, wir denken vielleicht an Glühwein und Plätzchenduft, an geschmückte Straßen und Häuser und sicher auch immer häufiger und dringlicher an all die Vorbereitungen für das bevorstehende Weihnachtsfest: Für wen muss ein Geschenk besorgt werden? Wen darf man bei der Weihnachtspost auf keinen Fall vergessen?
Sind auch alle Termine der mehr oder weniger adventlichen Feiern richtig notiert? Was gibt es dieses Jahr als Festessen und wer besucht wen an welchem Tag?
So und so ähnlich spukt es jetzt in den meisten Köpfen herum.Die vorweih-
nachtliche Routine hat uns eben fest im Griff. Wenn man da nicht aufpasst, ist man bald gefangen in solch einem Denken, in der alltäglichen und alljährlichen Wiederkehr von Tätigkeiten, von Planungen, von Verpflichtungen. Es ist wie bei dem berühmten Sketch, der an Silvester immer läuft.
Bei „Dinner for One“ gibt es jedes Jahr die absolut gleiche Prozedur. Eben „alle Jahre wieder“, wie es so treffend auch in einem Weihnachtslied heißt.
Da wird heute unsere Routine aber erheblich gestört! Biblische Ruhestörung sozusagen. Jesus wendet sich mit dem heutigen Evangelium an Menschen, die ihm nachfolgen, an seine Jünger und damit auch an uns, die wir ihm als Christen heutzutage ebenfalls folgen wollen. Zuerst schildert der Evangelist Lukas die vielfältigen Zeichen der kommenden Endzeit vor der Wiederkehr des Herrn.
Diese Zeichen sind nicht nur unübersehbar, sondern einfach furchterregend, ohne dass sie im Evangelium im Detail ausgemalt werden.
Im Text heißtes aber: „Die Menschen werden vor Angst vergehen“.
Noch wörtlicher übersetzt lautet es: ihnen geht der Atem weg, ihnen geht die Luft aus. Die Ereignisse sind also so schreck-
lich, dass den meisten Menschen die Spucke wegbleibt.
Sie können kaum noch Luft holen, sie sind mit den Nerven völlig am Ende. Sie stehen unter Schock. Das hatten sie nicht erwartet, das wirklich nicht. Damit hatten sie einfach nicht gerechnet. Das Ende der Welt, das war rein theoretisch schon klar, aber dass es gerade jetzt kommt…
Das Evangelium hat gottlob noch einen zweiten Teil, wie Sie wissen. Er beginnt mit einer Dienstanweisung Jesu:
„Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter…“, heißt es da ganz präzise. Diejenigen, die an Jesus glauben und ihm nachfolgen, bekommen hier Verhaltensregeln mit auf den Weg.
Der Weltuntergang und die Wiederkehr des Herrn „mit großer Macht und Herrlichkeit“ sind also nichts, wo Christen sich abducken müssten. Es gilt für sie nicht das Motto: Kopf in den Sand, bloß nichts sehen, nichts hören. Nein, Christen brauchen nicht auf Tauchstation zu gehen, wenn es so weit ist. Sie gehören eben nicht zu denen, die dann vor Angst erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange.
Ganz im Gegenteil: Die Christen haben sich vorbereitet.
Sie wissen, dass dies irgendwann so kommen wird.
Ihr ganzes Leben ist eigentlich so etwas wie eine Vorbereitungszeit. So wie die Sportler sich jahrelang auf ihre Teilnahme bei den Olympischen Spielen vorbereiten und dafür fleißig und ausdauernd trainieren, so bereiten die Christen sich auf das Kommen des Herrn und den Tag des Gerichtes vor. Wenn dieser Tag, wenn diese Stunde dann da ist, dann sind sie keineswegs überrascht.
Die Christen richten sich auf und erheben ihre Häupter, wie der Herr es ihnen gesagt hat. Erhobenen Hauptes und standhaft im Glauben können und dürfen sie auf das Wieder-
kommen des Herrn warten. Das Ende dieser Welt mit all ihrem Schmerz und all ihren kleinen und großen Katastrophen ist für die Christen kein schreckliches Ende.
Sie können vielmehr sagen: Ende gut, alles gut!
Dies sagt das heutige Evangelium auch in der Begründung, warum die Christen erhobenen Hauptes das Ende erwarten dürfen. Der Satz endet nämlich mit der Erklärung: „…denn eure Erlösung ist nahe“. Da wird kein sinnloses Chaos stattfinden, kein kosmischer Blutrausch, der alles Leben vollkommen auslöschen will! All das läuft vielmehr auf ein vorher bestimmtes Ziel hinaus: auf das machtvolle Erscheinen von Jesus Christus. Dessen Gericht muss sich jeder stellen. Da gibt es kein Austricksen, keine Gesetzeslücke, keine Steuer-Oase und kein ärztliches Attest.
Erhebt eure Häupter! Kopf hoch! Aber nehmt euch in acht!
Im Evangelium heißt es: „Nehmt euch in acht, daß Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren…“ Da sehen wir mal wieder, wie gut doch die Menschenkenntnis der Bibel ist! Auch wir Christen sind
nicht davor gefeit, uns in der Routine des Alltagsbetriebes zu verfangen. Auch wir Christen sind immer wieder in der Gefahr, uns einzunebeln oder einnebeln zu lassen, sei es durch Alkohol oder andere Rauschmittel oder sei es einfach durch die vielen Sorgen und Probleme des Alltags. -Die Bibel weiß, wie gefährdet wir da sind. Es gibt ja sooo viele wichtige Dinge, die unbedingt noch erledigt werden müssen.
Und gerade vor Weihnachten, da gibt es sooo viel zu bedenken, zu planen. Da hat man den Kopf wirklich voll, wobei das kirchliche Bodenpersonal nicht ausgenommen ist, das im Advent oft genug im Galopp von Besinnung zu Besinnung eilt.
Das heutige Evangelium sagt aber nicht nur, was wir nicht tun sollen, sondern es verrät auch, wie wir uns am besten auf das Kommen des Herrn vorbereiten können. Hören wir es noch einmal: „Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.“
Na, wunderbar! - So mag mancher jetzt denken. Wachen und beten, und das allezeit… Vielleicht fällt dem einen oder anderen dabei sogar der Dienstmann Alois ein, der als Münchner im Himmel nach festgelegter Ordnung frohlocken und „Hosianna“ singen soll. Dies missfällt ihm jedoch auf’s Äußerste, und so wird er schließlich als untauglich für den Himmel wieder auf die Erde zurückgeschickt…
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