31.01.2012

Kirchliche Segnung am Valentinstag: Ja oder lieber doch Nein?

Valentinstag:
dem einen schwillt schon der Kamm, wenn er das Wort auch nur hört, der andere nimmt den Tag als willkommenen Anlass für einen lieben Gruß.
Wie aber sollte es
die Kirche mit dem Valentinstag halten?
Ist es z.B. zu begrüßen, dass an diesem Tag in den Kirchen Segens-
feiern für Liebende angeboten werden?
Oder ist das nur ein abzulehnendes Anbiedern an einen vom Kommerz geschürten Trend des Zeitgeistes?
Vielerorts wird dies in kirchlichen Gremien diskutiert. Die öster-
reichische Bischofskonferenz hat im Februar 2005 gar Leitlinien für solche Segensfeiern herausgegeben und zum Beispiel die Ehepaare unter den Teilnehmern eingeladen, bei dieser Gelegenheit ihr Ehe-
versprechen zu erneuern. Der Valentinstag biete sich für die Kirche
als Chance an, der „Sehnsucht vieler Paare nach Gottes Schutz und Segen entgegen zu kommen“, heißt es wörtlich in den Leitlinien.
Erfahrungsgemäß steckt der Teufel aber immer im Detail, und so ist
es auch hier. Wenn z.B. eine „Segensfeier für mancherlei Liebende“ oder eine „Segnung der Liebenden“ angeboten wird, verrät dies manchem noch nicht den „Sprengstoff“, den die Feier enthält: Ausdrücklich eingeladen und willkommen sind da z.B. auch homo-
sexuelle Paare und geschiedene Wiederverheiratete.
Gedanken sollte man sich schon darüber machen, bevor man solch eine Veranstaltung plant oder besucht. So geschah es 2006 in Wien, dass ein schwules Paar ganz begeistert mit seinen Eindrücken von einer solchen Segensfeier im Stephansdom an die Öffentlichkeit ging: „Wir gehen nach vorne…Wir sind das erste schwule Paar, das vor die Stufen des Altars tritt. Der Priester lächelt uns an…Ich fühle mich dabei sehr an das Ritual der Vermählung erinnert…“
Damit wären wir mal wieder bei der Diskussion um Kirche und Homo-
sexualität angelangt. Der Papst z.B. hat nicht nur in seiner ersten Enzyklika „Deus caritas est“ klar Position bezogen, sondern immer wieder, z.B. in seinem Jahresrückblick 2008 vor der römischen Kurie: Homosexualität sei „Zerstörung von Gottes Werk“, die Kirche solle
„die Menschen auch vor der Selbstzerstörung schützen“.
Wie bekannt, sind solche Äußerungen nie gegen den Menschen als Kind Gottes gerichtet, sondern gegen sein abzulehnendes Tun, wie
die Kirche dies ja auch zum Beispiel beim Thema Schwangerschafts-
abbruch macht.
Aber es macht natürlich schon einen Unterschied, ob man z.B. am Ende eines Gottesdienstes den allgemeinen Segen empfängt oder ausdrücklich als Paar mit der Bitte um Segnung seiner Liebesbe-
ziehung zum Altar tritt.
Was aber ist die Konsequenz daraus?
Soll eine Pfarrgemeinde „aus pastoralen Gründen“, wie das oft so schön heißt, jedem den Segen spenden, der diesen erbittet?
Oder trägt dies zur Verwirrung der Gläubigen über Glaubensgrund-
sätze bei und wird von Gläubigen und Teilen der Öffentlichkeit als wohlwollende, augenzwinkernde Toleranz gegenüber Menschen verstanden, die sich mit ihrem oft öffentlich demonstriertem Verhalten schon lange außerhalb der Kirche gestellt haben?
Müssten also ggf. in den veröffentlichten Einladungen und/oder zu Beginn der Feier einige Klarstellungen erfolgen? Welche konkret?
Oder stellt sich das Problem vor Ort vielleicht überhaupt nicht?
Andererseits: Sollte
die Kirche nicht froh darüber sein, dass auch Menschen, die sich nun wirklich nicht zur „Kern-
gemeinde“ zählen, sich auf den Weg machen, vielleicht einer unaus-
gesprochenen Sehn-
sucht folgend, das Christliche in ihrem Leben (wieder) zu entdecken?
Da gilt es, zum Pro und Contra reifliche Überlegungen anzustellen, aber auch im Falle einer solchen Feier, wie diese konkret gestaltet wird. Die Bandbreite ist da riesig; so habe ich z.B. mal von einer katholischen Einladung zu einer „Segensfeier für Liebende“ gelesen mit anschließendem „freien Schwimmbad- und Saunaeintritt“.

Auch in Deutschland werden einige Arbeitshilfen und Materialien angeboten, von denen ich nachfolgend einige vorstelle:
- Broschüre der AKF e.V. (Arbeitsgemeinschaft für Katholische Familienbildung) „Weil die Liebe uns beflügelt – Segensgottesdienste zum Valentinstag“ >> BITTE KLICKEN !
- Einen „erprobten“ Zeit- und Ablaufplan (pdf-Datei )mit Meditation, der wohl eher nicht auf 100 % Zustimmung stoßen dürfte, findet man im Internet beim CVJM >> BITTE KLICKEN !
- Als Beispiel für eine umfangreiche Seite mit vielen Linktipps und Deutungen zum Valentinstag mag die von Helmut Zenz dienen
>> BITTE KLICKEN !
- Bistum Magdeburg: Liturgische Anmerkungen zu Segensfeiern (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
- Diözese Rottenburg-Stuttgart: „Valentinsgottesdienst – Konzept
und Idee“
>> BITTE KLICKEN !
- Buchtipp und Buchbesprechung: „Wo die Liebe wohnt – Gottesdienste und Segensfeiern für Paare“ >> BITTE KLICKEN !
- Familienseelsorge: Gottesdienstvorlagen >> BITTE KLICKEN !
- Leitlinien der österreichischen Bischöfe >>
BITTE KLICKEN !


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