- Predigt 4. Sonntag B (29.1.): weiter unten! -
Als Papst Johannes der XIII. einmal von einem Reporter gefragt wurde, wieviele Personen denn eigentlich im Vatikan arbeiteten, antwortete er augenzwinkernd: "Etwa die Hälfte...!"
So ist das nun mal mit allen Bürokratien
auf der Welt: Sie führen ihr Eigenleben, lieben keine Veränderungen ("das war doch schon immer so!") und su-
chen sich nach Kräften gegen Reformen zur Wehr zu setzen, offiziell und vor allem inoffiziell. Warum sollte das in Rom anders sein?
Was allerdings im Vatikan erschwerend hinzukommt, ist ein seit Jahr-
zehnten bekannter Mangel an dringend notwendiger Koordination auch an den Schaltstellen der Kurie.
Nur allzu schmerzlich erinnern wir uns beispielsweise an das Desaster, als es um die Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe ging. Erzbischof Zollitsch redete damals Klartext, indem er bemerkte, man habe den Papst durch mangelnde Absprachen "leichtfertig ins Messer laufen lassen"...
Oder da wäre aus jüngster Zeit der Patzer vom Okto-
ber 2011 zu nen-
nen, als der Päpstliche Rat "Iustitia et Pax" ein Dokument des Vatikans zur weltweiten Finanzkrise veröffentlichte, in dem die baldige Schaffung einer Welt-
zentralbank vorgeschlagen wurde. Das schlug in der Presse wie eine Bombe ein, und ein Dementi des Vatikans musste nachgeschoben werden: dies entspreche nicht der Position des Papstes. Peinlich!
Solche üblen Pannen passieren, weil im Vatikan zuviel aneinander vorbei gearbeitet wird. Etliche Kongregationen, Räte, Gerichtshöfe, Sekretariate, Kurialämter und Kommissionen sind mehr oder weniger fleißig tätig, ohne dass es eine verbindlich festgelegte Organisations-
struktur für regelmäßigen Austausch und Koordination gibt.
Die Regierungssitzungen der Kurie gibt's nur ein bis zweimal im Jahr, während der allergrößte Teil der Informationen und Absprachen nur informell läuft.
Da ist es dringend, die Arbeitsabläufe im Vatikan zu reformieren, und dies ist wohl das Anliegen von Papst Benedikt XVI. für die am morgigen Samstag stattfindende Sitzung im Vatikan.
Eigentlich sollten schon jetzt alle wichtigen Dokumente frühzeitig dem vatikanischen Staatssekretariat als zentraler Steuerungsstelle vor-
gelegt werden, doch ganz offenbar sind die internen Gewohnheiten leider oft genug ganz andere. So darf man gespannt sein, ob es dem Papst gelingen wird, seine Mannschaft zu reformieren und dafür zu sorgen, dass in Zukunft regelmäßiger auf höchster Ebene getagt wird, im Prinzip so wie bei Kabinetts-Sitzungen in der Politik.
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Das glauben Sie doch wohl selber nicht, daß der jetzige Papst sich gegen die Apparatschiks durchsetzen kann!!!
AntwortenLöschenPapst Benedikt XVI. hat schon in der Vergangenheit gezeigt, dass er kein großer Freund des Groben ist. Aber wie mir scheint, weiß er sehr genau, was er will. Das lässt mittelfristig hoffen...
AntwortenLöschenDas Problem zieht sich runter bis auf die Gemeindeebene: wie viele Priester als Chefs ihrer Laienmitarbeiter_innen sehen bis heute die Notwendigkeit regelmäßiger Dienstbesprechungen nicht ein. Ist ja auch nicht nötig, wenn man ohnehin alles selbst entscheidet und davon ausgeht, dass auch "Gedankenlesen" zur Standartausbildung pastoraler Berufe gehört... Glücklicherweise gibt es inzwischen auch andere mit Kompetenz zu Teamarbeit.
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