24.11.2009

1. Adventssonntag C - 29.11.2009

Jer 33,14-16
1 Thess 3,12 - 4,2
Predigt zum Evangelium:
Lk 21,25-28.34-36


Evangelium Lk 21,25-28.34-36
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die
Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen.
Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. Nehmt euch in acht, daß Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und daß jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, so wie man in eine Falle gerät; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT

Ruhestörung


Der Witz ist alt, aber nicht schlecht: Religionsunterricht in der vierten Klasse. Thema ist das Ende dieser Welt und die Wiederkehr des Herrn. Der Religionslehrer gibt sich alle Mühe, den Kindern die Situation, wie wir sie im heutigen Evangelium erfahren haben, so eindringlich wie möglich zu schildern.
Zum Schluss folgt bei ihm wie immer der Satz: „Hat noch jemand eine Frage?“ – Eine ganze Minute lang liegt die übliche bleierne Stille über der Klasse, während der Lehrer etwas enttäuscht in die Runde schaut. Doch dann meldet sich Fritzchen. Der Lehrer ist natürlich hocherfreut: „Ja, bitte!“ – „Ich hätte gerne gewusst, ob wir an dem Tag schulfrei haben…!“

Ob der bedauernswerte Lehrer darüber lachen konnte, ist mir nicht bekannt.
Auf jeden Fall wurde er aller Illusionen beraubt, von der Schulklasse verstanden worden zu sein. - Wenn wir ausgerechnet am ersten Advent in der kirchlichen Leseordnung solch ein dramatisches Evangelium vorgesetzt bekommen, kann es uns gehen wie diesen Schülern. Die Gefahr besteht, dass die Botschaft dieses schwer verdaulichen Textes nicht so recht bei uns ankommt.

Advent – da denken wir doch in erster Linie an den Adventskranz, an Licht in dunkler Zeit, wir denken vielleicht an Glühwein und Plätzchenduft, an geschmückte Straßen und Häuser und sicher auch immer häufiger und dringlicher an all die Vorbereitungen für das bevorstehende Weihnachtsfest: Für wen muss ein Geschenk besorgt werden? Wen darf man bei der Weihnachtspost auf keinen Fall vergessen?
Sind auch alle Termine der mehr oder weniger adventlichen Feiern richtig notiert? Was gibt es dieses Jahr als Festessen und wer besucht wen an welchem Tag?

So und so ähnlich spukt es jetzt in den meisten Köpfen herum.
Die vorweih-
nachtliche Routine hat uns eben fest im Griff. Wenn man da nicht aufpasst, ist man bald gefangen in solch einem Denken, in der alltäglichen und alljährlichen Wiederkehr von Tätigkeiten, von Planungen, von Verpflichtungen. Es ist wie bei dem berühmten Sketch, der an Silvester immer läuft.
Bei „Dinner for One“ gibt es jedes Jahr die absolut gleiche Prozedur. Eben „alle Jahre wieder“, wie es so treffend auch in einem Weihnachtslied heißt.

Da wird heute unsere Routine aber erheblich gestört! Biblische Ruhestörung sozusagen. Jesus wendet sich mit dem heutigen Evangelium an Menschen, die ihm nachfolgen, an seine Jünger und damit auch an uns, die wir ihm als Christen heutzutage ebenfalls folgen wollen. Zuerst schildert der Evangelist Lukas die vielfältigen Zeichen der kommenden Endzeit vor der Wiederkehr des Herrn.
Diese Zeichen sind nicht nur unübersehbar, sondern einfach furchterregend, ohne dass sie im Evangelium im Detail ausgemalt werden.
Im Text heißt
es aber: „Die Menschen werden vor Angst vergehen“.
Noch wörtlicher übersetzt lautet es: ihnen geht der Atem weg, ihnen geht die Luft aus. Die Ereignisse sind also so schreck-
lich, dass den meisten Menschen die Spucke wegbleibt.
Sie können kaum noch Luft holen, sie sind mit den Nerven völlig am Ende. Sie stehen unter Schock. Das hatten sie nicht erwartet, das wirklich nicht. Damit hatten sie einfach nicht gerechnet. Das Ende der Welt, das war rein theoretisch schon klar, aber dass es gerade jetzt kommt…

Das Evangelium hat gottlob noch einen zweiten Teil, wie Sie wissen. Er beginnt mit einer Dienstanweisung Jesu:
„Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter…“, heißt es da ganz präzise. Diejenigen, die an Jesus glauben und ihm nachfolgen, bekommen hier Verhaltensregeln mit auf den Weg.
Der Weltuntergang und die Wiederkehr des Herrn „mit großer Macht und Herrlichkeit“ sind also nichts, wo Christen sich abducken müssten. Es gilt für sie nicht das Motto: Kopf in den Sand, bloß nichts sehen, nichts hören. Nein, Christen brauchen nicht auf Tauchstation zu gehen, wenn es so weit ist. Sie gehören eben nicht zu denen, die dann vor Angst erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange.

Ganz im Gegenteil: Die Christen haben sich vorbereitet.
Sie wissen, dass dies irgendwann so kommen wird.
Ihr ganzes Leben ist eigentlich so etwas wie eine Vorbereitungszeit. So wie die Sportler sich jahrelang auf ihre Teilnahme bei den Olympischen Spielen vorbereiten und dafür fleißig und ausdauernd trainieren, so bereiten die Christen sich auf das Kommen des Herrn und den Tag des Gerichtes vor. Wenn dieser Tag, wenn diese Stunde dann da ist, dann sind sie keineswegs überrascht.
Der Herr selbst hat es doch angekündigt. Wie könnte man das nur überhören?
Die Christen richten sich auf und erheben ihre Häupter, wie der Herr es ihnen gesagt hat. Erhobenen Hauptes und standhaft im Glauben können und dürfen sie auf das Wieder-
kommen des Herrn warten. Das Ende dieser Welt mit all ihrem Schmerz und all ihren kleinen und großen Katastrophen ist für die Christen kein schreckliches Ende.
Sie können vielmehr sagen: Ende gut, alles gut!

Dies sagt das heutige Evangelium auch in der Begründung, warum die Christen erhobenen Hauptes das Ende erwarten dürfen. Der Satz endet nämlich mit der Erklärung: „…denn eure Erlösung ist nahe“. Da wird kein sinnloses Chaos stattfinden, kein kosmischer Blutrausch, der alles Leben vollkommen auslöschen will! All das läuft vielmehr auf ein vorher bestimmtes Ziel hinaus: auf das machtvolle Erscheinen von Jesus Christus. Dessen Gericht muss sich jeder stellen. Da gibt es kein Austricksen, keine Gesetzeslücke, keine Steuer-Oase und kein ärztliches Attest.

Erhebt eure Häupter! Kopf hoch! Aber nehmt euch in acht!
Im Evangelium heißt es: „Nehmt euch in acht, daß Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren…“ Da sehen wir mal wieder, wie gut doch die Menschenkenntnis der Bibel ist! Auch wir Christen sind
nicht davor gefeit, uns in der Routine des Alltagsbetriebes zu verfangen. Auch wir Christen sind immer wieder in der Gefahr, uns einzunebeln oder einnebeln zu lassen, sei es durch Alkohol oder andere Rauschmittel oder sei es einfach durch die vielen Sorgen und Probleme des Alltags. -
Die Bibel weiß, wie gefährdet wir da sind. Es gibt ja sooo viele wichtige Dinge, die unbedingt noch erledigt werden müssen.
Und gerade vor Weihnachten, da gibt es sooo viel zu bedenken, zu planen. Da hat man den Kopf wirklich voll, wobei das kirchliche Bodenpersonal nicht ausgenommen ist, das im Advent oft genug im Galopp von Besinnung zu Besinnung eilt.

Das heutige Evangelium sagt aber nicht nur, was wir nicht tun sollen, sondern es verrät auch, wie wir uns am besten auf das Kommen des Herrn vorbereiten können. Hören wir es noch einmal: „Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.“
Na, wunderbar! - So mag mancher jetzt denken. Wachen und beten, und das allezeit… Vielleicht fällt dem einen oder anderen dabei sogar der Dienstmann Alois ein, der als Münchner im Himmel nach festgelegter Ordnung frohlocken und „Hosianna“ singen soll. Dies missfällt ihm jedoch auf’s Äußerste, und so wird er schließlich als untauglich für den Himmel wieder auf die Erde zurückgeschickt…

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16.11.2009

34. Sonntag im Jahreskreis B - Christkönig - 22.11.2009

Dan 7,2a.13b-14
Offb 1,5b-8
Predigt zum Evangelium:
Joh 18,33b-37



Evangelium Joh 18,33b-37

In jener Zeit fragte Pilatus Jesus: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?

Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.

Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.


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Spitzengespräch


Erschrecken Sie jetzt bitte nicht: Besonders als Kind haben Sie alle
ganz sicher bereits mehrfach mit Homonymen zu tun gehabt. Dabei geht es aber gottlob nicht um die Schweine-
grippe oder sonst etwas Ansteckendes. Homonyme sind Wörter, die mehrere Bedeutungen haben. Als Kinder haben wir gerne „Teekesselchen“ gespielt. Dabei wurden solche Wörter verwendet. Beispielsweise: „Sieben“ kann eine Zahl sein, aber man kann auch Mehl oder Sand sieben. Über ein Pflaster kann man laufen, z.B. über das Kopfsteinpflaster, aber das Pflaster ist auch ein kleiner Wundverband. Über die verschiedenen Bedeutungen von „Stuhl“ will ich mich hier nicht auslassen. -
Eigentlich ist das nicht nur ein Kinderspiel. Man hat oft genug leider den Eindruck, dass in der Politik und auch in unserem Alltag nicht immer das Gleiche gemeint ist, wenn zwei Gesprächspartner das Wort „Frieden“ oder „Ruhe“ oder „Gerechtigkeit“ in den Mund nehmen, obwohl es davon eigentlich gar keine verschiedenen Wortbedeutungen gibt.

Im heutigen Evangelium haben wir auch solch einen merk-
würdigen Fall. Da geht es um das Wort „König“. Obwohl beide Gesprächspartner sehr wohl wissen, was ein König ist, haben sie doch ganz verschiedene Vorstellungen im Kopf.
Jesus und Pilatus sind miteinander in einem kurzen und ungewöhnlichen Gespräch. Jesus ist gefangengenommen worden und muss jetzt dem in Jerusalem zuständigen römischen Statthalter Pontius Pilatus Rede und Antwort stehen.

Pontius Pilatus vertritt hier die vom jüdischen Volk verhasste römische Staatsmacht. Für seine Skrupellosigkeit und Grausamkeit ist er bekannt und gefürchtet. Immer wieder hat er die Juden provoziert, z.B. durch die dreiste Verwendung von Vermögen aus deren Tempelschatz für eine öffentliche Wasserleitung oder durch das Niedermetzeln einer großen Pilgergruppe der Samaritaner.
In dieser ständig unruhigen Region des römischen Reiches ist die Lage ohnehin angespannt. Immer wieder tauchen aus den Reihen der Juden Führerpersön-
lichkeiten auf, die eine Bedrohung darstellen könnten. Der römische Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet wörtlich von mehreren „Räuberkönigen“ in Israel, die Aufstände angezettelt hatten. Sie alle mussten - koste es, was es wolle - gefunden, gefangen und gekreuzigt werden. Unter allen Umständen sollte Ruhe im römischen Einflussbereich herrschen, gab es doch genügend Brandherde von Germanien bis hierher. Doch dies war in den Provinzen Israels nicht nur im Interesse der römischen Besetzer, sondern auch im Interesse etlicher religiöser Würdenträger der Juden.
Aus vielen Bibelstellen wissen wir, wie misstrauisch auch sie beobachteten, wieviel Zuspruch Jesus im Volk fand. Nicht nur die Tempelreinigung Jesu steckte ihnen als Schrecken noch in den Knochen. Aus ihrer Sicht war Jesus mit seinem Eifer nichts anderes als geschäftsschädigend. Und wenn er damit weitermachte, ihre religiöse Heuchelei beim Namen zu nennen, war ihre ganze privilegierte Stellung in Gefahr.
So war es nur eine Frage der Zeit, bis die römische Staats-
macht und ein Teil der religiösen Elite der Juden einige gemeinsame Interessen entdeckten. Eine der Folgen davon war die Gefangennahme Jesu.

Nun ist es so weit: Jesus steht vor Pontius Pilatus. Ein Ge-
fangener, der zum Tode verurteilt werden soll. Er soll rasch aus dem Weg geräumt werden. Doch dafür braucht man Pontius Pilatus. Todesurteile sind allein seine Sache.
Als angeblicher Messias strebe dieser Jesus nach der Macht im Lande, heißt es. Ein gefährlicher Aufrührer also. Schon sein Einzug in Jerusalem war ein einziger Triumphzug, so wie das Volk ihm zujubelte! - Das Volk, das waren leidende und unterdrückte Menschen, die auf einen Messias warteten, der sie aus der Hand der Römer befreite und außerdem immer für genug Brot sorgte. Jesus selbst hatte natürlich nie gesagt, König von Israel werden zu wollen.

Nun steht Jesus also da, Auge in Auge mit Pontius Pilatus, dem mächtigen und mit allen Wassern gewaschenen Politiker. Gewissermaßen findet jetzt ein Spitzengespräch statt, auf der einen Seite der brutale Vertreter der waffenstarrenden Macht der Besetzer, auf der anderen der gewaltlose berühmte Rabbi, der für so viel Wirbel sorgt.
Pontius Pilatus ist das Ganze wahrscheinlich sowieso lästig; am liebsten sollten die Juden ihre Querelen untereinander austragen.

Der Zeitpunkt kommt ihm auch ungelegen, denn kurz vor dem Paschafest ist die Stadt proppevoll mit Pilgern, und vielleicht auch wieder mal mit irgendwelchen Heißspornen und Störenfrieden. Da heißt es jetzt besonders aufpassen und die Lage genau beobachten! Zu allem Überfluss für Pontius Pilatus ist auch noch sein einflussreicher Freund und Förderer Sejan in Rom wegen eines Putschversuchs gegen Kaiser Tiberius hingerichtet worden. Der Machtpolitiker Pilatus weiß, dass er sich jetzt keinen Fehler erlauben darf, sonst ist auch sein Ende gekommen.

Pontius Pilatus kommt bei Jesus gleich zur Sache. Er will die ganze Angelegenheit so schnell wie möglich vom Tisch haben, er will nicht lange herumfackeln. Seine Frage ist so knapp wie irgend möglich: „Bist du der König der Juden?“ - Was für eine Frage ist das, wenn sie aus seinem Munde kommt?! ...

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15.11.2009

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10.11.2009

33. Sonntag im Jahreskreis B - 15.11.2009


Dan 12,1-3
Hebr 10,11-14.18
Predigt zum Evangelium:
Mk 13,24-32


Evangelium
Mk 13,24-32
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr (all) das geschehen seht, daß das Ende vor der Tür steht. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.


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Frühlingsgefühle im November


Was für ein Evangelium ist denn das? Gibt es zur Abwechslung in der Kirche heute mal Weltuntergangsstimmung pur?
Sofort am Anfang ist heute von einer großen Not die Rede, die kommen wird. Schlimmer noch: nach dieser großen Not folgen dramatische Ereignisse, wie sie furchterregender nicht sein könnten: Die Sonne wird sich verfinstern, der Mond wird nicht mehr scheinen, und die Sterne werden vom Himmel fallen. Einfach unvorstellbar – das wird die galaktische Katastrophe schlechthin!

Offenbar gerät zu jenem Zeitpunkt die ganze physikalische Ordnung des Universums aus den Fugen. All das, was ganz selbstverständlich als sichere Grundlage allen irdischen Lebens gilt, wird gewaltig erschüttert werden. So schildert es das heutige Evangelium. Gerade der Sternenhimmel und die Sonne sind doch für uns wie ein Sinnbild von absolut harmonischer Ordnung und verlässlicher Dauerhaftigkeit!

Viele Zeitgenossen werden eifrig mit dem Kopf nicken:
Klar doch, das haben wir doch immer schon gesagt. Irgendwann kommt der ganz große Knall. Ende und aus. Feierabend für die Erde. Feierabend für alle.
Die Menschheit kriegt endgültig das Licht ausgeknipst. Aus die Maus! -
Und schnell werden sie alle in diesen Chor miteinstimmen: Sektenanhänger, Jünger aller möglichen Weltuntergangs-Propheten von Nostradamus bis zur Möchtegern-Wahrsagerin aus Fernsehen oder Zeitschrift, Kartenleger und wer weiß was sonst noch alles.
Auch die Vertreter der Ellenbogen-Mentalität sind da gerne mit einem Spruch mit von der Partie, frei nach dem Motto:
Alles geht sowieso den Bach runter! Lasst uns also auf die Pauke hauen, dass es kracht! Wir wollen Spaß, wir wollen so viel von allem, wie wir irgendwie mit beiden Händen schaufeln können. Wir sind doch nicht blöd! Jetzt gilt es – und nach uns die Sintflut!

Wer in diesen Kategorien denkt, der hat das heutige Evangelium nicht zu Ende gelesen oder gehört. Es geht eben nicht um die große Panikmache. Das Thema ist eben nicht: Großalarm - das Weltall brennt! Vielmehr geht es um ein Ereignis, das alle Christen weder überraschen noch schockieren soll.
Da bricht eben nicht völlig überraschend der Winter herein und kein Mensch hat Winterreifen montiert. Zumindest die Christen wissen es und sind rechtzeitig gerüstet dafür. - Es geht um den endgültigen Advent, um die Erfüllung unserer Vater-unser-Bitte: „Dein Reich komme!“. –
In der Messfeier beten wir nach den Wandlungsworten: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ – Wir wissen es: Der Herr wird wiederkommen, und zwar „mit großer Macht und Herrlichkeit“, wie es im heutigen Evangelium heißt.

Schon das Wort „Herrlichkeit“ signalisiert, dass dies wohl kaum als Drohung gedacht sein kann. Oder fühlen Sie sich bedroht, wenn Sie etwas ganz Herrliches sehen? Einfach herrlich wird es sein, wenn der Herr einst wiederkommt! Unbeschreiblich herrlich!
Seine Engel wird er aussenden, heißt es. „…vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels“ werden seine Boten unterwegs sein. Das heißt doch: sie werden überall unterwegs sein, in jedem Winkel, an jedem Platz, an den sie als Boten geschickt werden. Ihre Aufgabe ist klar formuliert: Sie sollen die Menschen, die der Herr ausgewählt hat, aus allen Ecken und Enden zusammenführen und zu ihm bringen. Eine himmlische Extrafahrt gewissermaßen. Keiner wird dabei vergessen.

Das ist die frohe Botschaft an die, die auf dieses Ereignis vorbereitet sind. Und das ist das Stichwort für das heutige Evangelium: es geht um die richtige Vorbereitung!
Jesus wählt dazu einen sehr anschaulichen Vergleich.
Vom Feigenbaum sollen wir Christen lernen: „Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht.“
Dazu muss man wissen, dass im Lande Israel wegen des milden Klimas viele Bäume im Winter ihr Laub behalten. Der Feigenbaum gehört zu den wenigen Bäumen, die auch dort ihr Laub abwerfen und daher im Frühjahr neue Blätter treiben. Wenn es dann so weit ist, kann jeder, der nicht mit völliger Blindheit geschlagen ist, eindeutig und zweifelsfrei er-
kennen: Aha, jetzt geht es mit dem Frühling los, der Sommer ist also nicht mehr weit!

Jesus macht uns damit klar, dass es kein Rätselraten geben wird um die Zeichen der Zeit. Nein, da wird keine Spekulation nötig sein, kein Kartenlegen und keine Wahrsagerei. All das ist Unsinn, denn das Ende wird so deutlich und unmiss-
verständlich erkennbar sein wie das Austreiben saftiger Blätter. Allerdings nur für diejenigen, die die Augen offen halten. Wenn Jesus ausgerechnet ein Bild des Frühlings wählt, ein Bild des Wachsens, dann will das bei uns Christen ganz besondere Frühlingsgefühle wecken: Ja, da grünt alle Hoffnung, da wird Leben sein in Fülle! ...

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03.11.2009

32. Sonntag im Jahreskreis B - 08.11.2009

1 Kön 17,10-16
Hebr 9,24-28
Predigt zum Evangelium:
Mk 12,38-44




Evangelium Mk 12,38-44
In jener Zeit lehrte Jesus eine große Menschenmenge und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt, und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben. Sie bringen Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.
Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluß hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.



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Reiche arme Witwe


Wir alle kennen das aus der Zeitung:
Ein großes Foto zeigt einen edlen Spender, vielleicht von einer Bank oder einer namhaften Firma, der händeschüttelnd einer sozialen Organisation eine über-
dimensionale Kopie eines beachtlichen Schecks überreicht. Aus dem Fernsehen sind uns Bilder präsent, wie Prominente sich bei einer Wohltätigkeits-Gala ins Zeug legen und telefonisch eifrig die Spenden notieren. Unten im Bild sieht man dann meistens ein Laufband mit Namen und Summen von Spendern, während ein großes Showprogramm die Fernsehzuschauer am Umschalten hindern soll.

Auch das Überreichen von Millionen-Spenden wird gerne vor laufender Kamera zelebriert. Gerade in schwierigen Zeiten ist es erfreulich, dass die Bereitschaft zum Abgeben, zum Teilen nicht nachgelassen hat. Die Spenden-Manager wissen jedoch, dass man schon viele Register ziehen muss, damit die Menschen ihr Herz und ihren Geldbeutel öffnen. Besonders wirksam ist es, den Menschen möglichst viele Vorbilder zu zeigen, also Menschen, deren großzügige Spende zur Nachahmung ermuntern soll.

Und damit sind wir schon mitten im Geschehen des heutigen Evangeliums. In dem riesigen Gelände des Jerusalemer Tempels befinden wir uns im sogenannten Vorhof der Frauen, den nur die Juden betreten dürfen. Von dort aus dürfen die israelitischen Männer weitergehen in den Vorhof der Männer. Jesus ist mit seinen Jüngern auch im Tempelbezirk ange-
kommen. Es ist die letzte Station vor seinem Leiden und Sterben.

Die ständigen Aus-
einandersetzungen mit Schriftgelehrten und Pharisäern haben Jesus große Enttäuschungen bereitet. Immer wieder haben sie ihm Steine in den Weg gelegt. Paragraphenreiter sind die meisten von ihnen, denen die Botschaft Jesu sehr missfällt. Allein schon die Tatsache, wie Jesus mit dem Sabbatgebot umgeht, macht ihn in ihren Augen zum Gotteslästerer.

Jesus seinerseits warnt die Menschen immer wieder vor solchen frommen Scheinheiligen, die anderen Wasser predigen und selber nur Wein trinken. Die Menschen hören ihm sehr aufmerksam zu, wenn er den Schriftgelehrten z.B. vorhält, dass sie ständig in ihren langen Gewändern umher-
gehen, um nur ja von jedem erkannt und gegrüßt zu werden. Sie sorgen schon dafür, dass sie selbst nirgendwo zu kurz kommen.
Sogar vor den Witwen, den Ärmsten der Armen, machen sie nicht Halt. Anstatt diesen beizustehen und ihnen bei Aus-
einandersetzungen zu ihrem Recht zu verhelfen, nutzen sie diese aus und kassieren oft genug als Lohn für ihre Be-
ratungstätigkeit noch deren einfache Häuser, den einzigen Besitz. Dann stehen diese Frauen buchstäblich auf der Straße. Die Einheitsübersetzung formuliert es fast zurück-
haltend: „Sie bringen Witwen um ihre Häuser…“
Bei wörtlicher Übersetzung dieser Stelle erkennt man besser ihre Gier. Es heißt dort eigentlich: „Sie fressen die Häuser der Witwen…“ – Ja, wer arm ist, der ist wirklich arm dran!

Solche Schriftgelehrten sind nur Schauspieler, denn sie machen ihren Mitmenschen etwas vor. Sie spielen frommes Theater. Ihr Herz hängt am eigenen Geldbeutel und Ansehen, aber nicht an Gott. Jesus macht keinen Hehl daraus, dass Gott sie dafür zur Rechenschaft ziehen wird.

Doch heute, kurz vor seinem Leiden, darf Jesus auch das genaue Gegenteil eines solchen heuch-
lerischen Verhaltens erleben, wie uns das Evangelium schildert. Jesus ist mit seinen Jüngern im Vorhof der Frauen eingetroffen. Dort setzt er sich irgendwo in der Nähe der Opferkästen nieder und sieht dem Treiben eine ganze Weile zu. Dreizehn verschiedene Opferkästen stehen dort, je nach dem vorgesehenen Verwendungszweck.

Es ist Ehrensache für jeden Juden, mindestens den Zehnten seiner Einkünfte zu spenden. Die Spenden werden nicht nur für soziale Zwecke verwendet, sondern auch für den teuren Tempelbetrieb, für die Priester, für goldene Gefäße und den Erhalt der Bau-Substanz.
Am Tempel war nämlich in unglaublich großen Mengen echtes Gold verarbeitet worden, denn dieses so prächtige Haus Gottes sollte verstehen helfen, wie prächtig und herrlich Gott selbst ist.

Die frommen Besucher kommen in einer Reihe nach und nach zu den Priestern nach vorne, die an den Opferkästen Dienst tun. Aus den Spenden wird keine Geheimniskrämerei gemacht, ganz im Gegenteil: Man tritt an den Priester heran und gibt ihm vor den Augen der anderen das Geld. Nun fragt der Priester laut und deutlich hörbar, wofür der Betrag verwendet werden soll. Ebenso laut und deutlich hat man zu antworten. Dann prüft der Priester das Geld, ob es überhaupt im Tempel zugelassenes Geld ist, wiederholt laut die Summe, und erst dann darf es in den passenden Kasten eingeworfen werden. Sicher motiviert die Öffentlichkeit und Unüberhör-barkeit dieses Vorgangs manch einen zu einer besonders großzügigen Gabe - also nicht ungeschickt gemacht, das Ganze, fast schon wie im Fernsehen.

Wie schon bei der eingangs erwähnten Wohltätigkeits-Gala unserer Zeit gibt es auch hier im Tempel schon besonders große Spenden. In diesem Falle wird der edle Spender besonders gewürdigt, indem seine Tat im Tempel hinaus-
posaunt wird, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Auf ein Zeichen des Priesters hin ertönen durchdringend die sogenannten Schofar-Hörner, und die Summe wird im Beisein des Spenders lautstark ausgerufen.

Jesus betrachtet sich dieses Schauspiel und staunt sicher nicht schlecht über die anerkennenswerte Großzügigkeit mancher Reicher, die sich wirklich nicht lumpen lassen. Allerdings weiß Jesus auch, dass diesen Leuten ihr Opfer nicht wirklich wehtut und ihnen wohl kaum eine schlaflose Nacht bereiten wird. Sie geben gerne, aber sie geben wohl-
dosiert, sie geben von ihrem Überfluss so viel ab, wie sie Gott eben zugestehen wollen...

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