28.12.2009

2. Sonnt. nach Weihnachten - 03.01.2010

Sir 24,1-2.8-12
Eph 1,3-6.15-18
Predigt zum Evangelium:
Joh 1,1-18


Evangelium Joh 1, 1-18:
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

GEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:

Besetzt !

Ob sich das Nachfolgende wirklich so zugetragen hat, weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich von einem Dorfpfarrer gelesen, der Sonntag für Sonntag wortwörtlich die gleiche Predigt hielt, und das mittlerweile acht Wochen lang. Schließlich wurde das den Gottesdienstbesuchern doch zu dumm, und einige beschwerten sich massiv beim Bischof. Daraufhin kam der Bischof prompt am nächsten Sonntag unangemeldet ins Dorf, setzte sich in der Kirche unerkannt hinter eine Säule und hörte sich das an.
Nach der Messe erschien er in Begleitung des Pfarr-
gemeinde-
rates im Pfarrhaus beim nichts ahnenden Pfarrer. „War das heute schon wieder die gleiche Predigt?", wollte der Bischof von den Pfarrgemeinderäten wissen. Die nickten nur stumm und guckten ganz betreten drein. -
So fragte er den Pfarrer, ob der das auch so bestätigen könne. Der Pfarrer fasste sich kurz: „Aber sicher. Wort für Wort."
Der Bischof war über so viel Dreistigkeit sichtlich erbost: „Unglaublich! Haben Sie wenigstens etwas zu Ihrer Rechtfertigung zu sagen?"
Da wandte sich der Pfarrer an die Damen und Herren vom Pfarrgemeinderat und sagte: „Wiederholen Sie doch bitte einmal die Grundgedanken meiner 9 mal gehörten Predigt!"
Betretenes Schweigen in der Runde. Offenbar war keiner so wirklich in der Lage dazu.
„Sehen Sie, Herr Bischof", schmunzelte da der Pfarrer.
„Wie kann ich als Verantwortlicher in der Gemeinde denn einfach zu einem neuen Thema übergehen, so lange das alte sogar von den führenden Leuten der Gemeinde immer noch nicht verstanden wurde?"

Heute muss ich an die Geschichte denken, denn für diesen Sonntag ist in der verpflichtenden Leseordnung der katholischen Kirche ein Evangelium vorgesehen, das uns hoffentlich reichlich bekannt vorkommen dürfte: Erst vor kurzem, an Weihnachten, in der Messfeier „vom Tage“ haben wir genau dieses Evangelium und die Predigt darüber gehört.
Aber keine Angst – Sie müssen jetzt nicht aufsagen, welches die wesentlichen Gedanken der Weihnachtspredigt waren…!
Doch es stellt sich schon die Frage, warum diese Wiederholung in so kurzer Zeit sein muss. Die hohen Herren, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil die neue Leseordnung eingeführt haben, haben sich sicher etwas dabei gedacht…

Etliche von Ihnen haben jetzt schon richtig vermutet: Wenn man etwas gleich zweimal hintereinander gesagt bekommt, dann muss es sich dabei um etwas besonders Wichtiges handeln.
Dann muss das so wichtig und dringend sein, dass die Verantwortlichen die irritierende Wiederholung dafür in Kauf nehmen. Dies erinnert ein wenig an ein ganz wichtiges Telefonat, das man mit jemand unbedingt führen muss. Vielleicht ein Gespräch, bei dem es um eine eilige oder lebens-
entscheidende Angelegenheit geht. Da probiert man und probiert man auch immer wieder, bis man den Gesprächspartner endlich am Apparat hat.

So ist es auch mit dem heutigen Evangelium. Da werden wir bildlich gesprochen auch immer wieder an den Apparat gerufen. Gott ist derjenige, der uns da schon wieder anwählt. Aber hören wir den Klingelton überhaupt? Vielleicht haben wir in Glaubens-
fragen gerne auch mal auf „lautlos“ gestellt, damit wir nicht unnötig gestört werden?!

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Hochfest der Gottesmutter Maria - 01.01.2010

Num 6,22-27
Gal 4,4-7
Predigt zum Evangelium:
Lk 2,16-21


Evangelium Lk 2,16-21:
In jener Zeit eilten die Hirten nach Bethlehem und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie
es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war. Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.


Gedanken zur Predigt:

7 Minuten ziehen lassen !

Wahrscheinlich haben Sie schon mal Tee zube-
reitet. Auf den Packungen können wir nach-
lesen, dass z.B. der Kamillentee 7-10 Minuten im heißen Wasser ziehen soll, bevor er fertig ist. Wer diese Zeit nicht abwartet, der erhält einen Tee, der eher nach heißem Wasser schmeckt und auch seine (heilende) Wirkung nicht entfalten kann.
Klar, dass wir aus Erfahrung diese Verwendungsanleitung recht genau beachten – im eigenen Interesse… Im heutigen Evange-
lium zum Hochfest der Gottesmutter Maria bekommen wir auch eine Art Verwendungsanleitung, und zwar eine Anleitung zur Verwendung des Wortes Gottes.

Doch erst mal alles der Reihe nach: Der heutige Bibeltext kommt kurz und schlicht daher. Die Hirten, denen bei ihrer Nachtwache auf dem Feld bei Bethlehem ein Engel erschienen war, machten sich eilig auf den Weg zur Krippe. Das Wort „eilig“ sagt uns schon, wie wichtig ihnen die Botschaft des Engels geworden ist. Sie waren davon tief betroffen und konnten gar nicht anders als die gute Nachricht weitererzählen: Ja, heute ist der Retter geboren, der Messias! - Sie müssen ihr Erlebnis ihren Zuhörern im Stall so begeistert vorgetragen haben, dass es im Evange-
liumstext heißt: „Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.“ Offenbar waren inzwischen schon ein paar Neugierige dort eingetroffen. Die Hirten, ganz einfache Leute ohne jegliche theologische Ausbildung, wurden so zu den ersten Predigern der Frohen Botschaft! Besonders aufschlussreich für uns ist aber die Reaktion von Maria. Im Bibeltext heißt es: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ - Da ist sie, die Anleitung für uns für den Umgang mit dem Wort Gottes!

Maria lässt die Botschaft gewissermaßen „ziehen“, sie gibt dem Wort Gottes die nötige Zeit, damit es seine Wirkung auch ent-
falten kann. Sie bewahrt alles in ihrem Herzen, und nach und nach kann sie den Sinn all dessen entfalten, und nach und nach lernt sie zu verstehen, was die Aufgabe, die Sendung ihres Sohnes ist. Diese Haltung Mariens war damals nicht selbst-
verständlich, und heute ist sie es auch nicht für uns; deshalb heißt es ja auch: „Maria aber…“
Wir kennen das: man hört etwas, aber es geht im Grunde zum einen Ohr hinein und zum anderen hinaus. Manches begeistert uns sogar für einen Moment, aber wir lassen es nicht genug ziehen. Es kann gar keine Wirkung entfalten, wenn man mit den Gedanken im nächsten Moment schon wieder woanders gelandet ist. Maria aber macht die frohe Botschaft Gottes gewissermaßen haltbar, sie konserviert sie in ihrem Herzen.
Da ist es kein Wunder, dass die Kirche dieses Fest und diesen Text an den Anfang des neuen Jahres gelegt hat. So bekommen wir Maria schon gleich als Wegbegleiterin für 2010 mit auf den Weg. Unter ihrem Schutzmantel sind wir gut aufgehoben. Das erinnert an die uralte Regelung, wonach rechtlose, verfolgte Menschen sich unter dem Schutzmantel der Königin vor Verfolgung sicher sein konnten. ...

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25.12.2009

Fest der Heiligen Familie - C / 27.12.2009


1 Sam 1,20-22.24-28
1 Joh 3,1-2.21-24
Predigt zum Evangelium:
Lk 2,41-52


Evangelium: Lk 2,41-52

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne daß seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.

Gedanken zur Predigt:


Wo ist Jesus?


Es gibt Tage, die bleiben einem ein Leben lang ins Gedächtnis eingebrannt. Glückliche Tage können das sein, aber oft leider auch Tage des Schreckens oder der Verzweiflung. - Der Tag, an dem sie den zwölfjährigen Jesus bei ihrer Wallfahrt aus den Augen verloren haben, gehört für Maria und Josef jedenfalls zu solchen Tagen, die man am liebsten verbieten würde, wenn man nur könnte.

Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Wie jedes Jahr hatten Maria und Josef die Strapazen des viertägigen Fußmarsches nach Jerusa-
lem auf sich genommen. Halb Nazareth war auf den Beinen und auch Verwandte und Bekannte aus der Gegend.
Während des langen Zuges wurden natürlich auch allerlei Neuigkeiten ausgetauscht, und man genoss es auch ein wenig, raus aus dem ewigen Einerlei des Alltags zu kommen. Pilgern macht den Kopf frei, das war schon immer so. - Als fromme, gesetzestreue Juden verbrachten Maria und Josef auch dieses Mal die Feiertage des Passah-Festes im geistlichen Zentrum, in Jerusalem.
Die Stadt quillt dabei regelmäßig aus allen Nähten, denn es sind Hunderttausende, die sich da nicht nur singend und betend durch die engen Straßen wälzen. Doch man rückt selbstverständlich überall so gut es geht zusammen, sodass schließlich sogar jeder abends irgendwie und irgendwo sein Plätzchen zum Schlafen findet.

Traditionell geht man den Hin- und Rückweg in Gruppen, getrennt nach Dörfern, und dann nach Männern, Frauen und Heran-
wachsenden, wie wir das heute auch noch oft bei Prozessionen machen. Im Schutze der großen Gruppe sind auch die Kinder und Jugendlichen gut aufge-
hoben, wobei die meisten ohnehin erst ab dem 13. Lebensjahr, nach ihrer Bar-Mizwa-Feier, bei dieser anstrengenden Wallfahrt mitmachen. Ab dieser Feier gelten die religiös gründlich unterrichteten Heran-
wachsenden nicht mehr als Kinder. Nun ist jeder für sein Leben als gläubiger Jude selbst verantwortlich.

Maria und Josef nehmen Jesus aber dieses Jahr schon mit nach Jerusalem, obwohl er erst 12 Jahre alt ist. Das ist sicher klug gedacht: Ihr Kind hat daheim und beim regelmäßigen Unterricht in der Syna-
goge von Nazareth schon lange bewiesen, wie sehr es sich in den heiligen Schriften auskennt. Wie seine Kameraden hat Jesus während seiner Ausbildung große Teile des Alten Testamentes auswendig gelernt, aber ihm ist dies besonders leicht gefallen.
Nun wollen Maria und Josef dem wissensdurstigen Jungen eine Freude machen und ihn schon mal die einmalige Fest-Atmosphäre in Jeru-
salem schnuppern lassen. So zeigen sie sich als vorbildliche Eltern, denen daran gelegen ist, die Talente ihres Kindes zu unterstützen und zu fördern. Es fällt uns nicht schwer, sich vorzustellen, wie fasziniert der heranwachsende Jesus von den vielen Eindrücken ist.

Als die Feierlichkeiten beendet sind, begeben sich die gewaltigen Pilgerströme nach und nach wieder auf den Heimweg. Das nimmt natürlich einige Zeit in Anspruch. Maria und Josef sehen keinen Grund, Jesus ständig im
Auge zu behalten. Als Kind ist er eigentlich nie aus der Reihe getanzt und hat so wie andere Kinder das getan, was man ihm aufgetragen hatte. So gehen sie davon aus, dass er selbstverständlich bei den Heranwachsenden mitgeht, wie beim Hinweg auch.
Als es Abend wird und man sich für die Übernachtung einrichtet, erleben Maria und Josef eine ganz böse Überraschung: ihr Kind ist einfach nicht auffindbar, weder bei den Kindern noch bei Verwandten oder Bekannten. Diese Wegstrecke ist für einzelne Wanderer sehr gefährlich – so manch einer ist da unter die Räuber gefallen, wie das Gleichnis vom barmherzigen Samariter es anschaulich erzählt.

Jeder, der Kinder hat, kann den beiden nachfühlen, wie siedend heiß es ihnen jetzt wird: Wie konnte das nur passieren! Ist Jesus etwas zugestoßen? Liegt er irgendwo verletzt am Wegesrand? -
Alles Herumfragen bringt sie nicht weiter, denn zu ihrem Entsetzen stellt sich heraus: Keinerlei Spur - niemand hat Jesus auf dem Rückweg gesehen. Die beiden können einem schon leid tun, wie sie da die ganze Tagesstrecke zurückrennen, so schnell sie ihre Füße tragen. Sicher sind sie mit ihren Nerven und ihren Kräften erschöpft, als sie endlich in dem immer noch beachtlichen Gewühle in Jerusalem eintreffen. Allerlei Gedanken schießen ihnen durch den Kopf:
...

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20.12.2009

Weihnachten 2009

25.12.2009
Hochfest der Geburt des Herrn
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Am Heiligen Abend:
Mt 1,18-25 (Kurzf.)
In der Heiligen Nacht:
Lk 2,1-14
Am Tag: Joh 1,1-5.9-14 (Kurzf.)
Allen Leserinnen und Lesern des Predigtgartens ein gesegnetes Weihnachtsfest! -
Die nächste Ausgabe erscheint bereits am 25.12. abends (Weihnachten) mit Predigtgedanken zum Fest der Heiligen Familie (27.12.)!

!!! Heute gibt's gleich eine Viererpackung:
Zwei Predigtvorschläge für "Am Heiligen Abend",
einen für "In der Heiligen Nacht"
und einen für "Am Tag".


Am Heiligen Abend


Evangelium: Mt 1,18-25 (Kurzfassung)
Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, daß sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloß, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immánuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

GEDANKEN ZUR PREDIGT (1. Vorschlag)

Der Traummann

Jeder Fernsehsender, der beim Kampf um Zuschauerzahlen ganz oben stehen will, muss unbedingt Quiz-
sendungen zur besten Sendezeit anbieten. Die sind jetzt wieder sehr gefragt. Zum heutigen Evangelium habe ich hier auch eine Quizfrage für Sie parat: „Was antwortete Josef dem Engel, der ihm im Traum erschien?“ - Sie dürfen jetzt allerdings niemanden anrufen und auch bitte unser Publikum nicht befragen.

Ja, was antwortete Josef also dem Engel, als der ihm erklärte, dass das Kind, das seine Verlobte Maria erwartete, vom Heiligen Geist ist? Wenn Sie sich an die Antwort nicht erinnern können, ist das kein Grund, sich über zunehmende Vergess-
lichkeit Gedanken zu machen. Josef antwortete nämlich - nichts !

Und das muss man sich mal vorstellen: Josef hatte ganz sicher seinen Traum vom Leben mit Maria. Ein Häuschen, seine kleine Zimmerei-Werkstatt, ein paar nette Kinder mit seiner lieben Frau Maria – ach, das wäre schön!
Josef war mit Maria verlobt. Verlobung war damals ein absolut verbindliches Eheversprechen und wurde gesetzlich auch so behandelt. Auf Ehebruch stand schon während der Ver-
lobungszeit die Strafe der Steinigung, zumindest aber ein Verstoßen in Schimpf und Schande. Und nun – vor dem Erscheinen des Engels – hatte Maria ihrem Verlobten anvertraut: Ich bin schwanger durch das Wirken des Heiligen Geistes.
Josef war geschockt. Sein Traum vom trauten Heim schien wie eine Seifenblase zu zerplatzen.
Was war nur los mit Maria? Er kannte sie doch schon lange und gut genug, um seiner frommen Verlobten absolut vertrauen zu können. Sollte er sich derart getäuscht haben?
Hatte sie einen anderen Mann kennengelernt?
Jeder, der einmal heftigen Liebeskummer erlebt hat, kann Josef nachfühlen, in welchem Zustand er jetzt war. Das war wie ein kleiner Weltuntergang! Die Erklärung Marias konnte er beim besten Willen nicht verstehen.

Aber was tun? Josef wollte Maria vor allem nicht bloßstellen. „Josef, ihr Mann, der gerecht war“ heißt es im Evangelium. Ja, Josef war im besten Wortsinne fromm und bemühte sich um ein gerechtes Leben, wie Gott es erwartete. Aber was war jetzt in dieser vertrackten Situation gerecht? So beschloss er, „sich in aller Stille von ihr zu trennen“. Er wollte also jedes Aufsehen vermeiden.
Nicht Wut oder Enttäuschung bestimmte sein Denken, sondern seine große Liebe zu Maria, die er auf diese Weise schützen wollte, denn wenn er sich von ihr trennte und vielleicht in einen anderen Ort zog, sah es nach außen so aus, als läge die Schuld bei ihm. Eine verlassene Braut – und dann noch schwanger! Schlimm, dieser Mann!
Josef war also bereit, sich die Hände schmutzig zu machen,
um seine geliebte Maria von allen Schuldzuweisungen zu verschonen.

Doch dann kam das, was in einer bekannten Redewendung so klingt: Der Mensch denkt, und Gott lenkt. - Gott griff energisch in das Geschehen ein: Er schickte einen Boten, einen Engel, der Josef zum Traum-Mann machte. Im Traum wurden ihm die Augen geöffnet, und er bekam sogar den Auftrag, die juristische Vaterstelle anzunehmen.
Die Namensgebung war damals eine ehrenvolle Aufgabe, die immer nur dem Vater zufiel. Der Engel hielt sich nicht mit langen Reden auf: „Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben.“ - Das war eine klare Ansage!
Und Josef? Maria hatte, als der Engel ihr erschienen war, gleich nachgefragt: Wie soll das geschehen?
Nicht so Josef! Er hatte keine Frage, und er antwortete auch nicht, zumindest nicht mit Worten. Der Engel im Traum war für ihn dennoch so real wie eine Engel-Begegnung am hellichten Tag.
Josef tat den Traum nicht als Träumerei ab, sondern er wusste, dass Gott auch über Träume mit uns in Verbindung tritt. Josef ist ein Mann der Tat. Er gehorchte, auch wenn er nicht alles verstand. Heute ist es genau anders: heute will man alles verstehen, aber nicht gehorchen.

Josef gibt uns mit seinem Verhalten einiges zum Nachdenken. Er übernahm die Verantwortung, die ihm der Engel zugedacht hatte. Für ihn ist es typisch, dass er weder fragte noch antwortete. Seine Rolle war eher die hinter Jesus und Maria, und nicht an vorderer Stelle. Josef, der Traum-Mann war ein Mann mit Güte, mit Geduld, mit Herz. Mehrmals noch wird in der Bibel davon erzählt, wie er ohne Wenn und Aber dem Ruf Gottes folgte. So ist der heilige Josef auch für uns heute ein wirkliches Beispiel: Gott gehorchen und dienen kann man auch in der zweiten Reihe...

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15.12.2009

4. Adventssonntag C - 20.12.2009

Mi 5,1-4a
Hebr 10,5-10
Predigt zum Evangelium:
Lk 1,39-45


Evangelium Lk 1,39-45
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT


Zwei „verrückte“ Schwangerschaften


Heute müssen die Männer schweigen. Im Evangelium sind diese ganz außen vor. Da ist zwar ausführlich die Rede von zwei schwangeren Frauen, aber deren Männer treten überhaupt nicht ins Bild. Weder von Josef ist die Rede, dem frommen Verlobten der Maria, noch von Zacharias, dem Priester in Jerusalem und Ehemann von Elisabet.
Das Evangelium des heutigen 4. Adventssonntags richtet seinen Blick wie einen Schein-
werfer ganz gezielt auf die beiden Frauen. Sie stehen im Mittelpunkt des Textes. Gewissermaßen zwei Schwangere unter sich.
Aber Vorsicht – eine „normale“ Geschichte ist das nicht.
Nach unseren menschlichen Maßstäben ist das schon etwas „verrückt“, was sich da abspielt.
Da haben Zacharias und Elisabet viele Ehejahre lang Gott angefleht, dass er ihnen das Glück eines eigenen Kindes schenken möge. Beide waren als sehr gottesfürchtig bekannt, und Zacharias war als Priester im Tempel von Jerusalem an vorderster Front für Gott tätig. Besonders Elisabet war sehr betrübt und schämte sich, denn Kinderlosigkeit galt damals als Schande und bei manchen Mitmenschen sogar als Strafe Gottes.

Doch dann geschah das menschlich „Verrückte“: Der Erzengel Gabriel persönlich wurde zu Zacharias gesandt, um ihm mitten im Tempeldienst zu erscheinen und ihm zu verkünden, dass Gott ihr Gebet erhört habe und sie einen Sohn bekämen, der den Namen Johannes bekommen sollte. Da Zacharias das nicht glauben wollte, wurde er zur Strafe auf der Stelle stumm. Kein Wort brachte er mehr heraus bis zur Geburt. Der Erzengel Gabriel scheint sich wohl gedacht zu haben: Ein Priester, der kein absolutes Gottvertrauen hat, der hat sowieso nichts zu sagen…

Elisabet jedenfalls wurde trotz vorgerückten Alters und jahr-
zehntelanger Unfruchtbarkeit endlich schwanger. Die Bibel erwähnt ausdrücklich, dass sie nun als Schwangere ganz zurückgezogen lebt. Sicher will sie allem Getratsche und dummen Bemerkungen aus dem Wege gehen.
Und da kommt nun Maria ins Spiel. Auch sie hatte hohen Be-
such. Sechs Monate nach dem Besuch bei Zacharias stattete der Erzengel Gabriel diesem damals vermutlich etwa 14-15jährigen Mädchen aus frommem Hause einen Besuch ab. In diesem Alter wurden damals die meisten Mädchen verlobt und bald darauf verheiratet. So war es für Maria auch längst alles verabredet, und sie und ihr Verlobter Josef freuten sich schon auf das große Fest. Wie wir wissen, bekam auch Maria bald einen „verrückten“ Grund, dem dummen Gerede aus dem Wege zu gehen.
Ungeheuerliches war ihr passiert: Sie war von Gott begnadet und auserwählt, Mutter des Gottessohnes zu werden. Maria nahm sich aber keine Bedenkzeit, sondern stimmte der Ankündigung des Engels aus voller Seele zu: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ - Alles andere als leicht für sie, und alles andere als leicht für Josef!

Da ist es eine gute Idee, ihrer Tante Elisabet einen längeren Besuch abzustatten. Maria weiß von deren überraschender Schwangerschaft; sowas spricht sich auch ohne Handy in einem halben Jahr leicht in der Verwandtschaft herum, und der Engel Gabriel bestätigt es ihr ja auch. Wir dürfen davon ausgehen, dass die beiden Frauen schon immer ein gutes Verhältnis haben, sodass Maria nicht nur daran denkt, Elisabet in den letzten und beschwerlichen Monaten zur Hand zu gehen.
Sicher darf sie auch darauf hoffen, in ihrer lebenserfahrenen Tante eine gute Beraterin und Gesprächspartnerin zu finden, fernab vom Dorftratsch in Nazareth.

Ganz so einfach ist der Weg dorthin freilich nicht, denn die im Evangelium genannte „Stadt im Bergland von Ju-
däa“
ist En Kerem, damals etwa 7 Kilometer von Jerusalem entfernt, heute längst ein eingemeindeter Stadtteil. - Von Nazareth aus sind das in dem gebirgigen und steil ansteigenden Gelände etwa vier bis fünf Tage Fußweg. Es ist naheliegend, dass Maria den gefährlichen Weg mit männlicher Begleitung zurückgelegt hat, doch auch dies wird im heutigen Bibeltext bewusst ausge-
blendet. Wir sollen eben nur auf Maria und Elisabet achten.

Von Maria heißt es, dass sie „eilte“ – sicher will sie nach dem umwerfenden Erlebnis mit dem Engel keine Zeit verlieren, um mit Elisabet ins Gespräch zu kommen. Auf dem langen Weg hat Maria genug Zeit, sich die Begegnung mit ihrer Tante in Ge-
danken schon auszumalen. Wie wird sie wohl dort aufge-
nommen? Soll sie schon bald von ihrer eigenen spektakulären Mutterrolle erzählen oder lieber erst einmal abwarten?
Als Maria endlich bei ihr eintrifft, wird es noch „verrückter“: Kaum hat Maria Elisabet herzlich begrüßt, erleben wir mit, wie das Kind im Mutterleib prompt reagiert. Jede Schwangere hat das schon selbst erlebt, was für temperamentvolle Knüffe ein Kind im sechsten Monat austeilen kann.
Im Evangelium heißt es: „Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib.“ - Johannes hüpfte in ihrem Leib – wir wissen aus der Medizin längst, wie sensibel Kinder im Mutterleib auf ihre Umwelt reagieren, auf Musik, auf laute Geräusche und vieles mehr. Johannes reagiert noch sensibler. Bereits das Ungeborene hüpft und strampelt; es ist geradezu außer sich vor Freude. Schon im Mutterleib ist Johannes durch Einwirkung des Heiligen Geistes ganz von der Freude über den kommenden Messias erfasst, von Gottes unfassbar großem Geschenk an die Menschen.
Jetzt wird auch Elisabeth hellhörig. Durch ihr Kind vorbereitet, wird auch sie vom Heiligen Geist erfüllt. Sie ruft „mit lauter Stimme“, obwohl das für die direkt vor ihr stehende Maria sicher auch leiser genügt hätte: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“

Ist das nicht „verrückt“?
Eben noch hat Maria sich Gedanken gemacht, wie sie baldmöglichst das Gespräch auf ihre eigene Schwangerschaft bringen kann, und dann sagt ihr das Elisabet einfach so auf den Kopf zu. Aber was heißt da „sagt“ – sie schreit es regelrecht aus sich heraus, so sehr ist sie aus dem Häuschen, so sehr ist sie in heller Aufregung...

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08.12.2009

3. Adventssonntag C - 13.12.2009


Zef 3,14-18a
Phil 4,4-7
Predigt zum Evangelium:
Lk 3,10-18


Evangelium Lk 3,10 -18
In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.
Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen:
Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Mißhandelt niemand, erpreßt niemand, begnügt euch mit eurem Sold!
Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.

MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT


Was sollen wir tun?


Es passiert an einem Samstag vor Weih-
nachten. Im Haushalt steht bei Familie Meier der große Hausputz an, und so gibt es wieder einmal Eintopf zum Mittagessen.
Beim Anblick dieser Köstlichkeit auf seinem Teller verfinstert sich die Miene des 12-jährigen Sohnes deutlich erkennbar. Das bleibt der Mutter natürlich nicht verborgen, und so weist sie ihren Sohn zurecht: „Dir geht es viel zu gut! Viele Kinder in armen Ländern wären froh, wenn sie die Hälfte dieser Suppe hätten!“ –
Der Sohn antwortet darauf: „Ich auch, Mama, ich auch!“

So ist das manchmal mit unseren Erziehungsmaßnahmen. Immer wieder müssen wir erleben, dass unsere gutgemeinten Ratschläge nicht ernst genommen werden und leider nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Im heutigen Evangelium jedoch erleben wir mit, wie Menschen offenbar tief beeindruckt sind von dem, was ihnen gerade gesagt wird.

„Gesagt“ ist dabei allerdings eine vornehme Umschreibung. Derjenige, der da etwas verkündet, der sagt es nicht einfach, sondern der ist ein eifernder, flammender Prediger. Es ist Johannes der Täufer, ein Prophet, ein regelrechter Lautsprecher Gottes. Mitten in der Einöde lebt er, ganz auf Gott und dessen Wort konzentriert. Dieser Mann ist sich absolut sicher: Sehr bald schon wird der so sehnsüchtig erwartete Messias kommen. - Doch das Erstaunlichste ist nicht sein karges Leben in der lebensfeindlichen Wüste, sondern dass sich dies überall im Lande herumspricht: Weit weg von aller Zivilisation lebt da ein gewaltiger Bußprediger!
Der ist zwar äußerlich für viele Zeitgenossen abschreckend in seiner dürren Gestalt, mit seinen langen Haaren und dem alten Mantel aus grobem Ziegenhaar. Es zeigt sich aber, dass viele Menschen dennoch diesen Mann selbst erleben wollen, weil sie tief in ihrem Herzen eine innere Unruhe spüren. Ihnen wird bewusst, dass sie für ihr Leben eigentlich eine neue Orientierung auf Gott hin brauchen.

Das, was ihnen die Schriftgelehrten und Priester in Jerusalem an frommen Belehrungen verkünden, ist vielen doch zu eintönige und wenig begeisternde Kost. Ihr Herz, das voller Sehnsucht ist, wird von diesen Profis kaum erreicht.
Ihnen trauen viele offenbar nicht zu, mit ihrem eigenen Leben und Lebensstil wirklich auch persönlich für die Wahrheit einzutreten, die sie da so dienstbeflissen von sich geben.

Hier dagegen, bei Johannes in der Wüste, da kommen täglich ganze Scharen von Menschen an. Sie haben den mühsamen Weg in die Einsamkeit auf sich genommen, um zu diesem eigenartigen, faszinierenden Prediger zu pilgern. Dieser Mann, der ganz demütig und extrem bescheiden lebt, der nimmt kein Blatt vor den Mund. Auf nichts und niemanden nimmt er Rücksicht, wenn es um die Verkündung des Willens Gottes geht. Wie wir wissen, kostet ihn das schließlich den Kopf, denn die Mächtigen im Lande schätzen ein solches Benehmen ganz und gar nicht.

Nun aber stehen viele Menschen direkt vor Johannes, hören ihm ganz aufmerksam zu und wollen sich zum Zeichen der Reue und Umkehr von ihm taufen lassen. Doch so einfach geht das nicht, jedenfalls nicht mit Johannes.
Es steht in der Bibel unmittelbar vor dem heutigen Evan-
gelium, daher haben wir es jetzt nicht so präsent: Johannes ist knallhart und beschimpft sein Publikum schon fast: Ihr seid nichts anderes als eine „Schlangenbrut“, wenn ihr euren Willen zur Umkehr nicht durch dementsprechende konkrete Schritte beweist. – Das müssen sie sich von ihm sagen lassen, ob es ihnen gefällt oder nicht.

Die meisten Zuhörer des Johannes sind geschockt, aber auch dankbar für die klaren Worte. Sie reagieren prompt, indem sie ihn fragen: „Was sollen wir also tun?“
Viele Menschen sind offenbar bereit, ein neues Leben mit Gott zu beginnen. Sie sind wirklich dafür offen, neue Wege einzuschlagen. Aber sie sind verunsichert.
Was ist dabei wirklich wichtig? Wie soll ich mich verhalten?
Von Johannes erbitten sie eine Orientierungshilfe, einen Wegweiser. Ihre Frage „Was sollen wir also tun?“ ist ehrlich gemeint. Auf ihre konkrete Fragestellung hat Johannes auch eine ganz konkrete Antwort: „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.“

Jetzt ist manch einer der Zuhörer des Johannes doch platt. Man hat doch zuerst einmal damit gerechnet, dass man zum strengeren Einhalten der vielen jüdischen Vorschriften angehalten wird. Auch mehr Frömmigkeit durch noch mehr Gebete wäre sicher sehr angebracht. Wenn Gott das so haben will, dann strengen wir uns eben noch kräftiger an mit noch mehr Gebeten als bisher.
Die Antwort des Johannes fällt jedoch ganz anders aus...

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01.12.2009

2. Adventssonntag C - 06.12.2009

Bar 5,1-9
Phil 1,4-6.8-11
Predigt zum Evangelium:
Lk 3,1-6


Evangelium Lk 3,1-6

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung
der Sünden. So erfüllte sich, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!
Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.

MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT


Konjunkturprogramm


„Und nun die Verkehrs-
meldungen. Staus bestehen zur Zeit auf fol-
genden Strecken:
Auf der A 3 etwa 12 Kilometer zwischen…“
– Na, Sie kennen das sicher auch zur Genüge, diese ellenlangen Aufzählungen im Radio, die an manchen Tagen kaum enden wollen.
Hier liegt nur ein Spanngurt auf der Fahrbahn, dort ist ein Lastwagen umgekippt. Stau, Stau, Stau – nichts geht mehr! So manch einer verpasst einen wichtigen Termin oder kommt zu spät zur Arbeit. Wer wie die Fernfahrer und Pendler tagtäglich damit leben muss, der kann ein trauriges Lied von solchen Verkehrsbehinderungen singen. Und so baut der Staat an manchen regelmäßig staugefährdeten Strecken die Autobahnen immer weiter aus, auch dank des Konjunktur-
programms zur Ankurbelung der krisengeschüttelten Wirtschaft.

Um ein Straßenbauprogramm geht es auch im heutigen Evangelium. Doch immer schön der Reihe nach. Zuerst ein-
mal stellt der Evangelist Lukas uns ganz genau vor, wer zu jener Zeit in Politik und Religion das Sagen hatte. Es wimmelt geradezu von Namen: Tiberius, Pontius Pilatus, Herodes, Philippus, Lysanias, Hannas und Kajaphas.
Diese detaillierte Aufzählung hat natürlich ihren Grund.
Lukas stellt seinen Lesern damit deutlich vor Augen, dass es im Evangelium um tatsächliche Fakten geht und nicht um eine nette, aber ausgedachte Geschichte. Gott ist in seinem Handeln immer ganz konkret.

Was sich hier abspielt, das geschieht nachprüfbar und in einer ganz bestimmten geschichtlichen Situation, an einem ganz bestimmten Ort. Und da sind eine ganze Reihe von Men-
schen, die zu dieser Zeit die Mächtigen sind, die die Geschicke der Menschheit lenken. In diese konkrete Situation hinein kommt nun das Wort Gottes. Es kommt nicht nach Rom, damals der Nabel der Welt, und nicht einmal nach Jerusalem, der Hauptstadt der Juden. Nein, das Wort Gottes kommt in eine Einöde, in eine Wüstenlandschaft, abgelegen und lebensfeindlich. Hier trifft das Wort Gottes auf Johannes, den Täufer, Sohn des Zacharias.
Johannes ist eine faszinierende Figur. Er ist ein Bußprediger, der ganz asketisch lebt und sich nur von dem Wenigen ernährt, was die Wüste hergibt. Doch er hat den Menschen, die in Scharen zu ihm pilgern, etwas zu sagen.
Im Evangelium des nächsten Sonntags wird uns Johannes und seine Botschaft deshalb noch näher vorgestellt.
Im heutigen Evangelium fällt sofort eine ungewöhnliche Formulierung auf. Nach der Aufzählung der langen Namens-
liste heißt es: „Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes…“
Das Wort Gottes „erging“. Das steht nicht zufällig so da.
Wenn ich mit jemandem gesprochen habe, dann erging mein Wort jedenfalls nicht. Ein König kann aber Gnade vor Recht ergehen lassen, und dazu lässt er einen dementsprechenden Befehl ergehen.
Wenn also das Wort Gottes an Johannes „erging“, dann ist dies eine klare Ansage an uns: Diese Formulierung, die wir auch bei prophetischen Büchern des Alten Testaments finden (z.B. Jeremia, Hosea), sagt ganz viel aus über die Kraft und Autorität des Wortes Gottes.
Das wird noch deutlicher, wenn man den Begriff genauer übersetzt. Dann heißt es, dass das Wort Gottes geschieht auf Johannes hin. Gottes Wort allein ist also schon ein Geschehen. Es bewirkt etwas, und zwar ganz gewaltig. Der Prophet Jeremia bemerkte dazu: „Das Wort Gottes ist wie ein Hammer, der Felsen zer-
schlägt…“ (Jer 23,29) - Wir haben so auch die Schöpfungs-geschichte in Erinnerung. Da heißt es z.B.: „Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.“ (Genesis 1,3) – Nur ein Wort von Gott genügt, um die gewaltigsten Geschehnisse zu ermöglichen, und ein Wort von Gott ist im heutigen Evange-
lium der Grund, warum dieser Johannes zu solch einem beeindruckenden Rufer in der Wüste werden kann.

Der Evangelist Lukas schreibt daran anschließend: „So erfüllte sich, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“
Das heißt: Was Gott vor langer Zeit durch den Propheten Jesaja verkünden ließ, das wird jetzt, hier und heute, mit dem Auftreten von Johannes ganz konkrete, handfeste Wirklichkeit.
Jetzt ist die Zeit da, jetzt greift Gott ins Geschehen auf Erden ein, jetzt erfüllt sich, was Gott uns zugesagt hat.
Nach Gottes Ratschluss ist jetzt der Punkt gekommen, an dem er mit seiner Heilsgeschichte in unsere menschliche Unheilsgeschichte eingreift, und zwar erst einmal durch einen Ausrufer, der dem eigentlichen Herrn vorausgeht.

Ein solches Voraus-
kommando war und ist auch in der Politik üblich. Bevor ein Gipfel-
treffen der Staats-männer statt-
findet, werden von fleißigen Helfern vielerlei Vorbereitungen getroffen. - Bevor früher ein König in eine Stadt einzog, schickte er einen Herold voraus, der den Herrscher lautstark ankündigte, damit das ganze Volk zu seiner Begrüßung die Straßen säumen und ihm zujubeln konnte.

Heute steht Johannes als solch ein Vorauskommando vor uns. Er weiß um die bevorstehende Ankunft des Herrn, aber er weiß auch um den Stand der nötigen Vorbereitungen.
Und damit meint er seine Zeitgenossen und ihren Willen zur Umkehr auf Gott hin, aber auch unsere persönlichen Vor-
bereitungen, um den Herrn begrüßen zu können. Johannes ruft uns zu einem regelrechten persönlichen Straßenbau-
programm auf. ...

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