01.08.2012

Klarissen-Kloster nimmt Mörderin auf - Entsetzen, Empörung... - und auch Verständnis?

Predigt 18.Sonntag B (5.8.): Heute am Abend online!

Nicht nur in Belgien ist der Fall Dutroux unvergessen. Mädchen wurden in ei-
nem Kellerversteck gefangen gehalten, missbraucht, gequält und schließlich ermordet. Der Täter sitzt lebenslang in Haft. Seine damalige Frau Michelle Martin gilt als Komplizin und hat zu-
mindest zwei Mädchen qualvoll in ihrem Verlies verhungern lassen. Nun ent-
schied das Gericht, sie nach 16 Jahren in Haft wegen guter Führung vorzeitig unter Auflagen und auf Bewährung freizulassen. Eine der Auflagen besteht darin, dass sie vorläufig unter der Obhut eines Klosters leben soll. 
Nachdem bereits ein Kloster wegen anhaltender heftiger  Pro-
teste abgesagt hatte, entschied man sich nach eingehender interner Diskussion im Klarissen-Kloster in Malonne/Belgien, die Täterin aufzunehmen. Man wisse wohl, dass dies eine Herausforderung sei, und man leide mit den Familien der Opfer, hieß es von dort. Dennoch sei man davon überzeugt, dass es ein Rückschritt für die Gesellschaft sei, wenn ein reuevoller Täter zur Hoffnungslosigkeit bis an sein Lebens-
ende gezwungen werde.
Michelle Martin wird
im Kloster für eine Zeitlang ein eigenes Zimmer bekommen, aber nicht Teil der klösterlichen Gemein-
schaft sein. Man sei aber in Kontakt mit-
einander, hieß es.

Die Familien der ge-
töteten Mädchen sind entsetzt über diese Gerichtsentschei-
dung, und man muss kein Prophet sein, um eine Welle der allgemeinen Empörung vorauszusagen.

Für uns Christen ist hier wieder einmal der Ernstfall einge-
treten. Vom Schreibtisch oder Wohnzimmersessel aus lässt sich trefflich über Nächstenliebe, Vergebung usw. philoso-
phieren. Wenn aber ein großer Sünder um Hilfe bittet, dann kommt die Stunde der Bewährung für einen Glauben, der einem durchaus auch Verhöhnung, Hass, Verfolgung und andere handfeste Nachteile in der Nachfolge Christi bescheren kann. Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein...

Respekt vor der mutigen Entscheidung dieser Nonnen!
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1 Kommentar:

  1. In Berlin hatten wir im letzten Herbst einen vergleichbaren Fall, auch wenn er - was die Schwere des in Frage stehenden Verbrechens betrifft - "ein paar Nummern kleiner" war. Damals ging es um die Frage, ob ein 18jähriger Gymnasiast, der wegen versuchten Mordes angeklagt war und die Tat gestanden hatte, weiter zur Schule gehen dürfe, bzw. wenn ja, dann an welcher Schule. Aufgenommen wurde er dann an einem katholischen Gymnasium; die Reaktionen in der Öffentlichkeit, und zum Teil auch in meinem persönlichen Bekanntenkreis, waren den jetzigen nicht unähnlich. Ich habe seinerzeit über den Fall gebloggt - nachzulesen hier:

    http://mightymightykingbear.blogspot.de/2011/09/dass-ich-das-noch-erleben-darf-berliner.html

    Grüße

    KingBear (alias Monsignore Corpasini)

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