08.12.2010

3. Advent A - 12.12.2010

Jes 35,1-6a.10
Jak 5,7-10
Predigt zum Evangelium:
Mt 11,2-11



Evangelium Mt 11,2-11:
In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi.
Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?
Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.
Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten. Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor die her; er soll den Weg für dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.

MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT

Liebe Mitgefangene!

Die Anrede „Liebe Mitgefangene“ dürfte niemand von uns so recht schmecken. Wir lieben unsere Freiheit. Wenn man sich nicht mehr frei bewegen kann, wenn man in ständiger Abhängigkeit von anderen leben muss, das ist hart.
Wir haben im heutigen Evangelium vom Schicksal des Täufers Johannes erfahren. Seine deftigen Bußpredigten haben das Volk in Scharen angelockt, wie wir am vorigen Sonntag gehört haben. Doch damit hat Johannes sich nicht nur Freunde gemacht. Als er König Herodes auch noch Ehebruch mit der Frau seines Bruders vorwarf, war das Maß für die Herrschenden voll. Johannes wurde sofort aus dem Verkehr gezogen. Nun lag er im Kerker und wartete. Ihm war klar: die Todesstrafe stand ihm bevor.
Doch Johannes hatte treue Jünger, die ihn offenbar regelmäßig besuchten. Was würde aus ihnen werden nach seinem Tod? - Seine ganze Energie hatte der Prediger Johannes darin investiert, Jesus den Weg zu bereiten – das war seine Lebensaufgabe. Und nun?
Als seine Jünger ihm von den Taten Jesu erzählten, schickte er sie
zu Jesus, um ihn zu fragen, ob dieser wirklich der Messias sei.
Hatte Johannes wirklich plötzlich solche Zweifel?
Es war wohl eher so, dass er sich um seine Jünger sorgte und sie deshalb ausdrücklich zu Jesus schickte, damit sie ihn mit eigenen Augen und Ohren erleben konnten.
Sie stellten ihm, als sie Jesus nach langer Wanderung trafen, die entscheidende Frage: „Bist du der angekündigte Messias, oder sollen wir auf einen anderen warten?“
Wie reagierte Jesus? – Da folgt kein Tadel wegen ihres Zweifelns, keine theologische Abhandlung, aber auch keine Ja-oder-Nein-Antwort. Die Methode Jesu ist eine andere: Die Jünger des Johannes sollten sich selbst ein gründliches Bild von ihm machen,
eine eigene Meinung finden, zu der sie dann auch stehen konnten.
Daher sein kluger Rat: Schaut doch genau hin, was hier geschieht. Hier geschieht vor euren Augen praktisches Heil, und das besonders an den Kleinen und Armen.
Und das, was sie da gesehen haben, das sollten sie dem Johannes berichten. – Was Johannes ihnen dann dazu bei ihrem nächsten Besuch sagte, wird im Evangelium gar nicht mehr berichtet. Es ist hier nicht von Bedeutung: der Evangelist Matthäus lenkt unseren Blick sofort auf das, worauf es ihm ankommt, also auf das, was Jesus über Johannes sagt.
Jesus hielt eine richtige Lobrede auf Johannes, den großen Propheten. Aber er machte auch gleich klar: im Himmelreich geht es nicht um die Größe des Menschen, die er auf Erden hatte – im Himmelreich ist selbst der Kleinste größer als jeder Mensch auf Erden. - Das soll heißen: im Himmel gelten allein Gottes Maßstäbe. Dort wird jeder, der in unseren Augen vielleicht ganz klein ist, von Gott selbst groß gemacht, in barmherziger Liebe als Gotteskind willkommen geheißen und angenommen. - Was für ein schöner Gedanke!

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