Viele Heiligennamen stehen in unseren Kalendern, und viele haben so im Laufe des Jahres ihren eigenen Festtag. Das heutige Fest erinnert uns aber daran, dass es viel mehr sind, unfassbar viele, die nach einem vorbildlichen Leben ihren Lohn im Himmel empfangen haben.
Da gibt es eben nicht nur die Giganten unter den Heiligen und Seligen, deren Namen in aller Munde sind, vom heiligen Nikolaus über Franz von Assisi bis hin zu Mutter Teresa aus Indien. Nein, allein die offizielle Liste der Kirche verzeichnet derzeit fast 7.000 Heilige und Selige und weit über 7.000 Märtyrer, von denen ganz zu schweigen, über deren Heiligkeit niemand weiß außer Gott.
Wenn man näher hinschaut, sieht man, dass da eine ganz bunte Schar zusammenkommt. Es gibt sie eben nicht, die Einheitsheiligen nach festem Normmaß. Da gibt es Kinder und Alte, da gibt es Hand-
werker und Priester, da gibt es einfache Menschen und tiefgeistige Mystiker.
Gerade in der Frühzeit des Christentums und in Hitlers Drittem Reich haben viele ihren Glauben nicht verleugnet, sondern sind dafür ins Leid oder gar in den Tod als Märtyrer gegangen. Auch heute noch werden zahlreiche Christen wegen ihres Glaubens in vielen Ländern verfolgt und benachteiligt.
Wir sind immer in der Versuchung, die Heiligen auf einen möglichst hohen Sockel zu heben.
Da stehen sie dann gut. Schön weit weg vom Alltag und für uns unerreichbar. Das hat den Vorteil, dass man die Heiligen als Exoten und irgendwie weltfremde Träumer abtun kann. Unsere Sprache spricht von „seltsamen Heiligen“ und meint damit schrullige Einzel-
kämpfer, fernab von Gut und Böse, fernab von jeder Realität, einfach lebensuntauglich.
Da ist es gut, dass uns das heutige Evangelium wieder auf den Boden zurückholt. Jesus zählt Verhaltensweisen auf, die keineswegs un-
erreichbar sind. Wenn er da z.B. sagt, „Selig, die arm sind vor Gott“, dann heißt das nicht, dass Leute gemeint sind, die keinen Cent mehr in der Tasche haben. Arm sein vor Gott – das heißt doch in erster Linie: Wer sich in aller Demut vor Gott stellt und weiß, dass es nur Gott ist, der meine Leere mit seiner Gnade und Liebe füllen kann, der gehört vor Gott schon dazu zu seiner riesigen Jubelschar.
Wenn man sich die Lebensgeschichten von Heiligen anschaut, dann sieht man bei den meisten nicht nur eitel Sonnenschein. Manch einer von ihnen wurde wegen seines Einsatzes, wegen seines Eifers für Gott sogar in den eigenen Reihen misstrauisch beäugt und belächelt. Einige mussten großes Unrecht erdulden, das ihnen vom Boden-
personal Gottes auf die Schultern gepackt wurde.
Heilige und Selige – das sind Menschen, bei denen zum Teil auch Fehler und Schwächen erkennbar sind. Oft haben sie selbst darunter am meisten gelitten. Heilige sind Menschen wie du und ich, die Vorurteile und Ängste hatten, denen manchmal Informationen fehlten und die Kinder ihrer Zeit waren. Das wird von der Kirche nicht aus-
geblendet oder unterschlagen. Manche von ihnen waren im Umgang auch recht unbequem und sperrig, besonders, wenn sie sahen, wie Menschen gegen Gottes Gebote lebten.
Auch die Versuchung kannten sie, und von vielen Heiligen weiß man, dass sie sogar häufig furchtbar unter dem Gefühl der Gottesferne litten. Nach dem Tod fand man zum Beispiel ein Tagebuch von Mutter Teresa in Indien und war bestürzt, wie oft sie dort nieder-
geschrieben hatte, sich von Gott ganz und gar verlassen zu fühlen. Aber sie hat eben nicht alles hingeschmissen, sondern sie ist wieder und wieder durch solche dunklen Tunnel gegangen, bis sie das Licht sah.
Heilige – das müssen nicht immer Supermänner und Superfrauen sein. Aber es sind Menschen, denen die große Sehnsucht nach Gott nicht abhanden gekommen ist. Menschen, die mit ihrem Leben dafür ein-
stehen, was sie glauben. Heilige sind wie weithin sichtbare Wegweiser. Sie wissen, wo es lang geht. Den anderen zeigen sie die Richtung an. Nimm diesen Weg, geh daher, ich kann dir das nur empfehlen, denn das ist ein Weg, der zu Gott führt!
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Danke für den Hinweis auf die große Vielfalt der Heiligen! Ich hab drauf verlinkt.
AntwortenLöschenHerzliche Grüße!
Herzlichen Dank dafür und ebensolche Grüße!
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