Jetzt ist die Verwirrung fast komplett: Da kursiert seit Tagen vielerorts die Nachricht über ein inoffizielles Dossier im Vatikan, in welchem von großer Besorgnis über die Zustände in der katholische Kirche in Deutschland die Rede sein soll. Eine „konspirative Hierarchie“ wolle hier zeitlich passend zum Papstbesuch im September damit beginnen, Druck auszuüben, um einen deutschen Sonderweg beim Zölibat und anderen Forderungen aus dem Katalog des Theologen-Memorandums „Kirche 2011“ durchzuboxen, heißt es.
Doch möglicherweise ist dieses Dossier, von dem der „FOCUS“ zuerst berichtet hatte, so unglaublich geheim und so extrem inoffiziell, dass im Vatikan niemand davon weiß oder wissen will.
Ich hatte übrigens schon gestern die Vermutung geäußert, dass dieses ominöse Papier vielleicht gar nicht aus dem Vatikan kommt, sondern im Rahmen taktischer Spielchen auf Umwegen direkt von deutschen Schreibtischen. Immerhin stehen wir nicht nur kurz vor dem wichtigen Papstbesuch, bei dem alle Welt auf Deutschland blickt, sondern noch davor findet bereits in wenigen Wochen, am 8. und 9. Juli das Dialogforum der Deutschen Bischofskonferenz in Mannheim statt.
Diese Auftaktveranstaltung, bei der rund 300 Vertreter aus Diözesen, Verbänden, Orden usw. ins Gespräch über den zukünftigen Glaubens-
weg der katholischen Kirche in Deutschland kommen wollen, ist ein wichtiger strategischer Schritt im Rahmen des bei der diesjährigen Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischöfe beschlossenen Dialog-Konzeptes für die nächsten vier Jahre (vgl. „Im Heute glauben. Wort … an die Gemeinden“ >> BITTE HIER KLICKEN !)
Wenn man dies bedenkt, bekommt
das besagte Dossier (ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt) ein ganz anderes Gewicht. Dieser Aufreger könnte nämlich geeignet sein, die Fronten innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands wieder zu verhärten.
Gerade war man endlich dabei, nach dem heftigen Schlagabtausch vom Anfang des Jahres um die Thesen des Memorandums die Wunden zu lecken bzw. etwas Gras über die gegenseitigen Aufgeregtheiten wachsen zu lassen. Das Gesprächsklima für das Dialogforum Anfang Juli war also im Vorhinein als relativ entspannt anzusehen.
Es ist wohl kein Zufall, dass kurz vor diesem Eckstein zum Gebäude des beginnenden Dialogprozesses dieser geistige Sprengsatz hochgegangen ist. Auf den ersten Blick scheint es so, als wenn wahrscheinlich die Konservativen innerhalb der deutschen Kirche ihre Kanäle nach Rom genutzt hätten, um Alarm zu schlagen und den „Reformern“ im Hinblick auf den Papstbesuch und darüber hinaus die übelsten Absichten zu unterstellen. Wie es den Anschein hat, gelangte der „FOCUS“ durch eine ärgerliche Indiskretion an die besagten Informationen und löste damit die Lawine der allgemeinen Empörung aus.
Ob die Verschwörer freilich tatsächlich aus dem Lager der „Konserva-
tiven“ bzw.
„Pro Ecclesia“ kommen, wage ich zu bezweifeln. Zu plump in diese Richtung weisend ist das ganze Vorgehen. - Bei der Kripo würde man wohl sagen, da hat jemand eine bewusst falsche Fährte gelegt.
Nach meinem Eindruck soll es vielmehr darum gehen, zum einen das zarte Pflänzchen des Dialogprozesses in Gefahr zu bringen, und zum anderen, dies den „konservativen“ Kräften in die Schuhe zu schieben.
Die „bösen“ Konservativen unterstellen angeblich den Reformern das bewusste Schüren einer Kirchenspaltung; mit solchen Leuten kann
man dann logischerweise wohl kaum vernünftig in einen fairen Dialog eintreten.
Schaut man sich etwa die aufgeregte Leserdebatte z.B. bei „kath.net“ zu diesem Thema an, gewinnt man tatsächlich den Eindruck, eine Kirchenspaltung über kurz oder lang käme so manchem Frommen im Grunde sogar recht, denn dann wäre endlich wieder Ruhe in den Reihen der Katholiken.
Die Drahtzieher dieser neuen Debatte könnten, da diese Reaktionen leicht vorhersehbar waren, all dies aber auch geschickt einkalkuliert haben. Es wird der Eindruck erweckt, „Reform“-Gegner wehrten sich
nun mit allerlei üblen Tricks gegen die Forderungen im Memorandum „Kirche 2011“.
Wer weiß, ob die Verschwörer nicht ganz woanders zu suchen sind…?!
Mal wieder so ein Stürmchen im katholischen Wasserglas Deutschlands. Haben die keine anderen Sorgen?
AntwortenLöschenEs wäre hilfreich, wenn man den Text irgendwo komplett zu lesen bekäme. Doch leider keine Spur. Kann jemand helfen? - Der Titel erinnert an eine Märchenstunde: "Schneewittchen in der Falle"
AntwortenLöschenEine etwas gewagte These, aber wie es schon im Werbeslogan der Kath. Kirche Deutschlands heißt: Nichts ist unmöglich!
AntwortenLöschenIch kann das Ganze irgendwie nicht beurteilen, aber mir scheint, dass kein halbwegs ehrlicher Memorandums- oder Petitionsunterzeichner das Ganze eingefädelt hat; eine Kirchenspaltung will wohl kaum einer, egal, welcher Position er eher anhängt.
AntwortenLöschenKommentar eines Memorandumsunterzeichners dazu:
http://www.lectiobrevior.de/2011/06/ein-vatikanisches-dossier.html