31.01.2010

Darstellung des Herrn - 02.02.2010

Mal 3,1-4
Hebr 2,11-12.13c-18
Predigt zum Evangelium:
Lk 2,22-40


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Evangelium Lk 2, 22-40:
Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selber aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.
Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Pénuels, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.

GEDANKEN ZUR PREDIGT:

Der alte Mann und das Heil

Vielleicht kennen Sie den Witz schon?
Ein Mann betet ganz verzweifelt zu Gott: „Lieber Gott, lass mich doch bitte auch mal einen Sechser im Lotto haben!“ So geht das Woche für Woche, Monat für Monat, ein ganzes Jahr lang. Der Mann hat wirklich Ausdauer: „Lieber Gott, lass mich doch endlich auch mal einen Sechser im Lotto haben!“ - Da verliert Gott wohl die Nerven und antwortet dem energischen Beter: „Gib mir bitte eine faire Chance – besorge dir endlich mal einen Lottoschein!“

Wir haben verstanden. Um etwas gewinnen zu können, muss man erst einmal etwas investieren, etwas riskieren. Wer zu einem bestimmten Ziel gelangen will, der muss sich auch tatsächlich auf den Weg machen.
Im heutigen Evangelium haben sich gleich mehrere auf den Weg gemacht. Da sind zuerst einmal Maria und Josef mit dem neugeborenen Jesus. Nach einer vorgeschriebenen Warte-
zeit war damals für alle Wöchnerinnen eine Art Reinigungs-
Ritus nach dem Gesetz des Mose vorgeschrieben.
Erst danach durften sie wieder am normalen gottesdienst-
lichen Leben ihrer Gemeinde teilnehmen. Maria und Josef machen sich also auf den für die junge Mutter mühsamen Weg nach Jerusalem hinauf. Im Tempel wollen sie das Kind zugleich Gott weihen. Das war damals ebenso üblich: Jeder männliche Erstgeborene sollte dem Herrn geweiht sein.
Kein Kind ist Besitz der Eltern. Es ist stets auch Gottes Kind, Gottes Schöpfung.

Maria und Josef wollen keine Extra-Wurst für Jesus. Sie tun genau das, was Tausende anderer junger Eltern tun. Sie hal-
ten sich strikt an die religiösen Vorschriften ihres jüdischen Glaubens. Sie machen sich auf den Weg wie alle. Sie bringen im Tempel auch ein Opfer dar wie alle anderen. Für die wohl-
habenderen Leute war dies ein Lamm, für die ärmeren zwei junge Tauben. Maria und Josef opfern also die Tauben.
Den anstrengenderen Teil ihres Weges werden sie danach noch vor sich haben, die etwa 100 Kilometer von Jerusalem nach ihrem eigentlichen Wohnort Nazareth. Mindestens vier Tagesmärsche muss man dafür einkalkulieren, für die noch geschwächte Mutter wahrlich kein Zuckerschlecken!
Doch Maria und Josef tun alles, um die Vorschriften und damit Gottes Gebote zu erfüllen. Das ist für sie gar keine Frage. Ihnen wird nichts geschenkt, und dem kleinen Jesus auch nicht. Sie wollen ein normales Leben führen, so gut das unter der Besatzungsmacht der Römer eben möglich ist.
Doch erst einmal erreichen sie gerade das Innere des Tempels. In der großen Halle herrscht Betriebsamkeit.
Viele Beter überall, die meist halblaut beten. Dazu Priester, die in verschiedensten Anliegen von Gläubigen angesprochen werden. Auch einige andere Neugeborene werden gerade den Priestern vorgestellt. Maria und Josef gehen auf den nächsten Priester zu, doch da werden sie plötzlich gestoppt.

Ein alter Mann hält sie an. Dieser alte Mann hat sich auch auf den Weg gemacht. Er heißt Simeon und ist oft im Tempel. Simeon kommt nicht zufällig gerade jetzt dorthin. Im Evan-
gelium heißt es ausdrücklich, dass er vom Geist in den Tempel geführt wurde. Simeon ist ein besonderer Mann. Er ist zwar alt an Jahren, aber nicht des Lebens müde. Er ist zwar mit den Jahren immer gebrechlicher geworden, aber das spielt für ihn nur eine geringe Rolle. Simeon hat ein Ziel vor Augen. Simeon weiß, was er will. Sein ganzes Leben hat er das gewusst. Wie viele andere fromme Juden vor und mit ihm hat er immer auf den kommenden Heiland gehofft, auf den Messias, den Erlöser aller Menschen.

Aber es ist etwas Besonderes mit Simeon. Während andere so nebenbei mehr oder weniger hoffen und sich im Alltag recht nett eingerichtet haben, macht Simeon nichts anderes. Sein Leben dreht sich nur um diese Hoffnung. ...

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26.01.2010

4. Sonntag im Jahreskreis - 31.1.2010


Jes 1,4-5.17-19
1 Kor 12,31 - 13,13
Predigt zum Evangelium:
Lk 4,21-30

Evangelium Lk 4,21-30:
In jener Zeit begann Jesus in der Synagoge in Nazaret darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?
Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.
Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.


GEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:

Mordversuch in Nazareth

„Das ist ja unerhört! Eine solche Frechheit schlägt dem Fass wirklich den Boden aus!“
Ich wünsche es Ihnen nicht, aber wahrscheinlich haben Sie leider auch schon mal einen triftigen Grund gehabt, sich ganz entsetzlich über einen Zeitgenossen aufzuregen. Dann entweicht einem vielleicht in der ersten Wut dieser Satz, der hier am Anfang steht. - Man lässt sich gewiss so Manches gefallen, aber was zuviel ist, ist zuviel.

Wie wir gerade von Lukas im Evangelium erfahren haben, hat sich in der Synagoge von Nazareth ausgerechnet während eines Sabbatgottesdienstes auch eine Situation entwickelt, in der die aufgewühlte Volksseele heftig ins Kochen gerät.
Dabei fing alles so rundherum erfreulich an. Schon vom Evange-
lium des vorigen Sonntags wissen wir, dass der inzwischen schon recht berühmt gewordene Jesus in seiner Heimat-
gemeinde Station macht und im Sabbatgottesdienst nicht nur vorliest, sondern das Prophetenwort auch auslegt. Der Gesalbte des Herrn wird da angekündigt, der alles Unheil beseitigt und ein Gnadenjahr ausruft.
Und wir erinnern uns auch an die Auslegung Jesu, die kürzeste Predigt, die denkbar ist. Er sagt einfach nur: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“
Da ist die Lage im Raum noch erstaunlich entspannt; ja, man klatscht sogar Beifall. Gut gemacht, Jesus! - Wir freuen uns, dass unser Nazareth nun auch mal positiv bekannt wird.
Bisher hieß es bei den Bewohnern im Landstrich Galiäa immer bloß: „Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen?“, aus diesem mickrigen Dorf am Ende der Welt, abseits der wichtigen Handelsstraßen (vgl. auch Joh 1,46). - Der aramäische Ausdruck „nazor“ für „Fürst“ oder „Krone“ im Wort „Nazareth“ weist wohl darauf hin, dass hier vor langer Zeit einmal ein Zweig der Nachkommen aus dem Hause des Königs David gelebt hat.
Sie wurden aber im Kräftespiel der Politik matt gesetzt und lebten seitdem ziemlich isoliert in Nazareth. Somit war der kleine Ort schon fast gleichbedeutend mit Langeweile und Erfolg-losigkeit.

Doch von Jesus hat sich auch in seinem Heimatdorf herum-
gesprochen, dass er z.B. in Kafarnaum „so große Dinge getan“ hat, wie es im Evangelium heißt. Nun, da er gerade mal zu Hause in Nazareth ist, staunt man erst einmal darüber, was aus diesem Sohn des Dorfes mittlerweile geworden ist. Schließlich hatte man ihn bis vor wenigen Wochen, bis zu seinem 30. Lebensjahr, nur als Bau-
handwerker und Zimmermann in Erinnerung – ihn, den Sohn Josefs, wie er hier genannt wird. Ihr Beifall klingt so ähnlich wie die anerkennenden Worte von Oma, die Besuch vom Enkel bekommt: „Na, du hast dich aber gut gemacht, mein Junge!“
So hoffen die Leute in Nazareth natürlich erst einmal darauf, dass sie heute bei Jesus etwas Spektakuläres erleben dürfen, ein Wunder vielleicht.
Anhand des Evangeliums kann man den Zeitpunkt nicht genau festmachen, wann die Stimmung kippt. Jedenfalls fühlt Jesus sich von ihnen bedrängt und genötigt. Im Evangelium hören wir Jesus sprechen: „Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!“
Wir spüren geradezu ihr aufdringliches, forderndes Verhalten. Sie erwecken bei Jesus den Eindruck, sie wollten jetzt und hier ihren Rechtsanspruch auf ein Wunder betonen. Sie sind ja schließlich nicht nur fromme Juden, die die Gebote genau beachten. Nein, sie als Leute aus dem selben Ort haben ganz selbstverständlich auch noch gute Beziehungen zu einem Wunderrabbi.
Sie erwarten einfach, dass er ihnen mal demonstriert, was er kann, was er an Machttaten so drauf hat. Den Gefallen ist er ihnen schon schuldig; und erst danach sehen wir weiter, ob du der bist, der du sein möchtest! Die Leute in den Nachbarorten werden staunen über Nazareth! ...

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24.01.2010

200 000 Besucher - ich sage "DANKE" !


Meine Website-Statistik zeigt mir an, dass gerade nach knapp zwei Jahren "PREDIGTGARTEN" die Zahl von 200.000 Besuchern erreicht wurde - ich bin (fast) sprachlos...
Ein private katholische Predigtseite, dazu ein Hobby-Projekt.
Nie hätte ich solch ein Interesse für möglich gehalten! Sogar im Vatikan gibt es Leser, und im Erzbistum München wird meine Seite für die Priester-ausbildung empfohlen.
Im Jahresdurchschnitt schauten sich täglich 154 Besucher meine Seite an. Allein gestern waren es z.B. 369,
die zusammen mit der Fortsetzungsseite "Mehr Predigtgarten" 933 mal eine Seite anklickten und im Durchschnitt fast 12 Minuten auf der Seite blieben. - Da wird offensichtlich tatsächlich gelesen...!
Nicht mitgerechnet sind die derzeit 427 Abonnenten, die wöchentlich kostenlos per E-Mail mit den Texten und Linktipps versorgt werden. So kamen bisher immerhin ca. 38.400 verschickte E-Mails zusammen.

Allen Leserinnen und Lesern für das Vertrauen ein ganz "dickes" Danke,
ein Dank auch an "google" für das kostenlose Blog -
und vor allem ein ganz besonderer Dank dem gütigen Gott!

Mit einem herzlichen Gruß
Ihr Predigtgärtner

19.01.2010

3. Sonntag im Jahreskreis C - 24.1.2010

Neh 8,2-4a.5-6.8-10
1 Kor 12,12-14.27 (Kurzf.)
Predigt zum Evangelium:
Lk 1,1-4; 4,14-21


Evangelium Lk 1,1-4; 4,14-21:

Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren.
Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du
dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.
In jener Zeit kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
Dann schloß er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.


GEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:

Zweiteiler

1962 sollte die amerikanische Sonde „Venus Mariner“ die Oberfläche des Planeten Venus erforschen. Doch das 18,5 Millionen Dollar teure Stück raste am Ziel vorbei und verschwand auf Nimmerwiedersehen in den unendlichen Weiten des Weltraums. Die kleine Ursache mit großer Wirkung:
Ein läppischer Komma-Fehler in der Programmierung des Bordcomputers!
Und Anfang dieses Jahres versagten in Deutschland fast 30 Millionen EC- und Kreditkarten, weil der Chip infolge eines Programmierfehlers die Jahreszahl 2010 nicht verarbeiten konnte. Mit einigen Tricks konnte erst nach mehreren Tagen Abhilfe geschaffen werden. Alle Bankautomaten mussten mit verbesserter Software neu gestartet werden.
Der Neustart, in dem es im heutigen Evangelium geht, war dagegen von Gott z.B. durch den Propheten Jesaja schon lange angekündigt worden. Lukas schildert es im ersten Kapitel seines Evangeliums, wie wir gleich noch näher erfahren werden.

Doch zuerst einmal ist interessant, dass Lukas als einziger Schreiber seinem Evangelium eine Art Vorwort vorausschickt. Dadurch können wir uns etwas in seine Arbeit hineinversetzen, die uns im jetzigen kirchlichen Lesejahr C als sonntäglicher Evangelientext immer wieder begleiten wird.
Ganz am Anfang stellt er klar, dass er nicht der Einzige ist, der ein Evangelium geschrieben hat: „Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat.“ Doch der Heidenchrist Lukas, vermutlich ein Arzt und ein persönlicher Freund des Apostels Paulus, will es ganz genau wissen. Und darum schreibt er, habe er sich „entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nach-
zugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben.“

Lukas legt also großen Wert darauf, dass er geradezu mit wissen-
schaftlicher Sorgfalt, ganz akribisch, wie es im Urtext heißt, an seine Aufgabe herangegangen ist. Er ist viel herumgereist, hat zahlreiche Quellen studiert und hat sich dann entschieden, selbst auch ein Evangelium über das Leben und Wirken Jesu zu verfassen. So finden sich nur in seinem Evangelium einige Überlieferungen, die wir von Mätthäus, Markus und Johannes nicht kennen. Dazu gehört z.B. das Gleichnis vom barmherzigen Samariter und das Gleichnis vom verlorenen Sohn.
Es ist Lukas offenbar ein wichtiges Anliegen, dem ersten Empfänger Theophilus ein Werk vorzulegen, das diesen „von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen“ soll, in der dieser schon „unterwiesen“ wurde.

Über Theophilus wissen wir leider wenig. Man vermutet, dass es sich um einen hohen römischen Beamten gehandelt hat, der in Antiochia als einer der einflussreichsten Männer der Stadt lebte. Lukas verwendet die Anrede „hochverehrter Theophilus“ nicht einfach so, zumal sie im Urtext eigentlich „erlauchter Theophilus“ heißt – eine Anrede, wie sie für römische Senatoren und Präfekten damals üblich war. So wie diesen angehenden Christen gab es viele griechische und römische Heiden, die sich von der neuen Lehre angesprochen fühlten und dann von engagierten Christen wie Lukas betreut und unterrichtet wurden.
Theophilus ist vielleicht auch einer der finanziellen Förderer des jungen Christentums, die z.B. ihr Haus für Versammlungen zur Verfügung stellten, kräftig für Bedürftige spendeten oder Geld für das mühsame und teure Abschreiben von Evangelientexten gaben.

Lukas schildert ihm aber nicht nur, wie gut Jesus überall ankommt. Ganz bewusst gehört dazu auch, wie es Jesus in seinem Heimatort Nazareth ergeht, als er dort predigt. Jesus „ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge“, erfahren wir
zu Beginn der Szene.
Der Sabbat ist nicht bloß ein freier Tag, an dem man mal ausspannen und faulenzen kann. Für gläubige Juden ist er ausdrücklich ein von Gott gebotener heiliger Tag. Man kann sagen, dass man die ganze Woche über auf diesen Tag der geschenkten Freiheit hinlebt. Fester Bestandteil der Sabbat-Tradition ist natürlich auch der Besuch der örtlichen Synagoge. Daher also auch die Formulierung, dass Jesus „wie gewohnt“ dorthin ging.
Der über zweistündige Hauptgottesdienst am Sabbatmorgen umfasst zahlreiche Gebete und Lesungen nach einer festen Ordnung. Dazu gehört auch, dass jeder männliche Jude über
13 Jahren zu den Vorlesern der vorgesehenen Heiligen Schriften gehören darf. Auch eine kurze Auslegung, eine Deutung des vorgetragenen Schriftwortes, ist jedem Vortragenden erlaubt, sofern er das möchte.

Heute reicht der Synagogendiener die Schriftrolle mit der Prophetenlesung an Jesus. Ist es Zufall oder doch wohl eher Gottes Fügung, dass Jesus gerade diese Worte des Propheten Jesaja zum Vorlesen aufrollt? - „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Ent-
lassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“

Lukas macht es ganz schön spannend. Auch zum besseren Verständnis für Heidenchristen, die den Sabbat nicht kennen, schiebt er folgenden Satz dazwischen, bevor Entscheidendes passiert: „Dann schloss er das Buch, gab es dem Syna-
gogendiener und setzte sich.“

Jesus setzt sich also. In diesem Falle bedeutet das: Er nimmt
die typische Position eines Lehrers ein. Er will und wird gleich etwas zur soeben gehörten Schriftlesung sagen. Wir stellen uns mal vor, was in diesem Augenblick in der Synagoge von Naza-
reth los ist. Man könnte eine Stecknadel fallen hören, so still ist es...

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18.01.2010

Die Erde bebt - und Gott auch?

Die schrecklichen Bilder von den Folgen des Erdbebens brennen sich schmerzhaft in unser Gedächtnis ein. Tausende und Abertausende von Toten in Haiti, und dann noch Leid und Not ohne Ende. Menschen, die verletzt oder verstümmelt sind, Menschen, die alles verloren haben. Jedes dieser Leben ein unersetzbarer Verlust, jeder Tote ein Toter zuviel.
Verständlich, wenn da die Frage aus wütenden Menschen herausgeschleudert wird: „Wo warst du in Haiti, Gott?“
Bei Wirbelstürmen und beim Tsunami begegnete uns diese Frage auch schon in großen Lettern, mit auflagensteigernden Bildern des Grauens in Großaufnahme. Immer, wenn ein gewaltiges Schreckens-Ereignis die öffentlichen Scheinwerfer für ein paar ergiebige Tage herbeilockt, wird in Sonder-
sendungen diskutiert, und auch da wird lauthals gefragt: „Wo warst du, Gott?“


Im Grunde ist diese Frage ja wirklich diskussionswürdig. Schon immer haben die Menschen unter unsäglichem Leid gelitten und ihr Leid auch Gott geklagt, wie uns z.B. Hiob im Alten Testament so dramatisch zeigt. - Warum gibt es Hunger, entsetzliche Kriege, grausame Krankheiten und alles andere Elend dieser Welt?
Wie kann ein Gott der Liebe nur die Qualen so vieler leidender Menschen zulassen? Warum greift er da nicht ein? Kann er nicht oder will er nicht?
Dicke theologische Bücher sind darüber geschrieben worden, und auch im Internet gibt’s Erklärungsversuche.

An dieser Stelle kann und will ich nur den öffentlichen professionellen Rufern eine kleine Gegenfrage stellen, und die heißt: „Und wo wart ihr?“
Wo wart ihr Menschen, als man Land und Leute von Haiti viele Jahre bis auf die Knochen ausgebeutet hat? Wo wart ihr, als es darum ging, stabile, erdbebensichere und menschenwürdige Wohnungen zu bauen?
Wo wart ihr und wo seid ihr, wenn Hunderttausende von Kindern im Mutterleib sterben müssen?
Wo wart ihr und wo seid ihr, wenn auch heute noch trotz unglaublichem Wohlstand jeden Tag Tausende von Kindern weltweit an Hunger sterben? - Eure täglichen aufrüttelnden Berichte darüber habe ich schmerzlich vermisst!

Ihr wisst sehr wohl, wie sich diese Liste leider ganz mühelos um viele Tragödien fortsetzen ließe, bei denen der Mensch mit oder ohne Absicht des anderen Menschen Leid zumindest mit verursacht hat. Ich will das Leid beileibe nicht kleinreden, ganz im Gegenteil. Oft genug ist es himmelschreiendes Unrecht, was auf dieser Erde geschieht oder auch unterlassen wird.


Bei euch, die ihr öffentlich so laut ruft, vermisse ich nur zum Teil die Redlichkeit.
Und ich höre euch auch nicht lauthals bei Gott klagen, wenn es euch im Gegen-
satz zu anderen so richtig gut geht. - Warum lässt Gott das zu, dass es für euch und mich reichlich genug zum Leben gibt, von der Nahrung über die schöne warme Wohnung bis hin zum Auto. Sollte Gott da nicht für gerechten Ausgleich sorgen und euch und mir mal rasch die Hälfte wegnehmen?
Ich höre euch auch nicht jammern, dass ihr in einer sauberen Welt leben dürft, mit guter medizinischer Versorgung, mit guten Bildungschancen für eure Kinder, mit Musik und Kunst und allem, was das Leben einfach schöner macht.
Sollte Gott da nicht einschreiten und uns mal ein großes Kuchenstück von unserem Glückskuchen wegnehmen, damit wir mal spüren, wie das ist, am falschen Ort der Erde geboren worden zu sein?
Auch hier ließe sich die Liste mühelos fortsetzen, wie ihr selbst wisst. Also bitte ein wenig mehr Fairness bei Vorwürfen an den liebenden Gott, wenn ich bitten darf!



11.01.2010

2. Sonntag im Jahreskreis C - 17.1.2010

Jes 62,1-5
1 Kor 12,4-11
Predigt zum Evangelium:
Joh 2,1-11


Evangelium Joh 2,1-11:
In jener Zeit fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder faßte ungefähr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm. Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wußte nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wußten es. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zuviel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.


GEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:

Traumhochzeit


Das ist im Berufsleben so, in der Politik und auch im Sport: Führungskräfte nutzen gute Helfer, die ihnen fleißig zuarbeiten. So manche Sekretärin hält ihrem Chef den Buckel frei, indem sie ihm den Kleinkram vom Hals hält. Im Radsport gibt es die sogenannten „Wasserträger“.
Das sind Rennfahrer, die die Stars ihres Teams während des kräftezehrenden Rennens streckenweise in ihren Wind-
schatten nehmen oder mit Getränken versorgen. Alle Favoriten nehmen diese Hilfe aus dem Hintergrund dankbar in Anspruch.

Auch Jesus greift immer wieder gerne auf Menschen zurück, die ihm helfend zur Seite stehen, die auch ihren Beitrag leisten können, wenn es um praktische Hilfe für die Mitmenschen und für das Reich Gottes geht. Das ist bei vielen Wundern so, z.B. auch bei der wunderbaren Brotvermehrung, wo am Anfang ein Junge steht, der seine Brote und Fische hergibt.
Heute dürfen wir bei einer Hochzeitsfeier in Kana dabei sein, und auch da spielen die Helfer, die Diener, eine wichtige Rolle. In diesem Falle sind es Wasserträger im wahrsten Sinne des Wortes, die dem Wort Jesu gehorchen und die großen steinernen Wasserkrüge wieder mit Wasser auffüllen.
Solche riesigen Krüge mit jeweils etwa 100 Litern Fassungsvermögen wurden damals üblicherweise aufgestellt, damit die Hochzeitsgäste sich rituell reinigen konnten, wie es den jüdischen Vorschriften entsprach. Wenn bei der Hochzeit im heutigen Evangelium inzwischen sechs dieser Krüge leer waren, also die Wassermenge von vier Badewannen, kann man sich ausrechnen, dass es sich hier um eine Hochzeitsgesellschaft mit zahlreichen Gästen handelte.

Das ist auch nicht ungewöhnlich, denn eine Hochzeit war damals eine Riesenfeier für das ganze Dorf. Außerdem nahmen Verwandte und Bekannte aus nah und fern daran teil. Da kamen locker einige hundert Festgäste zusammen, um das große Ereignis gebührend zu feiern. Ein solches Hochzeitsfest dauerte bis zu sieben Tage. Traditionell kam der Bräutigam mit vielen Freunden irgendwann im Laufe des ersten Abends zum Haus der Brauteltern, wo ihnen die Brautjungfern im Lichte von Fackeln entgegen gingen. Das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen (Mt 25,1-13) erinnert daran.
Doch man wusste natürlich nicht so genau, wann der Hochzeitszug bei der Braut eintraf, um sie zum Fest abzuholen. Da war es ein Gebot der Klugheit, stets genügend Ölvorrat für die Lampen dabei zu haben, wenn man sich nicht blamieren wollte. In der Dunkelheit zog dann die Aufsehen erregende Prozession mit Musik und dem festlich geschmückten Braut-
paar im Schein der Fackeln durch das ganze Dorf zum Hochzeitssaal, wobei sich immer mehr Festgäste anschlossen.

Es versteht sich von selbst, dass solch ein großes Fest guter und monatelanger Vorbereitung bedurfte. Es war Ehrensache für jedes junge Paar, das schönste Fest ihres Lebens so gastfreundlich wie möglich zu gestalten. Dafür verschuldete man sich für viele Jahre, denn jetzt durfte es an nichts fehlen. Wenn da etwas misslang, wäre man sicher noch für die nächsten zehn Jahre Gesprächsthema im Dorf.
Damit es ein rauschendes, unvergess-
liches Fest werden konnte, war nicht nur an Essen und Trin-
ken zu denken, sondern auch an genügend bezahlte Helfer, an Musiker und vieles mehr. Es verstand sich aber auch von selbst, dass Nachbarn und Freunde das junge Paar durch abgesprochene Mithilfe z.B. bei der Zubereitung von Speisen unterstützten.

Im heutigen Evangelium ist das Fest gerade im Gange.
Nicht nur Maria gehört zu den ausdrücklich eingeladenen Festgästen in Kana, das etwa 13 Kilometer von Nazareth entfernt ist, sondern auch Jesus und seine Jünger. Sicher wird auch reichlich Wein ausgeschenkt, denn das gehört in Israel einfach unbedingt zum Feiern dazu. Der Wein steht nicht nur für fröhliche Geselligkeit fernab von den Sorgen des Alltags, sondern er steht für die Leichtigkeit, für die Beschwingtheit des Festes überhaupt. Ohne einen schönen Wein ist das Fest einfach nicht denkbar.

Damit die ganze Veranstaltung auch „wie geschmiert“ läuft, ist der Bräutigam für die Organisation verantwortlich. Um aber selbst feiern zu können, überträgt er diese Aufgabe meist an einen guten Freund, der sich um alles zu kümmern hat. Heute würde man vielleicht sagen, der ist jetzt der Veranstaltungs-Manager.
Was der an diesem Abend noch gar nicht mitgekriegt hat, das hat jemand anderes schon gut beobachtet. Vielleicht hat Maria eine gewisse Nervosität bei den Dienern und Kellnern beobachtet und mal genauer hingehört. Wie dem auch sei - der absolute Notfall ist eingetreten, der Alptraum für eine Feier schlechthin: es ist kein Nachschub an Wein mehr da!
Maria ahnt es: Die Blamage für das Brautpaar wird riesengroß sein. Die Festgäste werden auf dem Trockenen sitzen. ...

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05.01.2010

Taufe des Herrn (C) - 10.01.2010

Jes 42,5a.1-4.6-7 oder Jes 40,1-5.9-11
Apg 10,34-38 oder Tit 2,11-14
Predigt zum Evangelium:
Lk 3,15-16.21-22


Evangelium Lk 3, 15 - 16; 21 – 22:

In jener Zeit war das Volk voll Erwartung, und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.


GEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:

Wasserzeichen

Sie kennen das auch: Manchmal steht man irgendwo in einer Schlange, und es geht nur schleppend voran. Solche Staus kennen wir von der Auto-
bahn, aber auch von Besuchen bei Behörden oder manchmal vor der Kasse im Supermarkt.
Einen Stau gab es sicher auch vor Johannes dem Täufer im heutigen Evangelium. Wir können uns recht gut vorstellen, wie das damals war: Scharenweise strömen die Menschen zu ihm an den Jordan, um ihn zu hören und sich von ihm taufen zu lassen. Diese vielen Menschen haben weiß Gott keinen Sonn-
tagsspaziergang hinter sich, sondern drei bis fünf Tages-
märsche mit Gepäck - und das quer durch die Einöde, bis sie endlich bei Johannes angekommen sind.

Warum tun die Menschen das? Warum nehmen sie freiwillig solche Strapazen auf sich? Warum opfern sie so viel Zeit (sie müssen schließlich auch wieder drei bis fünf Tage zurück)? Warum begeben sie sich freiwillig in die Gefahr, unterwegs überfallen und verletzt zu werden?
Da muss der Anlass schon sehr, sehr wichtig für sie sein!
Im Evangelium finden wir einen Hinweis, denn es heißt dort:
„In jener Zeit war das Volk voll Erwartung und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.“
Da haben wir also ihr Haupt-
motiv, den Grund für ihr Handeln: eine ganz große Sehnsucht ist im Volk, dass endlich der Messias kommen möge, der in den Heiligen Schriften des Alten Testa-
mentes angekündigt ist. Im Adventslied „O komm, o komm, Emmanuel, mach frei dein armes Israel“ klingt diese Stimmung recht gut an. Diese Sehnsucht, diese große Hoffnung ist es, die die Menschen antreibt. Und dieser faszinierende Prediger in der Wüste, der könnte vielleicht schon der Messias sein – so denken jedenfalls viele.

Doch diese Menschen denken nicht nur, sondern sie unter-
nehmen auch konkrete Schritte im wahrsten Sinne des Wortes. Mit diesen anstrengenden Schritten wollen die meisten auch Buße tun und ihr Leben wirklich und ehrlich ändern.
Sie packen die nötigsten Sachen und machen sich auf den Weg zu diesem Bußprediger, zumeist in Gruppen von Pilgern, um die Gefahren unterwegs zu mildern.

Auch heute steht wieder eine fast nicht enden wollende Menschenschlange vor Johannes. Der hat mit dem Taufen alle Hände voll zu tun. Doch vor der Taufe ist ihm eine Klarstellung wichtig, und das predigt er ganz eindringlich den Leuten, wie wir gehört haben: „Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren…“
Johannes lebt ganz in dieser Erwartung. Er sieht sich nur als Vorboten, als Wegweiser zum Messias, mit dessen Ankunft er jederzeit rechnet.

Heute ist dieser Tag gekommen, an dem er tatsächlich vor ihm stehen wird. Doch wer da einen ganz spektakulären Auftritt Jesu erwartet hat, der wird jetzt gründlich enttäuscht. Jesus ist in einer der Gruppen mitgewandert, und nun steht auch er in der langen Schlange und wartet ganz geduldig, bis er an der Reihe ist. Von Nazareth aus hat Jesus fünf Tage des Wanderns hinter sich, und das sind auch fünf Tage des Nachdenkens und des Gebetes.
Noch nicht einmal im Schritt-Tempo geht es die letzten hundert Meter voran. Johannes nimmt sich viel Zeit, und er schenkt jedem Täufling diese kostbare Zeit. Zu gerne hätten wir heute gewusst, was er da jedem noch einmal persönlich an guten Worten mit auf den Weg gibt…!

Meter für Meter kommt auch Jesus in der sengenden Sonne voran. Er könnte jetzt seine Beziehungen spielen lassen, denn schließlich kennen sich Johannes und Jesus doch gut von zahlreichen Verwandtschaftstreffen. Er könnte einfach an den Leuten vorbeiziehen, Johannes herzlich begrüßen und etwas mit ihm plaudern. Doch genau das geschieht eben nicht. ...

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02.01.2010

Erscheinung des Herrn / Hl. Drei Könige - 06.01.2010

Jes 60,1-6
Eph 3,2-3a.5-6
Predigt zum Evangelium:
Mt 2,1-12


Evangelium Mt 2,1-12:

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammen-kommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.
Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

GEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT:

Sternstunden

Bei König Herodes schrillten ge-
rade sämtliche Alarmglocken: seine Spione hatten ihm gemeldet, dass sich da drei gut gekleidete Herren seinem Palast in Jerusalem näherten und die Menschen nach einem neugeborenen König ausfragten. Herodes war dafür bekannt und gefürchtet, dass er als Herrscher nicht gerade zimperlich war. Sogar vor der eigenen Familie machte er da keinen Halt: seine Frau Mariamme sowie die Söhne Alexandros und Aristobulos ließ er etwa 7 v.Chr. hinrichten, weil er Konkurrenz fürchtete. Und um ein weiteres Beispiel zu nennen: später, kurz vor seinem Tod, ließ er die angesehensten jüdischen Männer in der Rennbahn von Jericho einschließen. Bei seinem Tod sollten sie dort ermordet werden (sie wurden allerdings befreit). Der Grund: auf diese Weise wollte er erreichen, dass die Juden bei seinem Begräbnis auch wirklich weinen würden…

Doch jetzt erst einmal „erschrak er“, wie es im heutigen Evangelium heißt. Sein politischer Instinkt warnte ihn: das konnte Ärger geben! - Da er kein Jude war, rief er Hohepriester und Schriftgelehrte eilig zusammen, um zu erfahren, was denn in den heiligen Schriften zur Geburt eines neuen Königs vermerkt war. Ihn interessierte vor allem der Geburtsort, denn er hatte da so eine Idee, um auch dieses Problem auf seine Art zu lösen…
Mit ihm „erschrak ganz Jerusalem“, heißt es. Damit ist die geistige Elite der Stadt gemeint: sie kannten ihn nur zu gut und konnten sich leicht ausmalen, dass sein Zorn nichts Gutes für das Volk bedeutete…

Herodes wollte die neugierigen Besucher unter seine Kontrolle bringen, aber un-
auffällig. Deshalb rief er „die Sterndeuter heimlich zu sich“ und ließ sich ihre seltsame Geschichte haarklein erzählen. Und das war wenig beruhigend für ihn: diese vornehmen Herren, von denen wir in der Bibel weder ihre Anzahl noch ihre Namen erfahren, hatten einen weiten und beschwerlichen Weg hinter sich. Weder die Gefahr von Überfällen noch von Gefahren der Wüste hatte sie von ihrer Suchaktion abbringen können.
Sie waren nicht irgendwer, sondern sehr angesehene Wissen-
schaftler aus dem Osten, die durch eine äußerst ungewöhnliche Sternen-Erscheinung sicher waren, dass dies nur die Geburt eines ganz mächtigen Herrschers anzeigen konnte. Damals standen Sterndeuter hoch im Kurs; viele Könige ließen sich von ihnen vor wichtigen Entscheidungen beraten. (Heute bestätigt die Forschung übrigens das auffallende Sternbild zu jener Zeit.)

Für die Sterndeuter lag es also nahe, diesen einmaligen neuen Herrscher aufzusuchen – aus wissenschaftlichem Interesse, versteht sich. So eine Gelegenheit gab es nur einmal im Leben! Sie folgten dem Stern – und als sie sich Jerusalem näherten, dachten sie, dass es ja wohl am logischsten ist, einen neuen König im Königspalast zu finden. ...

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