Jer 17,5-8
1 Kor 15,12.16-20
Predigt zum Evangelium:
Lk 6,17.20-26
Evangelium Lk 6,17.20-26:
In jener Zeit stieg Jesus mit seinen Jüngern den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen, und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei. Jesus richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschen-
sohnes willen.
Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht. Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten. Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:
Der Augenblick
Da ist der Höhepunkt des Karnevals in vollem Gange, und schon tönen in der Kirche bedrohliche „Wehe“-Rufe! Das klingt nach vorverlegter Fastenzeit oder gar nach einem Fehler im Terminplaner der Kirche. Während da draußen gerade mal so richtig auf die Pauke gehauen wird, tritt Jesus im Evangelium auf die Spaßbremse.
Das ist jedenfalls der erste Eindruck. Zumindest die Kirchen-Profis wissen es besser. Der Fastnachtstermin ist immer abhängig vom Ostertermin, und Ostern ist bekanntlich ein „beweglicher“ Feiertag zwischen dem 22. März und dem 25. April. So kommt es, das z.B. 2010 der Aschermittwoch auf den 17. Februar fällt, im nächsten Jahr 2011 hingegen erst auf den 9. März. Und weil wir dieses Jahr mal wieder so früh dran sind, folgt nach dem 6. Sonntag im Jahreskreis, den wir heute feiern, als nächster Sonntag schon der erste Fastensonntag. Auf die vertiefende Fortsetzung des heutigen Evangeliums am aus-
gefallenen 7. Sonntag müssen wir also nächste Woche verzichten.
Der heutige Text freilich hat es in sich. Während Jesus im ersten Teil vier Sätze beginnt mit dem Ausruf „Selig“, „Selig, die ihr“ oder „Selig seid ihr“, sieht das im zweiten Abschnitt sehr viel anders aus.
Hier müssen wir von Jesus gleich vier mal den erschreckenden und eindringlichen Ruf hören: „Weh euch…“! - Die Bibel ist also doch keine Frohbotschaft, sondern eine Drohbotschaft, wie ihr viele Nichtchristen vorwerfen?
Wir sehen schon: das genauere Hinsehen bleibt uns nicht erspart.
Im heutigen Evangelium schildert Lukas eine Rede Jesu an seine Jün-ger, also an solche Menschen, die ihm bereits nachfolgen, die sich zumindest grundsätzlich für ihn entschieden haben. Ihnen und allen anderen Christen gelten die Aussagen Jesu.
Die Wortwahl des Evangeliums ist dabei hochinteressant. Es heißt: „Jesus richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen…“ - Also bezeichnet Jesus seine Jünger hier als die Armen,
von denen er sagt, dass sie selig sind. Mit dem Ausdruck „Jünger“ sind dabei nicht speziell die Apostel gemeint, denn im Evangelium ist zu Beginn die Rede von „einer großen Schar seiner Jünger“.
Da stellt sich uns natürlich sofort die Frage, inwiefern denn die Jünger arm sein können. Sicher haben sie keine Millionen auf dem Konto, aber arm? Da kommt zu Recht der Verdacht auf, dass mit dem Begriff „Armut“ nicht nur einfach die dramatische Ebbe im Geldbeutel gemeint sein kann und nicht nur der tägliche Kampf um Nahrung, ums Über-
leben. „Armut“ umfasst im Evangelium mehr als das. Arm im Sinne von „arm dran“ sind alle, denen es an Lebensnotwendigem und an Menschenwürde mangelt.
Und da wissen wir aus unserer Erfahrung, dass etliche Menschen auch im relativ reichen Europa arm dran sind. Vielleicht, weil sie hilflos oder allein sind, einsam und verlassen, gesundheitlich schwer ange-
schlagen oder im Ansehen anderer „unten durch“. Viel zu viele gibt es, die irgendwie auf der Schattenseite des Lebens stehen, die traurig sind.
Arm dran können aber auch die sein, die sich aufrichtig in ihrem Alltag um die Nachfolge Jesu bemühen. Zur Zeit des Evangelisten Lukas war das so, und heute ist es ganz handfest in vielen Ländern dieser Erde immer noch so: Wer sich zum Christentum bekennt, der hat mit Nachteilen zu rechnen, im Extremfall bis hin zu Verfolgung und Tod. Wer sich Jesu Worte und Taten zu Herzen nimmt, der kann als Christ gar nicht anders, als sich mit auf die Seite der Armen, der Schwachen und Benachteiligten zu stellen, mit ihnen solidarisch zu sein.
Als Lukas sein Evangelium aufschrieb, gab es mancherorts längst schon eine gezielte Verfolgung der Gemeindemitglieder. Vergessen wir auch nicht, dass sogar der Apostel Paulus vor seiner Bekehrung ein glühender Verfolger der Christen war. Im heutigen Evangelium heißt es deshalb: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.“
Ein Christ zu sein, das ist unter den Verhältnissen auf dieser Erde nicht immer ein Zuckerschlecken, sagt Jesus. Man kann ganz schön arm dran sein als wirklich überzeugter Christ. Das kann allerhand kosten, und damit ist nicht das Geld gemeint. Da kam es früher vor und da kommt es heute vor, dass Jünger Jesu sich fragen: Was ich da alles an Kraft, an Zeit, an Herzblut investiere – lohnt sich das denn überhaupt für mich? Ich nehme so viel auf mich, ich stecke so viel ein an dummen Bemerkungen, an mitleidigem Lächeln. Da fällt es manchmal schon sehr schwer, als Christ standhaft zu bleiben. Das hat Jesus gewusst und niemals verheimlicht. Er sagt es ganz klar: ...
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