Jes 66,10-14c
Gal 6,14-18
Predigt zum Evangelium:
Lk 10,1-12.17-20
Kurzfassung:
Lk 10,1-9
Evangelium: Lk 10,1-9 (Kurzfassung)
In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.
Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe!
Grüßt niemand unterwegs!
Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, eßt und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!
Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so eßt, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.
Ite, missa est!
Insbesondere Familien mit kleinen Kindern ist das Problem leider bestens bekannt:Will man in Urlaub fahren, ist das Koffer-
packen ein ganz wich-
tiger Punkt. Man will schließlich für alle Eventualitäten gerüstet sein, damit man am Urlaubsort nicht nach-
kaufen muss, was man daheim vergessen hat.
So haben manche Urlauber regelrechte Checklisten angelegt, die jährlich abgehakt und noch verfeinert werden. Die Folge davon ist allerdings, dass manche den Eindruck machen, als nähmen sie den halben Haushalt mit auf Reisen.
Umso schockierender wirkt da das heutige Evangelium. Wir erfahren darin vom Evangelisten Lukas, unter welchen Bedingungen Jesus insgesamt 72 von ihm ausgewählte Jünger auf eine Missionsreise schickt. Zuerst einmal fällt natürlich die Zahl 72 auf, eine ungewöhnlich große Zahl für diesen Zweck. Warum schickt Jesus so viele Leute los, um gewissermaßen als Vorauskommando in die Ortschaften zu gehen, die er demnächst selbst aufsuchen will?
Diese Zahl entspricht genau der zur Zeit des Alten Testamentes
(Gen 10) angenommenen Anzahl aller damals bekannten Völker der Erde. Die Aussageabsicht der Zahl 72 ist damit klar: Gottes Botschaft gilt nicht nur den Juden, sondern der ganzen Menschheit. Ausnahmslos alle sollen hören, was Jesus über das Reich Gottes zu verkünden hat.
Das bestätigt Jesus auch mit der Bemerkung: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“ - Entgegen allem heute oft anzutreffenden Pessimismus für die Zukunft des Glaubens stellt Jesus schon zu Anfang klar, dass die Ernte Gottes groß ist, dass es reichlich Frucht gibt. Nur an Arbeitskräften, an Erntehelfern mangelt es, um die Ernte einzubringen. Also soll man den Herrn der Ernte um noch mehr Arbeiter bitten.
Man überhört oder überliest das leicht: Gleich zu Beginn des Auftrages an die Jünger stellt Jesus etwas ganz Entscheidendes klar: Ihr seid die Helfer, aber ihr seid nicht der Herr dieser Ernte. Das heißt: Alles, was ihr tut, das tut ihr nur als Bote im Auftrage. Ihr habt also auch nicht die letzte Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg eurer Anstrengungen. Nicht eure theologische Ausbildung, euer geschicktes Auftreten oder eure Redegewandtheit sind letztlich ausschlaggebend. Der Ernte-Erfolg liegt letzten Endes in Gottes Hand.
Eine solche Erkenntnisist für die
Helfer Jesu entlastend. Natürlich wird sich jeder an-
strengen und ins Zeug legen, aber man muss sich und seine Arbeit auch nicht zu wichtig nehmen. Wenn man in einem großen Hafen die riesigen Containerschiffe beobachtet, dann sieht man manchmal, wie diese von kleinen Schleppkähnen an ihre Anlegeposition oder aus dem Hafenbecken manövriert werden. Die gewaltigen Schiffsschrauben der Ozeanriesen könnten im engen Hafenbecken große Wellen auslösen. So ziehen die kleinen Schlepper das Schiff nach genauer Anweisung an sein Ziel.
Weisungsgebunden sind sie, und das sind die Jünger Jesu auch. Und diese Weisungen scheinen auf den ersten Blick doch etwas seltsam zu sein. Immer zu zweit sollen sie losgehen. Das ist wohlüberlegt, denn so können sie einander helfen und stützen, und außerdem sind im jüdi-
schen Recht immer zwei Zeugen für eine Aussage nötig.
Doch dann befiehlt Jesus regelrecht: „Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemanden unterwegs!“
Dass der Auftrag nicht ungefährlich ist, das leuchtet ein. Doch nie-
mand soll sich mit den Gegnern Jesu anlegen. Wie Wölfe lauern sie auf Beute, wollen Jesus und seine Anhänger zu Fall bringen.
Die Boten Jesu sollen dagegen bewusst ganz bescheiden auftreten. Die Dienstanweisung Jesu sorgt dafür, dass sie keine Luxus-Missionare sind. Wer weder Geld noch Vorräte dabei hat, der ist
ganz auf gastfreundliche Mitmenschen angewiesen. ...
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